Hallo miteinander,
ich habe die diesmal ungewöhnlich ruhigen Ostertage unter Anderem dazu genutzt, mir ein Wenig Gedanken über die Verringerung des "inneren Widerstands" bezüglich Selbstbau eines H1-Radioteleskops zu machen. Manch Einer würde bestimmt auch gerne so ein Projekt angehen, scheut sich aber vor dem mechanischen Aufwand, vor Allem beim Bau des Cavity-Filters. Dazu hatte ich ein paar Ideen, die ich versucht habe zu realisieren, leider bisher nur mit bedingtem Erfolg. Aber auch das sind Ergebnisse und deshalb möchte ich die hier mal zur Diskussion stellen:
Zuerst mal zu was relativ Einfachem. In einem der früheren Beiträge habe ich ja schon die Tomaten-Dosen aus der Pizzeria an der Ecke angesprochen, aus denen habe ich auf "die Schnelle" eine Antenne gebaut:
Bei den Maßen habe ich mich erst mal an den Infos vom Astropeiler orientiert, obwohl der Durchmesser des Dosen 5mm größer ist als das Ofenrohr. Der Test steht noch aus, aber da sehe ich wenig Risiken, da solche Antennen schon im Einsatz sind, z. B. bei Fritz.
Dann zum Cavity-Filter:
Meine erste Idee war eine Kavität aus Sperrholz, die innen mit selbstklebendem Alu-Band ausgekleidet ist (Bild links oben).
Das war nur bedingt erfolgreich, denn der Filterverlauf (siehe nächstes Kombi-Bild, oberer Teil) wäre zwar im hochfrequenteren Bereich evtl. brauchbar, aber im niederfrequenteren Bereich arbeitet das Filter gar nicht. Das ist auch erklärbar, denn bei den niedrigeren Frequenzen wirkt die Alu-Auskleidung nicht mehr wie eine durchgehende Fläche, da die Kopplung zwischen den Überlappungen der einzelnen Bahnen mit abnehmender Frequenz immer hochohmiger wird.
Dann habe ich noch ein Filter aus dem Alu-Rechteckrohr gebaut, dabei aber auf den Einsatz meiner Drehbank verzichtet. Zum Einsatz kam meine Billigst-Tischbohrmschine, eine Handbohrmaschine mit Bohrständer geht genauso. Für den Normal-Hobbyhandwerker dürfte das winklige Ablängen der Alu-Resonatoren und das mittige Einbringen des M4-Gewindes das größte Problem darstellen, dafür gibt es aber einfache Tricks. Spannt man den Resonator-Rohling ins Bohrfutter und drückt ihn bei laufender Maschine auf eine Flachfeile, so lässt sich ganz einfach eine winklige Endfläche erreichen. Aber Vorsicht, die Feile gut festhalten, denn die tendiert dabei dazu, den Bohrtisch unverzüglich zu verlassen!
Nun haben wir eine schöne Endfläche, jetzt muss noch möglichst mittig ein Loch hinein. Man kann nun natürlich die Mitte anzeichenen, körnern und herkömmlich bohren, aber es geht auch noch anders. Dazu spannt man nicht den Bohrer ins Bohrfutter, sondern wiederum das Werkstück. Der Bohrer wird nun senkrecht in einen Schraubstock eingespannt und möglichst mittig unter der Endfläche des Resonators positioniert. Bohrt man nun mit rotierendem Werkstück, so zentriert sich der Bohrer automatisch auf die Mitte, theoretisch. Der Haken an der Sache ist die endliche Biegesteifigkeit des Bohrers. Bei außermittigem Ansetzen kann dieser Hula-tanzen und dann doch noch außermittig bohren. Wer einen s. g. "Zentrierbohrer" besitzt sollte mit diesem kurz vorbohren und dann erst den normalen Bohrer ansetzen. Wer keinen solchen Bohrer besitzt muss etwas probieren bis der Bohrer mittig läuft.
Hier nun die Durchlasskurven der Filter. Oben das misslungene Filter mit Kavität aus Sperrholz und Alu-Klebeband und unten das zweite funktionierende Filter, gebaut mit Haushaltsmitteln (Handbohrmaschine und Bohrständer dürften in vielen Haushalten vorhanden sein):
Das zweite Filter liegt zwar nicht symmetrisch um die Wasserstoff-Linie, wäre aber auch so direkt brauchbar.
Ach ja, fast vergessen. Das Filter wurde nicht abgeglichen, sondern hatte nach der Montage und Einstellung der Abstimmschrauben auf mittleren Abstand sofort diesen Frequenzgang. Wenn man sich an die Maße hält, scheint ein Abgleich mit weiteren Messmitteln nicht unbedingt notwendig zu sein.
Was ich noch versuchen möchte ist, ein Filter mit einer aus Blech gebogenen Kavität zu bauen. In meinem Keller liegt noch die Rückwand einer entsorgten Waschmaschine aus 0,4mm verzinktem Eisenblech, das könnte ein brauchbares Ausgangsmaterial dazu sein, schaun wir mal...
Vielleicht kann ich ja mit den Anregungen den Einen oder Anderen zu so einem Projekt animieren, das würde mich freuen und eine, hoffentlich positive, Rückmeldung wäre willkommen.
Viele Grüße, ein schönes Rest-Ostern und geht dem Virus aus dem Wege,
Reinhard