Noch ein kleiner Bericht zur Nutzung des Zeiss 20x60S: Heute abend war's zum erstenmal seit Wochen schön klar und mondlos. Ich fing an, ein Teleskop aufzubauen, sah aber dann die tiefstehende Venus und setzte mich einfach in einen Gartenstuhl mit dem 20x60S ohne weiter Zeit zu verlieren bevor sie zu tief sank. Im Ergebnis blieb ich eine herrliche Stunde sitzen und konnte mir den Teleskopaufbau sparen.
Nahe bei der Venus stand der Saturn, ich bildete mir fast ein, zwischen Ringe und Scheibe schauen zu können, das war aber unsicher. Jupiter prangte, seine Monde schön in der Helligkeit und teilweise in der Farbigkeit differenziert. Neptun von Jupiter ausgehend in Sekunden gefunden, sehr schön. Mars zeigte bei 20x die Scheibengestalt ohne Details, aber die Pleiaden nebendran waren dramatisch.
Bei der Venus machte die Helligkeit eine Abschätzung der Phase schwierig. Also kramte ich die Tasche mit den grossen Frontfiltern raus. Im 3D-Druck habe ich mir Adapter machen lassen, die ganz schlank sind, nichts wiegen und dauerhaft auf dem Glas verbleiben. Mit Gelbfilter auf beiden Seiten wurde das Bild kompakter. Mit Käsemann-Polfilter ein bedeutender Gewinn: nun war die Venus gut definiert, obwohl nur 6° über'm Horizont.
Dann probehalber auf beiden Seiten Hoya 82A Filter, das sind Farbkonversionsfilter nach Wratten-Standard. Sie unterdrücken ein wenig das Rote und ziehen damit die Bildfärbung ganz leicht ins Bläuliche, jedoch so wenig, dass ich es im Bild kaum als Farbverschiebung wahrnehme. Die Transmissionskurve ist auf der
Seite "Filterexperimente - Nomenklatur" der Freunde der Nacht zu sehen, dort bis "Farbkonversion" scrollen.
Nun kam die grosse Überraschung! Auf einmal war die Venus nicht nur sehr gut definiert, sondern auch die atmosphärische Dispersion wurde sofort erkennbar. Dies war zuvor weder ungefiltert noch mit Gelbfilter oder Polfilter der Fall. Mit den 82A aber war die Dispersion zu sehen: zum Horizont hin also ein rötlicher Venusrand, vom Horizont weg bläulich.
Die atmosphärische Dispersion so klar zu sehen gelingt nur, wenn das optische System praktisch apochromatisch ist. Mit anderen Worten: es scheint so zu sein, das der 82A Filter einen leichten Gelb/Orange/Rotüberschuss im Bild des Zeiss 20x60S "wegkorrigiert"!
Ein Blick zum Jupiter bestätigte die Wirkung. Auch hier war mit den 82A Filtern die Planetenscheibe wesentlich schärfer definiert als filterlos oder mit Gelbfilter.
CS, Christopher