Genaugenommen leben wir in der ersten Hälfte eines Superinterglazials. Also einer ungewöhnlich langen Warmphase zwischen zwei Eiszeiten mit starker Vergletschung auf der Nordhalbkugel. Das sind normale Klimaschwankungen, die schon seit der Erdentstehung bestehen. Rein durch die Erdbahnparameter zu erklären. Anders ist das mit der Temperaturbasislinie. Die hängt tatsächlich eher vom CO2 Kreislauf der Atmosphäre ab. Bisher wurde die hauptsächlich durch CO2 Eintrag durch Vulkanismus und CO2 Abbau durch Gesteinsverrottung nach Gebirgsbildung bestimmt. Dass die Temperaturbasislinie heute ungewöhnlich kühl ist auf der Erde, liegt am ungewöhnlich niedrigen CO2 Level. Das Resultat von wenig Vulkanismus und außergewöhnlich viel Gebirgsbildung. Seit ein paar Mio Jahren wechseln sich größere und kleinere Vergletscherungen ab. Rein von diesen Parametern sollte es eigentlich moderat kühler werden, aber die nächste Vergletscherung in Europa ist für die nächsten 10000 Jahre eigentlich nicht in sicht gewesen. Aber das hat sich fürs erste erledigt. Die Geschwindigkeit der Erwärmung der letzten Jahrzehnte ist in der Erdgeschichte beispiellos schnell.
Aber zurück zum Thema: in Deutschland fallen pro Jahr 280 Mrd. Kubikmeter Regen. Der menschliche Verbrauch liegt bei ca. 18 Mrd. pro Jahr. Das sind ca. 7%. Der überwiegende Teil geht wieder zurück in die Flüsse. An unserem Wasserverbrauch liegt es nicht. Es hat einfach eine Weile kaum geregnet. Ein Fluss wie die Donau, der über wenig Gletscherzuflüsse gespeist wird, ist natürlich stärker betroffen als z.B. der Rhein. Über den Rhein bin ich vorgestern erst gefahren. Der Wasserstand ist zwar niedrig, aber das ist jetzt nicht so unnormal, wie in den Medien gemacht wird.
Der Trend liefert durch die Erwärmung immer weniger Bewegung in den Jetströmen und damit längere stabile Wetterlagen. Wenn das ein Hochdruckgebiet im Sommer ist, dann regnet es halt lange überhaupt nicht und es verdunstet viel schneller, weil sich das Festland stark aufheizen kann...was wiederum zu den Hitzerekorden führt. Dann gehen natürlich die Pegelstände gehen runter. Muss man sich dran gewöhnen. Heißt aber nicht, dass Deutschland austrocknet. Das füllt sich über Winter wieder auf. Das Problem ist eher, dass man mit den Kraftwerken nicht einfach das Warmwasser wieder einlassen kann, weil sonst die Flüsse zu warm werden, wenn so wenig Wasser drin ist. Und die Fahrrinne ist halt nicht mehr tief genug für Schifffahrt. Da hilft auch nicht tiefer ausgraben, wie unser Verkehrsminister vorschlägt. Wo nichts ist, hilft auch nicht, wenn man tiefer gräbt.
Die Erwärmung findet in Deutschland lustigerweise eher im Winter statt. Im Sommer ist das nur moderat. Aber durch die langen Hochdrucklagen heizt sich das Festland extrem stark auf. Besonders die versiegelten Flächen, Schottergärten, abgeerntete Felder usw. Und so bekommt man einen Temperaturrekord nach dem anderen. An meinem Wohnort ist die Rekordserie übrigens 1976 mit 36°C, 1983 mit 39°C, 2003 mit 40°C und 2026 mit 41°C. Also 5° in 50 Jahren obwohl die eigentliche Erwärmung im Sommer eher so um 1° rum war.
Das ist jetzt nur meine persönliche Meinung: muss man sich dran gewöhnen. Der Prozess ist für die nächsten 1000 Jahre nicht umkehrbar. Man kann es höchstens an einem neuen Punkt wieder in die Balance bringen. Aber das passiert derzeit nicht. Eher im Gegenteil. Auch heute kann es im Sommer durchaus noch höher gehen. Ich denke, wenn so eine Hitzewelle mal zum richtigen Zeitpunkt kommt, also Ende Juli, müssten auch heute schon 42-43°C gut drin sein. Weiter hoch geht es meiner Meinung erst mal nicht, weil die Sommererwärmung an sich nur eher moderat bleibt und viel mehr verfestigen können sich die Wetterlagen auch nicht. Es wird auch nicht jeden Sommer 40°C geben. Der nächste Sommer ist vielleicht wieder verregnet. Aus Erfahrung kann ich sagen, die Euro für eine Kimaanlage lohnen sich trotzdem. Ob 40°C draußen sind oder nicht, kann dir egal sein. Auch nachts kann man prima schlafen. Selbst 45°C entlocken dir ein müdes Lächeln. Auch wenn man mal ne halbe Stunde raus muss, ist kein Ding. Die Hitze spürt man erst nach längerer Zeit. Zumindest solange man zu Hause ist. Die brauchen nicht extrem viel Strom. Selbst ein Balkonkraftwerk sollte ausreichen, die zu füttern. Denn wenn es so heiß ist, scheint immer die Sonne. Und dann kostet das auch praktisch nichts.