Hallo!
ABER beispielsweise bei den Mondlandern lief doch das Triebwerk die ganze Zeit. Es war natürlich regelbar, aber es war nicht so, dass man ein paar Sekunden vor der Landung das Triebwerk überhaupt erstmal starten musste und dann im Problemfall, falls es nicht direkt rund läuft, die Fähre sofort abstürzen würde.
Die hatten damals eine andere Strategie für ihr Bremsmanöver, genannt „powered descent“. Also der gesamte Sinkflug und Landeanflug wurde mit kontinuierlich laufendem Triebwerk durchgeführt. Das ist nicht optimal was die bemötigte Treibstoffmenge angeht, bietet aber mehr Chancen für Korrekturen entlang der Flugbahn.
Wenn der Raketenmotor erstmal ein paar Minuten am Stück rund läuft, ist nach meinem Verständnis die Wahrscheinlichkeit, dass er auf einmal spontan ausfällt, doch deutlich geringer?
Das würde ich so nicht sagen. Ein kritischer Moment ist immer der (genaso wie bei Flugzeugtriebwerken) wenn zum erstenmal volle Leistung gesetzt wird. Danach läuft es dann solange es läuft. Flugzeugtriebwerke, die nicht gleich beim Startlauf ausfallen gehen meistens irgendwann im Reiseflug kaputt. Irgendeine Öldichtung ist durchgescheuert, eine Turbinenschaufel erleidet einen Ermüdungsbruch, der auf einen Gußfehler bei der Herstellung zurückzuführen ist (hatte ich schon, drum dieses Beispiel), usw.
Bei Starship sehe ich ein hochkomplexes Manöver, das in den allerletzten Sekunden abläuft und wo fast null Toleranz für diverse technische Fehler ist. (Steuerung, Haupttriebwerke starten, etc.)
Das liegt daran, dass beim Starship das „finale Bremsmanöver“ mit dem absoluten Minimum an Treibstoff durchgeführt werden muß, denn dieser Landetreibstoff muss ja den ganzen Weg mitgenommen werden (in Elons Träumen sogar vom Mars...) und kostet überproportional viel Nutzlast. Also bremst man im allerletzten Moment so hart es geht. So wie Hamilton das in jeder Kurve macht
Zudem hat die Erde eine Atmosphäre, wo man auch aerodynamisch landen kann. Verkehrsflugzeuge können beim Ausfall von 1 Triebwerk fast völlig problemlos landen, selbst wenn alle gleichzeitig ausfallen, gibt es zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass relativ viele Personen überleben können.
Das stimmt schon, aber wie oben schon geschrieben soll das Starship ja auch auf dem Mond und Mars landen können. Und dort hilft keine Atmosphäre dabei. Und extra für die Landung auf der Erde noch ein zusätzliches Landesystem einzubauen würde nicht viel Nutzlastkapazität übriglassen.
Man hat eben einfach irgendwie mehr Zeit, um eventuelle Fehler auszugleichen und beim Starship bei der Landung sehe ich da, wie gesagt, annähernd null Toleranz für Fehler ...
Das stimmt nur bedingt. Wenn die Fallschirme nicht richtig aufgehen oder ein Loch im Hitzeschild die Flügelstruktur zerschmilzt dann reduziert sich das Restleben auch auf einige Sekunden. Insofern ist ein Starship Landeunfall für die Besatzung sogar angenehmer, denn die bekommen das gar nicht mehr mit. Anders als die Crew der Columbia.
Beim Space Shuttle z.B. ist man grundsätzlich ganz ohne Triebwerk gelandet. Das Space Shuttle hatte ja viele Sicherheitsprobleme, aber die Landung gehörte wirklich nicht dazu ...
Beim Space Shuttle war das insofern einfacher, als man aus einer niedrigen Erdumlaufbahn gelandet ist und dafür einige wenige Landebahnen weltweit verfügbar waren. Trotzdem hat man wegen des Wetters oder anderer Gründe die Landung oft verschieben oder an einen anderen Ort umplanen müssen und ist dann einfach noch ein paar Runden länger um die Erde geflogen. Das Starship wird aber, wie seinerzeit die Apollokapseln, mit Fluchgeschwindigkeit vom Mond oder Mars ankommen. Da gibt es keine Möglichkeit für Warteschleifen. Wenn man aber nur eine kleine Landeplattform für eine senkrechte Landung braucht, hat man eine große Auswahl davon und wird immer eine mit günstigen Bedingunen zur Verfügung haben.
Grüße
Maximilian