Sodele, komme gerade von Kettenacker zurück, wo der 21"-Klose-Dob seine richtige DS-Taufe erhalten hat. Schockierend war mal wieder die Helligkeit an diesem ja angeblich dunkelsten Ort Baden-Württembergs. Das SQM-L zeigte minimal 21.13 mag/arcsec2 im Zenit, also einen bescheidenen Wert, den man auch in Welzheim regelmäßig hat. Die IR-Temperatur des Bodens war mittig der Session 3°C, die im Zenit -27°C.
Im Okularauszug steckte ein Paracorr II, der wiederum mit einem Ethos 21 mm, einem Docter 12.5 mm oder einem Ethos 8 mm bestückt wurde. Dies ergab 117x, 196x oder 307x. Das Seeing war ziemlich mäßig - Sirius flackerte wie eine Kerze im Wind.
Begonnen wurde mit M42/43, der schon im 21 mm Ethos einen atemberaubenden Anblick bot. Allein die Schwingen zogen sich endlos, teilten sich und zeigten Struktur. Ihre Farbe war schwach braunrot. Die Huygens-Region war überreich strukturiert und leuchtete in blassem Pastellgrün. Im Nebel waren etliche schwache Sterne sichtbar. Das Trapez zeigte schon bei 117x immer 5, manchmal 6 Sterne. Bei 196x waren immer 6 Trapezsterne zu sehen, außer bei gelegentlichen Windböen, die das Teleskop in Schwingungen versetzten. M43 war deutlich braunrot und zeigte sehr deutlich das Staubband.
NGC 2024 war ohne Filter und mit Alnitak im Bildfeld ein auffälliges Objekt. Die zentrale Staubstruktur zeigte klar ihre Verästelungen. IC434 war mit Hbeta-Filter deutlich auszumachen. Der Pferdekopfnebel zeigte sich bei 117x als daumenförmige Ausstülpung von erheblicher Größe.
Sharpless 279 war schwächer als M43, aber immer noch deutlich erkennbar und strukturiert.
Der Telrad wurde nun auf NGC891 gerichtet. Im 21 mm Ethos war nichts zu sehen. Die Position wurde im Deepsky-Reiseatlas gecheckt - stimmte. Ein erneuter Blick ins Okular zeigte die Galaxie in der Feldmitte, und zwar so schwach, dass ich sie glatt übersehen hatte. Obwohl sie an der Wahrnehmungsgrenze lag, bildete ich mir ein, das Staubband beim Antippen des Tubus zu sehen.
Weiter ging es mit M1 - ein problemlos zu findendes, aber unscheinbares Objekt. Im 21 mm Ethos sah es wie ein Wattebausch aus. Mit OIII-Filter im Docter 12.5 und Ethos 8 zeigten sich deutliche Strukturen im Nebel, die ich so noch nie gesehen hatte. Öffnung ist nur durch Öffnung zu ersetzen.
Als ich vor dem Kauf mit Timm Klose beobachtete, hatten wir versucht, M79 zu finden, was uns aber nicht gelang. Den Kugelsternhaufen suchte ich nun auf. Um den Dob mit Paracorr II und Ethos 21 in der Balance zu halten, hing ich eine Bleigel-Batterie an einem Höhenrad auf. Der Kugelsternhaufen stand in 15° Höhe in der enormen Horizontaufhellung. Trotzdem zeigten sich im Ethos 8 mm einige Dutzend aufgelöste Sterne vor dem Nebel.
Zwischenzeitlich ging ich immer wieder zum M42/43-Komplex zurück, dessen Anblick im 21" einfach unglaublich ist.
Es kamen dann noch ein paar Galaxien an die Reihe. Den Anfang machten M81/M82. Die Flächenhelligkeit von M82 war enorm. Es waren deutliche Strukturen in der Galaxie zu erkennen. Bei M81 konnte ich die Spiralarme nicht sehen. Es war allenfalls zu erahnen, dass außerhalb der Kernregion noch etwas ist.
Schließlich war M51 aus der gröbsten Horizontaufhellung herausgeklettert. Schon bei 117x waren die beiden Spiralarme zu erkennen. Bei 196x im Docter konnte ich sie deutlich von ihrem Entstehungsort am diffusen Kern in ihren Windungen verfolgen. Die Brücke zu NGC5195 war mehr zu erahnen als zu sehen.
Den Schlusspunkt machte NGC4565. Das Staubband war zwar im Prinzip schon im 21E auszumachen, richtig eindeutig wurde es aber erst im 8E. Im Endeffekt musste man aber sagen: Das waren keine Galaxie-Bedingungen.
Was man allerdings auch sagen muss: Der 21"-Klose-Dob ist eine Granate, wie ja auch zu erwarten war. Deswegen bin ich sehr froh, ihn ergattert zu haben.
CS
SteVe
PS: Ach ja, den NGC 2158 bei M35 habe ich auch noch mit dem 8E in einige Dutzend Einzelsterne aufgelöst. Beim Treffen mit Timm hatte ich den irgendwie nicht gefunden.
PPS: Der Spiegel braucht so etwa 1 h, um auszukühlen und seine Leistung zu bringen. Nicht schlecht für einen rein passiv gekühlten 21"-Spiegel. Ich möchte mal wissen, wie sich die 50 mm dicken China-Teile verhalten...