Hallo Kolleginnen und Kollegen,
vielen Dank für Eure interessanten Beiträge in diesem Thread, den ich seit Anfang verfolge. Aus eigener Erfahrung und mit Fachwissen sehe ich, dass die meisten hier angedachten Geräte nicht tauglich sind. Zwei oder drei Ideen gehen jedoch in die richtige Richtung, was sich aber im Preis nieder schlägt. Vielleicht möchtet Ihr Euch meinen Beitrag dazu durchlesen.
Zum Thema:
Der Markt bietet preiswerte Powerstations oder Akkupacks an, deren elektrische Werte für den Benutzer nicht unbedingt verständlich sind. Anschlüsse für USB, 12-Volt-Verbraucher und sogar 230 V Steckdose verblenden den Käufer. Viele der in diesem Thread angedachten Stromversorgungen würden nach dem Kauf jedoch mittelfristig neben den üblichen Billig-Montierungen zum Gebrauchtkauf stehen.
Die zusammengerechneten Wattzahlen der anzuschliessenden Geräte ist sicher ein Anhaltspunkt, jedoch sollte man sicherheitshalber vom doppelten oder dreifachen des Anschlusswerts ausgehen um ein stabiles Setup zu haben. Die Praxis zeigt, dass kleine Geräte im Preisbereich 150 bis 400 EUR nicht halten, was sie auf dem Prospekt suggerieren. Das ist so, weil eine mobile, stabile, und Temperatur unabhängige Stromversorgung eine komplexe Sache ist. Aus Gründen, die ich hier nicht weiter erläutere, kann es sehr wohl sein, dass alles „irgendwie“ mit einer kleinen und billigen Lösung geht. Aber das Setup kann sich schnell mal ändern, dann stürzt bei Auslösen des Shutters einer großformatigen Kamera plötzlich die Montierungselektronik ab. Oder der zusätzliche 230 V Anschluß funktioniert mal bei Anschluß eines Laptop-Netzteils, mal funktioniert er nicht. Elektrofachleute wissen warum das so ist, und sie wissen auch, wie man das vermeidet.
Grundlagen:
Ich vermeide hier einen Ausflug in die Elektrotechnischen Grundlagen von Akkus oder deren Verdrahtungen. Fachbegriffe wie Spannungsabfall, Stromspitzen, Temperaturabhängigkeit, Konverter mit reinem Sinus auf 230 Volt und weitere, überspringe ich hier. Ich wähle lieber ein Beispiel aus unserem Hobby: Jeder Amateurastronom ist sich bewusst, dass sich seine wunderbare und teuere Optik nur entfalten kann, wenn er in ein geeignetes Fundament investiert: Ein stabiles gut handelbares Stativ und eine gut bedienbare Marken-Montierung. Das kostet. Erweitert der Astronom auf elektrischen Antrieb und Astrofotografie, mit Filterrädern, Rechner, (gekühlte) Kamera, so sollte ihm bewußt sein, dass seine Elektrik ein ebenso stabiles Fundament benötigt: Die mobile Stromversorgung. Auch die hat ihren Preis.
Da 12-Volt-Geräte über Zuleitungen angeschlossen werden, darf diese Stromversorgung bis 13,8 Volt DC und 230 Volt AC für gekühlte Kameras und Computer liefern.
Tipps für Mobilstrom
Wer investieren kann:
Ein Beispiel ist das Tronos Energy Case, an dem ich mehrere 230 Volt Geräte anschließe: gekühlte FLI Kamera, Macbook. Es hat dazu einen kräftigen 12 V Ausgang für z.B. meine Goto Montierung von Astrophysics. Stabil verbaut, rollbar, Solarpanel optional, spritzwasserfest und arbeitet auch bei Minusgraden. Sie kann auch am Auto geladen werden, lässt aber der Autobatterie noch genug Rest zum Starten. Einmal investiert hat man über Jahre keine Probleme im Feld, Winter oder im Urlaub. Darüber hinaus taugt sie auch bei Stromausfällen im Haushalt. Hier handelt es sich um ca. 2500 EUR.
Wer keine teure Investition stemmen kann:
Bitte zwei oder drei billige Powerstations nehmen und jeweils eine, also strikt getrennt, für Montierung, gekühlte Kamera und Laptop nutzen. Bitte nicht auf die 230 Volt Anschlüsse und Tieftemperaturtauglichkeit verlassen. Man sollte sich auch drüber im klaren sein, dass die unvermeidliche Feuchtigkeit in unserem Hobby diesen Geräten schleichenden Schaden zufügt. Auch hier sind 700 bis 1000 EUR schnell beisammen und der Folgekauf ist vorprogrammiert.
Für Selbstbauer:
Ein oder mehrere LiFePo4 Akkkupacks mit jeweils 12,8 Volt am besten eingebaut in je ein wasserdichtes Pelicase. Ich hatte einen Selbstbau
hier grob beschrieben. Die Materialkosten sind unter 200 EUR.
Ich hoffe, Ihr konntet was mit diesem Beitrag anfangen.
Viel Erfolg und gutes investieren!
Roland