das hängt vom Spektiv ab. Da gib't schon recht ordentliche.
Stimmt! Habe ich gerade erst gelernt weil mir ein sehr netter Astro-Freund mehrere Instrumente von Hertel & Reuss hat zukommen lassen.
Darunter ist ein
Tele-Variabel Spektiv aus den 1960er-Jahren, ein verkitteter 25-60/60 Achromat mit separatem 125-fachen Okular.

Es ist in einem originalen Lederköcher Zuhause und fast neuwertig ... sogar der Originalprospekt ist noch dabei.
Für einen Teleskopiker ist das emotional der helle Wahnsinn! Was soll ich nur meinem Therapeuten erzählen?! - der glaubt mir NIEMALS, dass das ein Geschenk
war (mal ganz abgesehen von meiner Frau).
Wie dem auch sei.
Im Originalprospekt findet sich neben dem Hinweis, dass man es
ganz ausziehen muss, sonst kommt man nicht in den Fokus (- oh Mann. Ich bin nicht von selbst draufgekommen ... peinlich), noch die Aussage, dass es für die Astronomie
geeignet sei. Exprssis verbis. Verwiesen wird auf einen separat erhältlichen Mondfilter. Und darin, der Mond- und Platenebeobachtung, liegt ganz offensichtlich seine Stärke mit f/ zwischen 10 und 11,25. Dabei ist es in allen stufenlos verstellbaren Vergrößerungen von 25 bis 60 weitgehend parfokal (dasss es nicht
überall ganz passt, liegt vermutlich an meinem eigenen trüben Blick).
Ausgefahren ist das Ding ganz schön lang (zwischen 600 und 675 Millimeter) Im Köcher zusammengeschoben (372 Millimeter) verschwindet das mitlere Segment im eigentlichen Tubus, die komplett drehbare Zoom-Einrichtung ist im hinteren Segment untergebracht, fokussiert wird mittels eines geriffelten Ringes, der in seiner Breite sehr großzügig gehalten, und dadurch intuitiv zu bedienen ist.
Und die Mechanik geht natürlich butterweich.
Nur der Vollständigkeit halber.
Irre!
Von der Größe und den damit einhergehenden Parametern her erinnert das Teil an die einschlägigen alten Japaner von Kenko, Towa & Konsorten. Und die waren qualitativ ja oft richtig gut, was die Optik und, bei der Verarbeitung, das (frühe) Baujahr angeht. Das H&R ist mit fast einem Kilo zwar merklich schwerer, überlastet die 3/8'' Schraube des Fotostativs jedoch nicht.
Aber ich habe das Gefühl, dass dieses H&R Röhrchen qualitativ in einer anderen Liga spielt. So fand ich in einem Beitrag von "
J. Kost" (ist das
unser Jürgen?!?) die Ansicht, dass das vorliegende Instrument das Asiola überträfe; "deutlich" sogar. Er hält die Bildschärfe des TeleVariabel an Mond und Planeten für "mustergültig". Und das macht mich hellhörig, weil das Zeiss 63/420 ein hervorragendes Instrument ist.
Mangels Gelegehenheit - die Wolken scheinen dieses Frühjahr eine Dauerkarte bei uns zu haben - konnte ich es noch nicht in den Nachthimmel stecken. Aber erste Tests "an der Antenne" (Entfernung 31 km) lassen auf Großes hoffen.
Fazit: ich war echt unsicher, ob das Ding am Himmel was taugt, hatte aber schon länger Interesse an dem Gerät. Von seiner Qualität ist es vollumfänglich mit den Spitzenprodukten von Zeiss und Co. der damaligen Zeit vergleichbar - und ihnen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit optisch mindestens ebenbürtig. Und das alles für einen Knopf und einen Apfel, wenn man sich ein wenig danach auf dem Gebrauchtmarkt umsieht. Immer mal wieder ploppt eins auf, meist in richtig gutem Zustand, weil Opa zeitlebens drauf ausfgepasst hat. Klar, das Teil hatte Anfang der 60er-Jahre fast 250,- DM gekostet. Dafür konnte man schon einen gebrauchten VW Käfer bekommen.
Also,
@Sternbrot, ich habe jetzt zwei davon und wenn Du möchtest, leihe ich Dir eins zum Ausprobieren. Ich bin ziemlich sicher, Dur wärst "platt" ...
Grüße vom Altglassammler,
Urs