Wellmann
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Link zur Grafik: http://www.gym-vaterstetten.de/faecher/astro/galerie/Bilder/SchwarzesLoch.jpg
Bild 20 der "grünen :super: Serie". Schon immer wollte ich ein schönes Bild des Mondrandes machen, aber mehr als ein Achtungserfolg wie hier bei Boussignault mit dem interessanten zweiten Krater im Inneren ist bisher nie gelungen. Da auch das oben gezeigte Bild der Wallebene Meton nicht brauchbar war, habe ich einfach mal mit Photoshop daran gespielt. Ausnahmsweise würde ich dieses Mal auch die „Profis“ für Mond und Planeten bitten, wenigstens die letzten Abschnitte zu lesen…..
Teil 6: Ergebnisse der “grünen :super: Serie“.
Als Mitte letzten Jahres die Idee aufkam, eine ordentliche Optik und eine gute Kamera zu beschaffen, war noch nicht abzusehen, wie mühsam das sein würde. Letztlich führte das zu unserem Kameratest in SuW Heft 6/2008, und zu einer recht ordentlichen 12“ ACF-Optik von Meade. Viel Erfahrung bei der Erstellung von hoch auflösenden Bildern hatten wir nicht, und es ergab sich für uns ein Lernprozess, der sich unter Anderem in der „grünen :super: Serie“ widerspiegelt. Diesen Lernprozess haben wir sozusagen „öffentlich“ unternommen, damit auch Andere davon profitieren können. Dabei haben wir einige Feststellungen gemacht, die hier noch kurz zusammengefasst werden. Wichtig für das Gelingen guter Bilder sind folgende Punkte:
Seeing - Kamera – Bildverarbeitung - Optik
Die Rolle des Seeings: Gehen wir einmal davon aus, dass auch in Mitteleuropa gelegentlich ausreichend gute Bedingungen für Aufnahmen mit sehr hoher Auflösung gegeben sind, so reduziert sich dieser Punkt auf ein genügend geduldiges Warten auf den richtigen Zeitpunkt. Das dauert natürlich um so länger, je größer der Durchmesser der Optik ist, wir erinnern uns: Die maximal erreichbare Auflösung ist direkt proportional zur Öffnung.
Die Rolle der Kamera: Die heute zur Verfügung stehenden Kameras liegen in Bezug auf Lichtempfindlichkeit und Rauschverhalten zwar an der Grenze dessen, was man idealerweise wünschen würde (bei der Planetenfotografie wird es mit der Belichtungszeit oft schon arg knapp), aber es ist dennoch kein Problem zu akzeptablen Kosten eine sehr ordentliche Kamera zu erwerben, und wie in unserem Kameratest in SuW 6/08 beschrieben an die Optik anzupassen. Bei Planetenaufnahmen mit monochromen Kameras folgt dann noch die Überlegung zur korrekten Filterwahl um optimale Ergebnisse zu erzielen, einige Anmerkungen dazu weiter unten. Wer mit Ir-Passfiltern ein IrGB oder ein IrRGB erzeugen will, sollte eventuell ein Kamera mit einem ExView-CCD verwenden, diese Chips haben ihre maximale Empfindlichkeit im Ir-Bereich. Ein unüberwindliches Problem ergibt sich jedenfalls bei der Wahl einer geeigneten Kamera nicht.
Die Rolle der Bildverarbeitung: Wer unsere kleinen „Tutorials“ verfolgt hat, kann unschwer feststellen, dass die ganze Angelegenheit zumindest bei hoch auflösenden Mondfotos und Planetenaufnahmen mit Farbkameras eigentlich keine Geheimnisse birgt, die nicht genau wie wir auch jeder andere Anfänger mit ein wenig Übung meistern kann:
• Man addiert mit Registax Multipoint in den einfachsten Einstellungen
• Man schärft mit Mexican Hat bei Giotto
• Man filtert gegebenenfalls noch mit NeatImage
• Man macht eine leichte Nachbearbeitung mit Photoshop
Bis zum fertigen Mondbild dauert das dann nur die Rechenzeit des Computers plus wenige Minuten. Bei Planetenaufnahmen mit Farbkameras geht es übrigens noch schneller, man verfährt ebenso, benutzt aber zum Addieren Giotto ohne jede Qualitätsauswahl in der Option „Zentrieren auf helle Scheibe“. Auch zum Ausgleich der atmosphärischen Refraktion (Verschieben der Farbkanäle) ist Giotto gut geeignet. Nach kurzer Übungszeit erhält man ganz erstaunliche Bilder, die ein durchaus „gehobenes“ Niveau haben, wie wir mit den Bildern der „grünen Serie“ bewiesen haben. Das gilt auch für die Planetenfotografie mit Farbkameras, die ohne spezielles Wissen auch schöne Ergebnisse liefert wie Mars und Saturn. Die gezeigten Bilder entstanden in wenigen Minuten mit den oben erwähnten einfachen Schritten der Bildbearbeitung wie sie jeder Anfänger nach kurzer Übung machen kann. Wer auch als Anfänger bei der Planetenfotografie Filter verwenden möchte, sollte ein monochromes Luminanzbild unter Einsatz z.B. eines 685nm Ir-Pass Filters machen, und dann mit der Farbinformation einer Farbkamera kombinieren. Das liefert auf relativ einfache Weise ein IrRGB ohne Verwendung von RGB-Filtern. Das Geheimnis guter Bilder liegt definitiv nicht immer in besonders ausgefeilten Methode der Bildbearbeitung, es geht auch ohne aufwändige Verfahren mit zigfachen komplizierten Bearbeitungsschritten! Halten wir also fest, was den Neuling motivieren sollte:
• Das Geheimnis guter Bilder bei der Mondfotografie und der Planetenfotografie mit einer Farbkamera liegt nicht in besonderen Fähigkeiten bei der Bildverarbeitung, jeder Anfänger kann nach kurzer Übung zu sehr ansehnlichen Ergebnissen kommen.
Profis werden bei der Bildbearbeitung mit allen möglichen Tricks zwar immer noch etwas mehr aus ihren Bildern herausholen, aber der Unterschied hält sich in Grenzen. Für die Planetenfotografie mit Filtern gilt diese Aussage nur eingeschränkt, hier ist Erfahrung sehr nützlich, wird aber leider nicht immer im erwünschten Maße weitergegeben. Ein Beispiel hierfür ist die Homepage von Damian Peach, der ganz hervorragende Mond und Planetenbilder liefert. Obwohl er mit einem unnötig großen Öffnungsverhältnis arbeitet, bringt er das C14 exakt an die von uns berechnete Grenze der Auflösung. Hervorstechendes Merkmal seiner Aufnahmen ist dabei das Fehlen des sonst oft noch vorhandenen „Grauschleiers“ bei den Planetenaufnahmen. Information über seine Art der Bildverarbeitung sucht man jedoch auf seiner Homepage vergeblich, dafür gibt es gegen Bezahlung eine DVD, die dann vermutlich auch nicht viel weiter hilft. Das finde ich sehr schade!
Die Rolle der Optik: Wenn also nun die Bildbearbeitung (abgesehen vom Verfahren mit Filtern) kein besonderes Wissen erfordert, warum liefern einige Leute hervorragende Bilder, während andere es maximal zu mittleren Achtungserfolgen bringen? Die Antwort darauf ist einfacher als man denkt: Was ein Video zeigt, ist mit einfacher Bildverarbeitung auch für weniger Geübte zugänglich, was ein Video nicht zeigt, bringt auch der beste Profi nicht hervor. Das Geheimnis liegt in der ausgesucht guten Optik die sich alle Amatuer-Profis irgendwie beschafft haben. Videos mit solchen Optiken unter guten Bedingungen aufgenommen, werden auch jedem weniger geübten Bearbeiter zu hervorragenden Bildern verhelfen. Von der Richtigkeit dieser Aussage konnte sich jeder selbst überzeugen, der das von uns auf CD angebotene Mondvideo mal kurz durch Registax und Giotto gejagt hat. Halten wir also fest:
• Man kann es drehen und wenden wie man will, der Schlüssel zum Erfolg ist und bleibt eine qualitativ hervorragende Optik, wie sie sich jeder Profi irgendwie beschafft hat. Leider haben die auf dem Markt befindlichen Optiken zu einem sehr großen Prozentsatz die erforderliche Qualität nicht.
Hier ist guter Rat teuer, aber in Bezug auf die Qualität gibt es einige Denkansätze:
• Man findet einen Händler, der gegen Aufpreis eine selektierte Optik liefert
• Man lässt sich gegen Aufpreis beste Qualität und Rückgaberecht zusichern
• Man kauft „bekannt gute Optiken“, wie z.B. das C9,25 und hofft auf sein Glück
• Man kauft nur teure Optiken mit verbindlichem Protokoll, z.B. das OMC 300
• Man prüft die Optik beim Händler selbst am künstlichen Stern
• Man sendet die Optik auf eigene Rechnung zu einem verlässlichen(!), händlerunabhängigen Prüfer
• Man kauft eine Optik (auch gebraucht), die man selbst (wie in Tutorial 1) getestet hat
• Man kauft und verkauft so lange, bis es endlich mal „passt“ (kann viele Jahre dauern)
Wir prüfen die Optik beim Händler am künstlichen Stern, ist die Optik hier in Ordnung, so ist eine Rückgabe nach dem späteren Test, wie im Tutorial 1 beschrieben, eher unwahrscheinlich. Auf diese Weise sind wir auch an unsere recht gute Meade 12“ ACF- Optik gekommen. Hilfreich ist auch Folgendes: Einige Händler und Firmen bewerben ihre Produkte in den höchsten Tönen: Professionelle Optik, Qualität von professionellen Observatorien, Test-Protokolle aus fragwürdigen Quellen, Hersteller zeigen in der Werbung Bilder von perfekten Sterntests, die eine solche Optik in der Praxis nie liefern wird. Solche Werbeaussagen z.B. im Internet kann man kopieren, und später vorlegen, falls das Produkt die Anforderungen der Werbung nicht erfüllt. Umtausch bzw. Rückgabe sollte dann kein Problem sein. Wichtig ist es aber, dem Händler vor dem Kauf eindeutig zu sagen, dass die Optik für hoch auflösende Fotografie verwendet werden soll, eine Feilscherei um den billigsten Preis sollte man auch nicht anfangen, sondern eher für die Prüfarbeit freiwillig einen deutlichen Aufpreis anbieten….
Optikgröße: Wie wir im Tutorial gesehen haben, bestimmt einzig und allein der Durchmesser der Optik die maximal erreichbare Auflösung. Schon eine geringe Steigerung des Durchmessers von 2“ hat enormen Einfluss auf die Bildqualität. Dazu eine kurze Betrachtung: Im Amateurbereich haben zumindest fast alle Optiken aus der Massenproduktion eine mehr oder weniger kräftige Sphärische Aberration oder Zonen. Diese Problematik wächst oft mit steigender Größe der Optik. Das bewirkt nun, dass immer nur das Licht von einem bestimmten Teil der Spiegeloberfläche exakt in den Fokus fällt, das restliche Licht bleibt leicht defokussiert. Ein defokussiertes Bild zeigt aber extrem stark jede Luftunruhe (einige Astronomen fokussieren daher nicht auf maximale Schärfe, sondern auf minimale Bewegung im Bild). Besonders eine große Optik mit SA oder Zonen kann daher selbst bei relativ gutem Seeing nie ein ruhiges Bild zeigen. Daher hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass das Seeing mit größer werdendem Optikdurchmesser immer mehr Probleme macht. In der Tat sind Optiken bis maximal 15cm Öffnung etwas weniger seeinganfällig, bei Durchmessern deutlich darüber ist es aber so, dass im Amateurbereich auch bei schlechten Bedingungen niemals die kleinere Optik das bessere fotografische Ergebnis liefert. 10“ bringen also auch bei schlechtem Seeing keinen Vorteil gegenüber 20“, mit besser werdendem Seeing spielen dann die 20“ immer gnadenloser ihren Vorteile aus! Wir halten also fest:
• Bei Durchmessern zwischen etwa 15 – 60cm wird auch bei schlechten Bedingungen niemals die kleinere Optik das bessere fotografische Ergebnis liefern. Im Amateurbereich gilt also unabhängig vom Seeing die Regel „Je größer, desto besser“, das Problem ist lösbar, wenn man genügend Kleingeld hat.
Für beste Ergebnisse bei Mond oder Planeten sind –mit der angestrebten Auflösung steigend- leider so gute Bedingungen erforderlich, wie es sie an einem durchschnittlichen Beobachtungsplatz nur an ganz wenigen Tagen im Jahr gibt. Man muss also an jedem klaren Abend einen Versuch machen, der nur in ganz wenigen Fällen das erwünsche Ergebnis liefert. Das ist für „Normalverbraucher“ wie mich, die ihre klapprige gebraucht- Montierung immer neu aufbauen müssen, eine Katastrophe! Profis habe oft ein Hütte mit fest installiertem Teleskop auf einer ordentlichen Montierung, und können mal eben probeweise „durchschauen“, ob das Seeing passt. Falls nicht klappt man die Hütte zu, bequemer geht es dann nicht mehr. Trotz aller dieser Hindernisse sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Man berechnet zunächst wie in unserem Tutorial beschrieben ganz realistisch, was mit der eigenen Öffnung an Auflösung maximal möglich ist, und freut sich dann, wenn es gelungen ist, dieser Vorgabe nahe zu kommen……
Die „grüne :super: Serie“ ist vorerst beendet. Dennoch werde ich auch in Zukunft gelegentlich ins Forum schauen, und vielleicht noch mal ein Bild an die Serie anhängen, per PN bin ich aber nicht mehr jederzeit kurzfristig erreichbar. Was ich aus meiner beschränkten Erfahrung heraus beitragen kann, habe ich hier vorbehaltlos zu Protokoll gegeben. Ein Forum ist wie eine große Familie, und es macht mehr Freude sein Wissen weiter zu geben damit Andere besser werden, als sein Wissen zurück zu halten um selbst besser zu bleiben. Ich meinerseits würde mich freuen, wenn noch weitere Information in diesem Thread angeboten wird, und nenne mal einige Punkte:
• Erfahrungen mit Filtern bei der Mondfotografie
• Erfahrungen mit der Verhinderung von Tubus-Seeing
• Konkrete(!) Beispiele der Profis zur Planetenfotografie mit LRGB oder ähnlichen Verfahren
• Alle weiteren Tipps, die wichtig und hilfreich sein könnten
• Links zu schon vorhandenen Informationen zu den oben genannten Themen
Es gibt hier im Forum mehrere Teilnehmer, die ganz hervorragende Planetenbilder mit Filtern aufnehmen, ein Verfahren zu dem wir mangels Erfahrung keinen Beitrag liefern können. Es wäre natürlich ungemein erfreulich, wenn aus dieser Richtung ein kleines Tutorial (es muss ja nicht den hier gezeigten Umfang haben) mit konkreten Hinweisen zum lückenlosen und nachvollziehbaren Ablauf der Bildverarbeitung unter Nennung der Software, der Grundeinstellungen (also keine exakten Prozentwert für jede Filtereinstellung notwendig) gegeben würde. Solche kleinen Turorials würde ich auch auf Wunsch ins Web stellen, so wie ich es mit meinem eignen Tutorial an dieser Stelle gemacht habe. Im Übrigen freue ich mich auf Fragen und Kommentare, die definitiv erwünscht sind.
Gruß, Peter
Hier noch eine Zusammenstellung aller Bilder der "grünen Serie". Einige diese Bilder erreichen nahezu das maximal Machbare für eine 30cm Optik, andere Bilder sind zu Demozwecken absichtlich nicht optimal. Alle Aufnahmen leiden noch unter Auskühl- und Strömungsproblemen unserer Optik die aus Zeitgründen nicht weiter untersucht wurden, und sind daher nicht als Referenzaufnahmen und für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Fünf der Bilder wurden bereits in „Sterne und Weltraum“ veröffentlicht:
1. Hadley-Rille - Apollo 15 im Anflug.....
2. Alpental - sogar mit Rille.....
3. Clavius - der Klassiker.....
4. Apenninen - ein ganz böses Bild.....
5. Aristoteles/Eudoxus - zwei sonnige Gesellen.....
6. Archimedes - drei zwielichtige Gestalten im Morgengrauen.....
7. Messier - Kaffeebohne mit Kometenschweif.....
8. Petavius - leider nur 5/10.....
9. Janssen - Lunar Orbiter kann einpacken.....
10. Deslandres – Vergleich mit Lunar Orbiter…..
11. Mare Frigoris - weichgespült.....
12. Terminator – interessant ist, was man nicht sieht.....
13. Terminator 2 – mal ohne Schwarzenegger...
14. Hyginusrille – Tutorial Teil 1....
15. Ptolemaeus – Tutorial Teil 2....
16. Stoefler/Lange Wand - Tutorial Teil 3....
17/18 Theophilus,Arzachel,Birt - Tutorial Teil 4....
19. Hipparchus - Tutorial Teil 5....
Damit die Arbeit nicht umsonst ist: In meiner Freizeit habe ich für eine Schule im Nachbarort ein kleines Luftfahrtprojekt entwickelt. Dort findet sich eine wohl einzigartige Dokumentation darüber, wie Flugsimulationsprogramme für den PC beim Fliegen eines (echten) Hubschraubers helfen können. Wer Lust hat kann ja dort mal schauen wie Christian, Mitautor des TIS-Kameratests, Hubschrauber fliegen lernen musste, durchaus eine interessante Alternative zu Astronomie, wenn das Wetter mal nicht passt....
Bild 20 der "grünen :super: Serie". Schon immer wollte ich ein schönes Bild des Mondrandes machen, aber mehr als ein Achtungserfolg wie hier bei Boussignault mit dem interessanten zweiten Krater im Inneren ist bisher nie gelungen. Da auch das oben gezeigte Bild der Wallebene Meton nicht brauchbar war, habe ich einfach mal mit Photoshop daran gespielt. Ausnahmsweise würde ich dieses Mal auch die „Profis“ für Mond und Planeten bitten, wenigstens die letzten Abschnitte zu lesen…..
Teil 6: Ergebnisse der “grünen :super: Serie“.
Als Mitte letzten Jahres die Idee aufkam, eine ordentliche Optik und eine gute Kamera zu beschaffen, war noch nicht abzusehen, wie mühsam das sein würde. Letztlich führte das zu unserem Kameratest in SuW Heft 6/2008, und zu einer recht ordentlichen 12“ ACF-Optik von Meade. Viel Erfahrung bei der Erstellung von hoch auflösenden Bildern hatten wir nicht, und es ergab sich für uns ein Lernprozess, der sich unter Anderem in der „grünen :super: Serie“ widerspiegelt. Diesen Lernprozess haben wir sozusagen „öffentlich“ unternommen, damit auch Andere davon profitieren können. Dabei haben wir einige Feststellungen gemacht, die hier noch kurz zusammengefasst werden. Wichtig für das Gelingen guter Bilder sind folgende Punkte:
Seeing - Kamera – Bildverarbeitung - Optik
Die Rolle des Seeings: Gehen wir einmal davon aus, dass auch in Mitteleuropa gelegentlich ausreichend gute Bedingungen für Aufnahmen mit sehr hoher Auflösung gegeben sind, so reduziert sich dieser Punkt auf ein genügend geduldiges Warten auf den richtigen Zeitpunkt. Das dauert natürlich um so länger, je größer der Durchmesser der Optik ist, wir erinnern uns: Die maximal erreichbare Auflösung ist direkt proportional zur Öffnung.
Die Rolle der Kamera: Die heute zur Verfügung stehenden Kameras liegen in Bezug auf Lichtempfindlichkeit und Rauschverhalten zwar an der Grenze dessen, was man idealerweise wünschen würde (bei der Planetenfotografie wird es mit der Belichtungszeit oft schon arg knapp), aber es ist dennoch kein Problem zu akzeptablen Kosten eine sehr ordentliche Kamera zu erwerben, und wie in unserem Kameratest in SuW 6/08 beschrieben an die Optik anzupassen. Bei Planetenaufnahmen mit monochromen Kameras folgt dann noch die Überlegung zur korrekten Filterwahl um optimale Ergebnisse zu erzielen, einige Anmerkungen dazu weiter unten. Wer mit Ir-Passfiltern ein IrGB oder ein IrRGB erzeugen will, sollte eventuell ein Kamera mit einem ExView-CCD verwenden, diese Chips haben ihre maximale Empfindlichkeit im Ir-Bereich. Ein unüberwindliches Problem ergibt sich jedenfalls bei der Wahl einer geeigneten Kamera nicht.
Die Rolle der Bildverarbeitung: Wer unsere kleinen „Tutorials“ verfolgt hat, kann unschwer feststellen, dass die ganze Angelegenheit zumindest bei hoch auflösenden Mondfotos und Planetenaufnahmen mit Farbkameras eigentlich keine Geheimnisse birgt, die nicht genau wie wir auch jeder andere Anfänger mit ein wenig Übung meistern kann:
• Man addiert mit Registax Multipoint in den einfachsten Einstellungen
• Man schärft mit Mexican Hat bei Giotto
• Man filtert gegebenenfalls noch mit NeatImage
• Man macht eine leichte Nachbearbeitung mit Photoshop
Bis zum fertigen Mondbild dauert das dann nur die Rechenzeit des Computers plus wenige Minuten. Bei Planetenaufnahmen mit Farbkameras geht es übrigens noch schneller, man verfährt ebenso, benutzt aber zum Addieren Giotto ohne jede Qualitätsauswahl in der Option „Zentrieren auf helle Scheibe“. Auch zum Ausgleich der atmosphärischen Refraktion (Verschieben der Farbkanäle) ist Giotto gut geeignet. Nach kurzer Übungszeit erhält man ganz erstaunliche Bilder, die ein durchaus „gehobenes“ Niveau haben, wie wir mit den Bildern der „grünen Serie“ bewiesen haben. Das gilt auch für die Planetenfotografie mit Farbkameras, die ohne spezielles Wissen auch schöne Ergebnisse liefert wie Mars und Saturn. Die gezeigten Bilder entstanden in wenigen Minuten mit den oben erwähnten einfachen Schritten der Bildbearbeitung wie sie jeder Anfänger nach kurzer Übung machen kann. Wer auch als Anfänger bei der Planetenfotografie Filter verwenden möchte, sollte ein monochromes Luminanzbild unter Einsatz z.B. eines 685nm Ir-Pass Filters machen, und dann mit der Farbinformation einer Farbkamera kombinieren. Das liefert auf relativ einfache Weise ein IrRGB ohne Verwendung von RGB-Filtern. Das Geheimnis guter Bilder liegt definitiv nicht immer in besonders ausgefeilten Methode der Bildbearbeitung, es geht auch ohne aufwändige Verfahren mit zigfachen komplizierten Bearbeitungsschritten! Halten wir also fest, was den Neuling motivieren sollte:
• Das Geheimnis guter Bilder bei der Mondfotografie und der Planetenfotografie mit einer Farbkamera liegt nicht in besonderen Fähigkeiten bei der Bildverarbeitung, jeder Anfänger kann nach kurzer Übung zu sehr ansehnlichen Ergebnissen kommen.
Profis werden bei der Bildbearbeitung mit allen möglichen Tricks zwar immer noch etwas mehr aus ihren Bildern herausholen, aber der Unterschied hält sich in Grenzen. Für die Planetenfotografie mit Filtern gilt diese Aussage nur eingeschränkt, hier ist Erfahrung sehr nützlich, wird aber leider nicht immer im erwünschten Maße weitergegeben. Ein Beispiel hierfür ist die Homepage von Damian Peach, der ganz hervorragende Mond und Planetenbilder liefert. Obwohl er mit einem unnötig großen Öffnungsverhältnis arbeitet, bringt er das C14 exakt an die von uns berechnete Grenze der Auflösung. Hervorstechendes Merkmal seiner Aufnahmen ist dabei das Fehlen des sonst oft noch vorhandenen „Grauschleiers“ bei den Planetenaufnahmen. Information über seine Art der Bildverarbeitung sucht man jedoch auf seiner Homepage vergeblich, dafür gibt es gegen Bezahlung eine DVD, die dann vermutlich auch nicht viel weiter hilft. Das finde ich sehr schade!
Die Rolle der Optik: Wenn also nun die Bildbearbeitung (abgesehen vom Verfahren mit Filtern) kein besonderes Wissen erfordert, warum liefern einige Leute hervorragende Bilder, während andere es maximal zu mittleren Achtungserfolgen bringen? Die Antwort darauf ist einfacher als man denkt: Was ein Video zeigt, ist mit einfacher Bildverarbeitung auch für weniger Geübte zugänglich, was ein Video nicht zeigt, bringt auch der beste Profi nicht hervor. Das Geheimnis liegt in der ausgesucht guten Optik die sich alle Amatuer-Profis irgendwie beschafft haben. Videos mit solchen Optiken unter guten Bedingungen aufgenommen, werden auch jedem weniger geübten Bearbeiter zu hervorragenden Bildern verhelfen. Von der Richtigkeit dieser Aussage konnte sich jeder selbst überzeugen, der das von uns auf CD angebotene Mondvideo mal kurz durch Registax und Giotto gejagt hat. Halten wir also fest:
• Man kann es drehen und wenden wie man will, der Schlüssel zum Erfolg ist und bleibt eine qualitativ hervorragende Optik, wie sie sich jeder Profi irgendwie beschafft hat. Leider haben die auf dem Markt befindlichen Optiken zu einem sehr großen Prozentsatz die erforderliche Qualität nicht.
Hier ist guter Rat teuer, aber in Bezug auf die Qualität gibt es einige Denkansätze:
• Man findet einen Händler, der gegen Aufpreis eine selektierte Optik liefert
• Man lässt sich gegen Aufpreis beste Qualität und Rückgaberecht zusichern
• Man kauft „bekannt gute Optiken“, wie z.B. das C9,25 und hofft auf sein Glück
• Man kauft nur teure Optiken mit verbindlichem Protokoll, z.B. das OMC 300
• Man prüft die Optik beim Händler selbst am künstlichen Stern
• Man sendet die Optik auf eigene Rechnung zu einem verlässlichen(!), händlerunabhängigen Prüfer
• Man kauft eine Optik (auch gebraucht), die man selbst (wie in Tutorial 1) getestet hat
• Man kauft und verkauft so lange, bis es endlich mal „passt“ (kann viele Jahre dauern)
Wir prüfen die Optik beim Händler am künstlichen Stern, ist die Optik hier in Ordnung, so ist eine Rückgabe nach dem späteren Test, wie im Tutorial 1 beschrieben, eher unwahrscheinlich. Auf diese Weise sind wir auch an unsere recht gute Meade 12“ ACF- Optik gekommen. Hilfreich ist auch Folgendes: Einige Händler und Firmen bewerben ihre Produkte in den höchsten Tönen: Professionelle Optik, Qualität von professionellen Observatorien, Test-Protokolle aus fragwürdigen Quellen, Hersteller zeigen in der Werbung Bilder von perfekten Sterntests, die eine solche Optik in der Praxis nie liefern wird. Solche Werbeaussagen z.B. im Internet kann man kopieren, und später vorlegen, falls das Produkt die Anforderungen der Werbung nicht erfüllt. Umtausch bzw. Rückgabe sollte dann kein Problem sein. Wichtig ist es aber, dem Händler vor dem Kauf eindeutig zu sagen, dass die Optik für hoch auflösende Fotografie verwendet werden soll, eine Feilscherei um den billigsten Preis sollte man auch nicht anfangen, sondern eher für die Prüfarbeit freiwillig einen deutlichen Aufpreis anbieten….
Optikgröße: Wie wir im Tutorial gesehen haben, bestimmt einzig und allein der Durchmesser der Optik die maximal erreichbare Auflösung. Schon eine geringe Steigerung des Durchmessers von 2“ hat enormen Einfluss auf die Bildqualität. Dazu eine kurze Betrachtung: Im Amateurbereich haben zumindest fast alle Optiken aus der Massenproduktion eine mehr oder weniger kräftige Sphärische Aberration oder Zonen. Diese Problematik wächst oft mit steigender Größe der Optik. Das bewirkt nun, dass immer nur das Licht von einem bestimmten Teil der Spiegeloberfläche exakt in den Fokus fällt, das restliche Licht bleibt leicht defokussiert. Ein defokussiertes Bild zeigt aber extrem stark jede Luftunruhe (einige Astronomen fokussieren daher nicht auf maximale Schärfe, sondern auf minimale Bewegung im Bild). Besonders eine große Optik mit SA oder Zonen kann daher selbst bei relativ gutem Seeing nie ein ruhiges Bild zeigen. Daher hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass das Seeing mit größer werdendem Optikdurchmesser immer mehr Probleme macht. In der Tat sind Optiken bis maximal 15cm Öffnung etwas weniger seeinganfällig, bei Durchmessern deutlich darüber ist es aber so, dass im Amateurbereich auch bei schlechten Bedingungen niemals die kleinere Optik das bessere fotografische Ergebnis liefert. 10“ bringen also auch bei schlechtem Seeing keinen Vorteil gegenüber 20“, mit besser werdendem Seeing spielen dann die 20“ immer gnadenloser ihren Vorteile aus! Wir halten also fest:
• Bei Durchmessern zwischen etwa 15 – 60cm wird auch bei schlechten Bedingungen niemals die kleinere Optik das bessere fotografische Ergebnis liefern. Im Amateurbereich gilt also unabhängig vom Seeing die Regel „Je größer, desto besser“, das Problem ist lösbar, wenn man genügend Kleingeld hat.
Für beste Ergebnisse bei Mond oder Planeten sind –mit der angestrebten Auflösung steigend- leider so gute Bedingungen erforderlich, wie es sie an einem durchschnittlichen Beobachtungsplatz nur an ganz wenigen Tagen im Jahr gibt. Man muss also an jedem klaren Abend einen Versuch machen, der nur in ganz wenigen Fällen das erwünsche Ergebnis liefert. Das ist für „Normalverbraucher“ wie mich, die ihre klapprige gebraucht- Montierung immer neu aufbauen müssen, eine Katastrophe! Profis habe oft ein Hütte mit fest installiertem Teleskop auf einer ordentlichen Montierung, und können mal eben probeweise „durchschauen“, ob das Seeing passt. Falls nicht klappt man die Hütte zu, bequemer geht es dann nicht mehr. Trotz aller dieser Hindernisse sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Man berechnet zunächst wie in unserem Tutorial beschrieben ganz realistisch, was mit der eigenen Öffnung an Auflösung maximal möglich ist, und freut sich dann, wenn es gelungen ist, dieser Vorgabe nahe zu kommen……
Die „grüne :super: Serie“ ist vorerst beendet. Dennoch werde ich auch in Zukunft gelegentlich ins Forum schauen, und vielleicht noch mal ein Bild an die Serie anhängen, per PN bin ich aber nicht mehr jederzeit kurzfristig erreichbar. Was ich aus meiner beschränkten Erfahrung heraus beitragen kann, habe ich hier vorbehaltlos zu Protokoll gegeben. Ein Forum ist wie eine große Familie, und es macht mehr Freude sein Wissen weiter zu geben damit Andere besser werden, als sein Wissen zurück zu halten um selbst besser zu bleiben. Ich meinerseits würde mich freuen, wenn noch weitere Information in diesem Thread angeboten wird, und nenne mal einige Punkte:
• Erfahrungen mit Filtern bei der Mondfotografie
• Erfahrungen mit der Verhinderung von Tubus-Seeing
• Konkrete(!) Beispiele der Profis zur Planetenfotografie mit LRGB oder ähnlichen Verfahren
• Alle weiteren Tipps, die wichtig und hilfreich sein könnten
• Links zu schon vorhandenen Informationen zu den oben genannten Themen
Es gibt hier im Forum mehrere Teilnehmer, die ganz hervorragende Planetenbilder mit Filtern aufnehmen, ein Verfahren zu dem wir mangels Erfahrung keinen Beitrag liefern können. Es wäre natürlich ungemein erfreulich, wenn aus dieser Richtung ein kleines Tutorial (es muss ja nicht den hier gezeigten Umfang haben) mit konkreten Hinweisen zum lückenlosen und nachvollziehbaren Ablauf der Bildverarbeitung unter Nennung der Software, der Grundeinstellungen (also keine exakten Prozentwert für jede Filtereinstellung notwendig) gegeben würde. Solche kleinen Turorials würde ich auch auf Wunsch ins Web stellen, so wie ich es mit meinem eignen Tutorial an dieser Stelle gemacht habe. Im Übrigen freue ich mich auf Fragen und Kommentare, die definitiv erwünscht sind.
Gruß, Peter
Hier noch eine Zusammenstellung aller Bilder der "grünen Serie". Einige diese Bilder erreichen nahezu das maximal Machbare für eine 30cm Optik, andere Bilder sind zu Demozwecken absichtlich nicht optimal. Alle Aufnahmen leiden noch unter Auskühl- und Strömungsproblemen unserer Optik die aus Zeitgründen nicht weiter untersucht wurden, und sind daher nicht als Referenzaufnahmen und für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Fünf der Bilder wurden bereits in „Sterne und Weltraum“ veröffentlicht:
1. Hadley-Rille - Apollo 15 im Anflug.....
2. Alpental - sogar mit Rille.....
3. Clavius - der Klassiker.....
4. Apenninen - ein ganz böses Bild.....
5. Aristoteles/Eudoxus - zwei sonnige Gesellen.....
6. Archimedes - drei zwielichtige Gestalten im Morgengrauen.....
7. Messier - Kaffeebohne mit Kometenschweif.....
8. Petavius - leider nur 5/10.....
9. Janssen - Lunar Orbiter kann einpacken.....
10. Deslandres – Vergleich mit Lunar Orbiter…..
11. Mare Frigoris - weichgespült.....
12. Terminator – interessant ist, was man nicht sieht.....
13. Terminator 2 – mal ohne Schwarzenegger...
14. Hyginusrille – Tutorial Teil 1....
15. Ptolemaeus – Tutorial Teil 2....
16. Stoefler/Lange Wand - Tutorial Teil 3....
17/18 Theophilus,Arzachel,Birt - Tutorial Teil 4....
19. Hipparchus - Tutorial Teil 5....
Damit die Arbeit nicht umsonst ist: In meiner Freizeit habe ich für eine Schule im Nachbarort ein kleines Luftfahrtprojekt entwickelt. Dort findet sich eine wohl einzigartige Dokumentation darüber, wie Flugsimulationsprogramme für den PC beim Fliegen eines (echten) Hubschraubers helfen können. Wer Lust hat kann ja dort mal schauen wie Christian, Mitautor des TIS-Kameratests, Hubschrauber fliegen lernen musste, durchaus eine interessante Alternative zu Astronomie, wenn das Wetter mal nicht passt....