Unistellar eVscope 2

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Na ja, man darf als Amateur nicht erwarten, dass man nur Bilder aufnimmt und diese dann einfach "irgendwo" hinschickt. :cool: Man muss da schon selber Hand anlegen.

Dazu muss man wohl verstehen, wie das Oekosystem dieses Aspekts dieses Teleskops da aussieht.
Dr Franck Marchis ist nicht (oder nicht nur) der/ein Beobachter, sondern in erster Linie eben auch der CTO von Unistellar:


und gleichzeitig Mitglied des SETI-Instituts ( Franck Marchis ) und hat wohl auch Gaststatus an der Uni in Marseille.

Was er da macht ist wohl letztendlich das:
(I) In seiner akademischen Karriere setzt er (s)eine SETI@home-artige (uebrigens nicht mit SETI@home zu verwechseln, ganz andere Baustelle) "Grassroots-Science" Kampagne als Karrierebooster ein. Schluessel dazu ist unter anderem auch, dass er kostenfrei Daten sammeln laesst, die dann zentral ausgewertet werden koennen.

(II) andererseits nutzt er unter seiner zweiten unternehmerischen Muetze mit genau diesem akademischen Anspruch um dem kommerziellen Aspekts der Unistellar-Sache zum Durchbruch zu verhelfen, von dem unmittelbar monetaer profitiert.

All das ist in der gewaehlten legalen Konstellation weder verboten noch muss das per se schlecht sein, noch versteckt er das.

Was allerdings eine unabhaengige Bewertung der ganzen Sache (d.h. des "citizen's science" Aspekts) angeht - Ich habe mich durch die ganzen Links mal durchgeklickt und das ist letztendlich ein selbstreferenzieller Zirkel - so muss man klar sagen, dass die verschiedenen vordergruendig getrennten Institutionen wie z.B. "SETI Institute, Carl Sagan Center, Mountain View, United States", "Uninstaller SAS, Marseille, France" und dauch das "Laboratoire d’Astrophysique de Marseille, Aix Marseille Université, Marseille, France" [...] natuerlich nicht etwa unabhaengige Informationsquellen sind, sondern am Ende vom Lied dieselben vier Gruendungsmitglieder von Unistellar sind.

Von daher ist der ueberschwingliche Bewertungston nicht so ueberraschend, da bewerten/jazzen letztendlich die Gruendungsmitglieder ihre eigene Kernidee hoch.

Das mal gesagt, Ich denke dagegen schon,
Bei den Lichtkurven von Kleinplaneten arbeite ich z.B. mit Prof. R. Behrend von der Uni Genf zusammen. Von mir werden die Daten dabei Objektweise "vor-auswertet", d.h. ich erstelle für jeden Beobachtungsabend eine Tabelle der Form Datum, gemessene Helligkeit, Fehler der Helligkeitsbestimmung und sende diese dann nach
wenn man erst mal standartisierte Bilddaten mit GPS-Position, Zeit und Observationsposition hat, dann kann man da sicher einiges Skripten und automatisieren. Und das ist wohl das akademische Ziel der ganzen Veranstaltung (?).
Ob das Unistellar Rohr nun reicht ist eine Sache (da hast Du einen kompetenteren Ueberblick) , aber im Rahmen seiner Moeglichkeiten die Aufnahmeprotokolle ueber remote entsprechend anzupassen, waere mit dem eVolution dann tatsaechlich ja ein Klacks.

Genau das ist bei meinem Verstaendnis nach z.B. hier:
Bei der Astrometrie werte ich die Bilder mit Astrometrica selbst aus und schicke dann nur eine Tabelle mit den von mir gemessenen Positionen an das Minor Planet Center. Die pflegen dann meine Daten in die große Datenbank ein und der Computer berechnet jeden Tag anhand aller vorhandenen Daten die aktuellen Bahnparameter aller Kleinplaneten und Cometen, die dann wiederum den Beobachtern in Form der mpcorb.dat bzw. comet.dat zur Verfügung gestellt werden.
das Problem. Das Minor Planet Center (MPC) ist der "Geschirrspueler" der ganzen Daten, der Spreu vom Weizen trennt, die Daten ueberprueft und standardisiert und dann dem NASA NEO Zentrum in dieser form zur Verfuegung stellt, welches ansonsten unter der Last des ganzen bunten Krimskrams zusammenbrechen wuerde.

Deshalb:
Ich vermute, das machen die aber wohl nur für die Objekte, für die sie auch zu Beobachtungen aufrufen? Was macht man, wenn man eigene Beobachtungsprogramme machen will? An die Rohdaten kommt man ja wohl aktuell - zumindest offiziell - nicht nicht ran. ...und fertige JPGs auswerten ist nicht sinnvoll. Da braucht man die originalen FITs Dateien incl. passender Darks und Flats.
ist das die andere Seite der Medaille dieses Geschaeftsmodells, denn mit ihrer "akademischen Muetze" moechten die wohl ihren eigenen (aber fremdfinanzierten) Schwarm von Roboscopen fuer ihre eigenen Beobachtungsprogramme zur Verfuegung haben und die FITS Daten bekommen die ja frei Haus, nur der Teleskop-Besitzer bekommt die dann im Gegensatz dazu nicht automatisch.

Insofern sind Marchis&Affiliates schon clevere Kerlchen, nur muss man die Sache eben als das sehen, was es ist: Naemlich keine altruistische Veranstaltung. Die bauen da kein "citizen's science Scope" zum Selbstkostenpreis und da unterstuetzt auch keine unternehmerische Veranstaltung eine selbstlose wissenschaftliche Aktivitaet.

Aber wie gesagt, so lange man weiss, worauf man sich da einlaesst, fair enough ... ;)

MfG & CS
 
Hallo Maximilian,
Sternwarten alleine nicht, aber Punkt drei auf der Liste oben zielt eindeutig auf den Bildungsbereich allgemein. Schulen und Volkshochschulen fallen mir spontan ein.
Wieviele Physiklehrer unterrichten Astronomie am Rande ihres Unterrichts (und seien es nur Keplers Gesetze), können den Schülern aber nichts am Himmel zeigen?
Da habe ich so meine Zweifel. Insbesondere die Schulen (einschließlich der angesprochenen Physiklehrer) werden kaum finanzielle Mittel in der erforderlichen Größenordnung ausgeben. Da besteht zum Teil kaum Interesse, man bereit ist, dass ein oder andere zu verschenken. Und wenn eine entsprechende Ausrüstung bereits da ist, kann man EEA für die Schüler zu wesentlich günstigeren Konditionen betreiben.

Grüße
Silvio
 
Hallo Axel,

die schon von Wolfgang angeführte

ist gleichzeitig der Haken, je nach Sichtweise ist das entweder "schön einfach" oder schlicht völlig reizlos. Vermutlich wird es da nie Einigkeit geben Spiegel vs. Linse läuft ja auch als endlose Dauerschleife. Soll halt jeder machen wie es Spaß macht für mich persönlich ist so eine Fertiglösung nix. Es könnte aber interessant werden was sich daraus entwickelt wenn es dem Marksegment "Gadgets" entwachsen ist.


Viele Grüße Felix
 
Hallo!
Insbesondere die Schulen (einschließlich der angesprochenen Physiklehrer) werden kaum finanzielle Mittel in der erforderlichen Größenordnung ausgeben.
Schau Dir mal diese Liste von Schulsternwarten im deutschsprachigen Raum an (die wahrscheinlich nicht einmal vollständig ist): Schulastronomie in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Am Geld bzw. Sponsoren scheint es also im Schulbereich nicht unbedingt zu mangeln, wenn ein oder mehrere engagierte Lehrer etwas wirklich wollen :)

Grüße
Maximilian
 
Am Geld bzw. Sponsoren scheint es also im Schulbereich nicht unbedingt zu mangeln, wenn ein oder mehrere engagierte Lehrer etwas wirklich wollen :)
Vielleicht mal den Blick ueber den Tellerrand von BW wagen: In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thueringen gibt es Astronomie als Schulfach seit mehr als 60 Jahren, in Brandenburg immerhin noch als Wahlfach und nur in Sachen wurrde das erst 2007 unter dem Protest der Buerger abgeschafft.

Vielleicht kann das Kultusministerium von BW einfach mal da anfragen, wie das die Lehrer didaktisch so seit 60 Jahren auf die Kette bekommen, denn dem Vernehmen nach ist das Fach nach wie vor sehr beliebt.

Ausgeruestet waren die Schulen - lang ist's her - seit Mitte der 70er alle mit einem Zeiss-Telementor. Also genau den Dingern, die inzwischen hier im Gebrauchtmarkt zu Liebhaberpreisen ueber die Theke gehen.
MfG & CS
 
Sachsen-Anhalt und Thueringen gibt es Astronomie als Schulfach seit mehr als 60 Jahren,
In Sachsen-Anhalt als Pflichtfach nur in der 9. Klasse mit überschaubaren Inhalt. Mein Sohn und drei andere Schüler waren am Gymnasium die einzigen, welche sich für das Wahlpflichtfach Astronomie gemeldet hatten und auf Grund mangelnder Nachfrage alternativ dann Informatik belegen mussten.

Schau Dir mal diese Liste von Schulsternwarten im deutschsprachigen Raum an
Ja, für Deutschland ingesamt sehr überschaubar.

Am Geld bzw. Sponsoren scheint es also im Schulbereich nicht unbedingt zu mangeln, wenn ein oder mehrere engagierte Lehrer etwas wirklich wollen
Selbst bei Schulen in privater Trägerschaft ist es für Lehrer nicht einfach die erforderlichen Gelder für derartige Anschaffungen zu bekommen.

Grüße
Silvio
 
In Sachsen-Anhalt als Pflichtfach nur in der 9. Klasse mit überschaubaren Inhalt.
... was ja auch vollkommen in Ordnung ist, denn bis zur allgemeinen Relativitaetstheorie muss man es ja fuer das gros der Schueler nicht treiben und dann reicht da ja ein Jahr locker.

welche sich für das Wahlpflichtfach Astronomie gemeldet hatten und auf Grund mangelnder Nachfrage alternativ dann Informatik belegen mussten.
Na dann werden die halt Digitalisiert. ;)
Trotzdem Schade, aber so ist das leider mit vielen Wahlpflichtfaechern. Das Wunschfach meines Sohnes kam damals auch nicht zustande.

MfG & CS
 
Respektbekundung an unser Forenmitglied aus Österreich. Ein Lehrer der auch die Kosten für analoge Restlichtverstärkerröhren nicht scheut und sich die Mühe macht seinen Schülern via Internet-Stream den Sternenhimmel näher zu bringen @Sselhak
Ich weiß ja nicht ob eure Gäste bei einem Sternwartenbesuch eine Zaubervorführung mit Spezialeffekten und Laserstrahlen für den künstlichen Stern erwarten und anschließend nach hause gebeamt werden wollen??. Bin selber kein Pädagoge der Didaktik gelernt hätte. Jedoch habe ich immer ein wenig den Anspruch jemandem etwas mit in die Hand geben zu wollen womit man daheim selber sich weiter auf den Weg machen kann, sofern man mag.
Wie gesagt: gerne im neuen Thread die Rezepte für gelungene Führungen teilen die mit positiver Rückmeldung gewürdigt wurden.
Gruß Markus
 
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