Messier 101 / NGC 5457 – Die Feuerradgalaxie / Pinwheel Galaxy

Dane Vetter

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

ich habe mich mal wieder an alte Daten aus vergangenen Jahren gesetzt. Datensätze, die ich zwischendurch schon einmal begonnen hatte zu bearbeiten, die aber aufgrund verschiedener Hürden immer wieder auf Eis gelandet sind. Dieses Mal geht es um M101, die Feuerradgalaxie, die ich ursprünglich 2022 aufgenommen habe und 2023 gezielt noch einmal, ausgelöst durch die damals aufgetretene Supernova SN 2023ixf. Die zweite Aufnahme entstand dabei versuchsweise mit einem komplett anderen Setup.

Bei der ersten Bearbeitung gab es hier im Forum bereits eine längere Diskussion, insbesondere im Zusammenhang mit NGC 5477 und der Kontinuumsubtraktion. Der entsprechende Thread ist hier zu finden. Nach dieser Diskussion habe ich mich ehrlich gesagt aufgrund von Frust nicht mehr weiter mit den Daten beschäftigt, und das Thema erst einmal wieder in die Schublade gesteckt. Ich versuche da immer eine möglichst richtigen Weg zu finden, was für mich in der Bearbeitung solcher Bilder auch nach Jahren immer noch schwierig ist. Wenn man nach Bilder von M101 googelt, scheinen wohl bei der Variation an verschiedensten Ergebnissen auch andere damit zu kämpfen haben. :)

Jetzt, einige Zeit später, habe ich mir vorgenommen, die vorhandenen Daten noch einmal sauber neu aufzubereiten und das Projekt für mich "endlich mal" abzuschließen. Wichtig war mir dabei auch, die 2023er Daten möglichst nah an die 2022er heranzubringen, um beide Aufnahmen sinnvoll miteinander vergleichen zu können. Wie bei vielen anderen Aufnahmen ist es mir auch hier nicht leichtgefallen, eine für mich stimmige und ausgewogene Farbgebung zu finden.

Im Folgenden zunächst M101 inklusive rund 12 Stunden H-Alpha-Daten. Die große Version gibt es hier.

M101_Feuerradgalaxie.jpg


Anschließend eine Version ohne die zusätzlichen H-alpha Daten, für diejenigen, welche das nicht so gerne sehen. :)

M101_Feuerradgalaxie_ohne_HA.jpg


Hier noch etwas künstlerisch in der entsternten Variante (Aufgrund der Kompression können Artefakte im Schwarz sichtbar werden). Sonst hier als große Version.

M101_starless.jpg


Zum Schluss habe ich beide Aufnahmen aus 2022 und 2023 direkt gegenübergestellt, sodass man per Pfeiltasten schnell zwischen den Bildern wechseln kann. Neben der eigentlichen Supernova finde ich dabei vor allem den Vergleich der beiden eingesetzten Setups interessant, insbesondere im Verhältnis zur jeweiligen Integrationszeit. Hierzu hatte ich damals auch eine Diskussion angeregt. Ich habe versucht, die Bearbeitung bei beiden so identisch wie möglich zu machen, aber genau gleich bekomme ich es nicht hin. Ich kann beide Varianten nicht einmal perfekt aufeinander ausrichten. Vielleicht hat sich M101 in dem Jahr aber auch etwas deformiert. ;) Zum angleichen habe ich in die 2023er Version das Ha aus 2022 einfliessen lassen.

M101_SN 2023ixf_01.jpg
M101_SN 2023ixf_03.jpg


Und hier noch als Annotated und das Finding Chart

M101_Feuerradgalaxie_Annotated.jpg
M101_FindingChart.jpg


Die Aufnahmedaten:
20222023 (Mit Supernova)
Aufnahmedatum: 03.03 / 05.03 / 04.03 / 08.03 / 09.03 / 10.03.2022
Belichtung: Gain 100, −10 °C
L: 14 h 20 min / R: 8 h 10 min / G: 5 h 45 min / B: 5 h 45 min / H-Alpha: 12 h 10 min
Gesamtintegration: 46 h 10 min

Montierung: Skywatcher AZ-EQ6
Teleskop: TS-Optics CF-APO 155 mm f/8 Deluxe Triplet APO
Brennweite: 1280 mm
Kamera: ZWO ASI 2600 MM Pro
Software: ASIAIR, PixInsight, Photoshop
Aufnahmedatum: 27.05.23
Belichtung: RGB 3 h 35 min, Gain 100, −10 °C



Montierung: Skywatcher EQ8-R
Teleskop: Celestron C11 EdgeHD
Brennweite: 2800 mm
Kamera: ZWO ASI 2400 MC Pro
Software: ASIAIR, PixInsight, Photoshop
 
Hallo Dane,

die 2022er Aufnahme gefällt mir etwas besser, aber beide sind sehr gut. So ähnlich würde ich das auch gerne hinbekommen. Ich hab in der kommenden Galaxiensaison M101 für ein längeres Projekt auf dem Zettel. Ob ich es schaffe, Ha zu integrieren, weiß ich noch nicht. Das muss ich in Pixinsight noch lernen. Kompliment an Dich für beide Versionen!

CS Olaf

PS: Sehe gerade, dass die 22er Aufnahme 46 Stunden und die 23er nur 3,5 Stunden belichtet ist. Die 22er ist besser, aber nicht 10 Mal besser. ;) Krass! Macht aber Hoffnung, denn 46 Stunden werde ich nicht schaffen. Vielleicht 10. Das muss reichen. :D
 
Hallo Markus und Olaf,

ich danke euch für euren Input und das Lob.

In der Tat steckt da viel Arbeit drinnen, aber in erster Linie auch, weil ich die Bearbeitung mehrfach immer von Grund auf neu begonnen habe. :D Der Hinweis bezüglich der Einbindung von Ha ist durchaus hilfreich, da ich besonders auch hier viel herumprobiert habe, und immer wieder unzufrieden war.

Persönlich gefällt mir die 2022er Version auch besser, da sie etwas mehr Details beinhaltet. Die 2023 Variante ist etwas "weicher", und die äusseren Enden der Spiralarme sind da nicht so ganz ausgeprägt, vermutlich wohl eben auch wegen der deutlich geringen Integrationszeit.

Was die Integrationszeit und die visuellen Unterschiede angeht, war ich ja damals schon so fasziniert davon, dass ich speziell deswegen auch mal ein Thema hier eröffnet hatte. Ich hatte mir aus der Diskussion zwei Punkte vereinfach gemerkt, welche hier gemeinsam zu diesem Vergleich und dessen Ergebnis führen:

- Ein f/10-Teleskop wirkt zwar langsamer, sammelt mit einem Vollformatsensor aber insgesamt mehr Licht und bildet das Objekt auf einer größeren Fläche ab. Durch den größeren Bildmaßstab und die größeren Pixel werden relevante Strukturen früher klar sichtbar, auch mit kürzerer Integrationszeit.
- Die meisten klaren Strukturen entstehen bereits in den ersten Stunden der Aufnahme, weil helle und kontrastreiche Bereiche schnell genug Signal liefern. Zusätzliche Belichtungszeit verbessert vor allem die Tiefe und das Rauschverhalten, nicht aber die grundlegende Detailstruktur.

Was mir persönlich wie weiter oben schon erwähnt auch aufgefallen ist, dass die 2023 Variante, welche ja mit dem C11 und deutlich mehr Öffnung entstanden ist, auch etwas weicher erscheint. Hier "vermute" ich den klassischer Effekt großer Öffnungen, bei denen das Bild deutlich empfindlicher auf atmosphärische Unruhe reagiert. Kleine Seeing-Schwankungen verwischen feine Details stärker, wodurch das Bild trotz hoher theoretischer Auflösung etwas weicher wirken kann. Eine aggressivere Deconvolution hat nach meiner Erfahrung jedenfalls nicht mehr gebracht.
 
Hallo Dane,

mir gefallen beide Versionen recht gut und finde auch den Ha Anteil sehr dezent integriert. Wenn ich wählen müßte dann wäre dennoch die mit dem C11 erstellte Version einen Hauch vorne, da die Galaxie irgendwie etwas 'gefüllter' wirkt trotz der geringeren Integrationszeit. Da sieht man mal was Optische Fläche und große Pixel ausmachen. Bei der 46h Integration kann man aber doch ein paar Details besser erahnen.
Ein Grund der weicheren Abbildung beim C11 liegt sicher auch an der zentralen Obstruktion, die beugungsbedingt die Kontrastkannten eher etwas aufweicht.
Die theoretische Auflösung von 0,44" beim C11 und die 0,61" werden in unseren Bedingungen ein Traum bleiben. Bei normalem Seeing um die 2-3" können beide nicht die Auflösung zeigen die möglich wäre.

CS,
Franz
 
Hallo Franz,

vielen Dank für dein Feedback. Das mit der Obstruktion hatte ich gar nicht berücksichtigt, welche natürlich auch noch einen Einfluss hat. Wobei ich jetzt auch nicht gedacht hätte, dass das so einen Einfluss haben kann.

Insgesamt ist es für mich schon spannend, da ich bisher meine verschiedenen Setups nie für ein Objekt eingesetzt habe, und deswegen auch nie einen wirklichen Vergleich machen konnte.

Ich weiss nicht genau ob das mit deinem "gefüllter" einhergeht, aber was mir in der Bearbeitung schon aufgefallen ist, dass in der C11 Version die Galaxie im Zentrum mehr "glüht" oder anders ausgedrückt - von Mitte nach aussen einen deutlicheren Helligkeitsverlauf hat. Das sorgt natürlich auch wieder für eine etwas andere Wirkung. Im Grunde sind die Bearbeitungsschritte identisch. Was aber vielleicht sein kann, dass z.B. GraXpert bei der Gradientenentfernung hier leicht unterschiedlich gearbeitet hat, das habe ich nicht nachkontrolliert. Oder MAS beim Stretchen, oder beides zusammen.
 
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