Hallo Michael,
Danke für die Erklärung.
Hallo Claus,
im Mittelalter gab es eine uns allen bekannte Institution, die alles Neue in wahrsten Sinn des Wortes verteufelt hat und unter der auch Galilei sehr gelitten hat. In dieser Zeit ist sehr viel Wissen verloren gegangen bzw. blockiert worden.
Das Wissen ist damals keineswegs verloren gegangen, z.B. hat Galilei seine Ergebnisse trotz Allem veröffentlichen können, und das sogar in Italien, ich habe sogar eine historische Übesetzung vom Dialogo - tolles Buch. Die Druckereien damals waren den Mächtigen von Staat und Kirche genauso ein Dorn im Auge genau wie heute das Internet und manche Blogger. Damals sagte man "Ketzer" oder "Antichrist", heute scheint das passende Wort "Verschwörungstheoretiker" zu sein. Die Geschichtsschreibung wird das dann in 100 Jahren feststellen. Die Internetzensur hieß damals "Index". Auch wenn Galileis Bücher in Italien auf den Index gesetzt wurden, war es schon zu spät. Kepler und Newton und andere hatten längst ein Exemplar, auf dem sie ihr Werk aufbauen konnten. Das Verbot war am Ende sinnlos.
Sicher wurden damals genau wie heute auch viele Unsinn z.B. vom drohenden jüngsten Gericht bei Auftreten eines Kometen und Schlimmeres gedruckt, das ist heute aber vergessen. Daher muss das Internet frei von politischer Einmischung bleiben, finde ich. Das ist aber ein anderes Thema.
Ich bin auch, wie aus meinem Forennamen ersichtlich, Naturwissenschaftler, genauer gesagt Physik-Chemiker. Natürlich haben KI und moderne Algorithmen ihre Berechtigung in der Naturwissenschaft. Anders könnten wir den Wust an Daten gar nicht mehr interpretieren und neue Erkenntnisse gewinnen. Das wird kein Wissenschaftler ernsthaft in Frage stellen.
Auf der anderen Seite muss in der Wissenschaft KI natürlich transparent sein - keine Frage.
BXT hat aber überhaupt nicht den Anspruch ein wissenschaftliches Tool zu sein. Jedenfalls habe ich dies so nie gelesen. BXT ist ein Tool, dass uns die Bildbearbeitung in der Astrofotografie auf Amateurniveau zu erleichtern. Nicht mehr und nicht weniger.
Gerade dies wird auch hier in der Diskussion oft vergessen. Kein wissenschaftlicher Astronom wird BXT verwenden.
Gruß
Michael
Leute, Ihr Astrofotographen seid(!) allesamt auch Wissenschaftler, ob ihr wollt oder nicht, Eure Originalbilder sind Dokumente des Universums. Es gibt keine Abgrenzung zwischen Profis und Leien. Noch der Pionier der Astrophotographie Max Wolf war ein 100% Amateurastronom. Frank Sackenheim hat ein Videobeitrag in youtube zu neuesten Amateurentdeckungen gemacht.
War Tycho Brahe nicht auch ein Wissenschaftler? Schließlich hat er haupsächlich beobachtet und Positionen gemessen. Was Ihr mit euren phantastischen Kameras macht, ist nicht geringer!
Irgend Jemand schrieb weiter oben, dass er BTX ;-) verwendet, um Zeit bei der Bildverarbeitung zu sparen. Ist denn die Bildverarbeitung eine Nebensache für Amateure? Kommt es nur darauf an, möglichst schnell um jeden Preis einen Effekt zu erreichen? Warum will man das denn? Schließlich gibt es manche, die gar nicht fotographieren sondern "nur" Rosat, Gaia, Hubble, Web, etc. Bilder/Daten nehmen, zu Hause im Wohnzimmer analysieren und große Entdeckungen machen. Das ist genauso Wissenschaft. Manche dokumentieren, andere analysieren, dann gibt es noch die Theoretiker, die versuchen das Phänomen mit math. Modellen zu reproduzieren und zu "verstehen", welche Mechanismen dazu führen. All das ist Wissenschaft.
KI kann Korrelationen und erstaunlich komplexe Muster finden, aber keine Kausalität erkennen. Es kann niemals aus dem Bildrauschen ganz neue Dinge sichtbar machen, die man mit anderen Verfahren nicht sehen würde. Das verbietet die Informationstheorie. Der Trick besteht darin, weitere Information mit einzuschmuggeln. Objekte, die von der KI nicht gelernt wurden, werden verfälscht, so dass sie sich erlernten Objekten ähneln. Man nennt das Projektion. Wie ja oben experimentell gezeigt wurde, muss man sehr kritisch bleiben. Wenn wir Phänomene verstehen(!) wollen, müssen wir unsere eigene "NI" (sprich graue Zellen) einsetzen. Unser Gehirn ist eine clevere Verbindung von assoziativem Lernen und analytischem Denken, Überprüfung des Wahrheitsgehalts des Resultats und vielleicht noch mehr. Die KI leistet das bisher nicht.
Also lernt eure Rohbilder zu genießen, sie sind der beste und direkteste Fingerabdruck unseres gewaltigen beeindruckenden Universums und der zu uns fliegenden Photonen (-> Photonenrauschen), die Milliarden Jahre unterwegs waren. Diese uralten Photonen haben in euren tollen Kameras tatsächlich Elektronen freigesetzt, die durch wahnsinnig sensible Halbleiterverstärker dann in einen erkennbaren Helligkeitswert umgewandelt werden. Ich finde das unglaublich beeindruckend! Manche Kameras haben eine QE von 90%, da kann man schon sagen, dass plusminus jedes (!) Photon bei euch Spuren hinterlassen hat. Es ist einfach atemberaubend, finde ich. Dies hat meiner Meinung nach keine künstlerische Nachbesserung nötig.
Grüssle, Claus