BlurXTerminator? Nein, danke.

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

FrankFeustel

Neues Mitglied
Meine erste Begeisterung für diese neue Software (die zunächst sehr groß war) ist verschwunden. Die Ergebnisse sind fast zu schön, um wahr zu sein. Und wie das oft in solchen Fällen ist: dann sind sie vermutlich auch nicht wahr.

Was meine ich genau damit? Ich habe inzwischen den Eindruck, dass BXT Bildinformationen rekonstruiert, die in meinem Original nie vorhanden waren. Sie stammen stattdessen vom Hubble-Weltraumteleskop. Einen starken Hinweis darauf sehe ich in meinem angehängten Beispiel von NGC2903:

Bild 1 zeigt das Original (300% Vergrößerung).
Bild 2 zeigt das Ergebnis einer „herkömmlichen“ Deconvolution.
Bild 3 ist das Ergebnis von BXT und offenbart unglaublich beeindruckende Details. Wow!

Folgende Beobachtungen sind mir dabei (unangenehm) aufgefallen:

(1) Beim Hin- und Herblinken zwischen Bild 2 und 3 bewegen sich durch BXT einige Strukturen gegenüber ihrem Ursprungsort. Das sollte nicht so sein. Die normale Deconvolution zeigt diesen Effekt gar nicht.

(2) Die rekonstruierten Informationen sind so detailliert, dass kaum nachvollziehbar ist, wie sie in meinem verwaschenen Originalbild tatsächlich verborgen gewesen sein sollten.

Was ich denke, was BXT wirklich macht:
Die KI erkennt, dass sie gerade NGC2903 vor sich hat. Nun rekonstruiert sie anhand früher gelernter hochauflösender Bilder von Hubble wie mein Bild hätte aussehen können. Wie der Software-Autor korrekt verspricht, werden keine Sachen „erfunden“, sondern nur Details rekonstruiert, „die real vorhanden sind“. Ja, die sind real vorhanden - am Himmel, aber eben nicht in den Originaldaten meines Fotos. Dort ist nämlich nur unscharfer Matsch drin - wegen schlechten Seeings, schlechten Guidings, der gigantischen Obstruktion meines RCs und noch zehn anderer Unzulänglichkeiten.

Nach meinem Verständnis beschreibt der Software-Autor diese Funktionsweise sogar auf seiner Webseite: „[BXT] … brings an additional source of information to guide the process: knowledge of the structures and patterns typically present in real, high-resolution astronomical images. BlurXTerminator's neural network was trained using extremely high resolution images acquired by instruments such as the Hubble and James Webb space telescopes.“ Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Die Motive, die Astrofotografen ablichten, sehen immer gleich aus, sind also fest definiert und lassen sich dadurch aus anderen Fotos rekonstruieren. Bei Tageslichtfotos gelingt dieser Trick nicht, weil auf jedem Urlaubsfoto andere kleine Hosenschei?er eine Sandburg bauen, welche auch nie gleich aussieht.

Weiter schreibt der Autor: „It ‚understands‘ what astronomical structures actually look like at finer scales than can be resolved using amateur equipment“. Den letzten Satz unterschreibe ich zu 100%. Ich verstehe das so, dass ich in meinem Bild letztendlich Daten von Hubble zu sehen bekomme. Ich habe größten Respekt für die Programmierleistung des Autors. So detailreich sahen meine Fotos noch nie aus. Ich fände das trotzdem sinnfrei. Wenn ich Hubble-Daten bearbeiten möchte, dann kann ich sie mir auch von der NASA-Webseite herunterladen. Lieber stehe ich zu meinen matschigen Bildern, weil es halt meine eigenen sind.

Satirischer Schlusskommentar: Werden in den Foren schon bald tonnenweise verwackelte Handy-Fotos auftauchen, die dank KI-Software auf Hubble-Niveau gebracht wurden? Ich hoffe nicht. Sonst würde ich meine Astro-Ausrüstung am nächsten Tag verkaufen.
 

Anhänge

  • BXT NGC2903-animated.gif
    BXT NGC2903-animated.gif
    1,1 MB · Aufrufe: 1.682
Das kann ja eigentlich nur online passieren. :unsure:
Um das zu prüfen, könnte man die Bildbearbeitung offline durchführen und das Ergebnis vergleichen oder aber online, sofern es dein Router hergibt, mal den Datenverkehr beobachten.

Grüße
Hartmut
 
Genau dahin soll die Reise gehen. Das wird sicher auch offline möglich sein, ab einer gewissen Größe des Programms. Habe das schon immer vermutet, zb bei der farbkalibrierung, bei der man online sein muß! Da hört mir der Spaß nun wirklich auf! Da kann ich echt selber im Photoshop zwei Ebenen erstellen und ein Hubble Bild laden und es mit meinem verschmelzen. Seit ungefähr zwei Jahren ist das hier zu beobachten und es wird immer kurioser durch selbsternannte Erklärer und Youtuber die die unkundigen in diese Richtung drängen.
VG Frank
 
Hallo,
wenn man sich die Beschreibung des Autors bzgl. BXT durchliest wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß keine Informationen hinzugefügt werden. Vermutlich handelt sich lediglich um einen wortreich beschriebenen neueren Schärfungsalgorithmus. Ich danke jedenfalls für den Hinweis und werde mir die Trial-Version herungerladen, um einen eigenen Vergleich zu haben. Dazu werde ich einen exotischen Ausschnitt wählen und den Rechner vom Netz trennen. Wenn Deine Vermutung zutrifft würde das Programm wg. mangelnder (gigantischer) Vergleichsdaten versagen, wenn nicht ist das eine sehr beachtenswerte neue Schärfungsvariante.
Vielen Dank für die Info und CS
Dieter
 
die in meinem Original nie vorhanden waren. Sie stammen stattdessen vom Hubble-Weltraumteleskop.
Servus Frank,

Das ist der allererste Satz in der PixInsight Reference Documentation :
"Deconvolves astronomical images using AI (neural network) methods."

Hier ein sehr schöner Artikel zum Thema KI in dem auch kurz auf die Bildbearbeitung eingegangen wird.
Meilensteine der Entwicklung Künstlicher Intelligenz

Persönlich habe ich BlurXT an 5 älteren Aufnahmen probiert und bin von dem Ergebnissen sehr zufrieden.

Es wäre schön wenn Du Dein GIF nochmal hochladen könntest und die Stellen markierst die Deiner Meinung nach von Hubble stammen.
Bin neugierig aber glauben tue ich Deiner Theorie nicht.

LG & CS
 
Hallo,
wenn man sich die Beschreibung des Autors bzgl. BXT durchliest wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß keine Informationen hinzugefügt werden. Vermutlich handelt sich lediglich um einen wortreich beschriebenen neueren Schärfungsalgorithmus. Ich danke jedenfalls für den Hinweis und werde mir die Trial-Version herungerladen, um einen eigenen Vergleich zu haben. Dazu werde ich einen exotischen Ausschnitt wählen und den Rechner vom Netz trennen. Wenn Deine Vermutung zutrifft würde das Programm wg. mangelnder (gigantischer) Vergleichsdaten versagen, wenn nicht ist das eine sehr beachtenswerte neue Schärfungsvariante.
Vielen Dank für die Info und CS
Dieter
Ich bin sehr gespannt, was dabei rauskommt
Ulli
 
Moin,

da schließe ich mich an, in der einen, wie in der anderen Richtung. Das Schärfungsergebnis wäre ja sensationell wenn es das aus dem Original zaubert...

CS
Jörg
 
Hallo,

ich glaube, es gibt hier einige Missverständnisse, wie so neuronale Netzwerke eigentlich arbeiten. Wenn die "KI" mit Hubble/JWST Bildern gefüttert wurde, dann stecken natürlich in den Ergebnissen Informationen dieser Teleskope. Das darf man sich aber nicht so vorstellen, dass da Hubble Bilder mehr oder weniger reinretuschiert werden. So ein neuronales Netz ist letztlich nur ein ziemlich komplexer nicht-linearer Signalverarbeitungsfilter. Vereinfacht gesagt, besteht das aus mehreren Schichten. In jeder Schicht werden die Pixel des Eingangsbildes bzw. die Ausgänge der vorherigen Schicht auf alle sog. Knoten der aktuellen Schicht verlinkt, dort durch eine Aktivierungsfunktion geschickt, dann mit einem Gewichtsfaktor multipliziert und wieder ausgegeben. Also eigentlich eine ziemlich simple Rechenoperation. Der Trick besteht darin, dass das ganze System wahnsinnig viele Freiheitsgrade hat. Damit das überhaupt etwas Sinnvolles tut, muss man es trainieren. Da kommen die Hubble-Daten ins Spiel. Damit kann man die Gewichtsfaktoren bestimmen. Ob das Netzwerk dabei Features aller Nebel lernt oder einfach nur versteht, wie man nebelartige Objekte schärfen kann, hängt extrem davon ab, wie das Netzwerk aufgebaut ist. Um hinterher den Algorithmus (also das Netzwerk) arbeiten zu lassen, braucht man auch nicht mehr die ganzen Hubbledaten, sondern lediglich die Wichtungsfaktoren. Die können relativ wenig Platz brauchen, oder extrem viel - je nach Art und Struktur des Neuronalen Netzes.

Auf jeden Fall ist es aber so, dass die Ergebnisse nicht irgendwelche versteckten Informationen aus den Bildern hervorzaubern. Sie erzeugen ein neues Bild auf Basis der Eingabe, welches die typischen Features (und Schärfegrade) von höheraufgelösten Aufnahmen nachahmen (nicht reinretuschieren, wohlgemerkt).

Ich persönlich halte da nicht viel von. Wie andere schon schrieben, könnte man dann auch direkt Hubble-Bilder runterladen. Auf der anderen Seite müsste man dann auch bei klassischeren Rauschunterdrückungsfiltern fragen, ob das noch dem Original entspricht? Wo zieht man die Grenze?

Wissenschaftlich ist das ganze Thema aber hochinteressant. Man kann näherungsweise Sternspektren (mit allen Emissions- und Absorptionslinien) offenbar mit lediglich 2 Parametern beschreiben. Das wurde mit einem speziellen Typ von Neuronalen Netzwerk rausgefunden, sog. Auto-Encodern. Sobald das Netzwerk trainiert ist, braucht man nur noch 2 Zahlen reinstecken und kriegt täuschend echte Spektren raus. Ein Beispielpaper gibt hier.

CS
Benjamin
 
Das macht das Resultat zwar plausibel und ich verstehe es dann als eine Art Hochrechnung. Aber dann ist es quasi auch egal ob ich meine Matsch-Aufnahmen von heute Nacht oder aus den letzten Jahren nehme. Sehe ich das so richtig?
 
Wie gesagt, ohne die Details zum Netzwerk zu kennen, kann man nur raten, was genau da passiert. Man könnte auch eine KI trainieren, der man nur noch sagen muss: "gib mir ein Bild vom Pferdekopfnebel, dass so aussieht wie von Hubble aufgenommen". Ich vermute schon, dass dieses Tool eher gelernt hat, wie Nebel grundsätzlich aussehen - sonst wären die Ergebnisse ja zu andersartig als die total verschiedenen Bilder, die die User da reingeben.

Übrigens, Starnet++ macht auch etwas in die Richtung. Nutzen aber auch ganz viele Leute. Dort ist es natürlich so, dass man mit der KI nur die Sterne vom Hintergrund trennt und keine neuen Infos reinsteckt.
 
Hallo zusammen,

interessanter Faden.

Ich habe mir mal auf die schnelle die Trial-Version runtergeladen und einen allerersten Versuch gestartet.

Bild 1: Original - Ausschnittsvergrößerung IC 1805
Bild 2: Original - Ausschnittsvergrößerung IC 1805 - mit BlurXTerminator (PC offline)
Bild 3: Original - Ausschnittsvergrößerung IC 1805 - mit BlurXTerminator (PC online)

Es fällt auf, dass die Sterne deutlich verkleinert und geschärft werden.
Zwischen Bild 2 und 3 sehe ich keinen Unterschied.

Richtig "geflashed" hat mich der Effekt jetzt ehrlich gesagt nicht - liegt vielleicht auch daran, dass das Original schon viele Details und ein gute Schärfe zeigt.

Gruß
Michael


Bild 1: Original - Ausschnittsvergrößerung IC 1805
IC1805_Original.jpg


Bild 2: Original - Ausschnittsvergrößerung IC 1805 - mit BlurXTerminator (PC offline)
IC1805_BlurX_Offline.jpg


Bild 3: Original - Ausschnittsvergrößerung IC 1805 - mit BlurXTerminator (PC online)
IC1805_BlurX_Online.jpg
 
Hallo zusammen,

hier nun ein zweiter Vergleich:

Bild 1: M51-Original
Bild 2: M51 mit BlurXTerminator

In diesem Fall sieht man schon besser, dass die Details im rechten Teil von M51 mehr rauskommen. Der Haupteffekt wird allerdings wieder in kleineren und schärferen Sternen sichtbar. Ist halt alles Geschmackssache.

Gruß
Michael


Bild 1: M51-Original
M51_Original.jpg



Bild 2: M51 mit BlurXTerminator (Standardeinstellungen)
M51_BlurXTerminator.jpg
 
Hallo,
ich beziehe mich auf meinen Beitrag von oben, ich kann bestätigen was schon festgestellt wurde: Kein Unterschied im Ergebnis off/online, kein Unterschied in den Laufzeiten. Also ein neuer und sehr guter Sharpener. Da wird nichts hinzugefügt. Ich habe in auch schon gekauft. Das hätte sich mit besserem Material auch leicht feststellen lassen. Nochmals vielen Dank für den Hinweis, auch wenn er ganz anders gemeint war.
CS Dieter
 
Und ein 3. und dann auch letztes Beispiel.

Da sich ja rausstellt, das BlurXTerminator insbesondere auf die Sterndarstellung wirkt, habe ich ein älteres Bild von M13 überarbeitet.

Bild 1: M13 Original
Bild 2: M13 - Ausschnitt
Bild 3: M13 - Ausschnitt mit BlurXTerminator bearbeitet

Meiner Meinung nach wird in Bild 3 der Effekt schon deutlich positiv in den feineren Strukturen der kleinen Sterne in M13 sichtbar -> Also, je mehr Sterne, desto besser funktioniert BlurXTerminator.
Apropos, hierzu gibt es auch ein sehr gutes Video von Adam Block mit vielen Beispielen: BlurXTerminator for Pixinsight: A Real WOW

Gruß
Michael


Bild 1: M13 Original
M31_Original.jpg



Bild 2: M13 - Ausschnitt
M31_Ausschnitt.jpg



Bild 3: M13 - Ausschnitt mit BlurXTerminator bearbeitet
M31_Ausschnitt_BlurXTerminator.jpg
 
Mal so aus der Ferne betrachtet kann das schon was, der Beitrag von Adam Block ist da erhellend. Muss man sich vermutlich erstmal reinfuxen und sehen, was das allgemein kann, schlecht finde ich das jetzt nicht.

CS
Jörg
 
Wir hatten parallel in einer Facebook-Gruppe eine recht umfangreiche Diskussion. Ich würde die aus meiner Sicht wie folgt zusammenfassen:

BXT führt keine Deconvolution im herkömmlichen Sinne durch. Stattdessen übernimmt eine KI die Erzeugung der wahrscheinlichsten Struktur und ersetzt mit dieser die jeweilige Stelle im Originalbild. So erkläre ich mir auch die Beobachtung, warum manche Stellen durch BXT leicht verrutschen.

Das kann man alles gern machen. Mich stören daran nur zwei Dinge: Die Webseite spricht viel von "Deconvolution", was aber aus meiner Sicht nicht zutrifft. Zusätzlich wird der Anspruch erhoben, dass "keine Details erzeugt werden, die nicht tatsächlich da sind". Die KI erzeugt sicher Ergebnisse, die der Realität sehr ähneln, aber ich finde die Aussage zu stark.

Um nicht nur herumzumeckern möchte ich zumindest noch mit folgender positiver Meldung schließen: BXT zaubert auch aus Mondaufnahmen ungeahnte Details. (Auch hier verrutschen wieder Bildbereiche, was aber nur im direkten Vergleich auffällt.)

Viele Grüße,
Frank
 

Anhänge

  • MVI_9659_Montage_Vergleich.jpg
    MVI_9659_Montage_Vergleich.jpg
    465,5 KB · Aufrufe: 1.491
Das kann man alles gern machen. Mich stören daran nur zwei Dinge: Die Webseite spricht viel von "Deconvolution", was aber aus meiner Sicht nicht zutrifft. Zusätzlich wird der Anspruch erhoben, dass "keine Details erzeugt werden, die nicht tatsächlich da sind". Die KI erzeugt sicher Ergebnisse, die der Realität sehr ähneln, aber ich finde die Aussage zu stark.
Ich glaube das diese Software im Bild Daten entnimmt um eine passende PSF daraus zu rekonstruieren und damit das Bild schärft. Aber das kann man ja überprüfen, ein Hubble Bild nehmen und eine convulation durchführen. Mal sehen was das Programm dann rekonstruiert.
VG Frank
 
Als Einsatz kann ich mir BXT vielleicht für Illustrationen vorstellen: Science-Fiction Szenarien, Buch-Cover, Spiel-Design, Berichterstattung zu wissenschaftlichen Themen bei denen eine künstlerische Darstellung gewollt ist. Also dort wo man eine bereits kreativ erstellte Grafik feiner aufgelöst darstellen möchte.
 
Für meinen Geschmack werden hier zu viele Meinungen von Leuten geäußert, die sich weder die Mühe gemacht haben, sich hinreichend zu informieren (z. B. die umfangreiche und detaillierte Dokumentation zu lesen, die beim Tool hinterlegt ist), noch eigene Erfahrungen damit gesammelt haben. Wie wir gerade in anderen Diskussionen hier im Forum lesen können, ist die Astrofotografie auch ein Handwerk. BXT ist wie viele andere Filter ein Werkzeug, das man richtig bedienen und im richtigen Kontext einsetzen muss. Das wurde z. B. im oben verlinkten Video beides nicht gemacht.
 
Völlig richtig, Peter.
Im Video heißt es sinngemäß, daß das Trainieren der KI dazu führt, daß die Software "weiß, wie M82 auszusehen hat". Wenn man auf diese Weise ein Bild "bearbeiten" wollte, müßte man keine KI bemühen, sondern per Platesolving den Himmelsausschnitt identifizieren und vielleicht zwischen dem aufgenommen Bild und dem Referenzbild interpolieren. Daß das kompletter Quatsch wäre, ist klar, insofern ist die Argumentation richtig.
Weil aber die KI völlig anders arbeitet, ist die Argumentation schlicht falsch.
Daß man zunächst mit guten und dann immer schlechteren Bildern trainieren muß, ist logisch, denn das macht die KI aus: sie "lernt". Und das geht zunächst einmal besser mit einfachen Aufgaben (guten Bildern) und bei größerer "Erfahrung" irgendwann auch mit schweren Aufgaben (schlechten Bildern).
Daß ein Rekonstruieren immer auch die Gefahr birgt, daß etwas "hinzugedichtet" wird, ist klar. Ich bin aber ziemlich sicher, daß diese Technik grundsätzlich eine deutlich bessere und wenige fehlerbehaftete Schärfung und Rekonstruktion hinbekommt als ich.
Und aus diesem Grund verstehe ich auch nicht, warum man auf EVENTUELLEN kleinen Fehlern herumreiten muß (nennen ja, herumreiten nicht), statt sich primär zu freuen, daß diese Fehlerchen überhaupt nur deswegen auftreten und sichtbar werden, weil der Rest des Bildes viel besser ist als vorher.
Ganz nebenbei scheinen viele nicht einmal gelesen zu haben, daß dieses Werkzeug sehr früh im Bearbeitungsprozeß verwendet werden soll, nämlich nach dem Stacken, im linearen Zustand des Bildes. Wer das auf ansonsten fertig bearbeitete Bilder anwendet, sollte sich nicht wundern (und schon gar nicht dazu äußern), wenn es fehlerhafte Darstellungen gibt.
Es ist also wieder einmal empfehlenswert, sich erst zu informieren, dann auszuprobieren und erst am Ende zu kommentieren.

Viele Grüße
Markus
 
Hallo Markus,

manchmal muss aus Gründen offenbar ein Video / Posting / Blogbeitrag /... unter die Leute, damit etwas gesagt oder geschrieben wurde, und das möglichst schnell. Dass es daraus resultierend möglicherweise vielleicht unter Umständen an der inhaltlichen Richtigkeit hapern könnte...was solls, geliked und geklickt wurde. :y:
Kann man jetzt auf den BXT beziehen wenn man möchte, oder auch auf den vielen anderen "Anleitungs-Schmarren", den man so findet. _affeaugen:

LG, Markus
 
Wenn man auf diese Weise ein Bild "bearbeiten" wollte, müßte man keine KI bemühen, sondern per Platesolving den Himmelsausschnitt identifizieren und vielleicht zwischen dem aufgenommen Bild und dem Referenzbild interpolieren.
Dabei muß aber bedacht werden, das dieses Programm nicht standalone funktioniert. Es ist in PI eingebettet. Da ich kein PI verwende würde mich interessieren, ob da ein Plate solver integriert ist und dieser offline funktioniert. Die Anwendung könnte dadurch "wissen" um welches Objekt es sich handelt?
VG Frank
 
Hallo, Frank,
guter Einwand. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob PI einen Offline-Solver hat, aber selbst wenn nicht, könnte BX eine solche Funktion nutzen. Ich habe das an verschiedenen Bildern ausprobiert und siehe da: Manchmal ist das Resultat nicht so toll. Ausgerechnet beim Beseitigen von deformierten Sternen, was in gewissem Rahmen auch funktionieren soll, waren die Resultat nicht so gut wie bei (beispielsweise) Nebeln – obwohl ein Stern per Definition rund ist und es einfach wäre, den Schwerpunkt oder die geometrische Mitte zu bestimmen und einen passenden Stern an der richtigen Stelle zu plazieren oder gleich den richtigen Ort aus dem Platesolving zu bestimmen.
Zwei Dinge bringen mich zu dem vorläufigen Urteil, daß die Software ziemlich gut und genau das macht, was sie laut Beschreibung machen soll.
1. Gute Resultate bedingen brauchbare Quelldaten (gut, könnte man noch faken, würde aber ziemlich schnell auffallen).
2. Als ein Nutzer von NoiseXterminator, der ziemlich pingelig untersucht hat, was die Software bei unterschiedlichem Rauschen und unterschiedlichen Einstellungen wie macht, glaube ich, daß der Autor weiß, was er macht und worauf es ankommt.
Restfehler sind natürlich nicht ausgeschlossen, aber wie schon gesagt: Ich bekomme die Bilder nicht so gut hin wie die Software, also nutze ich diese Möglichkeit.
Für alle anderen gilt (auch wenn das manche überraschen mag): Die Benutzung ist freiwillig! ;-)

Viele Grüße

Markus
 
Hallo Frank,

die Software funktioniert auch dann, wenn es für das Objekt gar keine nennenswerten Referenzbilder gibt, weil dieses Objekt schlicht weder von Hubble, noch JWST oder auch Amateuren in entsprechender Qualität aufgenommen wurde. Man nehme irgendeinen LDN, DCLD oder ähnliche Exoten, da hört sich das mit den guten Quelldaten schnell auf. Die Software funktioniert also auch dann, wenn sie zu meinem Mittelklassebild gar kein Referenzbild haben kann, auf das interpoliert wird.
Dazu kommt, dass sie zT schneller ist als der imagesolver...der Softwareautor müsste also den solver auch noch beschleunigt haben. Eine astrometrische Lösung ist nämlich nicht Voraussetzung, daher viel Spaß dem imagesolver beim blindsolving (ja, es gibt sehr schnelle blind solver, aber nicht in PI).
Wie sie genau funktioniert kann ich nicht sagen, aber so nicht. Und sie mischt auch keine Hubbledaten dazu, wie schon zu lesen war (an anderer Stelle).

LG, Markus
 
Interessante Diskussion hier über ein interessantes neues Tool! Werde ich auf jeden Fall auch mal ausprobieren (an linearen Bildern!), auch wenn ich den Preis schon ordentlich finde...

Möchte gar nicht in die grundlegende Kontroverse einsteigen (entscheidend finde ich den Satz "die Nutzung des Tools ist freiwillig"), auch nicht darüber diskutieren, inwieweit klassische Denoising- oder Schärfungsverfahren eine falsche Realität erzeugen.

An Franks 3-stufigem, anschaulichem Vergleichs-GIF ist mir nur Folgendes aufgefallen:
(1) Beim Hin- und Herblinken zwischen Bild 2 und 3 bewegen sich durch BXT einige Strukturen gegenüber ihrem Ursprungsort. Das sollte nicht so sein. Die normale Deconvolution zeigt diesen Effekt gar nicht.
Man erkennt am Noise, dass zwischen Bild 2 und Bild 3 eine komplette Verschiebung des Ausschnitts um ein (oder wenige) Pixel nach oben erfolgt. Eine Verschiebung zueinander von Strukturen im Bild sehe ich nicht.

Der Schärfungsgrad ist allerdings in der Tat schon heftig. Wobei der sicher auch einstellbar ist.

VG
Bernd
 
Hallo, Bernd,
ja, es gibt ein paar Einstellungen, um das Resultat zu optimieren.
Eine Verschiebung konnte ich nicht feststellen, kann also dazu keine Aussage machen.

Viele Grüße

Markus
 
Hallo Bernd,

es ist der Grad einstellbar, und zwar für Sterne und Objekte getrennt, bis hinunter auf "0".
Das ist das merkwürdige an der Diskussion zu diesem tool: obwohl es Einstellmöglichkeiten gibt, die ein artefaktfreies Ergebnis liefern, werden artefaktbehaftete Ergebnisse (= überzogene Nutzung) verbreitet und Theorien gleich dazu.

LG, Markus
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben