Hallo Play,
hast du schon mal durch ein Unistellar eVscope oder Discovery Pro mit elektronischem Okular geschaut? Das dürfte dem SmartEye sehr nahe kommen, nur dass die Unistellar-App halt zusätzlich das Teleskop steuert und nicht wie gewohnt der Handcontroller (außer, SkySafari kann das vorhandene Teleskop auch zusätzlich zum SmartEye steuern)
Ja, das nennt sich Okular (bei Unistellar: Nikon Eyepiece Technology), auch wenn es nur ein okularförmiges Gehäuse mit Dioptrienausgleich und Display ist. Hat den Vorteil, dass es jeder als Okular erkennt und mit dem Teleskop in Verbindung bringt. Beispiel öffentliche Beobachtungsnacht: Wenn da Besucher am Teleskop vorbeikommen, können die gleich in dieses Teleskop schauen und müssen nicht zu dem Kollege ein paar Meter weiter, der gerade das Tablet hat und darauf ein Bild zeigt (und dann gleich noch die anderen Aufnahmen der Nacht zeigt, oder das zumindest behauptet

– am klassischen Okular kann man die Leute die Feinverstellung nutzen lassen, wenn sie einem nicht glauben, dass das Bild im Okular echt ist, geht bei EAA natürlich nicht). So hat man eher einen Bezug dazu, dass die Bilder auch wirklich von diesem Gerät kommen. Ist ein bisschen wie beim Blick durch einen Refraktor vs. Newton: Beim Refraktor ist einem einfacher klar, wo man gerade hin schaut, und dass z.B. der kleine Jupiter im Okular der helle Punkt ist, in dessen Richtung man schaut. Da ist beim Newton mit seitlichem Einblick oben eher ein "um die Ecke denken" angebracht.
Zumindest beim eVscope 2 hat sich das meiste in den ersten fünf Minuten getan, danach wurde das Bild nur noch langsam besser. Von daher stört es auch nicht, wenn es öfter wackelt und nicht viele Bilder genutzt werden – man kann trotzdem schon gut was zeigen. Und bei Kälte ist es nett, dass man einfach nur zum Gerät geht und einen Blick rein wirft, was sich getan hat, statt mit kalten Fingern das Handy aus der Tasche zu holen und darauf rumzuwischen.
Das steht und fällt aber mit der Qualität vom verbauten Display. Wir hatten im Verein deshalb das Equinox ohne Okular gekauft, weil es uns die rund 1000€ Aufpreis nur für das Okular nicht wert war (und so auch noch ins Budget gepasst hatte) und das elektronische Okular zwar nett war, aber die Sterne zu fett waren. Falls Pegasus jetzt eins mit höherer Auflösung verwendet wird, könnte das nett sein.
Vom Gefühl her stelle ich mir das etwa wie Nachtsichtgerät im Okularauszug oder ein Head-Up-Display fürs Auto vor, in das zusätzliche Objektinfos eingeblendet werden können, oder so ein digitaler Rückspiegel wie in manchen neuen Autos, die so unübersichtlich sind, dass man nach hinten eh nichts sieht und daher eine Kamera verwendet – die bei Nacht ggf. halt auch mehr zeigen können. Nur halt direkt am Teleskop.
Wie gut die Illusion vom Blick durch ein Teleskop "mit zusätzlicher VR-Brille" dann ist, müssen wir abwarten – wenn ich mir Handy-Displays anschaue, müsste die nötige Auflösung eigentlich vorhanden sein.
Wer in erster Linie auf die Fotos aus ist, wird das Teleskop während der Aufnahme eh nicht anfassen, sondern wie gewohnt in Ruhe arbeiten lassen – aber kann sich das Geld für Display, Objektinfos und Livestacking eigentlich eh sparen und lieber in einen Standalone-Autoguider investieren. Für einen Fotograf wäre der einzige Vorteil vom SmartEye dann, dass er keinen Laptop zum Scharfstellen und betreiben der Kamera braucht. Aber für Deep-Sky brauchts ja keine leistungsstarken Rechner am Teleskop, der Aufpreis ist vernachlässigbar. Bildbearbeitung macht man dann wohl eh zuhause, da ist der Livestack nur eine Vorschau.
Das Hestia von Vaonis ist ja auch nichts weiter als das Handy am Okular mit eigener Aufnahmesoftware – eine Box mit Optik für ich glaube 25x Vergrößerung, auf die das Handy gelegt wird, um erst einmal die Sonnenfinsternis in Amerika zu fotografieren und später auch Deep Sky – wobei eine Nachführung erst später kommen soll. Und so ultra-stabil sieht das ganze auch nicht aus. Da bin ich gespannt, wann die ersten Fotos vom Nachthimmel kommen und zeigen, was die Technik mittlerweile kann.
Nett ist, dass es halt modular ist und an verschiedene Optiken passt. Mein EAA-Setup ist eine billig-Webcam wahlweise am VarioFinder 60/250 oder am Evoguide 50/200, womit schon ziemlich viel geht – wenn man es schafft, ein Einsteiger-Teleskop so aufzustellen, dass es rund fünf Minuten das Objekt im Bild hält und nicht zusammenbricht, wenn man das SmartEye dran hängt und fokussiert, würde sogar das funktionieren. Umgekehrt hat man mit der AZ-GTi den kompakten EAA-Setup für unterwegs, mit dem man auch visuell unterwegs sei kann, und bei den Brennweiten/Teleskopen flexibel ist. Dann relativiert sich der Preis schon wieder.
Im Verein ist das 50er Evoguide für EAA auf dem C14 aufgesattelt, weil beide etwas das gleiche Bildfeld haben und man so den Vergleich Auge/Kamera zeigen kann. Mit dem SmartEye kann dann der Monitor an der Wand ausbleiben. Dafür müsste man zusätzlich erklären, dass sie an der kleinen Optik auf eine Kamera schauen - mit Info-Overlays dürfte das dem Betrachter klarer sein.
Beste Grüße,
Alex