Antlia Alp-T und Optolong L-eXtreme Vergleich Duo-Band Filter

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Stefan_Lilge

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Hallo,

bei den Dualbandfiltern tut sich etwas, Antlia hat den Alp-T auf den Markt gebracht, also einen Schmalbandfilter für Farbkameras mit zwei Durchlassbändern, Halpha und OIII. Beide Durchlassfenster sind 5nm breit. Und Optolong hat den L-Ultimate mit 3nm Durchlässen angekündigt.

Von dieser Filterart hatte ich mir zuerst den STC Duo gekauft, den ich mal an einer Farbkamera mit Schwarzweißkamera und Baader Schmalbandfiltern verglichen habe
https://forum.astronomie.de/threads...sskamera-und-echten-schmalbandfiltern.303898/
Der hat laut dem mitgelieferten Messprotokoll Durchlassfenster von ca. 15-20 nm Breite. Mit dem Filter war/bin ich sehr zufrieden, aber schmalere Durchlässe würden natürlich mehr Kontrast bei meinem Berliner Großstadthimmel geben.

Als Optolong den L-eXtreme auf den Markt gebracht hat, versprach der mit seiner 7nm Bandbreite eine stärkere Reduzierung der Lichtverschmutzung. Er ist dann auch in OIII (das ja besonders empfindlich auf Lichtverschmutzung reagiert) deutlich besser als mein STC Duo. In Halpha hingegen ist er etwa auf dem Level des STC Duo, eher sogar ein bisschen schlechter. Bei den L-eXtreme gibt es eine ziemliche Serienstreuung, ich habe (nicht nur aber auch auf Astronomie.de) schon Exemplare im Internet gesehen, deren Bilder kaum Halpha-Anteile enthielten. Mein Exemplar scheint extrem gut in OIII zu sein und nur "ordentlich" in Halpha.

Der Antlia Alp-T verspricht mit seinen 5nm Bandbreite noch stärkeren Kontrast zum Großstadthimmel und die hier
vermessenen Exemplare haben vorbildlich gleichartige Durchlasskurven, Antlia scheint den Fertigungsprozess also gut im Griff zu haben.

Den Antlia habe ich mir trotz der Ankündigung des mit 3nm noch engbandigeren Optolong L-Ultimate gekauft, weil
1. ich im Halpha-Durchlass nicht die NII-Linien verlieren wollte, für die ein 3nm Filter zu engbandig ist (und die in Planetarischen Nebeln teilweise deutlich mehr Signal haben als Halpha selber) und
2. das einzige Bild mit dem L-Ultimate, das ich bisher gesehen habe (zu finden auf der "Community" Seite des Youtube-Kanals VisibleDark) einen Cirrusnebel mit extrem schwachem Halpha-Anteil zeigt (also das gleiche Problem, das einige L-eXtreme Filter auch haben).

Am Abend/Nacht des 3.1.2022 gab es in Berlin einige Wolkenlücken, die ich für Testaufnahmen genutzt habe.

Bevor ich den Antlia-Filter eingesetzt habe, habe ich 3x5 Minuten mit dem L-eXtreme belichtet. Die erste Beobachtung war, dass der Hintergrund der Flats (mit gleicher Helligkeit der Flatbox und gleicher Belichtungszeit) beim Optolong 17921 ADU und beim Antlia 10658 ADU hell war. Der Himmelshintergrund bei den Vergleichsbildern (Lights) war beim Optolong 212 ADU hell, beim Antlia 117 ADU. Der Antlia lässt also in der Tat wesentlich weniger Licht durch. Das alleine ist aber noch keine Erfolgsmeldung, sonst könnte man auch gleich den Objektivdeckel drauf lassen :)

Es folgen Vergleichsbilder von IC 410, jeweils 3x5 Minuten belichtet, zeitlicher Abstand zwischen erster und letzter Aufnahme waren 36 Minuten. SQM-L auf meiner Berliner Dachterrasse war um 18,7 (mal knapp darunter, mal knapp darüber).
Ausrüstung war mein ES 127/952 FCD100 APO mit Skywatcher 0,85er Reducer (auf 824 mm Brennweite, also f/6.5) auf CEM60 Montierung, Kamera die ASI 2600MC mit Antlia Alp-T und Optolong L-eXtreme Filtern.

Zuerst ein Vergleich der kalibrierten und farbkonvertierten Bildern mit einem "einfachen" Weißabgleich, der nur die Hintergrundhelligkeit in den drei Farbkanälen anpasst, aber nicht die Kanäle untereinander skaliert. Die Helligkeit ist von AstroArt automatisch eingestellt. Man sieht, dass insbesondere Halpha beim Antlia wesentlich deutlicher durchkommt, aber auch insgesamt ist der Nebel deutlicher zu sehen (links Optolong, rechts Antlia):
http://ccd-astronomy.de/temp20/comp1nurWBamHintergrund.jpg

Das gleiche noch mal mit einem umfassenderen Weißabgleich, der auch die Farbkanäle skaliert, um eine ausgewogenere Farbgebung zu erreichen. Diesmal habe ich von Hand versucht, die Bilder mit der gleichen Helligkeit darzustellen, so dass Unterscheidungskriterium nun das Rauschen ist. Man sieht, dass der Antlia Filter ein besseres Signal/Rauschverhältnis produziert hat (wieder links Optolong, rechts Antlia):
http://ccd-astronomy.de/temp20/comp2mitWBgleiche_Helligkeit.jpg

Um eine Ungleichbehandlung beim Weißabgleich auszuschließen, habe ich dann noch mal mit AstroArt direkt den Rotkanal (Halpha) und den Grünkanal (im wesentlichen OIII) aus den Rohdaten extrahiert (wobei ein Bild mit halber Originalgröße erzeugt wird). Beide habe ich auf die gleiche Hintergrundhelligeit gebracht und dann mit den gleichen Schwarz- und Weißpunkten dargestellt. Wieder jeweils links Optolong und rechts Antlia. In beiden Fällen ist das Rauschen des Bildes mit dem Antlia sichtbar feiner.

Zuerst der Rotkanal:
http://ccd-astronomy.de/temp20/comp3Red_gleiche_Helligkeit.jpg

Und der Grünkanal:
http://ccd-astronomy.de/temp20/comp3Green_gleiche_Helligkeit.jpg

Aus meiner Sicht hat sich der Kauf gelohnt, der schmalbandigere Antlia Alp-T bringt zumindest bei meinem hellen Großstadthimmel wahlweise (je nach Darstellung) kontrastreichere Emissionsnebel oder ein glatteres / feineres Rauschen.

Das "fertige" Bild mit dem Antlia Filter kann man im "Deepsky"-Unterforum anschauen. Da sieht man auch an zwei hellen Sternen, dass keiner der beiden Filter Halos produziert:
https://forum.astronomie.de/threads...nm-duoband-filter-ic-410-und-ngc-2359.318316/
 
Hallo Stefan,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Vergleich - der Antlia sieht sehr vielversprechend aus!

Ich habe so einen auch schon zu Hause, leider ist das Wetter seit einem Monat beständig schlecht.

Auch ich möchte Vergleiche mit regulären Schmalbandfiltern anstellen und werde danach im Forum berichten.

LG
Christian
 
Hallo Christian,

dann bin ich gespannt auf deine Ergebnisse, je mehr Datenpunkte wir haben desto besser.

War bei deinem Filter auch ein Messprotokoll dabei (auf der Rückseite des Blattes mit der theoretisch angestrebten Kurve)? Wenn ja könntest du das mal abfotografieren und mir per PN schicken? Viel ist in den Protokollen zwar wegen des zu kleinen Maßstabes nicht zu erkennen, aber bei meinem ist zumindest erkennbar, dass der Peak bei Halpha nicht höher ist als bei OIII (beide irgendwo Anfang der 80er Prozente), obwohl ja eigentlich in Halpha 90% versprochen werden. Würde mich mal interessieren, wie das bei anderen aussieht...
 
Hallo Stefan,

anbei der Test-Report meines Filters - ich vermute allerdings, dass dieser nicht individuell, sondern bei allen identisch ist.
Es wird zwar anhand der Daten auf der Rückseite (Testzeitpunkt 14.12.2021, 14:51:33) suggeriert, dass es sich hier um eine individuelle Messung handelt, ich glaube allerdings, dass das bestenfalls ein Chargenmeßprotokoll ist. Zumindest im polnischen Forum gibt es ja eindeutige Aussagen darüber (Filter eigentlich besser als das Schimmel-Protokoll).

Die beiden Peaks sind bei mir irgendwo bei ca. 87% gleichauf.

Stimmt das bzw. das Meßdatum/-zeit mit Deinem Report überein? - Bitte gib kurz bescheid, vielen Dank!

Und nochmals DANKE für Deine ausführliche Tests - man kann das gar nicht genug schätzen, immerhin opferst Du hier die ohnedies so rare Aufnahmezeit im Winter!

LG
Christian
 

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Hallo Christian,

vielen Dank. Dein "Messprotokoll" ist tatsächlich identisch mit meinem. Nicht nur die Kurve, sondern auch die Angaben (etwa zur Uhrzeit der Messung) auf der rechten Seite. Das ist ja ziemlich schwach.
Dass z.B. Optiken "schöngetestet" werden ist ja nichts neues, aber das beigelegte Fake-Protokoll ist ja sogar schlechter als die Filter, die im polnischen Forum nachgemessen wurden. Was Antlia damit bezweckt ist mir unklar.

In meinem Fall ist es mir sogar ganz recht, wenn das kein echtes Protokoll ist, denn auch wenn ich von dem Filter sehr angetan ("begeistert" wäre ein passenderes Wort) bin, nagte doch irgendwie der Gedanke an mir, dass ich laut dem Protokoll einen Filter bekommen habe, der in Halpha spürbar hinter der "theoretischen" Kurve auf der Vorderseite zurückbleibt. Nachdem das Messprotokoll nun als Fälschung enttarnt ist brauche ich mir darüber keine Gedanken mehr zu machen ;-)
 
Mann, mann, mann, die Filter Hersteller sind ja schon "speziell". ;)
Vertrauen in seine Produkte baut man so nicht auf.

Oder zurück auf Anfang, es ist also ein Blindflug oder man muss den Filter selber messen oder messen lassen.

Gruß
Peter
 
Hallo, ich habe nunmehr meine Vergleichsbilder von Antlia ALP-T und Baader CMOS Ha/OIII hier online gestellt:

 
Hallo Leute!

Ich habe heute bei Vollmond meinen Antlia ALP-T an einer Canon 77Da + SW Esprit 80 getestet. Irgendwie ist die Sternabbildung in den Ecken seltsam eckig... Ist das normal?

CS Gernot
 

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Hallo Gernot,

stimmt, die Sterne in den Ecken sind nicht ganz rund. Es ist allerdings auch nicht einfach, ein Teleskop zu finden, das bis in die Ecken perfekt abbildet. Ich wäre damit zufrieden, spätestens wenn man das Bild etwas verkleinert dürfte das niemand mehr sehen.

Und jedenfalls ist der Filter nicht Schuld daran :)
 
Hallo Gernot,

stimmt, die Sterne in den Ecken sind nicht ganz rund. Es ist allerdings auch nicht einfach, ein Teleskop zu finden, das bis in die Ecken perfekt abbildet. Ich wäre damit zufrieden, spätestens wenn man das Bild etwas verkleinert dürfte das niemand mehr sehen.

Und jedenfalls ist der Filter nicht Schuld daran :)

Mich wunderts nur weil ich im folgenden Bild das gleiche Equipment verwendet habe und nur anstatt des ALP-T ein L-eNhance Clip montiert war.


Die Sterne sind hier in den Ecken besser!

CS Gernot
 
Hallo Gernot,

vielleicht ist die Dicke des Antlia anders als beim L-enhance, so dass sich der effektive optische Weg (also der optische Weg zum Flattener oder Reducer) geändert hat. Wenn der Reducer (oder Flattener) kritisch mit dem Abstand ist, kann das durchaus zu Problemen führen. Da könntest du also noch etwas mit dem Abstand probieren. Wenn ich mich recht erinnere sind die Antlia-Filter ziemlich dünn, also eventuell noch mal einen 0,5mm zusätzlichen Abstandsring irgendwo einbauen. Weiß nicht ob das hilft aber einen Versuch wäre es wert.
 
Hallo Gernot,

vielleicht ist die Dicke des Antlia anders als beim L-enhance, so dass sich der effektive optische Weg (also der optische Weg zum Flattener oder Reducer) geändert hat. Wenn der Reducer (oder Flattener) kritisch mit dem Abstand ist, kann das durchaus zu Problemen führen. Da könntest du also noch etwas mit dem Abstand probieren. Wenn ich mich recht erinnere sind die Antlia-Filter ziemlich dünn, also eventuell noch mal einen 0,5mm zusätzlichen Abstandsring irgendwo einbauen. Weiß nicht ob das hilft aber einen Versuch wäre es wert.

Im Grunde ist es ja nicht so schlimm... Ich würde die Schmalbandsterne in einem realen Projekt ja eh gegen RGB -Sterne ersetzen.

Vielleicht sitze ja der Filter nicht richtig im Flattener!?

CS Gernot
 
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