Hallo Gerald,
Ich schätze, dass von 100 verkauften Newtons keine drei als "Planeten- und Mondnewtons" zu bezeichnen sind.
das liegt dann aber nicht an den Newtons, sondern an den Newtonbesitzern.
Die Typen können nicht justieren. Darin liegt die Crux aller Spiegelteleskope.
Sie stellen Anfordeungen an ihre Benutzer, die weit über das hinausgehen
was eine durchschnittliche Schnarchnase zu leisten im Stande ist.
Ich sahe schon erstklasige Newtons, die lausige Bilder ablieferten.
Ein Blick auf einen Stern bei hoher Vergrößerung zeigt dann immer
sehr "schön" die Koma in der Bildmitte, bedingt durch Dejustage.
Dazu gibt es dann auch Geräte die mechanisch so schlecht sind
daß sie kaum zu justieren sind. Das ist zum Glück heutzutage
bei den "ernsthaften Teleskopen" seltener geworden.
Die Optiken sind mittlerweile sogar zum Teil ganz unglaublich gut.
ich habe schon einen 12"f/4 Orion UK Hupptspiegel gesehen der
bei harter Prüfung durch einen Tester der Astigmatismus nicht
einfach mal ignoriert einen Strehl von 0.95 hatte.
Mit solch einem Spiegel kann man sich einen Hochleistungsnewton
bauen, man muß aber justieren können.
Zwei 8"f/6 Low Expansion GSO Spiegel erreichten kürzlich Strehlwerte
von um 0.98 (!)
Werksseitig sind es derzeit Dinge wie etwas zu enge Fangspiegel-
fassungen die immer noch Probleme machen können. Dazu kommt
eine unzureichende Tubusinnenschwärzung (Velours einkleben).
Der Tubus ist leider zu kurz gehalten. Das verbessert die
Transportabilität, verschlechtert aber die Streulichtsituation.
Da hilft schon eine einfache leichte Taukappe aufzustecken.
Konnte damals auch den unmittelbaren Vergleich mit einem 18 Zoll ICS Dobson ziehen, den der APO jedoch hoffnungslos deklassierte.
Ca 175mm gegen 35cm Öffnung. Und der 45cm wird "deklassiert".
Woran hat es gelegen?
Ich vergleiche gerne im vergleichbaren Öffnungsbereich.
Hier einige Vergleiche die ich im Laufe der Zeit machen konnte
kurz zusammengefaßt:
8" f/6 Silberdobby gegen 6" Meade ED an Jupiter:
Dobby gewinnt, mehr Detail, mehr Kontrast, der ED ist dazu
auch nicht ganz farbrein.
Silberdobby gegen 6" TMB an Jupiter:
Dobby nur ganz leicht vorne, etwas mehr Detail.
Silberdobby gegen 7"f/8 TMB an Jupiter und M13:
Gleichstand. Leut TMB Besitzer vielleicht eine Spur eines Minivorteils
von Dobby an Jupiter weil die Farben noch etwas realistischer waren.
An M13 vielleicht eine Spur Vorteil des TMB weil die Randsterne
des Kugelhaufens ein Spur sauberer definiert sein könnten als im Dobs.
Das ist die Qualität von Bildern von der ich hier rede.
Der 10" Newton von Kurt ist allerdings besser, eben mehr Öffnung.
Sein 12" Cassegrain konnte im Vergleich bei gutemm Seeing
allerdings noch mehr Details auf Jupiter zeigen, bei einem
gestochen scharfen, kontrastreichen Bild. Nix mit "milchig".
Silberdobby bei mehreren Gelegenheiten im Meerfelder Bruch:
Saturn und Jupiter in "Refraktorqualität", laut verschiedener
anwesender Mitbeobachter.
Es liegt nicht am Teleskopprinzip. Es liegt am User (Kollimation),
an der Optikqualität (Haupt + Fangspiegel!), an der Mechanik
(wackeliger Auszug, lausige Spiegelfassungen), an der schlechten
Streulichtunterdrückung (Innenlackierung in "Mattlack spiegelnd",
mangelnder Auskühlung.
Und der Punkt Temperaturverhalten ist der große Vorteil des Refraktors.
Warme Luft ist weniger dicht, leichter und sie steigt deshalb auf.
Beim Refraktor verläßt die oberhalb der Linse befindliche Warmluft
den Strahlengang schnell und stört deshalb kaum. Die unterhalb
der Linse befindliche Luft bleibt stationär und stört deshalb
ebenfalls nicht.
Beim Newton steigt die vom Spiegel erwärmte luft durch den Tubus
auf und stört dabei massiv die Wellenfront. Also muß man verhindern
daß das passiert:
Absaugen der Luft durch eine aktive Belüftung. So weit ich weis
sind beim Ninja Newton alle erwähnten Punkte realisiert.
Man kann auch mit einem Tubus mit größerem Innendurchmesser
thermische Probleme vermindern, so wie Kurt das bei seinem
8,5" f/7 Newton realisiert hat.
Bin schon gespannt, was du zum großen APO sagst.
Na der wird meinem Dobby wohl das nachsehen geben. Trotzdem freue
ich mich schon sehr darauf mit dem TEC Fluorite Apo zu beobachten.
Leider dümpeln die Planeten so niedrig am Himmel herum.
CS, Karsten