EQ-Plattform für Dummies?

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frasax

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Hallo,

in diesem Bereich des Forums bin ich selten aktiv :) Das mag daran liegen, dass ich nicht der begnadete Handwerker bin. Womit wir beim Thema sind.
Ich möchte Interessierten das Thema Astronomie/Planeten und hier speziell den Einstieg in die Planetenfotografie näher bringen. Für die ersten Schritte habe ich daran gedacht mit einer Planetencam am Dobson Aufnahmen zu machen. Dazu benötigt man eine EQ-Plattform.

Nun ist das Internet beinahe voll mit Anleitungen zum Bau einer solchen, aber übersichtlich ist das nicht gerade. Daher gezielt meine Frage. Kennt jemand eine Anleitung für eine EQ Plattform für z.Bsp. einen 10" Dobson?
-Materialien leicht zu bearbeiten (also möglichst kein Metall, stattdessen Holz oder Kunststoff)
-Materialien leicht zu beschaffen (online oder Baumarkt)
-Werkzeuge aus dem Haushalt/Baumarkt (Eher Stichsäge statt Frässbank etc.)

Pläne sollten entweder zum ausdrucken sein oder zum zeichnen. 3D Druck scheidet auch erstmal aus. Die Genauigkeit sollte ausreichend sein, um einen Planeten für wenige Minuten im Gesichtsfeld der Kamera zu halten.

Ich hoffe ihr könnt euch in meine Anforderungen hineindenken.

LG und CS
Frank
 

danke dir. Ja, die Seite kenne ich, aber finde sie irgendwie unübersichtlich. Viele Links die einen wieder weg bewegen, dann ist das doch nicht was man sucht, wieder zurück.. finde ich irgendwie ermüdend ehrlich gesagt. Und es wird mit Metall gearbeitet (zumindest in der Anleitung zu der "einfachen" Plattform).

CS Frank
 
Hallo Frank,

auch ich habe mich durch die Seite von Reiner Vogel durchgekämpft und mir schließlich meine EQ Plattform nach seinen (skalierten) Plänen gebaut. Ich muss dir Recht geben, die Seite wirkt zunächst ziemlich konfus, aber es werden alle wichtigen Themen behandelt, um die Funktion einer EQ Plattform wirklich zu verstehen.
Daher sehe ich eine EQ Plattform, sei es eine gekaufte oder eine DIY Plattform eigentlich nicht mehr als etwas für den Einsteiger. Wer mit einem Dobson Bilder / Videos machen will, der muss sich meiner Meinung nach tiefer mit der Materie auseinandersetzen und dafür ist die Seite von Reiner Vogel phantastisch. Die Lernkurve ist hier aber zugegebenermaßen recht steil.
Ich bezweifle daher, dass man eine DIY EQ Plattform nach dem KISS Prinzip (Keep It Simple, Stupid) hinbekommt, die dann auch zufriedenstellend funktioniert.

Und ganz ohne Metall kommt leider keine EQ Plattform aus. Ein paar Rollen, Achsen, Lager braucht es ohnehin. Die Teilellipsen kann man dagegen durchaus aus Hartholz fertigen. Ist dann vielleicht nicht ganz so langlebig, aber zur Not macht man sich eben zwei oder drei Paar der Segmente und tauscht irgendwann, wenn man mit der Nachführgenauigkeit nicht mehr zufrieden ist...

Gruß und CS
Mike
 

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Und ganz ohne Metall kommt leider keine EQ Plattform aus. Ein paar Rollen, Achsen, Lager braucht es ohnehin. Die Teilellipsen kann man dagegen durchaus aus Hartholz fertigen. Ist dann vielleicht nicht ganz so langlebig, aber zur Not macht man sich eben zwei oder drei Paar der Segmente und tauscht irgendwann, wenn man mit der Nachführgenauigkeit nicht mehr zufrieden ist...

Hi,

danke dir. Ja, solange man diese Teile fertig kaufen kann ist es ja kein Problem. Ich meinte auch hauptsächlich die Kreissegmente. Es gibt ja diese Plattform von Omegon. Die schaut eigentlich recht simpel aus.
Was meinst du mit Lernkurve bei der Benutzung? Also nochmal, es geht darum einen Planeten ein bis zwei Minuten im Gesichtsfeld einer Webcam zu halten.

CS Frank
 
Hi zusammen,

Mal so einfach gesponnen… Für eine Polausrichtung eines Dobsons braucht‘s doch eigentlich nur eine schiefe Ebene, auf die die Rockerbox mit Drehteller gestellt wird, und deren Mittelsenkrechte Richtung Pol zeigt.
Wenn das noch dazu evtl. in der gleichen Gegend eingesetzt werden soll, müsste die Konstruktion nicht einmal verstellbar sein. Also eine einfache Holzkonstruktion mit fixen Winkel-Dreieckselementen als Seitenteile. Die könnte man im Baumarkt zusagen lassen.
Für kurze Nachfürung dürfte das genau genug sein.
Wenn der Einsatzort stark schwanken sollte hinsichtlich Breitengrad wird‘s komplizierter :cool:

Nein, ich hab das so noch nicht ausprobiert, Und vielleicht braucht man auch noch ein paar Fixierungselemente je nach Rockerbox-Unterbau.
Wie gesagt, nur mal ins Unreine gedacht, ob‘s nicht vielleicht im Sinne von John Dobson einfacher geht.

Klare Nächte
Micha
 
Hallo Frank,

ja das war ja genau meine eigene Problematik.
Die Anleitungungen im Netz waren für mich eher abschreckend, einfach zu professionell.

Die Seite von Reiner Vogel hatte ich da auch durchforstet und die einfache Kreissegment-Plattform war die Grundlage meines Selbstbaus.
Aber bei weitem dürftiger als dort gezeigt.:D

-Materialien leicht zu bearbeiten (also möglichst kein Metall, stattdessen Holz oder Kunststoff)
-Materialien leicht zu beschaffen (online oder Baumarkt)
-Werkzeuge aus dem Haushalt/Baumarkt (Eher Stichsäge statt Frässbank etc.)
Und das war genau mein Hindernis, warum ich recht lange mit einem Selbstbau gezögert hatte.

Als ich dann einen alten Küchentisch im Keller entdeckte, musste ich es aber einfach probieren, mit einfachstem Werkzeug und ein paar Kleinigkeiten aus dem Baumarkt. Auf einen Motor habe ich auch verzichtet:
1. Hätte ich extra bestellen müssen
2. Unsicherheit ob das bei der schlechten Konstruktion überhaupt funktionieren würde

Und so ist es die kostenlose Variante mit einem manuellen Nachführhebel geworden. Mit dem wird der Tisch einfach per Hand zur Seite gezogen und das geht erstaunlich gut.
Hier mein alter Thread dazu: Manuelle EQ-Plattform - mein dürftiger Selbstbau
Die Fotos der Plattform sind nicht mehr abrufbar, deswegen hier ein paar Bilder:

Planungs-Skizze:
skizze2.jpg


Tisch von oben mit verwendetem Werkzeug:
tisch-oben-saege2.jpg

aktuelle Vorderansicht, Nordseite:
plattform-071124c.jpg

Möbelrollen Nordlager:
möbelrollen.jpg


Südlager:
suedlager2.jpg
suedlager1.jpg


Ja, wirklich kein Meisterwerk aber eben mit einfachsten Mitteln gebaut und das machte meine jetzigen Aufnahmen erst richtig möglich:
Deepsky: Dobson & Deepsky - Da geht doch was !
Mond: Mond Großaufnahmen - 12" Dobson
Planeten:
planeten22-23c.jpg

Gruß,
Holger
 
danke dir. Ja, die Seite kenne ich, aber finde sie irgendwie unübersichtlich. Viele Links die einen wieder weg bewegen, dann ist das doch nicht was man sucht, wieder zurück.. finde ich irgendwie ermüdend ehrlich gesagt. Und es wird mit Metall gearbeitet (zumindest in der Anleitung zu der "einfachen" Plattform).

CS Frank
Hi
das kann man doch skalieren.
Auch hier gibt es etwas für Handwerker in Ausbildung:
CS
 
Ich meinte auch hauptsächlich die Kreissegmente
Hallo Frank

Meinst du Kreissegmente oder Ellipsensegmente? Erstere sind für den Selbstbau einfacher herzustellen. Ich habe das mit einer Oberfräse und einem selbstgemachten Kreisanschlag gemacht. Man dann das aber auch mit der Hand sägen, die Unebenheiten so gut es geht mit der Raspel wegmachen und den Rest ausgleichen, in dem man einfach ein dünnes Blech oder einen Kunststoffstreifen drauf klebt oder schraubt. Letzteres gleicht eigentlich so ziemlich alles aus, was du vorher verbockt hast.

Meine wird mit einen EQ1 Motor über eine Polyacrly Zahnstange angetrieben, die ich einfach auf das Kreissegment geklebt habe. Als Laufräder habe ich Kinderinlineskate Rollen für 6,99€ genommen. Gut, das kann ich nicht so empfehlen. Die sind zu elastisch, sodass man den Dobson nicht mehr so präzise ausrichten kann. Visuell ist das nicht dramatisch. Aber bei 3-4m Brennweite ist es eine Herausforderung den Planet präzise auf dem kleine Sensor einer Planetenkamera zu positionieren. Da sind Rollen für diese Möbelroller besser. Die sind härter, aber immer noch weich genug um Unebenheiten auszugleichen.

Die Motorsteuerung des EQ1 ist etwas fummelig. Dafür hat das Teil für wenig Geld schon eine integriert. Ich hab die Steuerung abgelötet und durch etwas eigenes ersetzt. Das muss man aber nicht unbedingt. Was auch erstaunlich gut funktioniert hat, war einfach ein kleines Handrad auf das Geschwindigkeitshebelchen zu kleben.

Meine Plattform hat in Summe 150€ gekostet. Das ginge aber auch für weniger als die Hälfte, wenn man statt Kugellager für das Südlager eine Kugelkopfschraube und einfaches Sperrholz aus der Restekiste oder dem Sperrmüll verwendet. Der Rest hat zusammen keine 50€ gekostet, wovon der größte Teil für den Motor drauf ging.

Bei 400x bleibt ein Planet bei mir locker 5-10min im Bildfeld eines Plösslokulars, wenn ich das einigermaßen ausrichte und einstelle. Wie lange man den Planet stabil halten kann, liegt weniger daran, wie präzise die Plattform gebaut ist. Auf einen mm kriegt man das sogar über eine Schablone mit der Handsäge genau hin. Bei 50cm Radius des Segments sind das 0,2%. Das entspricht am Himmelsäquator einer Drift von 2"/min. Für deine Anforderungen reicht also Handarbeit locker aus.

Das Problem bei der Drift ist eher, dass man den Motor deutlich weniger genau einstellen kann. Selbst mit meiner PWM Steuerung geht das nur auf 1-2% genau. Aber selbst 2% führen im ungünstigstens Fall zu 20" Drift pro Minute. Damit steht der Planet mit 400x nach 5min immer noch im Okular.

Die größte Driftquelle ist aber die Einnordung. Mit dem Kompass und Wasserwaage aufstellen reicht visuell aus. Auf 1-2° kriegt man das so hin. Es reicht sogar, wenn man sich eine Markierung macht und daran grob auf den Polarstern ausrichtet. 5° Abweichung führen zu 80"/min Drift. Das sind in deinen 5min 10 Jupiterdurchmesser. Da lohnt es sich etwas genauer zu arbeiten. Hört sich aber schlimmer an als es ist. Denn erstens kompensiert man durch die Regelung des Nachführmotors den RA Anteil automatisch und zum anderen ist das immer noch Gold im Vergleich zu der Schubserei beim Dobson. Die Ausrichtung hat also wesentlich mehr Anteil an der Drift als selbst der übelste Selbstbau mit zwei linken Händen und der Handsäge.

Letzten Endes habe ich meine Konstruktion durch Nachdenken und eine selbst überlegte Einnordungsroutine so genau hingekriegt, dass sie über einen kompletten Durchlauf des Kreissegments von über einer Stunde nur ca. 2' driftet. Den meisten Effekt hat tatsächlich die Einstellung des Motors und das präzise aufstellen. Die Genauigkeit des Baus ist sekundär. Da musst du schon echt grob murksen, dass das deswegen nichts wird.

Was dennoch nicht so gut funktioniert sind Langzeitbelichtungen. Theoretisch sollte ich zwischen 10 und 30s aufnehmen können. Praktisch ist es so, dass die Plattform "rau" läuft. Da ist irgendwo eine Resonanz drin, sodass ein Stern z.B. bei 10s einmal komplett unscharf ist und beim nächsten Frame sauber definiert. 1-2s gehen. Darüber bekomme ich immer mehr Ausschuss. Ich vermute, das liegt an den weichen Inlinerrollen. Die gleichen zwar sämtliche Unebenheiten aus und sorgen für einen homogenen Lauf, aber offenbar ermöglichen sie auch einen Übertrag von Schwingungen vom Motor auf die Plattform.

Hier sind ein paar Beispiele, die ich mit der Plattform gemacht habe:

Das ist alles Übung. Als du das erste mal dein Musikinstrument in den Händen gehalten hast, hast du dich sicher auch nicht so gut angestellt wie heute ;) Jeder der eine leserliche Handschrift hinbekommt, hat genug Feinmotorik um das hinzukriegen.

Grüße
Joachim
 
Die Ausrichtung hat also wesentlich mehr Anteil an der Drift als selbst der übelste Selbstbau mit zwei linken Händen und der Handsäge.

das klingt doch mal ermutigend. Okay, also ich denke ich muss es vielleicht mal probieren. Dann muss ich mal überlegen wie ich die Segmente aufs Holz übertragen kann. Vielleicht doch nochmal durch Rainer Vogels Seite pflügen.

CS Frank
 
Hallo Frank,
Dann muss ich mal überlegen wie ich die Segmente aufs Holz übertragen kann
Da erinnere ich mich noch gut dran, wie ich einfach den bei mir passenden Radius mit einer Schnur realisiert hatte.
Also das eine ende der Schnur mit einem Nagel in den Rasen getreten und am anderen ende einen Bleistift befestigt und den Kreisbogen auf eine Holzplatte gezeichnet.

Gruß,
Holger
 
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