Boeing & SpaceX

Ein ganz hervorragender Text von Wayne Hale, einem früheren Flight Director im Space Shuttle Programm.

Da wird einem so richtig vor Augen geführt, wo die Grenzen des "sicheren" Wissens sind, und wie schwierig bis unmöglich es manchmal ist, die korrekte Entscheidung zu treffen.

Gruss
Thorsten
 
Hi,
Weil er mit der aktuellen Software nicht autonom abdocken kann.
das die Software von der Crew bzw. den Piloten selbst bei Fehlfunktion nicht irgendwie manuell überbrückt /deaktiviert werden kann ("hey Buddy, schalt mal auf Handsteuerung..." ) scheint wohl ein spezieller Boeing-Style zu sein. War da nicht was vor ein paar Jahren mit Flugzeugen und tragische abstürzen...??
Immerhin, sie bleiben sich treu.
Also, ich würde mich nicht mehr in den Eimer setzen. Da würde ich lieber warten, bis das nächste Starship vorbeifliegt auf dem Weg zum Mars, und hoffen, dass ich da per Anhalter mitfliegen kann...:LOL:
VG CptB
 
das die Software von der Crew bzw. den Piloten selbst bei Fehlfunktion nicht irgendwie manuell überbrückt /deaktiviert werden kann ("hey Buddy, schalt mal auf Handsteuerung..." ) scheint wohl ein spezieller Boeing-Style zu sein.
Hier scheint es eher umgekehrt zu sein:
"Hey Buddy, drück mal den Knopf zum Abkoppeln, den haben wir hier unten in Husten nicht auf'm Display."
Also dass die Piloten unbedingt benötigt werden.

Gruss
Thorsten
 
OK, also kneifen gilt nicht ... na, ist ja ne schöne :poop:, in der die armen Kerle da stecken ...
 
ist ja ne schöne :poop:, in der die armen Kerle da stecken
Im Gegensatz zu anderen wie zB der Apollo 13 Crew haben sie wenigstens eine klare Alternative.
Es ist aber natürlich schon hart, statt 8 Tage plötzlich 8 Monate auf der ISS zu bleiben.
Das ist schon eine Maximalanforderung an die Professionalität der beiden.
Ich frage mich ob sie sich das vor dem Flug auch nur im Entferntesten hätten vorstellen können.

Man wägt immer noch ab, mittlerweile schon seit zwei Monaten.
Das mit dem "Abwägen" ist meiner Meinung nach nur eine Ausrede, um Zeit zu gewinnen für das Softwareupdate, das für einen Flug ohne Astronauten notwendig ist. Offiziell wird das natürlich nicht zugegeben, denn
Software + Boeing = peinlich

Meine Glaskugelvorhersage (kann natürlich ganz anders kommen):
  1. Für ein paar Wochen geht die Laviererei noch so weiter.
  2. Mitte September entscheidet der NASA Boss (Bill Nelson) persönlich, dass die beiden mit einer Dragon zurück kommen.
  3. Boeing wird offiziell erklären dass der Starliner "sicher" ist, aber insgeheim natürlich froh sein dass die NASA diese Entscheidung getroffen hat.
  4. Mitte September wird der Starliner von der ISS abkoppeln und...
  5. ...mehr oder weniger ohne grössere Probleme (ausser einer extremen Nervosität der Verantwortlichen bei Boeing) zur Erde zurückkehren.
  6. Boeing wird dann offiziell sagen "wir haben's ja gewusst" und inoffiziell gottfroh sein.
  7. Die NASA wird sagen "safety first" und die Entscheidung war trotzdem richtig und wir vertrauen Boeing zu 100% und so Kram.
  8. Die Dragon-9 fliegt am 24. September mit nur 2 Astronauten zur ISS.
  9. Butch + Sunny (die Starliner Astronauten) kommen im Februar 2025 mit dieser Dragon zurück.
  10. Der nächste Starlinerflug ist... vielleicht... wenn überhaupt... keine Ahnung...
Wie gesagt, Glaskugelvorhersage. Kann alles auch ganz anders kommen.

Z.B.
5b) der Starliner geht beim Rückflug verloren. Dann dampft die [zensiert] wirklich.
Oder
4b) der Starliner beschädigt beim Abflug die ISS. Trotz Software Update. Das will ich mir lieber nicht weiter ausmalen.

Auf jeden Fall toitoitoi den beiden Astros!

Gruss
Thorsten
 
Hallo!
Es ist aber natürlich schon hart, statt 8 Tage plötzlich 8 Monate auf der ISS zu bleiben.
Hart? Das ist genau das, was ein Astronaut sich wünscht. Je länger je lieber. Da war bisher noch niemand dabei, der nicht gerne länger im Weltall geblieben wäre. Naja, vielleicht nicht in einer Mercury Kapsel, aber auf der ISS hält man es wohl eine Weile aus.
Das ist schon eine Maximalanforderung an die Professionalität der beiden.
Die Maximalanforderung an die Professionalität wäre es für mich, wenn die beiden jetzt in diese Kapsel steigen würden und sie notfalls per Handsteuerung zur Erde zurückfliegen. Dann kann endlich der Beweis erbracht werden, dass bemannte (bzw. politisch korrekt: becrewte) Raumfahrt einen echten Vorteil gegenüber der Weltraumerkundung mit Robotern hat. Softwareproblem? Wozu gibt es Astronauten! Der kürzlich verstorbene Joe Engle muss doch nicht für alle Zeiten der einzige Mensch bleiben, der jemals ein Raumfahrzeug durch den gesamten Wiedereintritt bis zur Landung von Hand gesteuert hat.
Ich frage mich ob sie sich das vor dem Flug auch nur im Entferntesten hätten vorstellen können.
Aber sicher konnten sie sich das vorstellen. Da werden vor dem Flug alle denkbaren Eventualitäten durchgespielt. Und ein technisches Problem mit einer in der Erprobung befindlichen neuen Raumkapsel ist nicht so abwegig, als dass man dafür nicht einen Plan B ausgearbeitet hätte. Es war bisher auch noch keine Rede davon, dass Sauerstoff, Wasser, Nahrungsmittel und sonstiges Verbrauchsmaterial auf der ISS durch den ungeplanten Langzeitaufenthalt knapp werden könnten. Dieser Aufenthalt war als mögliche Option also durchaus eingeplant.
4b) der Starliner beschädigt beim Abflug die ISS. Trotz Software Update. Das will ich mir lieber nicht weiter ausmalen.
Das liesse sich einfach verhindern, indem man ihn mittels Aussenbordeinsatz oder mit Hilfe eines der Greifarme ein bisschen anschubst und mit dem Zünden der Triebwerke wartet, bis er sich weit genug von der ISS entfernt hat. So würde ich es jedenfalls machen, aber mich haben sie als Astronaut leider nicht genommen, weil ich bei der ESA Ausschreibung schon ein paar Jahre zu alt war.

Grüße
Maximilian
 
Das liesse sich einfach verhindern, indem man ihn mittels Aussenbordeinsatz oder mit Hilfe eines der Greifarme ein bisschen anschubst und mit dem Zünden der Triebwerke wartet, bis er sich weit genug von der ISS entfernt hat.
Wenn man das von vornherein so plant dann ja (ausser dass es an dem Starliner wohl gar keine Stelle gibt die man "ergreifen" kann).
Wenn aber beim Abflug plötzlich die Düsen spinnen...

...wenn die beiden jetzt in diese Kapsel steigen würden und sie notfalls per Handsteuerung zur Erde zurückfliegen.
Aber das Problem ist doch gerade dass die Steuerdüsen nicht das machen was sie sollen.
Da nützt dann auch die Handsteuerung nicht mehr viel.
Stell dir vor in voller Fahrt in deinem Auto drehst du das Lenkrad nach links und die Räder gehen nach rechts. Oder eines nach links und das andere gar nicht. Oder mal gehen sie und dann wieder nicht...

Gruss
Thorsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo!
Wenn man das von vornherein so plant dann ja (ausser dass es an dem Starliner wohl gar keine Stelle gibt die man "ergreifen" kann).
Da links bei dem NASA Aufkleber ist ein großer Griff: https://media.cnn.com/api/v1/images...-orig.jpg?c=16x9&q=h_653,w_1160,c_fill/f_webp
Sonst bietet dieses „Lochblech“ am oberen Rand des Servicemoduls, wozu immer es gut sein mag, auch genug Angriffsmöglichkeiten.
Aber das Problem ist doch gerade dass die Steuerdüsen nicht das machen was sie sollen.
Da nützt dann auch die Handsteuerung nicht mehr viel.
Hatten wir alles schon, Gemini 8, Armstrong und Scott. Das Lageregelungssystem geriet ausser Kontrolle, die Kapsel ist so schnell rotiert, dass die Astronauten kurz davor waren, das Bewusstsein zu verlieren. Armstrong hat das defekte System abgeschaltet, auf die Lagekontrolle für den Wiedereintritt umgeschaltet und die Kapsel von Hand stabilisiert. Dazu sind Astronauten da, das ist ihr Job. Dieser Starliner hat ein mehrfach reduntantes System von Lagekontrolldüsen. Da wird schon irgendwas dabei sein, was noch funktioniert.
Stell dir vor in voller Fahrt in deinem Auto drehst du das Lenkrad nach links und die Räder gehen nach rechts. Oder eines nach links und das andere gar nicht. Oder mal gehen sie und dann wieder nicht...
Mein Auto hat aber nur ein Lenkrad und zwei Vorderräder. Diese Kapsel hat 28 Steuerdüsen im Servicemodul und nochmal 12 an der Kapsel selbst. Irgendwas geht immer. Armstong hätte sich da jedenfalls reingesetzt und wäre heute zum Abendessen zuhause.

Grüße
Maximilian
 
Hi,
indem man ihn mittels Aussenbordeinsatz oder mit Hilfe eines der Greifarme ein bisschen anschubst
ich würde für den Aussenbordeinsatz plädieren, man darf den Spass-Faktor nicht vergessen. Sich an der ISS festhalten und dem Eimer einen kräftigen Tritt verpassen, um ihn loszuwerden, wäre bestimmt ein Vergnügen, dass sich keiner entgehen lassen will dort oben :LOL:
VG CptB
 
Der kürzlich verstorbene Joe Engle muss doch nicht für alle Zeiten der einzige Mensch bleiben, der jemals ein Raumfahrzeug durch den gesamten Wiedereintritt bis zur Landung von Hand gesteuert hat.

Mit Verlaub, denke die Ehre kommt als erstes Vladimir Komarov zu, der mit Soyuz 1 dann leider trotzdem ums Leben kam, trotzdem er den gesamten Wiedereintritt, wider allem Erwarten, jedoch manuell bewältigt hatte. Eine besonders tragische Note, dass die Fallschirme dann nicht öffneten.

Gruss
 
Scott Manley hat auch was zu berichten.
Und die beiden Starliner Astronauten werden käumlich unglücklich sein, wenn anstatt 8 Tage der Aufenthalt 8 Monate wird, vermute ich mal. Wirft wohl ein paar Planungen am Boden durcheinander. ;)

Gruss
 
Was wäre denn bei einer ernsthaften Erkrankung eines Astronauten, die z.B. nur durch eine Operation geheilt werden könnte? Keine der angedockten Kapseln würde ja wohl mit nur einem Passagier zurück fliegen.
 
Ein weiterer Artikel zum Thema, mit Hintergrund zu den Leuten die zu entscheiden haben.
Zumindest drei von ihnen waren sehr direkt beim Columbia Unfall involviert.
Darunter Ken Bowersox, zum Unfallzeitpunkt Commander der ISS,
und LeRoy Cain, damals Flight Directer während des Unglücks, und heute (ich staunte) bei Boeing.


Gruss
Thorsten
 
Status mit div. Fragen/Antworten von gestern, aber immer noch nichts Konkretes...
 
Kann man noch Wetten platzieren ?
Ich wette eine Flasche Schampus dass der Eimer ohne Astronauten "de-orbitiert" wird :LOL:
VG CptB
 
Nicht unbedingt (traut sich wahrscheinlich eh keiner.. ), ich mach dann einfach den Schampus für mich allein auf :cool:
 
The New York Times

NASA Extends Boeing Starliner Astronauts’ Space Station Stay to 2025​

Persistent concerns with the vehicle’s propulsion systems mean Suni Williams and Butch Wilmore will return home next year in a SpaceX vehicle.

Even after lengthy analysis and ground testing, engineers still could not say with certainty why several of Starliner’s thrusters had malfunctioned before the capsule and the astronauts docked with the space station in June.

That lingering uncertainty spurred unease and led NASA leaders to decide they should not risk the lives of Ms. Williams and Mr. Wilmore on Starliner. Instead they elected to rely on a different spacecraft — the Crew Dragon, built by Elon Musk’s SpaceX — for the return trip.
 
Spannend wird, in welchem Zustand das Gerät nach unten kommt und wo man es landet. Was passiert, wenn die Steuerdüsen wieder nicht richtig funktionieren und die geplante Flugbahn nicht getroffen wird? Landet man evtl. vorsichtshalber auf dem Ozean?
 
Hi,
spannend wird auch, was Suni & Butch oder Ms. Williams and Mr. Wilmore die ganze Zeit so treiben während ihres ungeplanten 'Extended Space Holidays'. Vielleicht kommen ja 2025 dann 3 Personen zurück zur Erde :love::LOL:
VG CptB
 
OK, aber interessant, dass man überhaupt im gesetzten Alter noch ins All kommt, ich dachte, da wäre spätestens irgendwo zw. 40-50 Schluss wg. irgendwelcher Anforderungen. Da hätte ich ja doch noch 'ne Chance, zum Mars zu kommen :LOL:
 
Wenn du körperlich fit bist (Brille ist erlaubt), und evtl. irgendein Hobby hast von der Sorte Tauchen, Bergsteigen, Flugzeugfliegen, Fallschirmspringen oder so was, wo man in einer Umgebung ohne Notausgang auf sich selber (und ggf Kameraden) acht geben muss.

Matthias Maurer zB ist erheblich älter als er aussieht, er wird im kommenden Jahr 55.
Jünger als 30 ist sehr selten, vermutlich fehlt es da noch ein bisschen an Reife. :p:affemund:
Der jüngste je geflogene Astro/Kosmonaut im Orbit war German Titow, der zweite Mensch im Orbit nach Gagarin, beim Flug knapp 26 Jahre alt. Allerdings war er, naja, wohl tatsächlich ein bisschen zu jung für sein Abenteuer. _jungeschlagen:

Gruss
Thorsten

PS: Liste der ältesten Raumfahrer :)
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo!
Da hätte ich ja doch noch 'ne Chance, zum Mars zu kommen :LOL:
Was den Mars angeht hat es immer geheissen: Je älter, desto besser. Vor allem sollte man sich vor dem Flug einen eventuellen Kinderwunsch schon erfüllt haben, denn nach vielen Monaten Bestrahlung mit kosmischen Partikeln, Röntgen- und Gammastrahlen bekommen die sonst zwei Köpfe oder können gleich nach der Geburt die ersten hundertfünfundzwanzig Nachkommastellen von Pi aufsagen.

Und was „Butch“ und „Suni“ angeht (ich muss dabei immer an Butch Cassidy and Sundance Kid denken und dass es ihnen das auf der ISS sicher fehlen wird, zu „Raindrops Keep Falling on my Head“ mit dem Fahrrad herumzualbern... und überhaupt kann ich mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass die in den Medien mit Vornamen genannt werden): Die müssen sich nicht langweilen oder anderweitig für Ablenkung sorgen. Die machen jetzt schon seit zweieinhalb Monaten die Arbeit, die eigentlich für ihre Nachfolger vorgesehen war. Damit machen sie jetzt einfach noch ein halbes Jahr länger weiter.

Und „Starliner“ jetzt einfach unbecrewt abkoppeln geht auch nicht, selbst wenn es technisch möglich wäre, denn das brauchen sie nach wie vor als Rettungsboot oder Schutzraum, falls die ISS durch starke Sonneneruptionen, Asteroiden oder Weltraumschrott bedroht wird. Oder einfach undicht wird, was ja auch schon vorgekommen ist. Das mit dem Abkoppeln muss dann auf den Punkt genau passen, wenn die nächste Kapsel sich der ISS nähert. Es bleibt spannend.

Grüße
Maximilian
 
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