Hallo Manfred,
das die neuen Spitzengläser optisch besser sind, als die alten Schätzchen ist unstrittig und das erwarte ich auch bei den heutigen astronomischen Preisen. Es sei dir gegönnt, wenn du mit deinen Spitzengläsern so zufrieden bist, die Beobachtung mit diesen genießt und die alten Schätzchen nur in der Vitrine stehen. Aber meine zwei hier vorgestellten Ferngläser haben auch Eigenschaften, bei denen diese nicht mithalten können. Neue Spitzengläser mit 11° bzw. 11,4° Gesichtsfeld gibt es nicht. So haben sie also auch heute für mich noch ihre Berechtigung. Aber es war ja nicht das Ansinnen dieses Threads, die alten Schätzchen mit modernen Spitzengläsern zu vergleichen.
Bei mir sieht die Fernglasnutzung etwas anders aus. Ich bin auch Brillenträger, Sterngucker, Naturbeobachter und Hobbyornithologe und ich attestiere auch mir einen gewissen Anspruch an optische Instrumente. Ich schaue immer mal wieder durch die aktuellen Gläser der Hochpreishersteller. Bei einem Zeiss Victory 7x42 FL wäre ich fast schwach geworden, aber die teigige Fokussierung akzeptierte ich auch nicht beim Abverkaufspreis. Leider ist das große WOW bei mir bisher immer ausgeblieben, was diesen Preis für mich rechtfertigen könnte. So beobachte ich meist mit meinem auch schon in die Jahre gekommenen CZJ Octarem 8x50B und seinem 12x Bruder Dodecarem. Sie sind bekanntlich nur spritzwasserfest und nicht druckwasserdicht, aber ich will damit auch nicht baden gehen. Sie waren Mitte der 1980er Jahre die weltweit besten Handferngläser und können auch heute noch gut mithalten. Da ich in Porros vernarrt bin, wird sich daran wahrscheinlich auch nichts ändern.
Ich kann die Einwände von Mike und Jürgen schon verstehen, denn ich habe auch vor einiger Zeit wieder durch ein sehr gutes Dekarem aus den 1960er Jahren geschaut. Der Bildeindruck war einfach toll und alles andere als leblos und grau. Die Fernglasentwicklung hat natürlich in den letzten Jahrzehnten Fortschritte gemacht, aber keine Meilensteine sondern eher kleinere Schritte.
Mir fällt da noch ein schöner lesenswerter Beitrag von Gerhard Eller ein, erschienen unter dem Titel »Ein außergewöhnliches Fernglas« in der kleinen Astronomiezeitschrift
sternzeit im Heft 3/2012. Der Autor beschreibt dort seinen Weg zum Selbstbau eines 12x62 apochromatischen Fernglases. Er schreibt einführend: »Es wäre doch schön, wenn es wieder Optiken gäbe, mit denen das Sehen etwas Besonderes wird - ein Erlebnis und ein Ereignis, ja ein besonderer Genuss.« Beim Treffen der »Binocular History Society« im Oktober 2011 in Jena, hatte ich das Glück ihn kennenzulernen und durch sein selbstgebautes Fernglas zu schauen. Und da war es dann, dieses WOW ...