Und ja, ein schlauer Händler rechnet einen Rabatt ein, damit er immer ein wenig entgegenkommen kann
lg
Niki
Siehste, und genau da fängt es an, sich im Kreis zu drehen. Weil die Feilscherei immer mehr zunimmt, muss das der Händler gleich mit einpreisen. Und somit muss derjenige, dem diese Feilscherei zutiefst zuwider ist, doch auch gezwungenermaßen feilschen, weil er sonst Gefahr läuft, einen evtl. unangemessen hohen Preis zu bezahlen.
Der Nichtfeilscher subventioniert somit den Feilscher.
Vor langer Zeit hatte in meiner Branche Telefunken ein Festpreissystem für alle Händler etabliert. Die Preise waren so bemessen, dass jeder Telefunken-Händler eine vernünftige Marge hatte, von der er auch leben konnte. Wer mehr als 3% Rabatt gegeben hat, flog aus dem System. das war deswegen möglich, weil Telefunken das "Agentursystem" hatte. Der Händler hat im Auftrag und auf Rechnung von Telefunken verkauft und eine "Verkaufsprovision" erhalten. Das hat das Überleben der kleinen, serviceorientierten Händler gesichert. Irgendwann kam dann der Mutterkonzern Thomson auf die Idee, dass Stückzahl vor Händler geht und der Niedergang der kleinen Händler war damit eingeläutet. Metz und Loewe haben auch auf eine gewisse Preisstabilität bei ihren Händlern geachtet, befanden sich damit jedoch rechtlich auf ganz dünnem Eis.
Gegenbeispiel ein bekannter Fernost-Hersteller:
Ein Kunde wollte unbedingt einen Videorecorder dieses Herstellers. Also den Kunden beraten, gemeinsam das für ihn geeignetste Modell herausgesucht, das Teil bestellt, das Teil kommt, wird eingebucht, in das Lager getragen, dar Kunde kommt, das Teil wird aus dem Lager geholt, der Kunde hat noch die eine oder andere Frage und letztendlich "ja, aber Liefern und Aufstellen ist doch wohl im Preis inbegriffen?!"
Und wie hoch war meine Händlermarge? Ganze 15 DM, bei einem Verkaufspreis von knapp 1000DM (ja, das war noch zu DM-Zeiten).
Klar, der Kunde weiß das nicht, denkt, der Händler würde sich eh eine Goldene Nase beim Verkauf verdienen....
Wenn ich als großer Händler mit wenig Beratung am Tag 100 solcher Teile verkaufe, kann ich das verschmerzen, aber als kleiner Händler?
Na ja, zum Glück bin ich seit fast 20 Jahren aus dem Ganzen raus, kann mir jetzt eigentlich egal sein.
Nur, dass ich jetzt eben auch mal ab und zu bei größeren Anschaffungen (>10.000€) höflich nach einem "Hauspreis" frage, weil ich eben damit rechnen muss, dass das schon von vornherein "eingepreist" ist.
VG
Günter