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Teleskope mit Prüfprotokoll oder ohne?

Ehemaliges Mitglied 28770

Absolute Zustimmung Dietmar. Zumindest auspacken, die Mechanik überprüfen (ggf. einstellen) , sowie die Optik am künstl. Stern begutachten. Nicht mehr und auch nicht weniger. Gruß *entfernt*
 

tommy_nawratil

Mitglied
hallo Markus,

die Optimierung/Testung/Zertifizierung ist normalerweise eine Dienstleistung die wir für Geld nach Absprache anbieten.
Ausgenommen die Lacerta Fotonewtons, die wir alle optimieren und am Stern testen. Und Stichproben die ich mache.
Ich habe ehrlich gesagt keinen Überblick wieviel wir derzeit insgesamt verkaufen, kann da keinen Prozentsatz angeben.

Habe deine Meldung hier zu Sharpstar gelesen, ich denke wir sind auch mit dem Anbieter durch.

Zum Thema - Man findet im Netz Händler mit Versprechungen wie:

***********************
Full Optical and Mechanical Testing and Quality Control - An Agena Exclusive!

Agena does much more than simply move the telescope boxes from Sharpstar to you. Each Sharpstar imaging Newtonian telescope at Agena undergoes a thorough physical, mechanical, and optical evaluation at our shop upon arrival - all at no extra cost to you.

Every telescope is inspected to ensure good cosmetics, collimation, smooth focuser operation, and to make sure all parts are included by the manufacturer. Most importantly, we also check each telescope using a rigorous three-point on-site optical evaluation consisting of the following optical bench tests to ensure that your telescope delivers excellent optical performance:
  • Foucault Test: This knife-edge test is performed at the center of curvature of the primary mirror to evaluate the quality of the mirror's conic shape.
  • Ronchi Test: We then perform a Ronchi grating test at the center of curvature at inside focus, at focus, and outside focus. This is a qualitative method to evaluate primary mirror smoothness and figure.
  • Star test: Finally, we collimate the complete telescope and perform an autocollimation test with an artificial star to examine the overall system's image performance at the focus point.
This testing is performed and certified by a master optician to make sure each Sharpstar instrument sold by Agena has excellent optical performance before it ships.
Quelle: Sharpstar 200mm f/3.2 PNT Parabolic Newtonian Astrograph with Integrated Corrector and Carbon Fiber Tube - Gold # 20032PNT-GD
**********************

Die zerlegen offenbar jedes Teleskop, lassen den Spiegel temperieren, richten ihn auf der optischen Bank ein, und testen den HS alleine in CoC in mehrfacher Weise, und bauen es dann wieder alles zusammen, kollimieren es und testen es nochmal in Autokolli. Warum eigentlich in CoC, wenn man ein fertiges Teleskop vor sich hat und FS und Korrektor mittesten kann? So groß sind diese Spiegel nicht. Wenn ich das glauben soll - ich weiss nicht, wie die das gratis schaffen können bei all dem Preisdruck, das sind beträchlich umfangreiche Arbeiten wie jeder bestätigen kann der mit solchen Tests vertraut ist.

Und was wenn der master optician einen solchen Sterntest vorfindet, zertifiziert er das oder wird es beim Hersteller reklamiert?
Reparieren kann er das nicht, der Spiegel ist grob falsch geschliffen.
200-640_Starpstar_Nr2_startest.jpg


lg Tommy
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Hallo Jörg,
für einen Hunderter kannst Du ganz grob erwarten, dass sich ein Fachmann eine gute Stunde mit dem Teleskop beschäftigt.
Klingt begrenzt, aber in einer Stunde kann ein Fachmann ein ganze Menge bewegen.
Bei einem externen Dienstleister, der ein optisches Meßlabor betreibt, stimme ich Dir zu. Der muss mit dem Geld auch seine Miete bezahlen und seine Ausrüstung und Heizung und Strom und Steuern.

Wenn aber ein Teleskophändler diese Arbeiten von einem Mitarbeiter machen lässt, den er ohnehin bezahlt, dann würde ich für 100 Euro deutlich mehr erwarten.

Grundsätzlich erwarte ich aber an einem gewissen Preisniveau eine dokumentierte (!) Qualitätskontrolle vom Hersteller. Der muss nicht nur einen kleinen „QC passed“ Aufkleber auf den Tubus machen, sondern Messungen durchführen und die Protokolle dem Produkt beiliegen. Und zwar nicht fotokopierte Protokolle von stichprobenartig getesteten Stücken aus der Serie, sondern nachvollziehbar für dieses eine Instrument.

Viele Grüße
Maximilian
 

cajserdakel

Mitglied
Dann müssen zwei Preise angegeben werden: justiert und nicht justiert. Optional ein drittes mit Prüfprotokoll. Dann könnte es sein, dass viele Kunden die Geräte out-of-the-box bestellen, selber begutachten und bei kleinsten Unstimmigkeiten innerhalb der zwei Wochen an den Händler zurücksenden. Oder sie sind mit dem Prüfprotokoll unzufrieden und senden die Geräte ohne Angabe von Gründen zurück. Der Händler muss dann wieder Zeit investieren um die Retouren zu Begutachten, in seinem WWS verbuchen, usw..
 

Ehemaliges Mitglied 28770

Wenn aber ein Teleskophändler diese Arbeiten von einem Mitarbeiter machen lässt, den er ohnehin bezahlt, dann würde ich für 100 Euro deutlich mehr erwarten.
Solche Dinge erfordern aber ein gewisses Hintergrundwissen, das auch bezahlt werden will. Gruß *entfernt*

Das ist so, als ob du bei der Firma Mundorf klassische Spulen für deine Frequenzweiche kaufst und dann "Selektierte" erwartest.
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Solche Dinge erfordern aber ein gewisses Hintergrundwissen, das auch bezahlt werden will. Gruß Bengt
Ja, deswegen stellt er ja Mitarbeiter mit den erforderlichen Kenntnissen ein. Die bekommen zwar dann mehr bezahlt als den gesetzlichen Mindestlohn, aber wiederum nicht so viel, dass sie nicht für 100 Euro länger als eine Stunde arbeiten könnten.

Grüße
Maximilian
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Wegen? Glaubst Du, dass einer unserer Teleskophändler hier Mitarbeiter ausschliesslich für die Qualitätskontrolle einstellt? Acht Stunden am Tag nur dafür? Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Mitarbeiter, der sonst Kunden im Laden berät, zwischendrin „nach hinten geht“ und Teleskope kontrolliert, wenn gerade keine Kunden da sind. So wie der Verkäufer im Fotogeschäft zwischendrin „hinten“ Passfotos aufnimmt oder irgendeinen Fotodruckautomaten bedient. Da stellt kein Fotohändler extra einen Fotografen oder Fotodruckautomatenbediener dafür ein.

Grüße
Maximilian
 

astro_alex80

Mitglied
nicht das ich einen kaufen möchte, aber wie ist denn Eurer Meinung in dem Zusammenhang die folgende Händleraussage zu sehen / zu bewerten:

Die Fortschritte in der Glasfertigung haben in den letzten Jahren hochwertige Apochromaten für immer breitere Käuferschichten möglich gemacht. Mit dem neuen XYZ hat diese Entwicklung einen weiteren Höhepunkt erreicht - die Farbreinheit dieses Gerätes setzt neue Masstäbe in dieser Preisklasse. Das Optikdesign erreicht einen Polystrehl von 0,97 - ein Wert der für höchste Korrektion steht.


wird einem da suggeriert ein Teleskop mit Polystrehl 0,97 zu kaufen?
ich möchte, wie gesagt, keinen kaufen oder eine Polystrehl-Diskussion lostreten, aber genau solche Aussagen (bekannte Marke) schüren doch, meiner Meinung, genau die diskutierte Erwartungshaltung.

zu kaufen gibt es dieses Gerät übrigens für 1.899€

wer das in Relation zum angeblichen Polystrehl setzt, zieht die Augenbraue hoch und seriös betrachtet verspielt der Händler/Hersteller doch damit, dass zuvor genannte, wichtige Vertrauen oder?

p.s. andere Händler kopieren den Text dann einfach so - ungeprüft.
 
Zuletzt bearbeitet:

maximilian

Mitglied
Hallo!
wird einem da suggeriert ein Teleskop mit Polystrehl 0,97 zu kaufen?
Das ist so, wie wenn Dir ein Autohändler (um auf die obige Analogie zurückzumommen) ein Auto anbietet, dessen Motor 490 Hundestärken leistet. Kann stimmen, muss es aber nicht, denn für diese physikalische Einheit gibt es weder eine Definition noch definierte Meßverfahren...

Grüße
Maximilian
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Suche Dir einen aus, genauso wie beim „Polystrehl“ ;) Interessanterweise geben die Hersteller von wirklich guten Teleskopen (z.B. PlaneWave oder Astro Physics) die garantierten Maximalabweichungen ihrer Instrumente in meßbaren Einheiten wie Mikrometer oder Prozent der Brennweite über einen definierten Weillenlängenbereich an. Es geht also schon, wenn man dem Kunden gegenüber wirklich objektive Angaben machen möchte.

Grüße
Maximilian
 

MeisterDee

Mitglied
Glaubst Du, dass einer unserer Teleskophändler hier Mitarbeiter ausschliesslich für die Qualitätskontrolle einstellt?
Ja, das glaube ich. Vielleicht nicht ausschließlich, aber unter Anderem mit genau der Aufgabe.

Deinem Beitrag nach nehme ich an, Du gehst davon aus, dass man Qualitätskontrolle / Teleskopjustage so nebenbei machen kann.
Quasi, wenn nix los ist, und man sich sonst langweilen würde. Und das diese Arbeiten dann auch fast nix kosten, weil der Typ ja sowieso da ist.

Damit liegst Du ganz sicher falsch.

In einem Unternehmen hat normalerweise jeder seine Aufgaben. Nur untergeordnete Aufgaben werden "nebenbei" erledigt. Aufgaben, deren Erledigung absolut nicht zeitkritisch sind. Qualitätssicherung und vom Kunden beauftragte Überprüfung / Justage gehört sicher nicht zu den untergeordneten und zeitlich unkritischen Aufgaben!

Wie lange möchtest Du auf Dein Teleskop warten? Möchtest Du davon abhängig sein, dass Mitarbeiter möglichst oft Langeweile verspüren, und dann Teleskope prüfen, anstatt sich einen Kaffee zu machen oder eine zu rauchen oder...oder .. oder....?

Was die Kosten angeht, solltest Du mal etwas unternehmerisch denken. Für einen Unternehmer sind jegliche Tätigkeiten einfach nur Aufwand. Mannstunden. Und die kosten Geld. Und wenn Du für eine Stunde Arbeit einen bestimmten Betrag -sagen wir mal einfachheitshalber 100 €- bezahlst, dann steckt sich der Unternehmer die noch lange nicht in die Tasche.
Von dem Hunderter muss der Unternehmer eine Menge abgeben. Nachdem er die Umsatzsteuer abgeliefert hat, sind es nämlich nur noch € 84,03.
Davon muss er den Mitarbeiter bezahlen und auch die Lohnnebenkosten. Er muss für Krankheit, Urlaub usw. etwas zur Seite legen. Das Gebäude kostet Geld, warm soll es der Mitarbeiter auch haben, und im Dunklen arbeitet geht nicht. Die Werkzeuge , Messgerät und Instrumente kosten auch Geld, und müssen sich bei dem Ganzen über eine gewisse Zeit abschreiben. Und er muss auch den Mitarbeiter bezahlen, der ans Telefon geht, wenn Du anrufst, und fragst, wo denn Dein Teleskop bleibt, das Du gestern mit Optimierung, Justage und Protokoll online bestellt hast.......*

Und ganz zum Schluß sollte noch etwas übrig bleiben. Gewinn nennt man das. Ohne Aussicht auf Gewinn läuft gar nichts.
Der Unternehmer macht das nämlich nicht aus lauter Menschenfreundlichkeit, sondern um eben diesen Gewinn zu erwirtschaften.

Aber nicht nebenbei.

CS

Dietmar




*Ich meine natürlich nicht Dich persönlich, sondern den Herrn Jedermann.
 

deapsky

Mitglied
Hallo zusammen,

1 h Optikfachmann und Equipment wie optische Bank, Justierlaser usw. ist wenig.
Der qualifizierte MA macht das nicht für Mindestlohn, denn der will auch seine Familie ernähren.
Dazu kommt dann das erst eine Messung vorgenommen wird, eine Bewertung erfolgt, dann werden ggf. Linsen zentriert, Korrektoren entspannt usw. dann erfolgt immer eine neue Überprüfung.
Ich halte ganz klar eine Überprüfung der sogenannten China APO für richtig, zumal ich das Vergnügen hatte meine beiden Quadruplet APO mehrfach zurückzusenden. Das hat DHL gefreut, mich aber nicht.
Der Kundenberater suggieriert dem Kunden dann, das es Guidingfehler, Verkippung oder sonst was ist. Dadurch das ich zeigen konnte, das was nicht stimmt, hat der Händler auch korrigiert, aber wehe wenn es ein Anfänger ist, der nicht auf die Fragen antworten kann.
In meinem Fall war es ein verspannter Korrektor. Danach funktionierte das Teleskop sehr gut.

Wenn man glaubt, das die vielen preiswerten China Apos, die containerweise aus Asien kommen, alle für umsonst geprüft werden können, glaubt an den Weihnachtsmann.

Es gibt keine Eh-Da-Mitarbeiter.

By the way ein Takahashi FSQ kostet richtig viel Geld, funktioniert aber. APO mit per Katalog versprochener ähnlichen Leistung für 30-40% des Preises kann funktionieren, muss aber nicht.

Daher kaufe ich da der wirklich testet und qualifiziert justieren kann, alles andere ist Glücksache.

Beugungsbegrenzte und justierte Grüsse

Peter
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Und das diese Arbeiten dann auch fast nix kosten, weil der Typ ja sowieso da ist.
Sicher alles richtig, was Du in Deinem langen Beitrag schreibst (habe selbst schon ein paar Jahrzehnte Berufstätigkeit in diversen Branchen hinter mir). Aber wenn Du meinen kurzen Beitrag ganz gelesen hättest, dann wäre Dir vielleicht aufgefallen, dass ich nichtgends etwas von „fast nix kosten“ geschrieben habe. Der Mitarbeiter kostet immer gleich viel, egal ob er Rechnungen schreibt, Kunden im Laden bedient, Päckchen packt und zur Post bringt oder eben Interferenzbilder aufnimmt. Wenn ich in ein Online-Tool wie dieses hier (Personalkosten berechnen: Lohnkostenrechner | Personalkostenrechner) meine Daten eingebe, dann kann mich mein Arbeitgeber für 100 Euro länger als eine Stunde zum Teleskope Vermessen schicken und verdient immer noch was dran. Aber vielleicht unterschätze ich ja auch das Lohnniveau im Teleskophandel...

Grüße
Maximilian
 

Gerd_Duering

Mitglied
wird einem da suggeriert ein Teleskop mit Polystrehl 0,97 zu kaufen?
ich möchte, wie gesagt, keinen kaufen oder eine Polystrehl-Diskussion lostreten, aber genau solche Aussagen (bekannte Marke) schüren doch, meiner Meinung, genau die diskutierte Erwartungshaltung.

da muss nichts suggeriert werden sondern es ist davon auszugehen das das Design Polystrehl 0,97 erreicht.
Um das zu verstehen sollte einem natürlich klar sein das sich diese Angabe immer auf das Design bezieht und dazu dient die Leistungsfähigkeit des Design zu beurteilen.
Der Polystrehl wir berechnet und nicht gemessen.
Er mach keinerlei Aussage zur Fertigungsqualität sondern ausschließlich zum Level der Farbkorrektur des Designs.
Aussagen zur Fertigungsqualität werden über die Messung des monochromatischen Strehl bei grün gemacht.


Wer da was durcheinander bringt ist selber schuld.
Ich dachte eigentlich das solche Selbstverständlichkeiten allgemein bekannt sind und nicht extra erklärt werden müssen.
Der Polystrehl ist hier genauso einzustufen wie andere Parameter oder Diagramme welche die Leistungsfähigkeit des Designs dokumentihren.
Das sind zb. Spot Diagramme, LSA Diagramme, die MTF für das Design, Kurven zur Energieverteilung und einiges mehr das ein modernes Optikdesignprogramm zur Beurteilung des Designs so ausgibt und die dem Fach und Sachkundigen eine Information darüber geben was er von dem Design erwarten darf.

Für den Laien dienen diese Informationen in erste Linie dazu ihm eine Möglichkeit zu geben das Design verschiedener Optiken miteinander zu vergleichen damit er außer salbenden Werbesprüchen auch mal ein paar handfeste Angaben bekommt die ihm seine Kaufentscheidung erleichtern.

Ich finde es sehr gut das es derartige Angaben gibt und ich denke viele Kunden sind da auch dankbar für. Leider scheinen einige aber mit derartigen Angaben hoffnungslos überfordert und interpretieren so wie hier eben gesehen derartige Angaben vollkommen falsch.

Einige Hersteller verzichten daher auf derartige handfeste und auch anhand des Designs von unabhängiger Seite jederzeit nachprüfbare Angaben.
Da hört man lediglich salbende Worte wie toll doch die Optik sei und selbst Angaben zum ED Glas geschweige denn zum Partnerglas werden nicht gemacht.
Dadurch hat man keinerlei belastbare Info darüber was man überhaupt von der betreffenden Optik erwarten kann.
Sie könnte das Level eines Achromaten haben oder eines super APOs .
Man hat aber außer schönen Worten schlicht und ergreifend keinerlei belastbare Info.

Ich finde das nicht gut und bin daher sehr froh darüber wenn Hersteller dann doch belastbare Infos zum Design wie oben genannte Diagramme oder eben auch den Polystrehl geben.
Auch wenn solche Infos einige wie gerade gesehen hoffnungslos überfordern.
Es gibt dennoch genügend Leute die etwas mit solchen Angaben anfangen können und sie auch richtig interpretieren.

Grüße Gerd
 

Nebelhorn

Mitglied
"Das Optikdesign erreicht einen Polystrehl von 0,97 - ein Wert der für höchste Korrektion steht."

Ich habe die Formulierung jetzt so verstanden, dass das Design diesen Wert erreichen kann im Sinne einer Obergrenze und nicht, dass der Wert garantiert wird.
 

Gerd_Duering

Mitglied
Das ist so, wie wenn Dir ein Autohändler (um auf die obige Analogie zurückzumommen) ein Auto anbietet, dessen Motor 490 Hundestärken leistet. Kann stimmen, muss es aber nicht, denn für diese physikalische Einheit gibt es weder eine Definition noch definierte Meßverfahren...

Nur weil du mit dem Polystrehl nichts anfangen kannst und offensichtlich nicht weist wie er zustande kommt versuchst die Tatsache das ein Hersteller endlich mal eine konkrete und jederzeit anhand des Designs auch von unabhängiger Seite nachprüfbare Angabe zum Level der Farbkorrektur macht lächerlich zu machen.

Suche Dir einen aus, genauso wie beim „Polystrehl“ ;) Interessanterweise geben die Hersteller von wirklich guten Teleskopen (z.B. PlaneWave oder Astro Physics) die garantierten Maximalabweichungen ihrer Instrumente in meßbaren Einheiten wie Mikrometer oder Prozent der Brennweite über einen definierten Weillenlängenbereich an. Es geht also schon, wenn man dem Kunden gegenüber wirklich objektive Angaben machen möchte.

Deine messbaren Angaben beruhen erstens auch nur auf dem Design und nicht auf Messungen an konkreten Exemplaren und berücksichtigen zweitest lediglich den Farblängsfehler.
Der Polystehl berücksichtigt neben dem Farblängsfehler auch den Gaußfehler.
Er ist also das hochwertigere Kriterium da er einer Aussage zum gesamten Farbfehler macht und nicht nur zu einem Teilaspekt.

Das ist besonders bei APOs wichtig da hier auch der Gaußfehler dominant werden kann.
Ich kann dir problemlos ein Doublet mit extrem geringem Farblängsfehler rechnen, da würdest du dir alle Finger nach lecken und es als Super APO ansehen.
Aber nur wenn du den Farblängsfehler betrachtest.
Denn dieses Doublet hat einen sehr dominanten Gaußfehler und hier kann nur der Polystrehl eine vernünftige Aussage machen.
Bei einfachen Achromaten oder schlechten EDs kann man sich auf den Farblängsfehler beschränken aber bei hochwertigen APOs mit kleiner Öffnungszahl wie heute üblich macht oft nur der Polystrehl eine vernünftige Aussage.

Grüße Gerd
 

astro_alex80

Mitglied
Danke für die ausführliche Erklärung Gerd, die sicher für viele hier sehr nützlich ist.

auch mal ein paar handfeste Angaben bekommt die ihm seine Kaufentscheidung erleichtern.

aber auf welcher Grundlage, für mein Verständnis, erleichtert das die Kaufentscheidung?

wie du selber schreibst, gibt das (ja nur) an was man erwarten darf.

die dem Fach und Sachkundigen eine Information darüber geben was er von dem Design erwarten darf.

bedeutet „vom Design erwarten darf“ in dem Zusammenhang auch rein praktisch “erwarten bekommen zu dürfen“ - in Bezug auf die beschriebene handfeste Angabe zur Erleichterung der Kaufentscheidung?

und wie verhält sich das dann im zuvor diskutierten preislichen Kontext, so ein Design für nur 1.899€ ?
 
Zuletzt bearbeitet:

Gerd_Duering

Mitglied
Aber vielleicht unterschätze ich ja auch das Lohnniveau im Teleskophandel...
Du unterschätz nicht nur das Lohnniveau für einen versierten Optikmeister mit jahrelanger Erfahrung sondern auch die Zeit die nötig ist um ein hohes Maß an Perfektion bei einer Optik zu erreichen die mit sehr billiger und damit einfach konstruierter Fassung und einer ganzen Reihe anderer bei diesem Preis nicht anders möglichen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hat.

Da kannst du nicht Jeden ran setzten der gerade nix zu tun hat.
Den kannste vielleicht den OAZ gerade rücken lasen und auch noch das Objektiv über die Zug und Druckschrauben so einstellen lassen das der Laser passt aber das war’s dann auch.
Um einen APO wirklich zu optimieren gehört sehr sehr viel Erfahrung dazu und de Erfolg steht und fällt mit dem Können des Mitarbeiters.

Grüße Gerd
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Um einen APO wirklich zu optimieren gehört sehr sehr viel Erfahrung dazu und de Erfolg steht und fällt mit dem Können des Mitarbeiters.
Darüber habe ich doch gar nicht gesprochen, sondern über den Betrag von 100 Euro, der für das Anfertigen eines Prüfprotokolls verlangt wird. Das kann eine angelernte Hilfkraft auf 400 Euro Basis anfertigen, um es krass auszudrücken.

Und was den leidigen Polystrehl angeht: Ich würde gerne eine Referenz auf ein Gerichtsurteil oder vergleichbares genannt bekommen, auf Grund dessen ein Teleskopverkauf wegen der zugesagten aber nicht eingehaltenen Produkteigenschaft „Polystrehl“ hätte rückabgwickelt werden müssen.

Viele Grüße
Maximilian
 

Gerd_Duering

Mitglied
aber auf welcher Grundlage, für mein Verständnis, erleichtert das die Kaufentscheidung?

wie du selber schreibst, gibt das (ja nur) an was man erwarten darf.

Na ja wenn du dich zwischen 2 Optiken entscheiden willst und du weist die eine hat Polystrehl 0,9 und die Andere Polystrehl 0,97 kann man schon erwarten das dann auch das konkrete Exemplar mit dem Design das Polystrehl 0,97 erreicht die bessere Farbkorrektur hat.
Klar wenn das eine Design Polystrehl 0,965 und das Andere 0,973 erreicht kann man keinen wirklichen Unterschied erwarten und kann Beide im Rahmen der Produktstreuung bezüglich Farbkorrektur als gleichwertig ansehen.

Es ist auch sehr hilfreich wenn man den Polystrehl des Designs einer Optik kennt durch die man schon mal geschaut hat. Dann hat man ja ein Gefühl für die Farbkorrektur dieser Optik und diesem Polystrehl und kann dann leichter abschätzen was dann von der neuen Optik zu halten ist wenn man auch deren Polystrehl kennt.

und wie verhält sich das dann im zuvor diskutierten preislichen Kontext, so ein Design für nur 1.899€ ?

Das kommt natürlich auf Öffnung und Öffnungszahl an.

Grüße Gerd
 

MeisterDee

Mitglied
Der Polystrehl wir berechnet und nicht gemessen.
Again what learned.

Ich dachte eigentlich das solche Selbstverständlichkeiten allgemein bekannt sind und nicht extra erklärt werden müssen.
Mit der Einschätzung liegst Du offenbar falsch. .......ich bin der lebende Beweis......

Ich denke, dass es nicht die Meisten hier sein werden, die all die Begriffe, die bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit einer Optik so fallen, vollumfänglich verstehen. Geschweige denn ein Testprotokoll ohne Resümee wirklich lesen können.

Deshalb begrüße ich es immer, wenn Begriffe und Zusammenhänge nebenbei ein Wenig mit erklärt werden.


CS

Dietmar
 

Cpt.Boiler

Mitglied
Auch wenn solche Infos einige wie gerade gesehen hoffnungslos überfordern.
Wenn man das 'hoffnungslos' streicht, gehöre ich auch dazu. Aber es besteht noch Hoffnung :), ich arbeite dran, mehr von der Sache zu verstehen.
Es ist halt einfach verdammt komplex, daher sollten beide Seite m.E. Verständnis füreinander haben, die Experten für jene, die nicht so viel Ahnung haben, und die Laien sollten akzeptieren, dass sie manches eben (noch..) nicht im Detail durchschauen.

Man könnte auch mal wd. den alten Fraunhofer zitieren, er würde jetz viell. sagen, ein Fernrohr ist zum Durchschauen da, nicht zum Diskutieren über 0.8 od 0.9 Strehl. Oder Polystrehl. Klingt irgendwie schlüpfrig (wie Polyamor) , oder giftig (wie Polystyrol) , d.h. Marketingmässig wäre vielleicht ein weniger negativ konnotierter Begriff besser :):)

Wenn ich dran denke, als ich in den 80ern zum ersten Mal als Jugendlicher in die Materie einstieg, da wurde auch gwarnt vor den "Neckermann-Katalog Japanern", wie es damals etwas verächtlich ausgedrückt wurde. Und gute Optiken waren damals quasi unerschwinglich. Heute ist das damals unerschwingliche erschwinglich geworden, wir alle hantieren mit Equipment, davon hätten wir vor 40 Jahr nicht zu Träumen gewagt. Aber das meiste ist eben heutige Massenproduktion, auch ein 'Off the shelf'- APO ist heute nix besonderes mehr. Der Unterschied zu den wirklich super guten Profi-Tools ist natürlich immer noch da, auch im Preis versteht sich. Das wird aber im Eifer des Gefechtes gerne mal vergessen, ohne dass da böse Absicht dahinter steckt.

PS: und noch 'was bleibt -m.o.w. erfreulicherweise -:):) konstant: Das Wort 'APO' ist immer für ein bisschen Zoff gut ...
 
Zuletzt bearbeitet:

Gerd_Duering

Mitglied
Und was den leidigen Polystrehl angeht: Ich würde gerne eine Referenz auf ein Gerichtsurteil oder vergleichbares genannt bekommen, auf Grund dessen ein Teleskopverkauf wegen der zugesagten aber nicht eingehaltenen Produkteigenschaft „Polystrehl“ hätte rückabgwickelt werden müssen.

Gegenfrage, gab es denn schon ein Urteil wo das aufgrund von nicht eingehaltenen Angaben zum Farblängsfehler passiert ist?
Ich denke nicht.

Ein Messverfahren zur Farbkorrektur gibt es als zertifiziertes anerkanntes Verfahren keines.
Weder zum Farnlängsfehler, RC Wert noch zum Polystrehl.
Alle Angaben zum Farbfehler eines Herstellers beruhen daher prinzipiell immer ausschlich auf dem Design.
Das gilt für Zeiss und Takahashi genau so wie für Skywatcher.
Messungen von Amateuren oder Firmen auf Basis der Amateur Messverfahren zu Schnittweiten und RC Wert sind keine anerkannten Verfahren mit Beweiskraft vor Gericht. Das ist Hobby und recht interessant aber mehr nicht.

In jedem Fall ist der Polystrehl aber anhand des Design nachvollziehbar.
Wenn einer da Zweifel hat könnte er verlangen das der Hersteller beweist das das Design diesen Polystrehl auch wirklich erreichen kann.

Grüße Gerd
 

wunderlama

Mitglied
Mit der Einschätzung liegst Du offenbar falsch. .......ich bin der lebende Beweis......
Also auch ich schließe mich da an. Mein „Wissen“ oder Unwissen stammt aus diversen Foren, Selbststudium und dergleichen. Aber in einer Diskussion, in der jemand mit halbwegs fundierten Begriffen umsich wirft, könnte ich nicht mit voller Überzeugung Gegenhalten.

Ich fände es toll, wenn man irgendwo (oder heutzutage auch online) ein Seminar oder Vortrag von jemand fundiertem buchen könnte, wo das Mal von vorne erklärt wird. Und ja - Dozenten kosten Geld. Das kenne ich aus meinem Beruf. Bin selber ab und an als Dozent tätig.
Das wäre ich auch bereit zu bezahlen.
Gruß
Thomas
 

astro_alex80

Mitglied
Das kommt natürlich auf Öffnung und Öffnungszahl an.

Im konkreten Falle 4“ f7.

Nochmal nachgefragt, du schreibst weiter oben:
Polystrehl ist eine errechnete Größe - okay verstanden.
Fertigungsqualität wird monochromatisch bei Grün gemessen - okay verstanden.

Wie niedrig darf denn dann die tatsächliche Messung im Grünen ausfallen, um das gesteckte Polystrehl-Designziel zu erreichen?

Es muss doch eine sehr hohe Fertigungsqualität erreicht werden, um überhaupt in die Nähe des Designziels zu kommen oder nicht?
 
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