Einstieg in die Hobbyastronomie: Welche Ausrüstung?

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Sehe ich auch so
GoTo ist nice to have.
Aber kein must have.

Wer Wert auf Guiding vorbereitung legt, der nimmt die etwas teurere rote Steuerbox.
Weiterer Vorteil, falls mobil, es ist ein. 6v system und kann auch via Powerbank versorgt werden.
 
Also sieht man dort dann wahrscheinlich wirklich nur Matschflecken? Meinst du es macht dann mehr Sinn eher in Richtung Fotografie zu gehen um die Deep Sky Objekte dann schön sehen zu können?
Was hältst du von der oben von mir beschriebenen Kombination aus Skywatcher N150/750 mit EQ-5 Montierung (mit motorisierter Nachführung (oder GoTo)). Ist die Optik geeignet um mit Langzeitbelichtung schöne Fotos von Nebeln und Galaxien zu machen?
Paul,
Anhand deiner geringen Kenntnis wird hier viel durcheinander geworfen.
Astronomie visuell und fotografisch sind grundverschiedene Dinge. Dafür muss man sich im Grund entscheiden.
Aber als Anfänger kann man sich nicht so recht entscheiden, weil man es nicht ausprobiert hat.
Es gibt so viele Objekte im All, die man visuell super beobachten kann. Nur weil man eine Galaxie visuell als Matchfleck sieht, sollte man die visuelle Beobachtung nicht ausschließen.
Wenn du mit Astrofotografie beginnen willst, kann es sehr günstig und einfach machen. Ebenso kann man auch ein "Vermögen" versenken.
Du musst wissen, was du willst. Dementsprechend richtet sich die Ausrüstung.
Jeder Himmel / Objekt hat sein Teleskop, oder Gerät.
 
Also würdest du sagen Teleskop 400€ und Montierung 400€?
Ich kann nur sagen, dass ich es nach vielen Überlegungen so gemacht habe. MAK127, die iexos-100 oder ähnlich, oder als Kombi und ein altes Notebook.
Der MAK ist für die bald kommenden Planeten gut und mit meiner SV305 noch besser (Planetenvideo). Deep Sky ginge dann auch schon mit der vorhandenen DLSR. Für Weitwinkelobjekte habe ich später auf ein 2. Teleskop gesetzt, denn hier wird eine kurze Brennweite benötigt.
Inzwischen brüte ich über eine noch teurere Halterung nach, weil es für die Fotografie nicht ruhig genug laufen kann. Also empfehle ich, spare nicht an der Nachführung.
CS
thomas314
 
Hey Ulrike!
Ich wohne in einem Vorort bzw. ländlicheren Stadtteil. Ist so der Übergang zwischen Bortle 4 und Bortle 5 (laut Online-Karte). Also sieht man dort dann wahrscheinlich wirklich nur Matschflecken? Meinst du es macht dann mehr Sinn eher in Richtung Fotografie zu gehen um die Deep Sky Objekte dann schön sehen zu können?
Was hältst du von der oben von mir beschriebenen Kombination aus Skywatcher N150/750 mit EQ-5 Montierung (mit motorisierter Nachführung (oder GoTo)). Ist die Optik geeignet um mit Langzeitbelichtung schöne Fotos von Nebeln und Galaxien zu machen?
Ja, da siehst du nur graue Matschflecken. Ich hab hier dieselben Verhältnisse, daher kann ich das so bestätigen.

Fotografisch wäre natürlich besser, um die Nebel und Galaxien sichtbar zu machen. Und bei der Bildbearbeitung kommen dann auch die Farben :) ABER: Trivial ist die Fotografie nicht. Aus meiner Sicht bringt es auch nichts, gleich in eine große Montierung zu investieren, denn das kostet einen Haufen Geld und was ist, wenn's dir dann doch zu kompliziert ist oder keinen Spaß macht? Falls du mit Fotgrafieren anfangen möchtest, würde ich dir einen kleinen Startracker empfehlen, wie z. B. die Star Adventurer empfehlen und darauf eine Kamera und Objektiv zu schnallen und dich mit den Grundlagen vertraut zu machen. Und wenn dich das anfixt, dann kannst du dir später immer noch eine größere Montierung kaufen.
 
Dann bedanke ich mich schonmal für die ganzen Antworten. Mal schauen was ich daraus mache.
Eine kleine Frage hätte ich aber noch an Ulrike und Klaus:
Ja, da siehst du nur graue Matschflecken. Ich hab hier dieselben Verhältnisse, daher kann ich das so bestätigen..
Das gilt aber dann nicht für die von dir erwähnten Doppelsternsysteme und Sternhaufen? Wie "matschig" sind denn Nebel und Galaxien? Kann man da wirklich gar keine Strukturen erkennen (also lohnt es sich trotzdem sie anzuschauen oder ist das dann eher unspektakulär)?
Es gibt so viele Objekte im All, die man visuell super beobachten kann. Nur weil man eine Galaxie visuell als Matchfleck sieht, sollte man die visuelle Beobachtung nicht ausschließen.
Sind die Objekte, die man dann visuell beobachten kann Planeten, Doppelsternsysteme und Sternhaufen? Oder gibt es da sonst noch was?
Und ja: Ich weiß ich sollte mich dann grundsätzlich entscheiden ob ich lieber Fotografie oder visuelle Beobachtung machen möchte.
 
Hallo Paul,

bevor du Geld investierst: Hast du eine Sternwarte in deiner Nähe?
Besuch eine Führung, damit du mal durch ein Teleskop schauen kannst, was dich erwartet.
Eventuell kannst du auch beitreten und da die Teleskope nutzen oder gar ausleihen und so rausfinden, was dir am meisten zusagt. Grau ist alle Theorie…

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Paul,

bevor du Geld investierst: Hast du eine Sternwarte in deiner Nähe?
Besuch eine Führung, damit du mal durch ein Teleskop schauen kannst, was dich erwartet.
Eventuell kannst du auch beitreten und da die Teleskope nutzen oder gar ausleihen und so rausfinden, was dir am meisten zusagt. Grau ist alle Theorie…

Beste Grüße,
Alex
Ja, die Idee hatte ich auch schon. Gibt eine in der Nähe (ist aber nicht in der von dir gezeigten Liste), muss nur herausfinden wie es da mit Führungen aussieht.
 
Wie "matschig" sind denn Nebel und Galaxien? Kann man da wirklich gar keine Strukturen erkennen (also lohnt es sich trotzdem sie anzuschauen oder ist das dann eher unspektakulär)?
Der Orionnebel zB zeigt eine Menge Struktur. und das schon bei 80mm. Der lohnt sich immer und ist wunderschön. Ab 6" zeigt auch der Cirrusnebel seine ersten schönen Filamente.
Kugelsternhaufen sind so ab 100mm sehr lohnend und zeigen sich in schöner Pracht. Offene Sternhaufen sind immer total toll. Galaxien zeigen auch ihre grundsätzliche Form. Spiralarme gehen idR aber nur bei absolutem Topp Himmel und so ab 8-10".

Aus über 20 Jahren Erfahrung:
Fotografie birgt SEHR viel Frust und Problempotential, seöbst für technisch versierte Menschen. Nicht wenige schmeißen hin, werden von der Astronomie abgeschreckt.
Ich empfehle dir daher von ganzem Herzen, fange Visuell an und festige erstmal Freude und Interesse an dem Hobby. Wenn das Hobby dann endgültig ein dauerhafter Begleiter geworden ist, dann kann man sich in die Technikhölle begeben.
 
Der Orionnebel zB zeigt eine Menge Struktur. und das schon bei 80mm. Der lohnt sich immer und ist wunderschön. Ab 6" zeigt auch der Cirrusnebel seine ersten schönen Filamente.
Kugelsternhaufen sind so ab 100mm sehr lohnend und zeigen sich in schöner Pracht. Offene Sternhaufen sind immer total toll. Galaxien zeigen auch ihre grundsätzliche Form. Spiralarme gehen idR aber nur bei absolutem Topp Himmel und so ab 8-10".

Aus über 20 Jahren Erfahrung:
Fotografie birgt SEHR viel Frust und Problempotential, seöbst für technisch versierte Menschen. Nicht wenige schmeißen hin, werden von der Astronomie abgeschreckt.
Ich empfehle dir daher von ganzem Herzen, fange Visuell an und festige erstmal Freude und Interesse an dem Hobby. Wenn das Hobby dann endgültig ein dauerhafter Begleiter geworden ist, dann kann man sich in die Technikhölle begeben.
Danke. Das hilft mir sehr weiter :y:
 
Hi,

am ehesten zeigen Zeichnungen den visuellen Eindruck im Okular.
Siehe zB hier:

Auf dieser Seite gibt es auch den bekannten, tollen Beobachtungskatalog, BAFK zum herunterladen:

Gruß
Peter
 
Hi,

am ehesten zeigen Zeichnungen den visuellen Eindruck im Okular.
Siehe zB hier:

Auf dieser Seite gibt es auch den bekannten, tollen Beobachtungskatalog, BAFK zum herunterladen:

Gruß
Peter
Auch das hilft. Danke!
Sind selbst die Kugelsternhaufen nur so sachte zu sehen wie auf den Zeichnungen beim ersten Link?
In wie fern passen die kleinen Bildchen beim Beobachtungskatalog?
 
Kann man für Fotografie auch eine noch kleinere Optik nehmen oder wird das Licht dann auch zu wenig und die Belichtungszeiten zu lang?
Du musst nicht sofort durch ein Teleskop fotografieren. Wenn Du mit Deep Sky anfangen willst, dann ist das auch mit einer DSLR und einem lichtstarken 200mm Teleobjektiv möglich. Beides wird dann auf die Montierung gesetzt. Leider wird diese Einsteigsmöglichkeit selten erwähnt.
Hier findest Du Zeichnungen von Deep Sky Objekten:
deepsky-visuell.de

Gruß
Ronald
 
Sind selbst die Kugelsternhaufen nur so sachte zu sehen wie auf den Zeichnungen beim ersten Link?
Nein!
Gerade Kugelsternhaufen können visuell extrem beeindruckend sein.
Stell dir vor du siehst die Photonen von tausenden einzelnen Punktquellen/Sternen gleichzeitig im Auge.
Diesen Eindruck hast du nur bei einem Kugelsternhaufen. ;)

Allerdings sollte die Optik und das lokale Seeing eine gewisse Qualität haben. ;)

In wie fern passen die kleinen Bildchen beim Beobachtungskatalog?
Das passt visuell nur grob. Es sind ja meistens kleine SW- Fotos. Die zeigen für visuell dann meistens zuviel Struktur.

Gruß
Peter
 
Astrofotografie günstig einzusteigen geht ganz einfach. So mach ich es auch.
DSLR, Objektiv, Stativ
Nachführung Omegon Minitrack LX3
Nachführung Skywatcher Star Adventurer
 
Hallo Paul,

ich möchte hier kein Sakrileg begehen und dir von Newtons und Kameras abraten…

… aber zur Erstausrüstung gehört IMMER ein gescheites Fernglas. Dazu noch ein Jahrbuch (Kosmos Himmelsjahr) und ein Anfängeratlas (Karkoschka). Alleine damit kannst du unzählige Stunden mit tollen Beobachtungen verbringen. Wenn du dann Blut geleckt hast und immer noch Spaß am Hobby hast, kannst du dich um ein Upgrade deiner Ausrüstung kümmern. Fotografie wurde ICH mal ganz an den Schluss setzen.

Ist meine persönliche Meinung, die übrigens auf eigenen Erfahrungen beruht…

Viele Grüße und viel Erfolg :)

Marco
 
Hi, 10 of 10 Points Marco, exakt so. Vllt. ergänzt um eine drehbare Sternkarte.

CS Jörg
 
Hi,
Grundlagen erlernen:
Buch Das 1 mal 1 der Astronomie
Buch Astrofotografie für Einsteiger
Buch Fernrohrführerschein
Buch Kosmos Himmelsjahr 2022
Einstieg in die Astronomie
Astrofotografie
Teleskope und Montierungen

Nur eine kleine Auswahl an Infos
Ohne Grundkenntnisse wirst du nicht weit kommen und unnötig viel Geld versenken. Wenn sich kein Erfolg zeigt, wird das schöne Hobby Astronomie sehr schnell aufgegeben.
 
Hallo in die Runde,

habe lange gezögert aber ich möchte jetzt doch ein paar Gedanken loswerden.

Goto:
In der Nacht vom 22. auf den 23.06.22 ist mir wieder bewusst geworden, dass ich so etwas nicht möchte !
Das eigene Auffinden, das Erfolgserlebnis mittels Starhopping zum Zielobjekt zu gelangen ist für mich ein wesentlicher Bestandteil bei der visuellen Beobachtung von DeepSky Objekten.
Ziel war M16, der Adlernebel, den wollte ich dann aber mit meinem Dobson aufnehmmen. Zum Aufsuchen verwende ich die Freeware Stellarium, kann ich nur empfehlen.
Ausgangspunkt der Suche war der hellere Stern Sabik im Sternbild Wasserträger. Von da aus habe ich mich mit dem Sucher über hellere Sterne zum Stern HIP89851 vorgekämpft. Nun ging es mit dem 25mm Okular weiter und da viel mir doch gleich der Omeganebel darunter auf. Durch das 180° gedrehte Bild im Newton lag der im Okular natürlich darüber.
Ein milchiger etwas länglicher Fleck. Eigentlich nicht speltakulär aber die Freude den selbst gefunden zu haben kam ja zusätzlich dazu.

Und das will ich mir nicht mit GOTO nehmen lassen !

Danach ging es dann noch schnell senkrecht hoch zum Adlernebel, den konnte ich visuell aber kaum wahrnehmen, erst später im 2 Sek. Livebild meiner Asi120mm war der Vogel deutlich sichtbar. Auch wieder beindruckechigend, ünrigens auch ohne Farbe.

DeepSky visuell:
ja, meist nicht so spektakulär aber das erfolgreiche Aufsuchen bereitet mir sehr viel Freude.
Nebel und Galaxien sind häufig nur milchige Flecken, aber die Form und Ausmaße unterscheiden sich schon.
Kugelsternhaufen zeigen da schon deutlich mehr !

Bei einem Einstieg mit Teleskop würde ich zu einem visuellen Einstieg raten. Fotografie kann später dazukommen und meist ist da eh ein zweites Teleskop nötig.
Dies muss auch gar nicht so groß sein.

Bei 800 Euro Budget wäre ein toller visueller Einstieg mit einem Dobson möglich. 8" oder 10" wäre da denkbar.
Und selbst damit lassen sich später schon erste DeepSky Fotos machen:

Mit selbst gebastelter EQ-Plattform und einer ca. 200 Euro teuren Kamera ist dies bei mir möglich: Dobson & Deepsky - Da geht doch was !

Gruß,
Holger
 
Moin Holger,

ich bin da im Grunde pragmatischer, wenn mir die heutige Technik, egal ob per Handy-Display oder Goto, hilft, schneller ans Ziel zu gelangen, ok. ABER, und da bin ich bei Dir, das darf das Wissen ums 1x1 nicht ersetzen.

Daher bin ich voll und ganz bei den Beiträgen, erstmal mit den Basics anzufangen und nicht mit 'nem Teleskop, das übertrieben ausgedrückt noch selbst aus der Kiste in den Garten springt und schwanzwedelnd die ersten Objekte präsentiert. Das geht an der Zielstellung unseres Themas vollkommen vorbei. Dann kann ich auch gleich in eine Bilddatenbank springen und mir das, was mich interessiert, dort fertig aufbereitet ansehen. Nicht dass das verwerflich wäre, nur brauche ich dann auch kein Teleskop, keine Kamera und das ganze drumherum.

CS
Jörg
 
Lieber Paul,
lauter gute Ratschläge, wie du deine 800€ oder auch viel mehr anlegen kannst. Mein Vorschlag: Spar erstmal das Geld und tritt einer Volkssternwarte/Astroverein bei. Dort kannst du verschiedene Montierungen und Optiken ausprobieren, viele Ratschläge von erfahrenen Astronomen bekommen und wenn du dir überlegt hast, was tatsächlich die richtige Ausrüstung für dich ist, dann hat bestimmt einer der Astrofreunde etwas Gebrauchtes im Keller, was du günstig bekommen kannst. Auch hier im Biete-Forum kannst du günstige Montierungen und Teleskope bekommen, allerdings möglichst Selbstabholung. So wirst du nicht betrogen und der Verkäufer kann dir die Tricks im Umgang mit dem Equipment zeigen.
Viel Erfolg und clear skies
Harald
 
Hallo Paul,

dann will ich mich auch noch mal zu Wort melden. Viele deiner Fragen wurden ja schon sehr beeindruckend beantwortet. Zu recht raten dir einige zu einem bescheidenen Einstieg gerade bei der Fotografie.

Ich betreibe die Sternguckerei seit 60 Jahren und bin inzwischen ganz gut ausgerüstet aber weit weg vom aktuellen Stand der Technik. Das Gerät in der Sternwarte hat natürlich eine motorische Nachführung ab kein Goto. Das hatten mir die Vereinskollegen für die letzte Montierung mal installiert, ich habe es aber über Jahre nicht eingesetzt sondern den Kram wie früher gesucht. Wesentlich häufiger als mit dem Hauptinstrument (Zeiss Meniscas 180/1800) beobachte ich aber mit meinem Kleinkram, der griffbereit herumsteht. Meine meistbenutzten Geräte sind: Lichtenknecker Refraktor 70/1000 parallaktisch montiert auf rollbarem Untersatz (80er Jahre), Sky-Watcher Refraktor 70/500 auf Kurbelsäulen Stativ azimutal montiert, Sky-Watcher 120/600 auf Säule samt Giro Montierung, Kosmos R54 54/1000 (um 1960) auf einer AZ3 Montierung, Vixen Newton 150/750 auf Selbstbau Dobson Montierung, Ferngläser 8x40ww, 7x50 (M17 aus dem 2. Weltkrieg), Vision King 5x25. Da kann ich das Gerät der Wahl schnell am Kragen packen und vor die Türe tragen. All das geht ohne Strom, langes Auf- und Abbauen und jedes Gerät hat seine Bereiche, die es besonders gut kann. Den o.g. Orionnebel sieht man z.B. im 120/600 aber auch im Dobson sehr schön. Wenn man lange genug schaut, sieht man die "Fledermaus" Form des Nebels und bei echter Dunkelheit das schwach grüne Schimmern. Wie ich oben schon mal schrieb, ist das beste Fernrohr das, das man am meisten benutzt. Die Freude kommt nicht vom Geld ausgeben und der Jagd nach dem besten und neuesten, die entsteht beim geduldigen hinsehen ohne Hektik und Erfolgszwang. Meine alten Brötchen zeigen mir immer wieder mal was neues oder bekanntes in neuem Licht.

Schau mal im Forum nach dem Beitrag "was der Kosmos Linsensatz am Himmel zeigt". Der motiviert zu einem bescheidenen aber erfolgreichen Einstieg.

Beste Grüße und viel Freude bei unserem schönen Hobby Gerhard
 
Hallo Paul @Paul6415 ,

ich möchte Dich auf eine weitere Möglichkeit für astronomische Bobachtungen aufmerksam machen. EAA = Electronic Assisted Astronomy. Dabei wird mit Hilfe einer Kamera am Teleskop und einer Software laufend Fotos mit kurzer Belichtungszeit von wenigen Sekunden automatisch zusammengerechnet und an einem Computerbildschirm oder Smartphone Display live angezeigt. Du erhältst dabei innerhalb von wenigen Sekunden, zehn, zwanzig Sekunden bereits farbige Bilder von allen Deep Sky Objekten, also Galaxien, Nebel, Planetarische Nebel, Asteroiden und, und, und ... je nach dem wie lange Du den Stacking-Prozess laufen lässt, um so mehr Details werden sichtbar.

Du kannst mit EAA bereits in der ersten Nacht Galaxien in Farbe sehen und Suchtpotential auf viel mehr öffnen. Ich habe letztes Jahr im April mit einem kleinen Newton auf einer gebrauchten Montierung begonnen. Eigentlich ist bei EAA die wichtigste und ausschlaggebende Komponente die Kamera. Da man mit Kurz-Zeitbelichtungen arbeitet braucht es aber keine gekühlte Kamera. Auf Grund der Kurzzeit-Belichtungen ist eine azimutale Montierung für EAA auch völlig ausreichend. Goto, auf das man nicht verzichten möchte, kommt quasi als Standard bei diesen Ausführungen mit und man kann sogar ein zu Beginn jeder Beobachtungsnacht Zeit- und Nervensparendes Autoalignement nachrüsten.

Natürlich ist bei einem nach oben offenen Budget keine Grenzen gesetzt. Mit unter tausend Euro kann man nicht die Qualität und vor allem auch nicht den Komfort eines EAA Setups für zwei, drei oder fünftausend Euro erwarten und erreichen. Aber mit knapp tausend Euro ist sicherlich ein guter Einstieg möglich.

Ich konnte von Beginn an, bereits in den ersten Nächten schöne Live Beobachtungen an allen mir zugänglichen DSO ausführen. Ich habe mir zu Ende der Beobachtung immer das finale Stacking-Ergebnis als JPG Datei abgespeichert und aufgehoben. Dabei zeigt sich ein weiterer Vorteil von EAA. Mit Ende der Beobachtung bin ich fertig. Ich habe sofort und ohne jegliche weitere, Stunden- oder Tagelange Bildnachbearbeitung ein fertiges Bild. Außerdem sind die fertigen Stack Photos MByte-mäßig nicht viel größer als Smartphone Aufnahmen und man ist nicht auf Terra-Byte große Datenspeicher angewiesen.

Ich habe mir letztes Jahr zu Beginn eine ungekühlte Kamera gekauft die zugleich einen großen Sensor und eine große Auflösung bietet. Damit fällt es dann sehr leicht mit einem 5" Newton mit 650mm Brennweite kleinere Objekte wie Galaxien zu beobachten aber auch größere Objekte wie Sensor-füllende Nebel.

Hier zwei Beispiel. Als erstes eine typische Galaxie, M51. Auf Grund des großen Sensor hat man hier viel "Weltraum" um das eigentlich Zielobjekt.

M51_ALL_Stack_356frames_2848s.jpg



Hier ein Beispiel für einen typischen Nebel, der Rosetten Nebel. Und wenn man genau hinschaut, ist der Nebel nicht vollständig abgebildet. Es fehlen einige Teile, besonders links oben. Gleiche Kamera, gleiches Teleskop. Du kannst vielleicht damit erahnen wie groß der Nebel im Vergleich zu der oben gezeigten Galaxie ist und bekommst damit eine Vorstellung wie weit die Extreme nicht nur im Universum sind sondern auch in der Anforderung für die Ausrüstung reichen können.

RosetteNebula_all_Stack_678frames_5424s_WithDisplayStretch.jpg


Ich gehöre nicht zu den Leuten die Photonen in den Augen spüren können und müssen. Ich will nur schöne Beobachtungen machen und es reicht mir völlig die farbigen Bilder die mein EAA-Setup mir aus dem Weltall herunter zaubert auf einem schnöden Bildschirm ganz bequem, Mückenfrei im Sommer und im warmen Wohnzimmer im Winter zu genießen. Das spricht einen weiteren Vorteil von EAA an. EAA kann remote gesteuert werden und man kann es auch aus der Großstadt heraus unter den entsprechend "Licht-verschmutzten" Bedingungen der heutigen Wohnungs-Zivilisation machen und muss nicht erst an besondere Plätze dazu fahren.

Ich habe jetzt bewußt vermieden Namen, Marken, Zahlenangaben zu Auflösung, Preise und, und hier zu benennen. Ich denke als Einsteiger ist man anfangs damit komplett überfordert. Mir war nur wichtig zu vermitteln, dass es zwischen reiner visueller Astronomie und HighEnd Astrofotografie noch viel Zwischenraum gibt und man selbst mit überschaubaren Budget viel sehen und erleben kann. In Farbe! ;)

Viel Freude bei der Vorbereitung für Deine ersten astronomischen Beobachtungen - MünchenBeiNacht - Ewald
 
Zuletzt bearbeitet:
Sind selbst die Kugelsternhaufen nur so sachte zu sehen wie auf den Zeichnungen beim ersten Link?

Die Zeichnungen - auch wenn sie wie in diesem Fall ästhetisch sehr gut gelungen sind - geben den Okularanblick nur ansatzweise realistisch wieder.

Eine etwas realistischere Darstellung des Anblicks eines Kugelsternhaufens mit verschiedenen Öffnungen bietet dieser Link: Deepsky Brothers

Wie "matschig" sind denn Nebel und Galaxien? Kann man da wirklich gar keine Strukturen erkennen (also lohnt es sich trotzdem sie anzuschauen oder ist das dann eher unspektakulär)?

Was du erkennen kannst, hängt bei der visuellen Beobachtung von mehreren Faktoren ab. Man kann das nicht pauschalisieren und auch nicht allgemein sagen, Nebel und Galaxien seien visuell "matschig". Faktoren sind in erster Linie:

- Wetterlage: Transparenz = Durchsichtigkeit des Himmels (viel oder wenig Dunst), Seeing = Luftunruhe durch Temperaturdifferenzen in der Atmosphäre
- Grad der Lichtverschmutzung: Himmelshelligkeit (wird durch Transparenz beeinflusst) und Störung der Dunkeladaption des Auges durch direktes Umgebungslicht
- Flächenhelligkeit des Objekts (hellere und schwächere DSOs)
- Teleskopöffnung und Qualität der Optik (Spiegel beim Newton, Okulare)

Wenn du an deinem Standort mit Bortle 4-5 beobachtest, wirst du mit einem 6- bis 8-Zöller schon viele interessante Deep-Sky-Objekte, z. T. auch Nebel mit Details, sehen können. Sternhaufen, also offene Sternhaufen und Kugelsternhaufen, sowie Doppelsterne sind grundsätzlich einfacher. Aber auch hellere Nebel sind gut möglich, wie z. B. der Orionnebel und helle planetarische Nebel wie der Hantelnebel und Ringnebel. Bei sehr guten Bedingungen kannst du vielleicht die Begleiter der Andromedagalaxie (Zwerggalaxien) und möglicherweise ein Staubband sehen. Mit OIII-Nebelfilter ist der Cirrus-Nebel (Supernova-Überrest) ein prachtvolles Objekt mit vielen Details.

Wirklich wichtig für die visuelle Astronomie sind aber gute Bedingungen, das heißt, der Himmel muss nicht nur klar sein, sondern die Wetterlage muss stimmen. (Das Wetter wird in Deutschland leider für die Astronomie immer schlechter.) Wenn du Details an Galaxien sehen möchtest, brauchst du mit 8 Zoll einen sehr guten Himmel an einem dunklen Standort, mindestens Bortle 4. Dann siehst du in der Andromedagalaxie die Staubbänder und Sternhaufen innerhalb der Galaxie!

Versprich dir nicht zu viel, wenn du die Zeichnungen auf den genannten Websites betrachtest. Jene sind überwiegend mit größeren Teleskopen (über 8 Zoll) an Standorten in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland und im Hochgebirge entstanden. Dort ist der Himmel wesentlich dunkler und die Wetterlage im Allgemeinen günstiger (Seeing und Transparenz).

Die visuelle Beobachtung lohnt sich, aber du solltest Geduld mitbringen. Das gilt auch für das Aufsuchen der Objekte, wenn du kein Go-To hast. Mit zunehmender Erfahrung sieht man an bereits bekannten Objekten immer mehr Details, und jene zeigen sich bei unterschiedlichen Bedingungen immer wieder anders.

Im Gegensatz zur Fotografie besteht der Reiz beim Visuellen darin, dass die Photonen direkt aufs Auge fallen und dadurch so etwas wie eine "direkte Verbindung" zum Objekt entsteht. Ich finde, das ist immer wieder aufs Neue ein ganz besonderes Erlebnis!

CS und viele Grüße

Claus
 
Hi!

Die Diskussion zeigt mal wieder, dass nichts wichtiger ist als selbst durchschauen.
  • Was kann man im Teleskop sehen? Das kann keiner so beantworten – Zeichnungen geben einen guten EIndruck (mein Tipp ist der STERNATLAS für den visuellen Beobachter (Peter Vizi) statt des Karkoschka), aber das hängt sehr vom Standort, der Ausrüstung und der Beobachtungserfahrung ab.
    Daher unbedingt bei klarem Himmel eine Sternwarte besuchen, um selbst einen Eindruck zu kriegen, ob einen das reizt.
  • Wie groß soll das Teleskop sein? Je größer, desto besser, weil es mehr zeigt, und je kleiner desto besser, weil es dann eher aufgebaut und eingesetzt wird, wenn man es jedes Mal aufbauen muss. Zwischen 8 und 10" sind visuell der Sweet Spot zwischen Deep Sky macht richtig Spaß und jetzt wird es langsam doch unhandlich und untransportabel. Ich bin mit einem 80mm-Refraktor unterwegs - der macht mir unheimlich Spaß, ist für den Einstieg aber eher zu klein.
  • Goto oder nicht? Auch hier scheiden sich die Geister – Ich weiß es vor allem bei der Fotografie zu schätzen, visuell brauche ich es nicht, da macht mir das Suchen auch Spaß – aber trotzdem habe ich jetzt auch ein Handy mit StarSense-Platesolving am Teleskop montiert, was auch richtig Spaß macht, weil man alles sofort findet und sich auf das Beobachten statt des Suchens beschränken kann. Auch hier muss man selbst rausfinden, was einem mehr Spaß macht – und je mehr Lichtverschmutzung vor Ort ist, desto hilfreicher ist Goto
  • Fotografie ja/nein? Auf jeden Fall macht es Sinn, Foto und visuell zu trennen, weil beide ganz andere Ansprüche an die Ausrüstung stellen. Mein Astrofoto-Buch wurde ja schon erwähnt – Astrofotografie ist sehr oft eine Materialschlacht, an die sich noch längere Zeit am PC für die Bildbearbeitung anschließt. Zumindest, wenn man sich nicht auf Nightscape-Landschaftsfotos mit dem Handy beschränkt ;)
  • EAA? Auch wieder so eine Sache für sich. Entweder investiert man einige Zeit darin, ein Equipment zum Laufen zu bringen (was auch Spaß machen kann, aber eben Beschäftigung mit der Technik statt mit dem Himmel ist), oder man nimmt was fertiges. Da konnte ich mal das eVscope 2 testen – funktioniert einwandfrei und liefert beeindruckende Ergebnisse, bringt mir aber wenig, weil ich selbst dabei zu wenig mache.
Von daher der Tipp, unbedingt bei einer Sternwarte vorbeischauen und mal durchschauen und evtl. anschauen, was die für Astrofotografie verwenden. Das ist das Beste, was du machen kannst – nur so findet man seine Vorlieben heraus. Am meisten hat mich einer beeindruckt, der auf unserer Sternwarte mal eine Privatführung gebucht hatte. Statt sich selbst ein ausreichend großes Teleskop zu kaufen, ging er lieber auf Reisen und besuchte überall die örtlichen Sternwarten, um sich dort die Sterne zeigen zu lassen.

Ich hatte auch erst einmal zehn Jahre die Geräte der örtlichen Sternwarte genutzt, bevor dann was eigenes kam.

Beste Grüße,
Alex
 
Über GOTO kann man durchaus geteilter Meinung sein.
Neben der Objektsuche, hat GOTO den großen Vorteil der Nachführung.
Das Beobachtungsobjekt bleibt auf der optischen Achse, also in der Gesichtsfeldmitte und somit da wo Teleskop und Okular am besten korrigiert sind.
Also da wo das Bild am schärfsten und am farbreinsten ist.
Auch macht eine Nachführung die Beobachtung entspannter und bequemer, man kann also länger ermüdungsfrei beobachten.
Man kann höhere Vergrößerungen anwenden und das Fokussieren fällt auch leichter.
Auch ist es etwas anderes wenn man z.B. Richtungsäandrrungen einfach per Knopfdruck, also berührungsloß durchführen kann und so z.B. den Mondterminator bequem und ganz langsam abfahren kann.
So kann man Details wirklich entdecken und ist nicht mit nachführen und positionierten beschäftigt.
Das alles erhöht letztlich nicht nur den Komfort, sondern auch die Detail erkennbarkeit.
Das "Beobachten" kann also durch eine Nachführung noch einmal ganz anders definiert werden.

Gruß
CS
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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