Teleskope mit Prüfprotokoll oder ohne? | Seite 4 | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Teleskope mit Prüfprotokoll oder ohne?

deapsky

Mitglied
Hallo Maximilian,

das Anfertigen eines Prüfprotokolls bedarf vor allem zunächst der Prüfung und das bedarf der sorgfältigen Aufnahme und Ausrichtung auf einer Optischen Bank. Nun, das kann keiner von der Bushaltestelle für sagen wir mal 10,00 €/h brutto.
Man legt das Teleskop nicht einfach auf in die Optische Bank, drückt ein Knopf und dann kommt ein sinnvolles Prüfergebnis heraus.
Auch das Zentrieren eines Okularauszuges ist keine Sache von 2 min, es bedarf Ruhe und Sorgfalt.
Ich kenne Personen, die das machen und die prüfen ganz bestimmt nicht 100 Teleskope pro Tag.
Die einfachen Optischen Mängel (totales gewackel am OAZ, klappernde Linsen etc) kann man schnell prüfen und aussortieren, aber alles was die Abbldungsqualität betrifft eben nicht.

Am Ende kommt es ganz bestimmt nicht auf Polystrehl an sondern um runde kleine Sterne, die bist in die Ecken gut abgebildet sind. Und das für den Spektralbereich, der Relevant ist. Das ist das was man sieht und das was am Ende zählt.

Mein APO hatte das nach mehrfachem Hin und Her auch geschafft, so zu sein wie er sein sollte. Ungeprüft aus dem China Container ist ein Glückstreffer.

Auch das hin und her der Reklamationsbearbeitung geht natürlich in den Preis ein. Jetzt kann man als deutscher Ing. natürlich verlangen, das der Hersteller aus China spezifikationskonform liefert. Da der nur billig liefert ist auch nur billig drin, schlecht justierbare Fassungen usw.
Und einem Chinesen etwas zu erklären wie man das denn gerne wirklich hätte fast unmöglich.

Man kann zwar Takahashi Qualität erhoffen aber zu 30% des Preises unrealistisch. Vielleicht sind manche Bewerbungen von Teleskopen sagen wir überambitioniert. In dem Fall würde ich das Teleskop zurücksenden bis es ok ist.

Clear skies
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:

Gerd_Duering

Mitglied

Als Doublet wäre das schon sehr sportlich hier Polystrehl 0,97 zu erreichen.
Als Triplet mit FPL53 oder FCD100 ist das aber kein Problem.
Ein 4“ Triplet für 1.899€ mit FPL53 oder FCD100 aus China oder Taiwan sollte machbar sein.

Nochmal nachgefragt, du schreibst weiter oben:
Polystrehl ist eine errechnete Größe - okay verstanden.
Fertigungsqualität wird monochromatisch bei Grün gemessen - okay verstanden.

Wie niedrig darf denn dann die tatsächliche Messung im Grünen ausfallen, um das gesteckte Polystrehl-Designziel zu erreichen?

Es muss doch eine sehr hohe Fertigungsqualität erreicht werden, um überhaupt in die Nähe des Designziels zu kommen oder nicht?

Ich sehe den Polystrehl erst mal rein als Parameter zur Beurteilung der Farbkorrektur.
Fertigungsfehler die nicht die Farbkorrektur betreffen würde ich daher hier nicht mit reinnehmen
Also den Polystrehl des Designs und den gemessenen monochromatischen Strehl bei Grün separat betrachten.
Denn in der Regel will man ja das Level der Farbkorrektur wissen und das wäre natürlich beim zusammen führen mit Fehlern die nichts mit der Farbkorrektur zu tun haben nicht mehr beurteilbar.

Wer aber unbedingt Beides zusammenführen will kann beide Werte miteinander multiplizieren.
Also Polystrehl 0,97 und Strehl bei grün meinetwegen 0,93 würde zusammen einen Polystrehl inklusive der nicht die Farbkorrektur betreffenden Fehler von 0,9 ergeben.

Grüße Gerd
 

maximilian

Mitglied
Hallo Peter,
Hallo Maximilian,

das Anfertigen eines Prüfprotokolls bedarf vor allem zunächst der Prüfung und das bedarf der sorgfältigen Aufnahme und Ausrichtung auf einer Optischen Bank. Nun, das kann keiner von der Bushaltestelle für sagen wir mal 10,00 €/h brutto.
Weiß ich nicht. In der Produktion bei meinem Arbeitgeber werden, wegen ISO 9000 und so, auch ständig stichprobenartig die produzierten Teile geprüft. Dafür nehmen Mitarbeiterinnen (schreib ich jetzt mal so, weil ich bisher nur Frauen bei dieser Tätigkeit gesehen habe) Teile vom Band und spannen diese in Vorrichtungen ein, die zum jeweiligen Teil passen - sozusagen die optische Bank. Dann tasten sie mit einem 3D Laserscannerkameradings (das aussieht, als hätte es soviel gekostet wie ein Kreuzfahrtschiff) die Teile ab und ein Computer berechnet in Echtzeit, ob die Toleranzen eingehalten sind. Die Ergebnisse („das Prüfprotokoll“) werden zur Dokumentation abgespeichert, was natürlich nicht viel nützt, denn die (pingeligen) Kunden machen später ihre eigene Wareneingansgkontrolle und geben erfahrungsgemäß gar nichts auf „unsere“ Prüfprotokolle. Die schicken den ganzen LKW zurück, wenn sie ein einziges Teil finden, das der Spezifikation nicht entspricht (das wäre mal was, worüber die Teleskophändler auch nachdenken könnten!).
Die enstprechenden Damen sind meines Wissens Leiharbeitskräfte die nicht weit über dem Mindestlohn liegen dürften. Deswegen komme ich zu meinen Schlußfolgerungen...
Auch das Zentrieren eines Okularauszuges...
Das ist in meinen Augen keine Prüfung, sondern bereits eine Einstellarbeit. Ob die in den 100 Euro für die Erstellung eines Prüfprotokolls überhaupt enthalten ist?

Grüße
Maximilian
 

Cpt.Boiler

Mitglied
Zitat 1:
Deine messbaren Angaben beruhen erstens auch nur auf dem Design und nicht auf Messungen an konkreten Exemplaren und berücksichtigen zweitest lediglich den Farblängsfehler.
Der Polystehl berücksichtigt neben dem Farblängsfehler auch den Gaußfehler.
Er ist also das hochwertigere Kriterium da er einer Aussage zum gesamten Farbfehler macht und nicht nur zu einem Teilaspekt.
Zitat 2:
Ich sehe den Polystrehl erst mal rein als Parameter zur Beurteilung der Farbkorrektur.
Fertigungsfehler die nicht die Farbkorrektur betreffen würde ich daher hier nicht mit reinnehmen
Also den Polystrehl des Designs und den gemessenen monochromatischen Strehl bei Grün separat betrachten.

Hmm, ich komme da jetzt nicht mehr mit. Einmal enthält der Polydingsbums mehr als einen Aspekt, das andere Mal absichtlich nur einen, die Farbe.
Was denn jetzt ?

Keine Sorge, bitte nix falsch verstehen, ich möchte das gar nicht tiefer erklärt haben jetzt, ich bin ja dabei, mich in die Materie einzuarbeiten und werde mir das in der Literatur anlesen. Ich will auch niemanden konfrontieren, oder auf Fehler rumreiten etc. Es ist hat nur nochmal ein Beleg dafür, wie Komplex die ganze Materie ist, und wie da lauter Begriffe entweder als Marketing präsentiert, oder von Kunden eingefordert werden, bei denen oftmals wohl jede Seite doch wieder 'was anders versteht.

Aber wiesoe soll das bei Teleskopen anders sein als bei allen anderen technischen od. nicht-technischen Produkten, oder überhaupt im Leben. :)

Die schicken den ganzen LKW zurück, wenn sie ein einziges Teil finden, das der Spezifikation nicht entspricht (das wäre mal was, worüber die Teleskophändler auch nachdenken könnten!).
Wenn einer zufällig weiss, wo grad ein LKW mit aussortierten APOs rumfährt, kann er ja mal' Tip weitergeben :ROFLMAO::ROFLMAO::ROFLMAO:
 

Gerd_Duering

Mitglied
Hmm, ich komme da jetzt nicht mehr mit. Einmal enthält der Polydingsbums mehr als einen Aspekt, das andere Mal absichtlich nur einen, die Farbe.
Was denn jetzt ?

Wie ich schon schrieb.
Der Polystrehl des Design enthält den Kompletten Farbfehler der sich aus dem Farblängsfehler und dem Gaußfehler zusammensetzt.
Ich habe mich auch im ersten Zitat ausschließlich auf den Farbfehler bezogen!
Daher steht es auch nicht im Widerspruch zum 2. Zitat

Angaben zu Schnittweitendifferenzen einzelner Farben beziehen sich ausschließlich auf den Farblängsfehler.
Der Farblängsfehler ich aber nur ein Teil des Farbfehlers.
Bei einfachen Achromaten ist er zwar derart Dominat das man den zweiten Teil des Farbfehlers nämlich den Gaußfehler getrost vernachlässigen kann aber beim APO kann man das nicht immer. Insbesondere bei kleinen Öffnungszahlen kann hier auch Gaußfehler dominant werden.

Bei den früher üblichen größeren Öffnungszahlen und bei den ja auch früher wesentlich weiter verbreiteten Achromaten war es völlig ausreichend nur den Farblängsfehler zu betrachten.
Daher kommt wohl auch die Ansicht dass mit dem Farblängsfehler schon alles zur Farbkorrektur gesagt ist.
Bei den heute doch wesentlich häufiger anzutreffenden APOs, insbesondere denen mit kleiner Öffnungszahl wie das heute üblich ist benötigt man aber ein Kriterium das auch den Gaußfehler mitberücksichtigt um die Farbkorrektur zu beurteilen.

Grüße Gerd
 

Cpt.Boiler

Mitglied
Jau, danke nochmal für die Erläuterung. Ich hatte halt 'Gaussfehler' einfach mit einer Aufweitung des Beugungsscheibchens o.ä. in Verbindung gebracht, unabhängig von der Farbe. Daher mein Missverständnis.
-cb
 
Oben