Hallo,
zunächst mal: für mich bedeutet Grab&Go nicht, dass ich es fix und fertig auf dem Stativ durch die Gegend schleppe, sondern, dass ich mit 1 mal tragen alles für die Beobachtung notwendige dabei habe (und nicht 5 mal hin und her laufen muss, wie bei meinem Dobson).
Da ich in den letzten Jahren Schwerpunktmäßig Astrofotografie betrieben habe, bin ich kaum noch dazu gekommen visuell zu beobachten. Denn wenn ich den ganzen Astrofotokram draußen und aufgebaut hatte, hatte ich quasi nie mehr Lust auch noch meinen 12" Dobson raus zu schleppen. Nachdem ich dann einigermaßen Routine in der Astrofotografie bekommen habe, hatte ich immerhin wieder vermehrt Lust zumindest mit einem kleineren Setup auch noch visuell zu spechteln. Dazu hatte ich zunächst ein 4" Skywatcher Skymax 102 Maksutov und später als Alternative (wenn nicht fotografisch im Einsatz) einen Svbony SV503 80mm ED Refraktor.
Das Problem war nur, dass das beides im Vergleich zu einem 12" Dobson doch recht kleine Teleskope sind. Vom Dobson verwöhnt waren die Anblicke doch schon eher enttäuschend.
Also musste was größeres her. Nach längerem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass das größte für mich bequem als Grab&Go zu handhabende Teleskop ein 6" SCT ist.
Auch wenn mir von vornherein klar war, dass die Montierung grenzwertig sein dürfte, habe ich ein Celestron StarSense Explorer DX6 gekauft, da ich es günstig bekommen habe (und ich das mit der StarSense-App eh schon länger mal ausprobieren wollte).
Wie erwartet, war die Montierung grenzwertig (allerdings eher auf der falschen Seite der Grenze).
Deshalb habe ich es lieber mit meiner Vixen Porta II Montierung genutzt. Schon besser, aber irgendwie immer noch grenzwertig (jetzt aber schon eher auf der richtigen Seite der Grenze).
Als Lösung habe ich die Porta II Montierung nun mit einem selbstgebauten Adapter auf ein Berlebach Report 412 Astro Stativ gepackt. Das dämpft die Schwingungen tatsächlich erfreulich schnell (und auch mit meinen 1,96m kann ich eine bequeme Höhe einstellen).
Damit das Stativ in die Tasche passt (eine preiswerte 140x20x20 cm Zeltgestängetasche), habe ich die Ablageplatte durch eine ca. 29x20x5 cm großen Kasten ersetzt.
In der anderen Tasche (die eigentlich für Bühnenscheinwerfer gedacht ist, deutlich preiswerter als "Astro-Taschen") ist das 6" SCT, ein flexibles Tauschild, ein selbstgebauter Leuchtkreis-Sucher, ein 9x50 Sucherfernrohr mit aufrechtem Bild in platzsparender, flachbauender Halterung, ein 1,25" dielektrischer Zenithspiegel, ein Explore Scientific 68° 24mm Okular als Übersichtsokular und ein Baader Planetarium Hyperion Zoom Mk III für die höheren Vergrößerungen.
Ergänzt wird das ganze noch von einem Karkoschka, dazu Telrad-Kreisen auf Folie als Lesezeichen und ein Omegon 2x54 Großfeldbino.
Und falls jemand meint, ich hätte was wichtiges vergessen: eine Rotlicht-Kopflampe habe ich immer in meiner Jacke dabei.
Zwar immer noch kein Vergleich zum 12", aber schon deutlich besser als die beiden kleinen, die ich vorher hatte. Das Mak hat ausgedient, und den Refraktor nutze ich (neben der Fotografie) visuell jetzt hauptsächlich tagsüber mit einem Herschelkeil für die Sonnenbeobachtung. Oder wenn doch mal des Nachts, dann mit der StarSense-Montierung.
Und da das Grab&Go SCT jetzt realistisch betrachtet mein visuelles Haupt-Teleskop geworden ist, bin ich ernsthaft am überlegen, ob ich das Zoom nicht aus dem Set raus nehme und dafür 2 oder 3 Baader Morpheus aus dem Okular-Koffer mit in die Tasche packe...
CS, Lutz