Re: ein Schatten ist ein Schatten
Hallo Günther,
Die Justierung am Stern im leichten Defokus, wie ich sie betreibe, gelingt nur so nahe am Fokus, dass ich auf einen inneren Lichtpunkt und umlaufende schwarze und helle Kreise in einem völlig symmetrischen Abbild justieren kann.
Dieses Bild hat nichts von dem Anblick, den man landläufig als Schatten bezeichnet.
ich denke bezüglich Schatten ist doch nun schon reichlich diskutiert worden.
Aber gut sei es drum das im und auch sehr nah am Fokus worauf Du Dich beziehst ein FS Schatten nicht sichtbar ist hatte ich ja schon vorgerechnet.
http://forum.astronomie.de/phpapps/...hp/topics/815393/Re_Schlagschatten#Post815393
Ich will das mal mit einfacher Geometrischer Rechnung am Beispiehl eines 150/750mm Newton zeigen.
Das BS hat bei f/5 einen Durchmesser von 6,7my
Der FS soll einen Durchmesser von 50mm haben.
Diese 50mm werden mit dem Strahlenkegel verkleinert und sind im Abstand von 750mm unendlich klein, ein Punkt.
Es besteht das Verhältnis Durchmesser zu Fokusabstand von 50/750 = 0,0666
Soll der FS Schatten den Durchmesser des BS erreichen muss also 6,7/0,0666 = 100,5my bzw.0,1005mm defokussiert werden.
Zwischen Öffnung und Brennweite besteht ein Verhältnis von 150/750 = 0,2
Der Durchmesser der Beugungsfigur einer perfekten Optik beträgt also an der Stelle 100,5my *0,2 = 20,1my
Es muss in dem Beispiel also 0,1mm entsprechend 0,9 oder sagen wir mal rund 1 Wellenlänge defokussiert werden damit der FS Schatten bei dem Beispiel nach geometrischer Betrachtung sichtbar werden kann.
Natürlich ist das „sichtbar werden“ ein fließender Übergang, es wird bei genanntem Defokus kein Schalter umgelegt wo der FS Schatten plötzlich „angeknipst“ wird.
Trotzdem scheint mir diese Marke weil mathematisch exakt definiert ein gutes Kriterium ab wann man von einem FS Schatten sprechen könnte.
Es ist also auch sehr von der Höhe der Obstruktion abhängig.
Dieses Bild hat nichts von dem Anblick, den man landläufig als Schatten bezeichnet. Wenn ich bei großem Defokus von einem Fladen spreche, will ich niemanden ärgern, aber das sieht eben nach dem aus, was landläufig als Schatten benannt wird. Dieser Fladen ohne Lichtmuster, bzw. mit den in der Simulation gezeigten Auswirkungen des Offset ist für eine Justierung so wie ich sie kenne unbrauchbar.
Am gezeigten Beispiel ist spätestens bei den in der Simulation gezeigten 2,5 Wellenlängen Defokus für mich jedenfalls der Schattenharakter unübersehbar.
Jedenfalls wenn man willens ist zu akzeptieren das Licht nun mal auch hinter ein Hindernis gebeugt wird und das dieses Phänomen bei dem in Fokusnähe nun mal sehr sehr kleinen FS -Schatten im Gegensatz zu den ungleich größeren Schatten im Alltag am FS Schatten sichtbar wird (Relation Wellenlänge zu Schattengröße).
Poisson-Punkt und FS-Schatten ist für mich daher kein Wiederspruch sondern die logische Konsequenz der sich in Fokusnähe ergebenden Relation Schattengröße zu Wellenlänge.
Es ist falsch hier den Stentest als guten Test für die optische Qualität unterschiedlichster Optiken rein auf den Fokus oder sehr sehr nahen Fokusbereich wo man nicht vom FS- Schatten sprechen kann zu beschränken.
Die Newtonjustage oder besser die Koma um die es da ja geht ist ein Sonderfall wo in der Tat der Fokus am aussagekräftigsten ist.
Bei Asti sieht die Sache schon etwas anders aus, hier würde ich neben dem Fokus auf einen vernünftigen Defokus das heißt die von Suiter empfohlenen ca.10 Wellenlängen nicht verzichten.
Im Fokus zeigt sich ein Asti bei gleichem Wellenfrontfehler wie die Koma nun mal weniger auffällig, erst recht wenn der 1. Beugungsring dann noch vom Seeing gestört ist.
Der Schiefspiegler Besitzer wird sich daher zur Justage Seiner Optik nicht rein auf den Fokus verlassen sondern immer auch die in und extrafokale Sternabbildung bei ca. 10 Wellenlängen Defokus begutachten.
Ungeeignet ist der Fokus vor allem zur Beurteilung der sphärischen Korrektur oder gar zum Erkennen von Zonenfehlern oder der Oberflächenrauheit.
Zumal eine SA hier von einer Obstruktion praktisch nicht zu unterscheiden ist.
Hier ergibt nun mal ein vernünftiger Defokus in und extrafokal begutachtet eine bessere Beurteilung wie der Versuch das anhand der Helligkeit des 1. Beugungsringes im Fokus abschätzen zu wollen.
Ich sehe keinen Grund warum man den FS – Schatten der in dem von Suiter für den Sterntest empfohlenen Defokus von 10 Wellenlängen sichtbar ist zum Wellenoptischen Mysterium zu erklären.
Das trägt auch nicht zum besseren Verständnis bei sondern ganz im Gegenteil es stiftet nur Verwirrung und Unsicherheit.
Die Behauptung das was bei 10 Wellenlängen Defokus von Suiter und auch mir als Schatten bezeichnet wird wäre keiner sondern etwas völlig anderes ist schlicht falsch.
Das beweisen auch die rein geometrischen Spots und deren Vergleich mit der wellenoptischen Simulation.
Beides habe ich hier gezeigt, der FS- Schatten zeigt sich in entsprechendem Defokus in der Wellenoptischen Simulation exakt so wie von den geometrischen Spots vorhergesagt, also so wie es sich für einen echten Schatten gehört.
Auch das ein Offset den Strehl nicht mindern kann lässt sich rein geometrisch am Verhalten des FS- Schattens (wechseln der Richtung des Versatzes beim Fokusdurchgang >>>zwangsläufig im Fokus kein Versatz möglich) erklären.
Grüße Gerd