[Messtechnik]

Ah ...

das klärt das ein wenig. Da das alles so kleinräumig ist dürfte sich im LNB-Gehäuse schon eine gemeinsame Temperatur einstellen, die Frage ist nur, ob das auch für die Antenne außerhalb des Gehäuses gilt.

CS
Jörg
 
Ich frage mich, wie das bei den Messungen der Wasserstofflinie gemacht wird. Der erste LNA ist da ja auch unter freiem Himmel direkt am Feed, d.h. der Außentemperatur ausgesetzt.
Bei spektralen Messungen wie der Wasserstofflinie hast Du das Problem (fast) nicht. Hier vergleichst Du das Signal ja letztlich mit dem Signal in benachbarten spektralen Kanälen. Die sind aber in gleichzeitig von Schwankungen betroffen. Das einzige Thema ist, dass Gainschwankungen die Kalibration beeinflussen. Das spielt dann eine Rolle, wenn man quantitativ messen will.
Bei Kontinuumsmessungen hingegen hast Du das gleiche Problem: Die Stabiltät der gesamten Kette bestimmt letztlich, welche Empfindlichkeiten man erreicht. Ein Dicke Switch wird heute nicht mehr verwendet. Statt dessen wird ein Testsignal von einer Rauschdiode in das Empfangshorn eingestrahlt.
Viele Grüße
Wolfgang
 
@Optikus Die Antenne ist ein kurzes Metallstiftchen, welches im PCB verlötet ist. Das PCB ist neben dem Horn montiert, welches kleine Löcher hat, durch die die Antenne in das Horn schaut und die gleichzeitig als Hohlleiter funktionieren. Die Temperatur wird durch den Wärmeübergang des PCBs bestimmt und aus Erfahrung weiß ich, dass ein paar mm PCB einen sehr niedrige Wärmeleitfähigkeit haben und es je nach Situation viele Stunden dauern kann, bis es ein Gleichgewicht gibt. Man verschätzt sich da leicht. Ich werde das mit dem Wärmeleitschaum mal probieren. Hoffentlich ist der nicht böse HF-wirksam.

@astropeiler Hat man als Hobbyist eine Chance, so einen Testsignalsender zu bauen? Ich vermute mal, dass die Rauschdiode ein Kontinuumssignal erzeugt, aber wie funktioniert das insgesamt? Ich bin oberflächlich mit Rauschdioden bzw. dem pn-Übergang eines Transistors zur gleichen Funktion in Rauschquellen vertraut, aber deren Rauschleistung ist winzig und wie koppelt man das Rauschen aus, idealerweise fokussiert? Das wäre eine interessante Alternative.

Michael
 
Hi Michael,

Hochachtung für die Ergebnisse!

Mit Rauschquelle hast Du das Problem verschoben, denn alle Rauschdioden und ihre Versorgung haben auch eine Temperaturdrift...
Ich denke für dich könnte ein Temperatursensor am LNB sinnvoll sein, evtl. unter eine "dünne" Dämmung gepackt um Änderungen zu bremsen (aber Abwärme noch wegzukriegen.)

Den ADC könntest Du beispielsweise mit einem Kuhne QH40A temperieren, der an sich für Quarze gemacht ist.

Gruß
HD
 
Zu den Rauschquellen: Ich denke, dass man mit Eigenbau-Mitteln eine stabile Rauschquelle für das Ku-Band eher nicht hinbekommt. Jedenfalls kann ich hier keinen Rat geben. Kommerzielle Quellen sind nicht ganz preiswert. Was die Temperaturstabiltät angeht: Typische Werte für eine 15 dB ENR Rauschquelle sind so bei 0,01 dB/K.
Wolfgang
 
Das Datenblatt der Vorverstärker NE3503 schweigt zum Thema Temperatureinfluss, aber es gibt da eine Application Note von NXP:


Ich glaube aus Seite 16 zu lesen, dass die vier schwarzen Kurven Gain von H/V bei -35 und +25 C sind. Das sieht mir bei 11 GHz nach 1 dB/60 K aus, was sich oben in 0,8 mV/K übersetzt. Das kommt mir durchaus realistisch vor, wenn ich meinen Drift sehe und erklärt dann auch, warum die Wirkung vom Betrieb als Dicke-Switch nicht besser ist: Die thermische Kopplung der beiden Vorverstärker ist schlecht.

Ich finde es allerdings erstaunlich, dass die Abkühlung von 25 C auf -35 C NF um 0.25 dB senkt. Das ist mehr als ich dachte. Nun bin ich nicht scharf auf Tauwasser, denn mein LNB ist ja nicht mehr mit Silikon versiegelt, aber man muss das mal im Sinn behalten: LNBs funktionieren auch bei Minustemperaturen, d.h. die Versiegelung mit Silikon scheint zu funktionieren und würde eine Kühlung erlauben. Das könnte auch für die LNAs für die Wasserstofflinie interessant sein.

Michael
 
@Michael,
Der Aufwand für eine Kühlung der LNAs (für L-Band) ist sehr hoch, und um ernsthaft etwas zu gewinnen muss man schon auf Helium Closed-Cycle Cooler zurückgreifen. Das bedeutet aber an komplettes Cryo-Design des gesamtern Frontends. Von dem laufenden Betriebsaufwand ganz zu schweigen.
Anderseits gibt es inzwischen LNAs, die bei Raumtemperatur ganz erstaunliche Werte aufweisen. Wir haben im letzten Jahr vom Caltech zwei LNAs geschenkt bekommen, die eine Rauschtemperatur von 8,4 K bei Raumtemperatur haben. Damit erreichen wir jetzt eine Systemtemperatur von rund 35 K mit unserem 25-m Teleskop. Das ist vergleichbar mit dem, was andere 25-m Teleskope mit gekühlten LNAs erreichen.
Für Dein Vorhaben solltest Du aber daran denken, dass Du nicht durch die NF begrenzt bist, sondern die Stabilität der entscheidende Faktor ist.
Gruß
Wolfgang
 
@astropeiler Ich dachte eher daran, dass die Amateure mit kleinen Empfängern und 1,42 GHz Spektrografie mit einem Peltierelement vielleicht mit sehr wenig Aufwand mal eben 0,2 dB NF weniger erzielen können. Die LNAs haben wenig Verlustleistung und sind klein, d.h. wenn man sie mit Silikon versiegelt, kommt man mit einem sehr kleinen Peltierelement aus. Es ist immer interessant, was ihr macht. Das ist nur dem Namen nach die Amateurwelt. :) Du hast völlig recht: Mir brächte das aktuell wenig, weil die Kühlung die thermische Kopplung nicht verbessert. Ich machte oben übrigens einen Fehler: NXP gibt die Werte für den zweistufigen Verstärker an, aber ich habe nur mit der ersten Stufe ein Problem, d.h. 0,4 mV/K - was aber im Grunde nichts ändert.

Nun wo ich das weiss, ist auch klar, dass bei einem Driftscan der Sonne bei klarem Himmel beide Seiten etwas verschieden aussehen. Ich sah das bei mir und auch bei anderen Amateuren, und wunderte mich immer, ob vielleicht die side lobes asymmetrisch sind. Nein: Der LNB wird im Fokus recht warm und das sieht man halt als deutlichen Gaindrift. Es ist faszinierend, wieviel ein einziger Datensatz verrät, wenn man nur genau hinschaut.

Damit ist auch klar, dass ein Temperatursensor am LNB eine gewisse Verbesserung bringt, aber das Potential begrenzt ist: Es gibt zwei Vorverstärker und das IC mit dem Endverstärker, LO und Mischer, die alle verschiedene Temperaturen haben können, und auch bei einem Sensor ist die thermische Koppelung immer das entscheidende Thema. Ich müsste schon einen Sensor auf die zwei FETs kleben, aber da bin ich im HF-geschirmten Bereich von 11 GHz, wo die Bauteil- und Gehäusegeometrie Teil der Schaltung ist. Mal schauen, ob man es dennoch verbessern kann.

Michael
 
Ich dachte eher daran, dass die Amateure mit kleinen Empfängern und 1,42 GHz Spektrografie mit einem Peltierelement vielleicht mit sehr wenig Aufwand mal eben 0,2 dB NF weniger erzielen können.
Ich glaube, dass ist nicht so ohne Weiteres erreichbar:
Ich nehme mal als Beispiel einen LNA-Chip, von dem wir einen Vorgänger an unserem 3-m Spiegel verwenden: TQP3M9036 von Quorvo. Der hat eine NF von ~0,4 dB bei 25°. Die sinkt laut Datenblatt ab auf ~0,28 ab bei -40°. Das wäre mit Peltier-Elementen gerado so machbar, dann muss ich aber ordentlich Leistung reinstecken. Das bedeutet, dass ich die Abwärme vom Peltier-Element (vielleicht so um die 25W) sehr effizient abführen muss. Ich muss auch daran denken, dass die Verlustleistung vom LNA Chip nicht die einzige thermische Last ist, die ich kühlen muss. Bei dem Temperaturunterschied habe ich dann noch Wärmezufuhr durch die Luft, die Anschlüsse und Platine etc.
Unter dem Strich glaube ich, dass das schon eine ordentliche Herausforderung ist und schon einiges an Aufwand erfordert. Wenn wir mal ganz viel Zeit haben dann können wir ja mal Experimente in der Richtung machen :) .
Gruß
Wolfgang
 
Das ist ein schöner Chip und eine Klasse besser als LNA4ALL, aber erstaunlicherweise durchaus bezahlbar. Bei Mouser gibt es sogar noch ein paar Eval Boards, die man nur in ein Gehäuse stecken müsste. Das könnte für Amateure der einfachere Weg sein, 0,2 dB NF zu sparen. :)

Das Datenblatt gibt einen Wärmewiderstand von 62 C/W an. Bei 324 mW Verlustleistung bedeutet das 21 K Temperaturerhöhung zur Umgebung. Ich vermute mal, dass die Temperaturangaben sich auf die Umgebung beziehen. Hier müsste man das gesamte Gehäuse gut dämmen, damit man im Wesentlichen nur die Verlustleistung abführt und auf keinen Fall energiefressende Kondensation außen am Gehäuse bekommt.

Ich habe inzwischen gelernt, dass die Anwesenheit von kleinen Schnipseln Wärmedämmschaum an den FETs sofort zu Schwingungen führt.

Michael
 
Der erste und beste LNA im Test ist genau das Eval Board, was es bei Mouser gibt:


Ich weiss nicht, ob die an privat verkaufen, aber ich finde das Angebot gut.

Nachdem meine Experimente mit Wärmedämmschaum auf dem Gehäuse der FETs allesamt fehlschlugen und Schwingungen ergaben, habe ich von unten ein klein wenig Wärmeleitpaste am PCB unter dem FETs probiert, welches flach auf dem Alugehäuse aufliegt. Ein klein wenig besser wurde es, aber das ist wohl das Ende der Fahnenstange:
 
single2.png


dicke2.png


Die Störungen wurden gut kompensiert. Ganz recht, die sind wieder da, trotz Klappferriten.

Mir kamen die Messdaten etwas grob vor und in der Tat bin ich bei 187 uV/LSB. Ich könnte mit etwas mehr Gain im ADC auch 125 uV/LSB benutzen, um das Diskretisierungsrauschen noch etwas zu verringern. Die Grenze ist erst seit dem Betrieb als Dicke-Switch sichtbar.

Eins ist damit aber klar: CAS A wird mit 1,2 m Spiegel und LNB bei 11,17 GHz nichts. Wolfgang hat's direkt gesagt und ich sagte, ich will die Grenze sehen. Hier ist sie: Die nicht ausreichende Stabilität durch die unzureichende thermische Kopplung der zwei FETs, um hinreichend lange Integrationszeiten zu bekommen, die 0,1 mV sicher erkennen. Sehr viel fehlt nicht, aber mir fällt nichts mehr ein. Man könnte allenfalls viele Linienscans über CAS A machen und hoffen, den Drift durch on/off Bereiche rauszumitteln, aber ein Bild dauert zu lange. Für Linienscans müsste man die Montierung aber sehr gut ausrichten.

Das bedeutet ich brauche einen C-band LNB, ein helleres Objekt oder weniger Systemtemperatur. :) Die C-band LNBs sind generell für kleinere Öffnungsverhältnisse gemacht und ich weiß nicht, ob man den Kragen einfach noch weiter verschieben könnte, um auf 0,6-0,7 zu kommen. Ihre Ansteuerung scheint ansonsten gleich zu sein. Gibt es in der Helligkeit etwas zwischen Mond und CAS A, vielleicht Regionen der Milchstraße? Ich untersuchte nie, wieviel Spillover ich habe, indem ich den Himmel einmal direkt mit dem LNB messe und einmal mit dem Spiegel. Der Versuch eines 1/sin Fits für den Atmosphäreneinfluss klappte ziemlich schlecht und Spillover könnte ein Grund sein.

Die Entdeckungsreise war soweit allerdings wirklich interessant und ich denke guten Horizontbildern oder der Perlenkette der geostationären Satelliten sollte nichts mehr im Weg stehen, um mal etwas zu sehen. Letztere könnte evtl. für die Ausrichtung der Montierung helfen.

Michael
 
Ich ließ mir die Sache nochmal durch den Kopf gehen und sehe zwei Ansätze:

Laut Jansky - Wikipedia hat die Milchstraße 2000 Jy bei 10 GHz. Das ist einiges und hell genug. Aber wo? @astropeiler Weisst Du mehr dazu? Ich bin mit google nicht so richtig weitergekommen.

Wie kann man Spillover messen? Ich kenne den Ansatz von SpillOver . Dort macht man sich zu Nutze, dass die Atmosphäre 1/sin(winkel) beitragen soll und die Differenz zu einem Fit ist dann etwas Anderes, primär spillover. Mein Fit passt wirklich schlecht, d.h. irgendwas ist da. Bekäme ich das reduziert, wäre mit weniger Systemtemperatur mehr am Himmel zu sehen.

Was spricht dagegen, den LNB zum Zenit zu halten und es damit zu vergleichen, mit LNB am Spiegel in den Zenit zu halten? Das müsste mit jedem Feed gehen, aber da ich das Verfahren nirgends fand, übersehe ich da vielleicht was. Damit bekomme ich natürlich nur Spillover insgesamt, statt ein Poldiagramm, aber dafür ist es einfacher.

Michael
 
Hallo Michael,
die Angabe von 2000 Jy ist zwar wohl im Prinzip richtig, aber eigentlich unsinnig. Sie bezieht sich auf die ganze Milchstraße, d.h. das Teleskop müsste die ganze Milchstraße auf einmal sehen, einschließlich des Teils unter dem Horizont.
Was die Methode von Joachim Köppen angeht, so habe ich das nie ausprobiert. Ob das immer funktioniert? Keine Ahnung.
Deine Idee mit dem LNB solo in den Himmel zu blicken, ist auch nicht unbedingt verlässlich. Die sehr große Öffnungswinkel vom nackten LNB wird sich sicher so einiges an thermischen Hintergrund einfangen, was dann die Messung fragwürdig macht.
Gruß
Wolfgang
 
Ah, die 2000 Jy sind eine Angabe für Aliens, nicht für uns. Also ist CAS A doch das hellste Objekt und es gibt auch keine flächigen Objekte wie Regionen der Milchstraße, die bei 10 GHz heller sind? (den Mond mal ausgenommen)

Joachim Köppen hat in seinen Unterlagen eine Aufgabe für Studenten und da klappt es ganz gut, aber in anderen Daten von ihm sah der Fit nicht mehr so schön aus (vielleicht hatten die Teleskope aber auch mehr Spillover). Bei mir ist es gruselig, und das nicht nur, weil da ein Satellit im Weg war. Evtl. hat ein LNB für 3,50 Euro keine ideale Geometrie.

Der Ku Band LNB hat sicher einen großen Öffnungswinkel, weil er viel Spiegel vor sich hat, allerdings für f/0.6 sicher weniger als C Band LNBs. Er hat ja auch einen konischen Ring hinter der Abdeckung. Natürlich müsste ich schon auf freier Fläche testen und das Ding auf einer Stange montieren oder über meinen Kopf halten. Sollte er deutlich über den Spiegel hinausblicken, müsste man das aber doch sehen, oder nicht? Ich will nicht hoffen, dass er rückwärts so viel sieht wie er am Spiegel vorbei schaut.

Michael
 
Ich hoffe, günstig an einen gebrauchten C-Band LNB samt passendem tiefen Feed für flache Spiegel zu kommen. Im Zuge dessen frage ich mich immer noch: Wie kann ich die Öffnungscharakteristik eines LNBs ermitteln? Egal welcher konstante Hintergrund in seinem Gesichtsfeld ist: Könnte ich messen, welches Signal eine heiße Punktquelle in Abhängigkeit des Winkels erzeugt?

Ich sah mir inzwischen mal die 12.2 GHz Methanolmessung an. Das sollte mit meinem LNB und dem RTL-SDR gehen, aber das einzige ausreichend helle Objekt ist W3(OH), auch in Cassiopeia:


Die gefragten Integrationszeiten sind aber schon nicht ohne und die Frequenzstabilität des LNBs ist ein Thema, um ausreichend lange integrieren zu können. Man kann LNBs auf TXCOs umbauen, wenn man nicht ständig eine Referenz messen will, auf die man das Spektrum kalibriert. Verstehe ich es recht, dass man dazu noch die Spektren alle um die Relativgeschwindigkeit der Erde zum Objekt korrigiert, um sie integrieren zu können?

Michael
 
Hallo Michael,
ich bin auf dem Gebiet kein Experte, beschäftige mich aber etwas mit dem Empfang des Amsat Oscar-100 Satelliten. Die Frequenz des Satelliten wird heruntergemischt auf 700 MHz. Der dazu benötigte Oszillator driftet natürlich, so dass ich immer etwas nachstimmen muss. Es gibt aber einen Lösung dazu: nennt sich GPSDO. Damit erreicht man angeblich die Genauigkeit einer Atomuhr.
Die Bake von Oscar 100 kann man auch ohne Schüssel hören, also nur mit dem LNB in der Hand. Damit könntet du Winkelversuche machen. Der Öffnungswinkel des LNB wird aber so groß sein, dass der Rand der Schüssel noch in der Keule liegt.
Viele Grüße
Wilhelm

Edit: hier sind noch 2 Bilder. Das SDR-Console zeigt direkt die richtige Frequenz an.
 

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Die externe Einspeisung des PLL-Takts ist sehr beliebt, aber es braucht natürlich extra Hardware. Es gibt kleine SMD TCXOs (Connor Winfield TCXO DV75C 25 MHz oder früher D75F), die man direkt in den LNB einbauen kann: Nicht ganz so stabil, aber schon viel besser als ein Quarz, und viel weniger externer Aufwand. Heutige TCXOs wollen aber meist 3,3 V, d.h. man muss auch noch einen LDO mit Filterkondensatoren im LNB unterbringen. Da kann ich verstehen, dass man einen Twin-LNB benutzt und einen Kanal für die Takteinspeisung umbaut, zumal man mit einer teuren Taktquelle noch besser wird. Der RTL-SDR hat auch einen Mischer, aber ab Werk schon mit TCXO. Hier wäre mit einem externen Takt auch noch mal etwas zu gewinnen, aber er will 28,8 MHz sehen.

Der Grund, warum ich die Winkelabhängigkeit gerne messen würde, ist das nicht normierte Öffnungsverhältnis von Sat-Spiegeln und LNBs: 0,6-0,7. Für TV ist das egal, für uns nicht. Die C-Band-LNBs haben am Gehäuse Markierungen für die Position vom Feed, aber nur für die flachen Feeds für die tiefen Spiegel mit Zentralfokus. Ich werde das also ausprobieren müssen - oder eben messen. Ich dachte bei einer Punktquelle an einen Lötkolben, Gasbrenner oder so. Das muss eigentlich schon mal irgendwer gemacht haben. Ich hätte auch eine noise source hier, wüsste aber nicht, wie ich das Signal für den Zweck auskoppeln könnte.

Michael
 
Inzwischen bin ich ein wenig schlauer: Die Punktquelle muss schon eher kräftig sein, weil sie mit ihrer kleinen Ausdehnung mit der Fläche des Hintergrunds konkurriert. Man sieht einen Brenner erst, wenn er recht nah ist, aber wenn Dinge zu nah am LNB sind, dann scheint da leicht irgendwas zu schwingen. Das wird so also nichts. Alte LNBs mit diskretem Mischer kann man wohl recht leicht in Sender umbauen (nur für Amateurfunker erlaubt) und in Versuchsaufbauten in Uni-Übungen werden immer Testsender benutzt. Könnte man an meine noise source einfach eine Breitbandantenne anschließen (legal wenn ein Amateurfunker das überwacht)?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen beam width und illumination: Wenn man die Antenne weniger ausleuchtet, dann bekommt man logischerweise weniger spill over und leider auch weniger gain, aber der beam wird auch breiter, weil man quasi eine kleinere Apertur als den Spiegel hat. Beugungsbegrenzt hat mein Spiegel 1,5 Grad, gemessen sind es 1,68. Ist der Unterschied nun viel oder wenig?

Ansonsten liegt hier seit gestern ein C-Band LNB mit zwei wave guides für verschiedene Öffnungsverhältnisse. Soweit ich das sehen kann, funktioniert er, d.h. er sieht warme Körper und die wave guides verändern definitiv die side lobes, denn ohne sind sie brutal weit. Das Rauschen ist etwas mehr als mein Ku-band LNB, der Ausgangspegel ähnlich. Für die mechanische Verbindung mit dem Offset-Spiegel muss ich mir was einfallen lassen und eine Ahnung haben, wo der Fokuspunkt sein mag.

Michael
 
Update: Ich dachte immer, ein LNB wäre quasi ein Horn, aber in Wahrheit ist er wohl den Wasserstoff-Feeds sehr ähnlich: Wave guide ist nur der Zylinder und was vorne am LNB ist, heisst scalar ring oder choker und passt die Charakteristik an das Öffnungsverhältnis des Spiegels an. Die Rillen sind ein Bruchteil der Wellenlänge und quasi ein kurzgeschlossener Dipol. Bei Ku-band LNBs ist das alles ein Teil, bei C-band LNBs sind es zwei Teile. Der Fokus ist bei beiden immer kurz hinter dem Eintritt des Zylinders, unabhängig von der Position des Rings. Bei den Wasserstoff-Feeds ist der Choker wegen der Wellenlänge halt viel größer. Hier kann man etwas mehr dazu lesen:


Und dort wird für schwache Signale ebenfalls empfohlen, mit illumination etwas runter zu gehen, weil noise von side lobes stärker als gain sinkt.

Michael
 
Hallo Michael,

schön von Dir zu lesen und dass Du noch am Ball bist!
Dazu noch kurz die Anmerkung meinerseits, dass ich nach Fertigstellung meiner Sternwarte ( siehe auch hier und hier ) mit meinem Radioteleskop umgezogen bin. Ich muss noch neu verkabeln und den Raspberry in der Sternwarte in Betrieb nehmen, dann bin ich auch wieder auf Wasserstoff-Empfang.

Zu Deinen Überlegungen in Sachen Ausleuchtung / spill over der Schüssel und Öffnungscharakteristik des LNBs:
Ich hatte ja auch das Problem, dass mein 1420MHz Feed zu stark auch am Schüsselrand vorbei schaute und so die Störungen "von hinten" mit aufnahm. Meine Lösung ist ein "Kragen" aus Kükendraht, der eine Art Tubus bildet und so die Störungen abschirmt. Das wird natürlich Auswirkungen auf die side lobes haben, aber das ist für mich das kleinere Übel. Siehe dazu auch hier. Für die Zukunft hatte ich auch schon eine Vergrößerung der Schüssel mit Kükendraht angedacht.
Du bräuchtest natürlich, wegen der höheren Frequenzen, etwas Engmaschigeres und die Geometrie ist nicht so einfach bei einer Offset-Schüssel.

Für eine Messung der Öffnungscharakteristik des LNBs würde mir auch zuerst die Rauschquelle einfallen. Dazu könnte man ein einfaches Dosen-Feed (wie bei 1420MHz Feed, nur auf das entsprechende Band verkleinert) anschließen. Dann strahlst Du nicht in alle Richtungen und die Antenne hat auch eine gewisse Bandpass-Wirkung. So eine Messung muss ja nicht ewig dauern und neben dem allgegenwärtigen Störpegel durch die ganzen Schaltnetzteile, Powerline u. s. w. dürfte das kaum ins Gewicht fallen.

Soweit meine Gedanken zu Deinen letzten Postings. Halte uns auf dem Laufenden, ich bin gespannt wie es weiter geht.

Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg,
Reinhard
 
Die naheliegende Antenne wäre ein altes LNB-Gehäuse, aber ich frage mich, was billige SMA-Kabel zu 10-12 GHz sagen. Die günstigeren Version von Thorlabs sind mit 3 oder 4 GHz spezifiziert. Noname-Ware aus China wird eher nicht besser sein, also wer weiß, ob da noch was rauskommt. Ich las inzwischen aber noch von einem anderen Weg:


Für den vorgesehenen Zweck braucht es noch eine externe Schaltung, aber zum einfachen Einsatz als Testsender nicht. Wie wir ja auch schon lernten, sind Ku-band-LNBs viel breitbandiger als im Datenblatt steht, darum wundert es mich nicht, dass man auch 10,5 GHz noch mit dem RTL-SDR hinter dem LNB deutlich sehen kann, obwohl der LNB laut Datenblatt erst ab 10,7 GHz beginnt. Der LO läuft mit 9,75 GHz, da ist also noch Abstand.

Was das allgemeine Störspektrum angeht, so hast Du technisch vermutlich Recht, wenn man mit Leistungen im Bereich von nW bis pW ungerichtet sendet. Aber allgemein halte ich es so, dass zweimal Unrecht kein Recht ergibt und würde mich da schon an die geltenden Regelungen halten. Das Band von 10-10,5 GHz ist für Amateurfunker frei, also kein Problem. Für C-band ist das etwas blöd: Maximal sind 3,475 GHz drin. Der LNB geht offiziell ab 3,8 GHz, der LO läuft mit 5,15 GHz. Muss man ausprobieren, ob 3,475 GHz reichen.

Michael
 
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