SpaceX zum Mars

> Man beachte z.B. die perfekte Schubvektor-Regelung

Jaaa, aber SpaceX hat ja nun schon einiges an Erfahrung, was diese Art der Steuerung angeht. Die ersten Falcon-Vorversuche mit den Grasshoppern sahen früher nicht anders aus. Erst 150 und 300 m hoch, dann kilometerweise weiter nach oben. Alles schon erfolgreich getestet. Danach die Steuersoftware und alles andere auf ein größeres System zu transferieren, ist danach die kleinere Übung. Das Prinzip bleibt das Gleiche.

Mich verwundert nur jedesmal die Geschwindigkeit, mit der SpaxeX und Blue Origin bspw. die Technik voranbringen. Für vergleichbares in der Vergangenheit brauchte die NASA 20 Jahre und länger, wenn nicht gerade ein "Wettrennen" zum Mond stattfand. (Aber die Missionen damals waren im Vergleich zu heute auch saugefährlich.)
 
Ja, da hast du völlig recht, Micha.
Genau genommen gab es an diesem Flug überhaupt nichts neues,
abgesehen vielleicht vom ersten Freiflug eines Methan-Triebwerks,
das aber auch schon viele Betriebsstunden auf dem Teststand hinter sich hat.

Und trotzdem, das besondere ist eben, genau wie du sagst, zum einen die
Schnelligkeit mit der SpaceX vorankommt (die Erfahrung mit der Falcon-9
hilft da bestimmt auch ganz erheblich), und ausserdem sind sie ja schon
einige Zeit dabei, ihre "Hausaufgaben" vernünftig zu machen.
Damit meine ich die Entwicklung des Raptor-Triebwerks.

Sicher ein wichtiger Grund für die Schnelligkeit ist auch, dass sie eben nicht
mit der bürokratischen Wasserfall-Methode arbeiten, sondern viel mehr
mit Hardware und Tests. Und sie können sich das erlauben, weil Wiederverwendbarkeit
oberstes Gebot ist, d.h. die Hardware geht nicht hopps nach jedem Test.
(Ausnahmen bestätigen die Regel, Crew-Dragon-1... :eek:)

Man stelle sich jetzt mal fünf Probeflüge mit dem SLS "zwecks Optimierung" vor... :oops:

Und schliesslich, SpaceX hat ganz klar definierte Ziele.
D.h. die Chance dass das Ding tatsächlich ins All fliegt ist grösser als jemals zuvor
(bei vergleichbaren Projekten mit Raketen die auf ihrem Hintern landen).

Trotzdem bleiben natürlich noch viele Hürden zu überwinden:
  • Das Triebwerk haben bzw. bekommen sie in den Griff.
  • Danach an erste Stelle würde ich den Wiedereintritt mit der Schwitzkühlung setzen
    (da bin ich wirklich gespannt ob das so funktioniert).
  • Als zweites die Lagerung der Kryo-Treibstoffe über Monate
    (da frage ich mich wie genau sie das wohl machen werden).
  • Und danach das Betanken im All (das müsste hinzukriegen sein).
Treibstoff Produktion auf dem Mars ist natürlich nochmal ein ganz besonderes Kapitel,
das wird erheblich mehr Aufwand und Tests beinhalten als sich die meisten so denken.
Nicht so sehr der Prozess selber, aber die Rohstoffe (Eis!) müssen definitiv in akzeptabler
Menge und Konzentration gefunden werden, abgebaut, aufkonzentriert, gereinigt usw.
Das Produkt (CH4, O2) darf ebenfalls nicht viele Verunreinigungen enthalten.
Insbesondere Schwefelspuren sind Gift für den Katalysator des Sabatier-Prozesses.
Nicht unmöglich, aber ganz bestimmt nicht mal so nebenbei erledigt.
Das "Gute" an der Sache ist, dass das wirklich der allerletzte Schritt in der
Entwicklungskette ist. D.h. Verzögerungen hier blockieren nicht das gesamte System.

Mir persönlich reicht es erst mal, wenn sie auf dem Mond landen. :cool:

Und dann, natürlich, das "human rating".
Ich tippe mal, dass sie dafür sehr viele unbemannte Flüge fehlerfrei absolvieren müssen
um das zu bekommen, d.h. das wird noch Jahre dauern.
Und das ist auch gut so, denn das Starship hat keinen Rettungsturm
und kann auch nicht antriebslos landen wie ein Verkehrsflugzeug.
D.h. die Zuverlässigkeit der Triebwerke und des Systems muss jenseits aller Zweifel sein.

In diese Kategorie gehören auch die Langzeitaufenthalte ausserhalb des Erdmagnetfelds.

Es würde mich nicht allzusehr überraschen, wenn die ersten Astronauten an Bord eines Starships
"konventionell" mit Kapseln hoch und wieder runter gebracht würden.

Und schliesslich... die Finanzierung.
Da kann ich wenig dazu sagen, irgendwie klappt es bis jetzt.
Die Falcon-9 bringt sicher Geld, Starlink vielleicht auch mal (oder auch nicht),
und es gibt sicher auch etliche wohlhabende Fans von SpaceX die was dazu geben.
Letztlich würde es mich nicht wundern, wenn die Rakete sich selber finanzieren würde.
Viele und schwere Nutzlasten preiswert in die Erdumlaufbahn,
und evtl. sogar nur ballistisch als extrem schneller interkontinentaler Transport.
Damit könnte dann auch die Zuverlässigkeit für das Human-Rating nachgewiesen werden.
Man wird sehen...

Gruss
Thorsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Mal wieder ein bissle Update zum Starship.

Nachdem der Starhopper seinen Testflug mehr oder weniger in einem Stück überstanden hat, baut SpaceX jetzt zwei grössere Prototypen, genannt Mk1 und Mk2. Mk1 wird in Boca Chica in Texas an der mexikanischen Grenze gebaut (dort wo auch der Starhopper geflogen ist), Mk2 am Cape Canaveral in Florida. Beide sollen schon (so wie ich das verstehe) das Format des endgültigen Starships haben, d.h. sie sind ziemlich gross. Ausserdem sind sie mit je drei Raptor-Triebwerken ausgerüstet.

Hier ein Artikel der den Stand der Montage beschreibt:

Demnach will Elon Musk am 28. September (ein Samstag) ein Update zum Stand der Dinge geben. Der Jungfernflug von Mk1 könnte frühestens am 13. Oktober stattfinden.

Wenn man sich das so überlegt, wie irrsinnig schnell die vorankommen, dann fragt man sich was eigentlich Boeing mit der SLS Rakete die letzten 10 oder so Jahre gemacht hat. SpaceX macht (nicht das gleiche, aber doch ähnliches) innerhalb weniger Monate. Die Triebwerksentwicklung ausgenommen, aber da nimmt Boeing ja auch alte Space Shuttle Triebwerke. Während Boeing für das Verschweissen der grossen Teile ("einmal rundherum") eine neue superduper Technik entwickelte, macht das SpaceX im Freien in etlichen dutzend Metern Höhe wie auch immer. Überhaupt erscheint mir die Konstruktion unglaublich primitiv, keine Stringer und Spanten zu sehen, einfach nur etliche zusammengeschusterte Bleche. Trotzdem ist das dann dicht mit Kryo-Treibstoffen, und bricht auch während dem Flug nicht in sich zusammen.

Natürlich muss das Starship erstmal zeigen dass es tatsächlich fliegen kann ohne Explosion (muss das SLS aber auch), aber die Chancen dafür sind nicht nahe Null, und dann wäre das für Boeing wirklich blamabel. Ok, ich will nicht schimpfen, seien wir einfach gespannt wie das ganze so weiter geht.

Inzwischen wieder sonnige Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Übrigens: Der japanische Milliardär Yusaku Maezawa, der ja mit dem SpaceStarship 2023 (so isses geplant) um den Mond fliegen will, will sich aus dem von ihm gegründeten und geleiteten Unternehmen zurückziehen (und den größten Teil der von ihm gehaltenen Anteile verkaufen).

Ein Grund: Er benötigt die Zeit [und Bargeld?] um für den Raumflug, auch im Weltraum, zu trainieren.

Siehe Ahead of SpaceX moon mission, billionaire Yusaku Maezawa sells a $2.3 billion stake in his fashion company to Yahoo Japan

Thomas

P.S. Hier wars auch schön sonnig! ?
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,

die machen was sie müssen, nicht mehr. Die Wellblechbuden die sie aktuell bauen sind Technologie-Demonstratoren, damit man erstmal weiß, ob die Richtung paßt und der Kram fliegt. Schön kann danach kommen. Der Starhopper sah ja irgendwie auch wie'n fliegendes dixi-Klo aus, aber er tat, und das sehr eindrucksvoll, wie ich fand. Der Ansatz ist schneller und effektiver als eine Entwicklung die quasi von Anfang an auf einen voll flugfähigen Prototypen rausläuft wie beim SLS. Guter Weg, denke ich.

CS
Jörg
 
Da soll doch heute (28. September) eine große Keynote oder Präsentaton in Boca Chica mit Elon Musk zum Thema Starship stattfinden.

Aber das ist das erste Mal daß ich nach was bei Google suche und einfach keine Infos finde ... WANN soll die Präsentation denn sein? Es muß doch dazu auch eine Uhrzeit geben?! Egal wo man sucht, es steht immer nur das Datum angegeben, nirgends eine Uhrzeit ...?

LG
Thomas
 
Das hat Tim Dodd, der "Every Day Astronaut" zu sagen:

Lots of people asking if / and when there’ll be a livestream. As far as I know, plan on 7:00 pm central (00:00 UTC) for a livestream. If not an official one (I’m sure there will be one) I’ll try and pull something horrible together, surely made of potatoes if possible.

Quelle: https://twitter.com/Erdayastronaut/status/1177743213580443648

Also evtl. um 2 Uhr früh, unserer Zeit höchstwahrscheinlich.

Thomas
 
Der Termin HEUTE (US-Zeit, d.h. hier in Europa tief in der Nacht) dürfte recht sicher sein,
den es ist der 11. Jahrestag des ersten erfolgreichen Fluges einer Falcon-1.
Dieser Termin scheint zumindest für Elon Musk eine grosse emotionale Bedeutung zu haben.
Wegen der Uhrzeit, da scheint es mir am besten, am nächsten Morgen ein Replay anzuschauen.
So spart man sich stundenlanges Warten in der Nacht. Ok, wenigstens ist morgen Sonntag. :)

Die (der? das?) Mk1 ist inzwischen tatsächlich zu einem Teil zusammengebaut,
die Kranseile sind abmontiert, d.h. es ist jetzt tatsächlich EIN Teil das auf eigenen Beinen steht.
Im Livestream sieht man gerade schön wie geschweisst wird (ist ja dunkel dort gerade).

Ob das Ding aber schon in zwei Monaten fliegt wie mancher behauptet, mag ich zu bezweifeln.
Irgendwie sieht es schon noch arg provisorisch und zusammengeschustert aus.
Aber das ist letztlich auch egal, Hauptsache es fliegt überhaupt mal irgendwann (vor der SLS :LOL:).

Sonnige Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten

PS: Die Eile beim Zusammenbau von dem Ding erinnert mich etwas an die früheren sowjetischen Raketen,
die auch immer an irgendwelchen "wichtigen" Jahrestagen fliegen sollten
und dann gelegentlich auch mal frühzeitig explodierten. Ich hoffe SpaceX macht das besser.
 
Danke für die Infos! Ich hatte mir tatsächlich den Wecker gestellt und es live angeschaut.

Die Rakete sieht ja schon verdächtig nach einem 50er Jahre Science Fiction Film aus. Irgendwie ist das schon beängstigend primitiv zusammen geschweißt für normale Augen.

Oder die Fireball XL5 sieht auch so aus.

Aber wenn’s technisch funktioniert... ich bin äußerst gespannt.

LGThomas
 
So, war recht interessant und schön anzuschauen, obwohl die Präsentation selber nicht allzuviel Neues enthielt.

Das Material ist jetzt hauptsächlich Stainless Steel 301 (Europäische Werkstoffnummer: 1.4310), weil das ist viiiel billiger als alles andere, leichter zu verarbeiten (schweissen), und vor allem ist es laut Elon sehr kaltfest. Bei den Temperaturen in den Tanks kann es wohl mit allem anderen konkurrieren, und gleichzeitig ist das Material auch wesentlich warmfester als Aluminium. Das spart an der Dicke der Wärmeschutzkacheln und damit Gewicht.

Ja richtig, wir sind zurück bei Kacheln, zumindest an der Unterseite. Die Oberseite braucht keine, dank dem Werkstoff 301SS (1.4310). Schwitzkühlung scheint kein Thema mehr zu sein.

Das Leergewicht ist etwas höher als bisher angegeben, das Ding so wie es da steht (Mk1) wiegt noch schlappe 200 Tonnen. 120 Tonnen werden angestrebt, evtl .110 (nicht mehr 85).

Schön ist der Grössenvergleich zu einer Falcon-1 die auch da stand.

Recht interessant war die Fragestunde, sie beginnt bei 01:06:00 im Video.

Es sollen Prototypen in einem flotten Rhythmus gebaut werden, alle ein bis zwei Monate einer. Nr. 3 oder 4 sollen schon ins All (nicht: Orbit(?)) fliegen. Die Haupt-"Bremse" ist die Produktion der Triebwerke, davon hängt ab wann die Erststufe das erste Mal fliegen kann. Theoretisch könnte das Starship von der Erde aus wohl single-stage-to-orbit, aber es wäre dann verloren, laut Elon Musk "pointless". Von allen anderen Himmelskörpern (ausser Venus, und den Gasplaneten natürlich) geht das problemlos und ist sehr wichtig für die Architektur. Auftanken auf dem Mond oder Mars, und direkt zurück zur Erde.

Meine Dauerfrage (wie hält sich der Treibstoff monatelang kalt?) wurde auch gestellt, laut Elon Musk soll das kein grosses Problem sein wegen der guten Wärmedämmung des Vakuums im Weltall. Hm, mag sein, die Tanks sind sehr gross => gut.

Interessant war auch, dass langfristig der gesamte Treibstoff vor Ort (=am Startplatz) hergestellt werden soll. Nicht nur der Sauerstoff, auch das Methan soll aus dem CO2 der Luft(!) erzeugt werden. Das finde ich ausgesprochen positiv, damit wäre das (berechtigte) Klimaargument einer hohen Flugrate weitgehend vom Tisch.

Die Zeitpläne insgesamt (schon in einem Jahr mit Astronauten an Bord!) sind natürlich typisch Elon, aber ich finde besser so als das Gegenteil, jahrelang nix zum Fliegen zu bringen. Und da das System ja komplett wiederverwendbar ist, kann die gewünschte Zuverlässigkeit im Prinzip innerhalb kürzester Zeit demonstriert werden (Elon sagte: 10 Flüge in 10 Tagen). Das stimmt im Prinzip und ist einer der Gründe warum er alle anderen abhängt, aber.... es darf natürlich auch nix grösseres schiefgehen dabei. :)

Das heisst jetzt müssen erst mal die eiligst zusammengeschweissten Tanks auch dicht sein, das Ding erfolgreich fliegen, erst 20km hoch und dann 200km, und wenn das alles klappt, dann sieht es ja schon recht optimistisch aus. Für die hohen Flugraten und Transportkapazitäten die Elon Musk anstrebt (1000x mehr als heute verfügbar!!) bleibt zu hoffen, dass die verfügbare Nutzlast dann entweder für suborbitale Flüge, für interplanetare Reisen, für Refuelling (er sagte "Refilling") Missionen, oder für grosse Strukturen im Erdorbit verwendet wird. Nicht für Millionen von Kleinsatelliten die den Nachthimmel versauen und letztlich miteinander kollidieren.

Es bleibt interessant. :cool:

Sonnige Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo!

Interessant war auch, dass langfristig der gesamte Treibstoff vor Ort (=am Startplatz) hergestellt werden soll. Nicht nur der Sauerstoff, auch das Methan soll aus dem CO2 der Luft(!) erzeugt werden. Das finde ich ausgesprochen positiv, damit wäre das (berechtigte) Klimaargument einer hohen Flugrate weitgehend vom Tisch.

Im Prinzip ja, aber... die Erzeugung von irgendwas (Methan ist nur eine der vielen Möglichkeiten) aus dem CO2 der Luft wurde bisher nur im Labormaßstab gezeigt. Irgendeine Gründerfirma in Karlsruhe stellt gerade ein paar Versuchscontainer her, von denen jeder pro Tag etwa 10 Liter synthetischen Kraftstoff herstellen kann (CO2-neutraler Kraftstoff aus Luft und Ökostrom oder CO2-neutrales Benzin aus Luft und Strom – SOLARIFY). Unter hohem Einsatz von elektrischer Energie. Sinnvoll ist sowas nur, wenn es neben einem Solarkraftwerk oder einem Windrad steht. Und an eine Anlage, die in endlicher Zeit (Tage!) genug flüssiges Methan zum betanken einer Marsrakete herstellen kann, wird noch lange nicht zu denken sein. Zaubern kann nur Harry Potter, nicht Elon Musk.

Viele Grüße
Maximilian
 
Hallo Maximilian,

wenn ich von meiner langjährigen Berufserfahrung, sowohl im Amtsumfeld als auch als Selbständiger ausgehe, wird Elon Musk das hinkriegen, allein weil er es MACHT.

Wenn ich mir die Sachen da in Karlsruhe ansehe dann werden die aller Voraussicht nach 5 Container Akten haben, bevor der erste Container Kraftstoff erzeugt.

Genehmigungen, Gutachten, Überprüfungen 1-x desselben usw.. Das ist ja auch der Grund, warum die NASA als Behörde so träge ist. Das liegt sicher nicht an der Kompetenz der Forscher, aber am Umfeld.

Man könnte da mit dem Bau von Flughäfen, Deutschland cs. Türkei/China fortfahren, es gibt eine Vielzahl an Parallelfällen. Was nicht heißt, das das Huschhuschverfahren immer besser ist, aber es ist schneller. Nachgebessert hat Musk auch oft genug, aber er hat immer zuerst die "Geht-nicht-Mauer" eingerissen, das ist sein Erfolgsrezept.

CS
Jörg
 
Hallo!

Wenn ich mir die Sachen da in Karlsruhe ansehe dann werden die aller Voraussicht nach 5 Container Akten haben, bevor der erste Container Kraftstoff erzeugt.

Das glaube ich nicht. Das sind frühere Doktoranden, die zusammen mit ihrer alten Fakultät aus ihrer Forschungsarbeit ein Produkt entwickeln. Die einzigen Akten die es dabei gibt sind die jeweiligen Dissertationen. Und ein Ordner voll mit Anträgen für Fördergelder, die sie offenbar auch bekommen haben.

Ich beschäftige mich mit dem Thema aus Interesse auch schon seit Jahren, denn ich denke schon, dass es großes Zukunftspotential hat. Ich würde mich dabei auch gerne selbst beteiligen oder zumindest Geld investieren (momentan ist es in einem Solarpark...). Die technische Schwierigkeit ist aber in etwa vergleichbar mit der Urananreicherung. Das kann man zwar wie damals beim Manhattanprojekt mit brutaler Gewalt (bildlich gesprochen) und ohne Rücksicht auf Kosten und Umweltfolgen in relativ kurzer Zeit irgendwie hinbekommen, aber wenn Herr Musk sein Marsprojekt nachhaltig und umweltverträglich durchziehen will, dann muss er es anders machen. Und dann wird es dauern. Die Technik ist einfach noch nicht weit genug entwickelt. Aktuell wäre es besser er würde seine Raketen mit Methan aus der Erde antreiben und sein Geld dafür verwenden, uns endlich die lange versprochenen für jedermann erschwinglichen Elektoautos bauen. Und dafür eine Infrastuktur von Ladestationen, die mit Sonnen- und Windenergie gespeist werden.

Grüße
Maximilian
 
Moin Maximilian,

dass das sinnvoll ist, bestreite ich nicht, da der Umgang mit chemischen Stoffen in Deutschland genehmigungspflichtig ist, dazu Brandschutz, Umweltschutz, Schutz des Grundwassers, Luftreinhaltung usw., ist die Bürokratie Dein ständiger Partner. Ich habe eine Zeit lang Wartungsanlagen für Züge gebaut, mit entsprechenden baurechtlichen, umweltrechtlichen, denkmalrechtlichen usw. Genehmigungen und Planfeststellung, man kann sich das nicht vorstellen. Ich kenne Kollegen, die befassen sich derzeit mit Wasserstoff als Treibstoff, das ist in vielen Teilen noch experimentelle Technik, z.B. bei den Tank- und Abstellanlagen, ein Thema das die Politik derzeit stark pusht für den Schienenpersonennahverkehr, die sterben aktuell den Heldentod um ihre Anlagen bauen zu können.

Das ist in diesem Land ein Grundsatzproblem und hat mit dem Sinn oder Unsinn einer Technologie wenig zu tun, das interessiert in den Fachbehörden niemand. Spätestens wenn ich mit einer Anlage in die Produktion will ist die eigentliche Technik marginal gegenüber den Behörden, die einem auf den Füßen sitzen. Wenn es dann noch um irgendwas geht, was man nicht kennt oder schon mal gemacht hat ist es erstmal ganz aus. Mag sein, dass wenn die Uni oder ein Transferzentrum im Hintergrund mitwirkt, da Support kommt, aber schau Dich mal um, wie viele Projekte zu grünem Treibstoff es schon gab, bis hin zu alternativen Verfahren zur Abgasreinigung, alles mit Riesentamtam vorgestellt, Pilotprojekte mit Minister bei der Eröffnung usw... Später dann dem Wunsch der Großkonzerne folgend verhungern gelassen oder aufgekauft, um es zu schubladisieren und den eigenen Dreck weiterverkaufen zu können da die Versuche "unbefriedigend" geendet haben. Es gibt für alle Themen wie Feinstaub, Schadgase usw. schon seit Jahrzehnten entwickelte Verfahren, wie man das vermeiden könnte - das würde für die Auto- und Mineralölindustrie aber eine Reduktion des Profits bedeuten, die die Produktion aufwändiger wäre als die laufende - und schwupp waren alle diese Verfahren Geschichte.

Wenn die Wirtschaft hustet oder sich verplant hat - die Politik ist willfähriger Helfer. Siehe Condor, Thomas Cook - um aktuelle Fälle aufzugreifen, Bankenrettung, auch so ein Thema, oder das Wattebäuschchenwerfen beim Abgasskandal, "Schummeldiesel" - was für ein Wort für millionenfachen, schweren, gewerbsmäßigen Betrug.

CS
Jörg
 
Methanisierung (Stichwort "Power-to-Gas") von "überschüssiger" Wind-/ Solarenergie ist ja ein großes Thema bei der Energiewende, die dann irgendwann einmal kommen muss (oder das Pariser Abkommen bleibt ein Papiertiger). U.a. gibt es Konzepte, wie man z.B. CO2 aus der Luft "auswäscht". Parallel wird Wasserstoff per Elektrolyse gewonnen. Mit Hilfe der dabei anfallenden Überschussenergie soll das CO2 wieder ausgetrieben werden und mit dem Wasserstoff zu Methan reagieren (Sabatier-Prozess). Siehe z.B.


Allerdings legt unsere Regierung ja in der Klimapolitik ein überschaubares Tempo hin... Wenn allerdings Elon tatsächlich im Rahmen der Starship-Entwicklung als erster eine praxistaugliche Lösung hinstellt, hätte er wahrscheinlich auch ein Bein in der PtG-Industrie. ;)

Thomas

P.S. Ich hab mal ein bisschen mit Atomgewichten gerechnet und komme bei einem CO2-Anteil von 0,06% (nach Gewicht) in der irdischen Luft (bei Normalbedingungen) auf einen Bedarf von ca. 3500 m^3 Luft um 1kg Methan herzustellen.

Auf dem Mars sieht es quantitativ besser aus. Die Dichte der Atmosphäre dort beträgt zwar nur 1,2% der irdischen, enthält aber etwa 96% CO2. In einem Kubikmeter Mars-Luft ist dann etwa 20x soviel CO2 wie in irdischer Luft. Dementsprechend bräuchte man "nur" 175 m^3 Mars-Luft um 1kg Methan herzustellen.

Allerdings muss man, wenn ich richtig gerechnet habe, netto auch noch ca. 2,2 kg Wasser pro kg Methan schürfen - bekäme andererseits als "Abfallprodukt" auch ca. 4 kg Sauerstoff zurück.
 
Wenn ich jetzt noch sehe, wieviele Windräder viel zu oft still stehen, weil "kein Bedarf" besteht, sehe ich richtig Potenzial. Jörg hat schon recht mit seinen Anmerkungen zur Verhinderungsstrategie großer Konzerne und der Lobbyarbeit unserer Regierigen. Ich habe dieselben Erfahrungen auf etwas anderem Gebiet.

Neulich auf einem Autobahnparkplatz entdeckte ich modernere Windradflügel auf LKW-Anhängern, die über Zackenstrukturen an den Hinterkanten und Winglets verfügten. Es wird besser... (besser heißt noch nicht, optimal ;) )

Die "Querdenke" von Elon Musk gefällt mir prinzipiell, auch wenn man ihn hi und da über Kolateralschäden aufklären muß. Es scheint aber, als sei er da nicht gänzlich beratungsresistent.

Gruß,
Okke
 
Hallo Okke,

da bin ich bei Dir.

Wir haben hier die Tendenz, in der Theorie und im Modell die tollsten Sachen zu "erfinden" - wir schaffen aber den Sprung in die Realität nicht, da uns die "Entrepreneuship" fehlt, das unternehmerische Denken. Prof. Würth (der Mann mit den Schrauben) hat zu dem Thema mal einen sehr interessanten Vortrag im Rahmen einer Vorlesung an der Uni Karlsruhe gehalten, in dem er vortrug, dass das Unternehmen, also das Beginnen von etwas, nicht die Innovation an sich, der Schlüssel ist und dass das Risiko des Scheiterns wesentlicher Bestandteil der Kultur des Unternehmertums ist.

Das ist in einer vom Shareholder-Value geprägten Wirtschaftsgeschehen aber nicht gern gesehen, da wird am liebsten einmal etwas erfunden, dann perfektioniert und dann totgeritten, bis nix mehr kommt. Beispiel aktuell: Thyssen-Krupp.

Die Chance zu Innovationen zu kommen hat man vertan, das noch vorhandene Konglomerat wird filettiert und ausgewertet und den Rest darf dann die Stiftung als geborener Aktionär irgendwie abwickeln.

Dass es auch anders geht zeigt Zeiss/Schott - aber das hängt eben wesentlich davon ab, wie man sich positioniert. Und da schneiden wir im Mittel in D-Land leider eher schlecht ab, wenn wir die Grenze des Mittelstands passieren.

CS
Jörg
 
Es ist wirklich unglaublich wie wenig davon in den Nachrichten berichtet wird. Die Menschheit bricht ins All auf und keiner weiss es...
Nur noch Fake News und Berichte wie schlimm es auf der WSelt zugeht, obwohl sich fast alles bessert. Weniger Kriege, Anzahl an Hungernden geht zurück usw...
 
Neues von der Starship Front.
Bei einem Drucktest hat letzte Nacht der Tank... sagen wir, versagt.
Keine chemische Explosion (und kein Feuerwerk wie im Nachbarthread behauptet), sondern der obere Bulkhead (wie heisst das auf deutsch? Klöpperboden denke ich.) ist weggeflogen. Der untere möglicherweise auch. Getreu nach dem Motto "if it didn't fail you didn't test hard enough". Laut SpaceX war es ein "Maximum-Druck-Test", so dass das Ergebnis nicht völlig "unexpected" war.

Artikel auf nasaspaceflight.com

Videos auf Twitter:



Dieser Prototyp ("Mk1") soll nicht mehr weiter verwendet werden (wie auch... :cool:) , stattdessen der "Mk3" mit etlichen Verbesserungen.

Gruss
Thorsten
 
10sec isser geflogen, der Klöpperboden. Wäre interessant zu erfahren, bei wieviel % über Nenndruck der Tank nachgab.
Wg "der untere": ja, zumindest zerknüllt/reißt es am unteren Ende, weil eine "Negativ-Druckwelle" durch das Tankrohr wandert, ähnlich einem Blasrohr, wo man die Zunge zum Abstoppen des Luftstroms an die hintere Mündung hält. Die saugts regelrecht ins Rohr wg der Massenträgheit der Luftsäule in Bewegung.
Ich vermute, daß aus Sicherheitsgründen Stickstoff verwendet wurde, denn der flüssige Sauerstoff hätte alles brennbare drumrum in Brand gesteckt.
M.E. riß die Schweißnaht des oberen KB. Ein Materialriß hätte sich anders ausgewirkt.

Gruß Okke
 
Hi Okke,

das sehe ich auch so. Bei Drucktest an Transportkesseln geht auch i.d.R. die Schweißnaht kaputt, entweder die Kessellängsnaht oder die Ringnähte. Wird dort keine Panik ausgelöst haben, das ist nicht völlig auszuschließen wenn man wesentlich über den Bemessungsdruck geht.

CS
Jörg
 
Das eigentlich erstaunliche (oder: absurde) ist dass SpaceX sich das erlauben kann.
Man stelle sich ein vergleichbares Ereignis bei der SLS-Rakete vor... :eek:

Gruss, Thorsten
 
Hallo!

Man stelle sich ein vergleichbares Ereignis bei der SLS-Rakete vor...

Und? Das war ein Erprobungsträger zum Test der Triebwerks- und Lageregelung und Landetechnik. In einem anderen Luftfahrtforum habe ich gelesen, dass die Blecharbeiten an eine Firma vergeben waren, die sonst Wassertürme baut (was man dem Teil auch irgendwie angesehen hat). Das macht die „böse etablierte Luft- und Raumfahrtindustrie“ auch nicht anders. Auch die sparen dort Kosten, wo sie sinnvoll sparen können.

Der Weg zum Mond und zur ISS und zu den Planetensonden und Weltraumteleskopen und Dauerwerbe-Fernsehsatelliten ist gepflastert von solchen kleinen (und größeren) Fehlschlägen. Trotzdem wurden die Ziele alle erreicht.

An diesem Punkt sollte Space-X aber mal endlich ehrlich sein und realistische Jahreszahlen angeben. Die Erprobung steckt noch in einem sehr frühen Stadium wie man hier gerade sieht. Ich glaube auch nicht, dass sie den aktuellen Mißerfolg einfach wegbügeln können und gleich zum nächsten Schritt übergehen, wie Musk das angekündigt hat. Diese Tests werden nicht ohne Grund durchgeführt und wenn man sie überspringt um Zeit zu sparen rächt sich das später bitter. Da braucht man nur die zu fragen, die in dem Geschäft schon seit 60 Jahren sind...

Grüße
Maximilian
 
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