Ergebnisse vom Astrourlaub in Österreich - Teil 3 - Licht und Schatten

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AstroGerdt

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Hallo zusammen,

hier nun der zweite Teil meines Berichtes aus Österreich mit den nächsten Bildern. Für alle, die den ersten Teil nicht gelesen haben, kopiere ich hier einfach noch mal kurz die Beschreibung der Umstände rein, bevor es an die eigentlichen Objekte geht:

über die letzten Monate war ich ziemlich beschäftigt mit der Bearbeitung meiner Bilder aus dem letzten Urlaub in Österreich

Im Oktober hatte ich für eine Woche eine Hütte in den Nockbergen auf 2000m Höhe gemietet, sodass ich direkt vom Garten der Hütte aus fotografieren konnte. Der Standort lag dabei bereits über der Baumgrenze, die Sicht war also beinahe uneingeschränkt, abgesehen von einem seicht ansteigenden Berggipfel im Norden und Westen. Da hat er mich aber nicht sonderlich gestört ;)

Vor Ort habe ich mir ein Panorama der Umgebung angefertigt. Aktuell habe ich das leider nicht als einzelnes Bild, sondern nur als fertiges Panorama für Stellarium verfügbar, daher hier ein kurzer Screenshot aus Stellarium mit dem Panorama als Landschaft (so kann man anhand der Beschriftungen recht gut den Blick beurteilen):
1673623366922.png


Vor den eigentlichen Bildern aber noch ein paar Worte zur Himmelsqualität:
Der Himmel war wirklich traumhaft. Tagsüber hat es zwar immer wieder leicht geregnet, sodass die Transparenz nicht ganz so gut war, wie sie hätte sein können, dennoch war sie aber besser als alles, was ich je gesehen habe. Die Höhe zahlt sich eben aus!
Hellere Sterne, wie die aus dem Gürtel des Orion, konnte ich bereits ab einer Höhe von weniger als 1° über dem Horizont erkennen. Das Zodiakallicht ging bis in etwa 40° Höhe. Im Schnitt habe ich die Grenzgröße auf 6.75m geschätzt, per ASTAP und meinen Aufnahmen konnte ich die Himmelshelligkeit auf (mit der geschätzten Grenzgröße korrespondierende) 21,3 mag/"² bestimmen. Insgesamt konnte ich 3 Nächte nutzen, eine davon sogar bis zum Sonnenaufgang.

Als Ausrüstung hat mein Doppelsetup gedient. Für den Urlaub habe ich mich (entgegen meines Standards) für die EQ6 R-Pro als Nachführung entschieden. So konnte ich per MGEN Guiden und Dithern, was verglichen mit vergangenen Fotos aus der Rhön mit meiner EQ3 einen deutlichen Vorteil gegenüber manuellem Dithern ohne Guiding brachte. Durch das schnelle Öffnungsverhältnis hätte ich außerdem (sollte es nur selten klar werden) deutlich mehr aus einer einzigen Nacht herausholen können, als es mit meinem F/6.3 Teleskop möglich gewesen wäre, und konnte zusätzlich die logistischen Anforderungen ein bisschen entlasten. Insgesamt besteht das Doppelsetup aus folgender Ausrüstung:
- Nachführung: EQ6 R-Pro mit MGEN V.2
- Kameras: Canon EOS 200da und Nikon D7500a
- Objektive: Canon EF 50mm 1.8 STM und Nikorr 50mm 1.8G

Bei der Objektauswahl habe ich besonders darauf geachtet, auch schwächere Kandidaten nicht zu kurz kommen zu lassen. Wenn man schon mal so weit weg unter so einem dunklen Himmel fotografieren kann, dann wenigstens auch Objekte, die man sonst nicht so leicht drauf bekommt. Um den Gewinn aus dem Himmel und der Transparenz zu maximieren, habe ich mich entschieden, die meisten Objekte erst ab einer Höhe von 45° zu belichten, was gerade in Anbetracht des großen Bildfeldes sehr hilfreich war. Beachtet dabei, dass alle Bilder ohne Filter jeglicher Art aufgenommen wurden, es handelt sich um reine RGB Daten von den DSLRs!

So, genug beschrieben, jetzt kommen die Bilder!

Als Erstes kommt ein echter Klassiker, der Orion:
Orion_export.jpg


Bei der Aufnahme konnte ich den gesamten Orion (bis auf einen kleinen Teil am Kopf) ins Bild hinein bekommen.
Auf dem Bild kommt wirklich sehr gut rüber, wie viele schwache Nebel sich im Orion praktisch überall befinden. Selbst in den Ecken, aus denen man eigentlich kaum Bilder sieht, ist das Bild praktisch voll mit Nebeln!
Unten rechts guckt noch die Hexe ins Bild. Eigentlich wollte ich die ganz drauf haben, musste aber aufgrund nicht perfekt überlappender Bildausschnitte der beiden Kameras am Rand ein paar Verluste hinnehmen.

Für dieses Bild habe ich eine HDR-Aufnahme gemacht. Pro Kamera habe ich 11x30s und 16x180s bei ISO 1600 und F/3.2 belichtet. Insgesamt entspricht das 1h und 42m Belichtungszeit. In der zweiten Nacht von den insgesamt drei Nächten kam die Dämmerung zu früh, sodass ich abbrechen musste, in der dritten Nacht wurde ich durch Wolken ab 05:00 früh gestört. Daher konnte ich hier leider nicht weiter belichten, auch wenn ich gerne noch ein bisschen mehr herausgeholt hätte.

Als zweites Objekte stelle ich ebenfalls einen Klassiker vor, die Andromeda und Dreiecksgalaxie:
Andromeda_export.jpg


Auch wenn die beiden Galaxien schon sehr oft fotografiert wurden, sieht man sie so nicht allzu oft.
Durch das weite Feld fällt zuerst schön der Unterschied in der Größe und Form auf, deutlich als das auf Detailaufnahmen der Fall ist.
Rechts im Bild sehr ihr einige schwache Nebelfetzen. Dabei handelt es sich um IFN, der sich noch deutlich weiter nach unten rechts erstreckt. Die Nebel sind, mal wieder, extrem schwach, und waren eine echte Herausforderung bei der Bildbearbeitung.
Wegen der enormen Unterschiede der Helligkeit zwischen dem Kern und den Ausläufern der Andromedagalaxie gilt sie ja im Allgemeinen nicht gerade als ein leichtes Ziel. Die Nebel haben das echt nicht einfacher gemacht, die Dynamik ist gigantisch. Die Folgen davon sieht man der Andromedagalaxie auch leicht an, denke ich, wobei ich mich bemüht habe, die Artefakte erträglich zu halten. Hoffentlich drückt das den Gesamteindruck nicht allzu sehr.
Ehrlich gesagt bin ich mir bei diesem Bild nicht ganz sicher, was ein eigentliches Ziel war, die Galaxien oder der IFN :p

Hierbei habe ich ebenfalls eine HDR-Aufnahme gemacht. Über zwei Nächte verteilt habe ich pro Kamera 15x30s und 37x180s bei ISO 1600 und F/3.2 belichtet. Insgesamt entspricht das 3h und 50m Belichtungszeit.

Alle Aufnahmen der 200da wurden vollständig mit Darks, Flats, Bias und Flat-Darks kalibriert. Die Aufnahmen der D7500a musste ich anhand eines Masterdarks und CosmeticCorrection anstelle von reinen Darkframes kalibrieren.
Die Bildbearbeitung erfolgte vollständig in PixInsight. Bei der Entfernung von verbleibenden Gradienten war ich äußerst vorsichtig, keine Nebel zu riskieren. Strukturen, die zu sehen sind, sind also auch aller Wahrscheinlichkeit nach real. Die Farben sind alle mittels SPCC und der white referece Average spiral galaxy kalibriert.

Die weiteren Bilder aus dem Urlaub werde ich in der nächsten Zeit in einem separaten Post veröffentlichen. Noch habe ich nicht alles zu meiner vollen Befriedigung fertig bearbeitet.

Ich hoffe, die Bilder gefallen euch. Über ein paar Kommentare würde ich mich freuen!

CS Gerrit
 
Es sind wunderschöne Bilder geworden. Ich habe noch eine Frage zu der Hütte. Hast du die hauptsächlich für die Astrofotografie gemietet oder kann man tagsüber auch etwas anderes machen? Klappt das, also buchen und dann klaren Himmel haben? Und ich möchte anmerken, dass man die Andromeda nicht oft genug fotografieren kann. ;)
 
Hi,

Vielen Dank für das Lob!

Ich habe die Hütte ganz klar mir der Absicht zum fotografieren gemietet. Man kann da auch gut was anderes machen, wenn man Interesse an der Natur hat. Wandern oder Tiere beobachten ging in Österreich immer wenn ich da war. Wobei da oben die Auswahl von wegen ab der Hütte schon eher gering war und die Gegend nicht so gut erschlossen war wie andere. Und nach unten ins Tal ist man schnell mal eine knappe Stunde unterwegs.

Gebucht habe ich bereits 2 Jahre vorher. Die Hütte war praktisch immer ausgebucht, ich hatte Glück die Zeit zu bekommen. Bei meinen 3 malen, die ich bisher in Österreich war, gab es immer mindestens eine klare Nacht. Ob sich das lohnt überlasse ich jedem selbst. Dann zu buchen, wenn die vorhersage klaren Himmel zeigt, wird eher schwer, mit last minute Angeboten kann das aber gehen. Habe ich noch nie probiert.

CS Gerrit
 
Moin Gerrit,

wieder ein schön geschriebener, informativer Text zu den beiden tollen Aufnahmen.
Die von dir beschriebene gute Himmelsqualität ist den Bildern deutlich zu entnehmen, aber entwickeln muss man ja auch können- und das ist dir sehr gut gelungen. :y:

Beide Ausnahmen gefallen mir ausgesprochen gut- und so habe ich keine Kritik, sondern eher nur zwei kleine Anmerkungen zum Orionbild.

Farblich ist es mir doch ein wenig zu purple/magentalastig, aber wie immer Geschmackssache. :) Ansonsten aber top.

Und den Bildausschnitt hättest du vielleicht noch ein klein wenig optimieren können. Das Bildfeld leicht nach rechts verschoben, denn dann wäre der witchhead kompletter im Bild. Gerade weil auch dieser so super rauskommt, wäre das m. M. n. ein Gewinn. Ist aber ein knappe Kiste bei dem Feld.

Das Bild mit M 31 und M 33 sieht auch klasse aus, wusste gar nicht, dass sich dort auch IFN herumtreibt.

Dann freue ich mich sehr auf die weiteren Bilder und sende liebe Grüße aus dem Norden
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

Vielen Dank für das Lob und die Anmerkungen, das bedeutet mir viel!

Mit den Farben habe ich auch ewig meine Probleme gehabt. Ich strecke die Daten normla nie so stark, hier aus der Stadt bekomme ich quasi nie ein Snr, das so viel Spielraum bietet. Ich glaube, dass die Probleme daher kommen, da ich die Farben hier nie so differenzieren konnte. Nur um meine Wahrnehmung zu bestätigen, in welchem Bild siehst du den Stich eher? Oder ist der in beiden?

Den IFN um m31 und m33 kannte ich auch ewig nicht. Es gab auf cloudynights einen Beitrag von einem Nutzer namens frostbyte, dadurch wurde ich aufmerksam. Seit dem habe ich es 3 mal versucht, erst in Österreich wurden die Ergebnisse wirklich schön.

Die nächsten Bilder werden kommen, aber es dauert. Durch das anstehende Abi habe ich nicht mehr so viel Zeit und ich warte auf einige Software Updates, da ich auf ein paar Probleme stoße.

CS Gerrit
 
Moin Gerrit,
den Farbstich sehe ich nur im Orionbild, aber wie gesagt, das ist nur meine persönliche Farbwahrnehmung. :giggle:

Und lass dir Zeit, denn das Abi geht vor.
Übrigens, wenn du weiter der Astrofotografie treu bleibst, welche Bilder wirst du in 50 Jahren machen, denn die bin ich dir altersmäßig ungefähr voraus ( hab gerade die 70 voll gemacht). :cool::ROFLMAO:

Vielleicht wird es dann gänzlich unspannend mit der dann vielleicht verfügbaren Technik.
Heißt es dann nur noch: Objekt auswählen/Projekt weiterführen, Knopfdruck und alles läuft automatisch ab? Himmelsqualität und Seeing sind keine entscheidenden Faktoren mehr. Wird alles berücksichtigt und berechnet. Und dann wunschgemäß bearbeitet. Rauschen , Hotpixel ,alles Schnee von Gestern...

Willkommen im perfekten Astrokatalog.;)

Ok, bleiben wir realistisch und mühen uns die nächsten Jahre noch ein wenig ab.
Mir macht es jedenfalls Spaß, mit bescheidenem Equipment allenfalls auch nur bescheidene Bilder zu machen. Aber immerhin habe ich mir diese auch ein Stück selbst erarbeitet, und das ist das, was mir Freude macht.

In diesem Sinne lg
Wolfgang
 
Hi Wolfgang,

alles klar, das dachte ich mir. Ich wollte nur meine eigene Wahrnehmung kontrollieren, bei genauerer Betrachtung der Farben fiel mir der Farbstich ebenfalls nur im Bild vom Orion auf. Dann ist er aber wohl real und nicht nur subjektiv. Vielleicht lege ich da noch mal ein wenig nach.

Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft da noch bringt. Ich denke nicht, dass die Objekte dann alle einfache Ziele sind. Das Photonenrauschen wird uns immer erhalten bleiben, die Bilder also nie rauschfrei werden. Und dann nimmt man eben immer dunklere Objekte auf, der Himmel ist ja wahrscheinlich voll mit Nebeln, die nur noch zu schwach sind, um sie aktuell alle sichtbar zu machen. Vielleicht wird das dann möglich sein.

CS Gerrit
 
Hallo Gerrit,

kann mich dem Lob nur anschließen, vor allem der Loop gefällt mir ausgezeichnet! :y:

LG Willi
 
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