Das muss sich tatsächlich nicht mal gegenseitig ausschließen. Ein Dobson ist ein Spiegelteleskop nach newtonscher Bauweise. Das ist ziemlich simpel aufgebaut. Viele bauen sich die Teile selber. Unter anderem auch ich. Mit nur hinstellen ist da übrigens auch nicht getan. Ab und an sollte man das mal justieren.
Der Nachteil am Dobson ist, dass man den immer mit der Hand etwas weiter schieben muss, damit das Motiv nicht aus dem Bildfeld driftet. Der Himmel bewegt sich am Äquator alle 4 min ein Grad. Bei 50x sieht man mit einem Plössl Okular genau ein Grad Himmelsausschnitt. Bei 100x ein halbes, was mehr oder weniger einem Vollmond entspricht und bei 200x ein viertel Grad. Ich nutze meistens das halbe Okularbildfeld. D.h. ich muss bei 50x alle zwei Minuten einmal nachschieben, bei 100x jede Minute einmal und bei 200x zweimal pro Minute. Darüber hinaus fängt es an zu nerven, weil man nicht in Ruhe schauen kann. Man kann natürlich Okulare mit größerem Bildfeld nehmen. Aber die kosten dann pro Stück gleich soviel wie das ganze Teleskop.
Es gibt natürlich auch Möglichkeiten Dobson Teleskope nachzuführen. Das ist z.B. die EQ Plattform. Die kann man kaufen oder auch einfach selber bauen. Meine habe ich selber gebaut ohne dass ich jetzt der Superhandwerken bin. Da muss man auch bei 400x eine Stunde lange einfach nur schauen. Auch einen Dobson kann man aufrüsten.
Der Seestar wurde gemacht, um zum einen dem Problem zu begegnen, dass der Mensch nachts den Himmel immer mehr aufhellt und dort wo die meisten Menschen leben kaum noch visuelle Beobachtung von Deepsky Objekten möglich ist. Zum anderen geht er das Problem an, dass klassische Astrofotografie teuer und nur schwer zugänglich ist. Das Teil macht mit einer kleinen Optik halt einfach kurz belichtete Aufnahmen und addiert die einfach so lange wie man das Teil laufen lässt. Das Prinzip ist ganz gut, aber die Umsetzung steckt noch in den Kinderschuhen. Man sieht etwas, aber besonders toll ist das nicht. Die Bilder sind verwaschen, verrauscht und die Farben komisch. Außerdem hat das Teil nur eine Brennweite. Für diese Brennweite gibt es keine 100 Motive bei denen man mehr sieht als einen verrauschten Fleck. Die hat man relativ schnell durch und danach ist das einfach immer wieder dasselbe. Das Teil ist einfach ein Fertigspielzeug. Das kann genau nur das. Sonst nichts. Das Ding fährt halt die gewünschten Objekte automatisch und addiert dann solange wie man es eben laufen lässt. Da hockt man nur am Bildschirm, was die Kinder ohnehin schon viel zu viel machen.
Interessanter finde ich da sowas wie das Smarteye von Pegasus, das dieses Frühjahr herauskommen soll.
Crafted by Pegasus Astro and powered by SkySafari, SmartEye transforms any tracking telescope into a dual-use system for immersive visual observing and live-stacked astrophotography, revealing real-time color, depth, and detail like never before. Amplify any aperture and make the invisible...
smarteyepiece.com
Das Prinzip ist das selbe, aber es ist deutlich vielseitiger. Man kann es in jedes Teleskop stecken. Man kann reinschauen und sich die Bilder runterladen. Und man kann sich Linsen vorschrauben, die die Brennweite verlängern oder reduzieren. Das geht dann eher in die Richtung, wo ich persönlich etwas damit anfangen könnte.
Es gibt aber auch noch eine ganze Welt zwischen Dobson, Seestar und Smarteye. Das wären dann alle möglichen Sorten von Teleskopen, die auf einer parallaktischen Montierung nachgeführt werden. Der Nachtteil ist hier, der etwas höhere Preis im Vergleich zum Dobson. Und man muss bei den Komplettangeboten auf der Hut sein, weil die ihre Montierungen immer etwas zu schwach dimensionieren. Dafür hat man aber einfach die Möglichkeit neben der visuellen Beobachtung auch in die Fotografie einzusteigen. Auch mit dem Handy, wenngleich das natürlich seine Grenzen hat. Mit dem Dobson geht das bis auf den Mond eigentlich nur mit einer Nachführung. Und der Seestar ist halt einfach ein Blackbox, wo irgendwie mehr schlechte als rechte Bilder raus kommen.
Wenn kein tieferes Interesse da ist, steht beides schnell in der Ecke rum. Ob Seestar, Dobson oder sonst was, wird keinen großen Unterschied machen. Von daher ist die Frage, ob das Interesse bei deinem Sohn etwas ist, das tief aus ihm selbst kommt und ihn schon länger beschäftigt oder ob es eher etwas ist, wo du in ihm Wecken willst, weil er mal ein Buch darüber gelesen hat. Mein Sohn ist im ähnlichen Alter. Bei ihm ist ein gewisses Interesse zwar da, aber es ist nichts tieferes. Da dient das Teleskop schnell als Kleiderständer oder Staubfänger. Die meisten Zeit ist eh schlechtes Wetter und im Winter ist es kalt und im Sommer ewig hell. Vielleicht kommt das noch. Vielleicht auch nicht. Bei mir war das auf jeden Fall etwas anderes. Das war etwas, das tief in mir drin war. Da war es auch egal, wie oder was ich vorgesetzt bekommen habe. Ich habe das einfach alles aufgesogen und benutzt bis es auseinander fällt. In meinem Fall waren das am Anfang ein paar Büchlein, eine drehbare Sternkarte und ein Fernglas plus Balkon und Luftmatratze. Damit bin ich über zehn Jahre ausgekommen. Ich habe damit tausende Stunden unter freiem Himmel verbracht, die Milchstraße abgesucht und Sternschnuppen gezählt.
Heute sind natürlich andere Zeiten, aber das muss nicht heißen, dass einfache Lösungen schlecht sind. Die meiste Zeit beobachte ich heute immer noch so. Nur ist das Fernglas mittlerweile doppelt so groß und bildstabilisiert, den Balkon habe ich gegen einen Garten und die Luftmatratze gegen einen Gartensessel mit hydraulischer Rückenlehne mit Kuscheldecke getauscht. Mit Teleskopen beobachte ich eher selten und wenn dann am liebsten den Mond oder vielleicht auch Planeten wenn die gerade zu sehen sind.
Klar, heute muss alles toll und perfekt sein. Am besten gleich ein vollautomatisches Fototeleskop. Aber wenn ich sehe, was mein Sohn alles hat und womit er dann auch wirklich spielt, ist der Gegensatz schon erstaunlich. Da hat z.B. meine Frau vor paar Tagen einen Katzenklo bestellt, der in einem riesigen Karton kam. In dem Karton sitzt er seit drei Tagen und spielt Haus. Den Rest der Zeit spielt er mit einem Ball, den wir für paar Euro ungrad im Urlaub gekauft haben, weil der andere dort gleich kaputt gegangen ist. Das ganze tolle Zeug liegt nur rum. Das wird mal gezeigt, wenn Freunde kommen. Danach spielen die Ball...oder sitzen im Karton und spielen Haus.