Hallo Stefan,
ich denke eine konkrete Industrienorm wirst du im Bereich Prüfung von Amateurteleskopen nicht finden.
In der Tat, ist mir auch nicht gelungen. Es gibt zwar Industrienormen für Ferngläser und Spektive (dort werden auch Teleskope erwähnt), aber auf die Fernoptiken, wie sie Sternfreunde verwenden, bin ich da nicht gestoßen.
Dazu ist das Thema zu speziell und zu exotisch als das da irgendeine Kommission eine DIN oder ISO dazu festlegt hätte.
Es gibt weitaus exotischere Industrienormen, ich selber hatte über vier Jahre das Vergnügen, an der Erstellung einer ISO-Norm zur Reichweitenbestimmung von Nachtsichtkameras auf schnellen Seeschiffen mitzuwirken.
Das ist letztlich wieder so eine typisch deutsche Sache.
Nein, ist es nicht, ISO-Normen werden aus allen Himmelsrichtungen angestoßen und durchlaufen in ihrem Genehmigungsprozess auch global verteilte Gremien. Angeregt werden die Normen sehr oft von der Industrie, einerseits um eben gewisse Fertigungsstandards hochzuhalten (und sich von anderen abzugrenzen), andererseits aber auch, um Vergleichbarkeit und Mess-/Prüfmittel festzulegen.
Mit unserer Reglungswut meinen wir wohl das jede noch so exotische Sache gefälligst bis ins kleinste nach amtlich festgelegten Normen zu erfolgen hat.
Das ist aber Unfug.
Kann man so pauschal nicht sagen, kommt dann halt nur im Nachgang darauf an, wie man mit den Normen umgehen kann und was sie bringen.
Im Bereich professioneller Ferngläser sind Industrie- und Militärnormen oftmals ein Mindestkriterium bei der Zulassung zu Ausschreibungen.
Es gibt auch Normen die sich anhand von über viele Jahre entwickelten Fachwissens in so einem speziellen Fachgebiet bilden ohne dass da gleich eine Kommission eine amtliche DIN oder ISO daraus gemacht hätte.
Dann darf es sich nicht "Norm" nennen.
In so speziellen Fällen wie dem prüfen von Amateurteleskopen läuft das eher wie in der Wissenschaft.
Wer in der Wissenschaft Forschungsergebnisse vorlegt die in in der Fachwelt anerkannt werden sollen der muss sich bei seiner Forschung an eine Vorgehensweise halten die in dem Fachgebiet anerkannt ist.
Was anerkannt ist legt aber keine Kommission amtlich fest sondern das bildet sich unter Fachkollegen heraus.
Einer Kommission die das extra amtlich festlegt bedarf es da meistens nicht.
, Das Prüfen von Amateurteleskopen ist für mich nur bedingt eine Wissenschaft, sondern in erster Linie Messtechnik. Klar, es gibt auch Prüfmethoden, die ohne direkte Messungen auskommen, aber das Messen von Auflösungsvermögen, Sternabbildung und Farbfehlern erfolgt reproduzierbar mit Messtechnik (die im übrigen - so sie denn professionelle Ansprüche erfüllt - auch Industrienormen unterliegt). Wobei deren Verwendung dann natürlich auch fachgerecht erfolgen muss, ich kann mich noch an einen Fall erinnern, wobei ein Celestron 14 einmal von vier Prüfern mit vier deutlich unterschiedlichen Prüfberichten vor mir lag. Aber das ist eine andere Geschichte...
Was mir sonst noch so zum Thread einfällt:
- Als Kamingedanken finde ich die anfänglichen Gedankengänge interessant, die paar wenigen langbrennweitigen Fraunhofer und Apos, mit denen ich z.B. Doppelsterne beobachtet habe, waren sehr ansehnlich. Kann man unter den ganz oben genannten Voraussetzungen auf dem Reißbrett sicher noch besser machen - aber bauen wird einem das kaum einer. Die Vielzahl der Beobachter will nun einmal kurzbrennweitig. Und wem denn dann doch danach gelüstet, der wird auch mit der begrenzten Auswahl gut beobachten können. Alle anderen müssten sich mit Selbstbau behelfen.
CS,
Stefan