Hallo Marcel,
Von jeder neuen Technologie hat auch die Menschheit als Ganzes letztendlich profitiert - sicherlich in jeweils unterschiedlichem Maße. Aber auch die ärmsten Länder der Welt stehen heute dank der technologischen Entwicklung besser da als früher. Und das wird auch bei einer großflächigen Erschließung des Weltraums so sein - der Verfall der Rohstoff- und Energiepreise der damit einher geht, wird auch den ärmsten zugute kommen.
Die ärmsten Länder der Welt sind also immer noch die ärmsten Länder der Welt, nur auf einem höheren Level? Prinzipiell wäre das ja möglich. Aber solange es Millionen Menschen gibt, die unter unwürdigsten Verhältnissen leben müssen ohne auch nur den Hauch einer Chance auf Verbesserung, muß man konstatieren, daß die technologische Entwicklung eben doch an diesen Ländern vorübergegangen ist. Neue Technologien bedeuten eben nicht zwangsläufig eine Verbesserung für alle, sondern nur für die, die dafür auch bezahlen können. Das wird auch nicht anders sein, wenn es in sehr vielen Jahr(zehnt)en eine Rohstoff- und Energiegewinnung im All geben sollte und die Preise in dann nochmal sovielen Jahren fallen sollten (insbesondere letzteres entspricht nicht meiner Überzeugung, weil das schon die Betreiberfirmen zu verhindern wissen werden, sofern bis dahin nicht der Kommunismus eingeführt worden sein sollte

). Egal wie billig etwas ist, man muß es sich trotzdem leisten können. Billig ist relativ. Und in Sachen Rohstoffabbau muß in den nächsten Jahren erstmal die Tiefsee dran glauben. Preisverfall ausgeschlossen.
Gerade in Afrika ist mobiles Internet kritisch für kleine Geschäfte, für den Geldtransfer zwischen Menschen und generell für gesellschaftliche Partizipation. Man mache sich nichts vor - ich war 7 Monate lang in Mogadischu, dort hatte ich besseren Empfang als hier im Vogelsberg und fast jeder hatte dort ein Handy als meistens wichtigster Besitz.
Wie jetzt? Guter Empfang in einem armen Land? So ganz ohne Starlink?

Spaß beiseite: Das Argument mit der Bedeutung von Handys in solchen Ländern (dem ich durchaus folgen kann) und der daraus resultierenden Wichtigkeit von Starlink wird ja gern verwendet. Nur: Ganz so schlecht scheint die Versorgung mit der erforderlichen Infrastruktur ja nicht zu sein, wie Du selber schreibst. Sonst hätten Handys ja auch gar nicht die Bedeutung erlangen können. Daß das außerhalb von Städten wohl schon wieder anders aussieht, kann ich mir allerdings auch vorstellen. Aber damit sind wir schon bei einem weiteren Punkt: Wird die Nutzung von Starlink-Diensten per Handy überhaupt möglich sein? Ich wage das stark zu bezweifeln, immerhin braucht es selbst für den Aufruf einer Webadresse einen Upload-Kanal, und ein Satellit scheint mir nicht mit der Sendeleistung eines Handys erreichbar zu sein. Die grundsätzliche technische Realisierung würde mich schon mal interessieren, auch und gerade für unsere Breiten. Hat dann jeder Starlink-Benutzer seine eigene kleine Sendestation im Wohnzimmer

? Vielleicht hast Du oder jemand anderes hier schon mal was zu diesem Thema gehört. Ein persönliches Interesse an einem künftigen Starlink-Zugang kann als Hintergrund dieser Frage ausgeschlossen werden.
Einer der größten lunaren Wirtschaftszweige könnte übrigens der Bau von riesigen Solarsatelliten sein. Mit denen könnte der weltweite Energiebedarf mehr als gedeckt werden, was sowohl der Wirtschaft als auch der Umwelt massiv zugute kommen würde. Man könnte mit solchen Satelliten auch das Sonnenlicht das die Erde erreicht regulieren und damit den Treibhauseffekt ausgleichen oder Großwetterlagen modifizieren.... alleine dafür gäbe es zig Anwendungsfelder.
Daß Dein Blick konsequent nach vorn gerichtet ist haben wir mitbekommen

. Aber zumindest gelegentlich nach links und rechts zu schauen kann nicht schaden. Zwei Bespiele sind mir besonders aufgefallen:
Regulierung des Sonnenlichts, das die Erde erreicht - das müßten wirklich mehr als riesige Satelliten oder wie auch immer geartete Einrichtungen sein . Ganz abgesehen davon, daß die Folgen solchen Tuns wohl nur schwer kalkulierbar wären. Und wer bitte sollte entscheiden, wann und wo solche künstlichen Verdunklungen erfolgen sollen?
Noch schlimmer: Die Modifizierung von Großwetterlagen. Wie bei allen Deiner Gedankenspiele werden wir nicht die letzten sein, die niemals erfahren werden, ob es das irgendwann mal gibt. Sollte das der Fall sein, wird es immer noch unabsehbare Risiken in sich bergen, massiv in das Gesamtsystem der Natur einzugreifen. Und es sollte kein Militär und keine wirtschaftlichen/geopolitischen Interessen mehr geben

, ansonsten wird's ungemütlich. Das betrifft sicher auch noch einige andere der "zig Anwendungsfelder".
Was ich insgesamt damit sagen will: Es reicht mit zunehmendem Fortschritt immer weniger, die Technologie zu haben, das toll zu finden und frisch-fröhlich zur Tat zu schreiten. Anders als vielleicht bei der Erfindung der Dampfmaschine, des elektrischen Stroms oder des Automobils muß der Einsatz dieser Technologien und die sich daraus ergebenden Konsequenzen auch immer genauer beurteilt werden. Die betreffenden Firmen haben daran naturgemäß wenig Interesse. Bestes Beispiel ist das Thema "Albedo" beim Starlink-Projekt, auch wenn das bestenfalls eine Schadensbegrenzung darstellt. Schon daß es "übersehen" und erst nachträglich eher halbherzig angegangen wurde, ist ein Armutszeugnis für SpaceX. Ein einziger dunkler Satellit schwirrt da oben herum. Es mag Leute geben, die dafür eine weitere Kerze vor dem lebensgroßen Bildnis Elon Musks auf dem Hausaltar angezündet haben. Ich sehe darin eher eine Hinhaltetaktik. Gibt es mittlerweile Ergebnisse? Ende Februar / Anfang März sollte er ja seinen finalen Orbit erreicht haben. War da nicht mal angekündigt, verschiedene Beschichtungen zu testen? Und wann werden für den "Rest" der Satelliten geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Albedo getroffen? Bitte um Info, falls ich was verpaßt habe.
Gruß
Achim