Die Marssaison 2022 ist eröffnet ;)

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Hallo Rudolf,
deine Aufnahmen gefallen mir sehr. Sehr viele Oberflächendetails und gute Auflösung. Du hast Recht, der Staub und Dunst wird in deinen Aufnahmen viel besser abgebildet. In deinen Aufnahmen im RGB Verfahren sind damit mehr Informationen enthalten. Schön anzusehen !!

Viele Grüße und einen schönen Abend Jan
 
Hallo zusamen.

Es ist zum Haare raufen, nützt aber auch nichts. Das Seeing bleibt mies. Am Freitagabend war es wieder so schlecht, dass bei Mars mit dem C14 erneut nichts zu holen war. Also wieder downgrade auf 7"-Refraktor.
Da geht dann erstaunlicherweise immer noch was, und wenn man die Bilder betrachtet, sogar mehr als mit dem doppelt so großen Teleskop.

Mal wieder aus der Beobachtungspraxis geplaudert: Ich habe viel herumgespielt. Normal nehme ich 2xBarlow und Verlängerung. Das gibt am Refraktor schon stolze f:31. Für Monoaufnahmen mit der ASI290MM sehr gut, mehr muss nicht.

Nun war Mono bei den Umständen nicht die erste Wahl, sondern ein Instantergebnis mit der ASI224MC vorzuziehen. Die aber hat etwas größere Pixel, das Bild wird also kleiner als Mono. Abhilfe schaffte diesmal ein Okularprojektionsadapter. Mit einem Baader 12,5mm Ortho und variablem Auszug konnte ich nun zwischen ~f:50 und f:60 spielen.

Ergebnisse anbei, in der Größe original zueinander belassen.
Dazwischen zwei Versuche mit dem C14, die schön zeigen, das dessen Bilder schlechter auflösen als die des Refraktors.

F:61 ist am Refraktor etwas overkill, aber um die f:50 kann man tatsächlich mit der Farbkamera noch nutzen.
Auf jeden Fall bin ich so zu angenehm guten Bildern gekommen, wo ich ansonsten frustriert die Kuppel zugemacht hätte. Das Tandem ist ein "Paar für alle Fälle" :))

Ein Wort zur NPH:
Wolken oder Eis?, das fragen sich sicher manche.
Nun, die Erfahrung sagt: Wolken. Die Eiskappe bildet sich unter dem Eisnebel, der Nordpolarhaube (NPH = north pole hood). Die ist also immer erst da, dann das Eis. Die NPH dehnt sich weit über die eigentliche Eiskappe hinaus in gemäßigtere Breitengrade aus. So wie jetzt gerade.
Mit ziemlicher Sicherheit sehen wir bis jetzt von der Polkappe noch nichts, sondern nur Eiswolken.
Das lässt sich auch beweisen - und zwar durch Beobachtung! Wo sich täglich was anders darstellt, ist es kein Eis (wo das erstmal liegt, bleibt es auch etwas länger). Die Wolkenstrukturen sind nachweislich in Bewegung und haben täglich anderes Aussehen gehabt.
Damit ist klar: Was wir jetzt dort sehen, sind Eiswolken, kein festes Bodeneis.
Laut ALPO Japan, die einen Beobachtungsfahrplan erstellt hat, sollte sich die NPH irgendwann im Dezember lichten, dann könnte die eigentliche Poleisfläche sichtbar werden. Aber die wird deutlich kleiner sein,. als das, was wir jetzt sehen.

CS
Rudolf
 

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So: Weiter mit dem 12. November.
Ich denke, vielleicht schließen sich andere Beobachter auch an und posten ihre Bilder in diesem Dauer-Thread.
Das Seeing blieb weiter mies, mit großer Öffnung, also meinem C14 war nichts zu holen. Wohl aber am 7"-Refraktor. Ergebnis anbei.
CS
Rudolf
(P.S. englische Beschriftung, weil die Version auch in die Japan ALPO-Liste gepostet wurde, aber auch so versteht das hier wohl jeder...)

PPS: Die Farbe ist diesmal etwas anders als bei meinem letzten Tableau, das insgesamt leicht zu gelblich war. Ein emsiger Kollege, Ralf Burkart, hat ein "Masterbild" gemittelt, anhand dessen man sich am Monitor bei der eigenen Bearbeitung farblich ausrichten kann. Bei Interesse kann ich das gerne mal weiterverbreiten.
 

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Hallo zusammen.
Auch wenn es nicht der zeitlichen Abfolge enstpricht, aber diese Bilder gehören auch hier hinein, um mehrere Beobachtungstage miteinander vergleichen zu können.
Langsam arbeite ich mich rückwärts durch die Beobachtungen der letzten Zeit. Da ist noch das eine oder andere nachzuholen.

Nachdem zuletzt das C14 keine brauchbaren Ergebnisse lieferte, kann ich mit den Beobachtungen vom 7. November den Nachweis antreten, dass es dabei nicht am Instrument, sondern den miserablen Seeingumständen lag. Der 7. war wohl mein bislang bester Marstag in dieser Oppositionsperiode.
Der Vorteil der Bearbeitung jetzt erst liegt darin, dass die Farben an den "Burkart-Index" angepasst sind ;)
Mit der Auflösung an dem Abend kann ich - vor allem angesichts nur mäßgem Seeings - sehr zufrieden sein, das entspricht einem 14-Zöller bei Durchschnittsbedingungen. Interessant sind die Beobachtungen auch im Vergleich mit den Folgetagen bezüglich der Eiswolken am Nordpol.
CS
Rudolf
 

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Ich denke, vielleicht schließen sich andere Beobachter auch an und posten ihre Bilder in diesem Dauer-Thread.

Hier eine Übersicht vom 13.11.2022, 12" F5 Dobson, ZWO ADC, Baader Q-Turret:
mars-uebersicht-131122.jpg


Wenn man die Farbaufnahme in die 3 Kanäle trennt sieht man deutich wie unterschiedlch der Mars vor allem im Blaukanal versus Rotkanal aussieht.
( Summenbilder obere Reihe)
Die weiße Polkappe / Dunstschichten und Wolken zeigen sich meist nur im Blaukanal während die Details der Oberfläche im Rot-Bereich besser zur Geltung kommen. Es ist für einen natürlichen Anblick daher problematisch den ansonsten detailsarmen Blaukanal wegzulassen.
Ich besitze keinen teuren Satz RGB Filter für meine Asi120mm, aber den RG610 Rotfilter. So kann ich mit einer seperaten Aufnahme zumindest den detailreichen Rotkanal austauschen.
Ein reines R-RGB würde zwar mehr Oberflächendetail des Rotkanals zeigen aber kaum noch etwas von der Polkappe. Hier rechts seht ihr einen Kompromiss.
R&G addiert und dazu dann nochmal RG610. Somit eine Gewichtung von 50% gegenüber 33% im linken RG610/G/B Bild.
Und schon da ist der weiße Nordpol abgeschwächt.

In Zukunft werde ich aber wahrscheinlich eher zur Darstellung mit allen Farbkanälen in gleicher Gewichtung tendieren.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger.
Das reine RGB-Bild ist zweifellos am besten.
Aber auch bei R-RGB müssen nicht automatisch die meteorologischen Phänomene leiden. Ich arbeite vorsichtig die R-Luminanz nur in den Bereichen ein, wo keine Wolken oder Staub für Trübung sorgen. Damit verschwinden sie durch die Luminanz nicht, die Albedo-Details in den anderen Bereichen aber werden besser dargestellt als es ein reines RGB kann. Korrekterweise gehörten dann aber eigentlich auch beide Bilder nebeneinander gestellt, denn nur das RGB-Bild gibt den tatsächlichen Anblick wieder, also auch die derzeit sichtbare Staubtrübung über den gesamten Planeten.
CS
Rudolf
 
Hallo in die Runde,

heute Nacht gegen 2 Uhr habe ich meinen ersten Mars überhaupt erwischt. Hätte nicht erwartet, dass die manuelle Nachführung bei knapp 60° Höhe so viel widerspenstiger gegenüber Jupiter im September / Oktober bei etwa 35° Höhe.

Zumindest habe ich nun den ersten Test im Kasten, bin im Moment jedoch komplett überfragt, welche Details man darauf sieht. Nördliche Polregion ok aber sonst...?

Vielleicht könnt ihr mich in die richtige Richtung schubsen?

Danke vorab und viele Grüße

René
2022-11-19-0140_1-RS-RGB-Mars_pipp_pipp_lapl5_ap181-regi-ps.jpg
 
Servus René,
klar verlierst du gewaltig an Hebelarm, rechne mal nach, cos von 35° ist ca. 0.82, cos von 60° ist aber nur mehr 0.5. Das heisst es geht un den Faktor .82/.5 schwerer, das ist ein gewaltiger Unterschied.
Ganz oben ist die Polkappe von Wolken befedeckt, das dunkle Gebiet am Rande der Polkappe ist Acidalium Planitia, oder wie man früher sagte, Mare Acildalium. Der Schlauch ist Nilokeras( oberer Teil) und Marageritifer Sinus
(unterer Teil), der kleine Gupf rechts neben dem Schlauch ist Sinus Meridiani auch Gabelbucht genannt, zwischen den beiden Zinken verläuft übrigens der Nullmeridian. Sinus Meridiani ist also quasi das marsianische Greenwich.
Diese Gebiete sind auch auf meiner Aufnahme zu sehen, allerdings habe ich als ehemals visueller natürlich Süden oben.
CS Mike
 
Hallo René.
Hast Du das Bild überhaupt geschärft? Es wirkt wie ein Rohstack.
Hab mal zart nachgeholfen in Giotto. Es ist aber im Grundansatz vermutlich nicht hunderprozentig scharf gewesen oder das Seeing war grauselig.
CS
Rudolf
 

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Hallo Rudolf,

ich denke auch, dass die Schärfe nicht gut getroffen ist. Habe zwar in Registax versucht zu schärfen, jedoch kam dabei eigentlich fast nichts bei raus und das Rauschen gewann schnell die Oberhand. Daher tatsächlich fast noch mit dem Rohsummenstack vergleichbar. Ich bleibe am "roten Ball" und versuche mein Glück bei nächster Gelegenheit erneut :)

Viele Grüße

René
 
Hallo , liebe Marsianer.

Endlich war es soweit: Klarer Himmel und gutes Seeing - zuletzt eine absolute Seltenheit. In der langen eiskalten Nacht, die Dutschlands Mitte von Sonnabend auf Sonntag erlebte, kam ich in den Genuss von über acht Stunden Marsbeoabchtung, die meiste Zeit unter guten Bedingungen
Hilfreich dabei war, dass entgegen dem üblich miesen Seeing bei eisklarem Aufreißen es gestern der beste Abend, genauer die beste Nacht seit Langem wurde, denn am Ende habe ich neun Stunden zwischen 20 Uhr abends und 5 Uhr morgens beobachtet.
Zuerst Jupiter, wo ich Wochen nach der Opposition das beste Seeing dieses Jahres hatte (im Sommer war ich die meiste Zeit nicht zuhause, als es so gutes Seeing gab).

Mit Mars hab ich kurz vor 21 Uhr angefangen, da war das Seeing gen Osten noch grausam. Das besserte sich dann ab 22 Uhr zusehends und wurde zu besten Zeiten um den Meridian ziemlich gut. Immer noch kein sehr gut und schon gar kein perfekt in der neuen Burkart-Theusner-Skala, aber mindestens mal "gut". Hieß, es gab immer wieder mal zwischendurch viel Detail zu erkennen. Allerdings nur in kleinen Momenten und nicht durchgängig, meistens waberte es noch genug, um mir das Fokussieren sehr schwer zu machen.

Auffällig beim Thema Seeing: Ich hatte in den ersten Stunden ein sehr ruhiges Blau-Seeing - was selten und ungewöhnlich ist. Blau schneidet sonst immer deutlich schlechter ab als R und G. Gestern war es anfangs fast umgekehrt, drehte sich dann aber in der zweiten Nachthälfte wieder.


Zwischen 23 und 5 Uhr morgens habe ich das Teleskop nur zweimal für ein notwendige Aufwärmpause verlassen. Zusammen mit einer Freiluft-Tagesveranstaltung bin ich in den 24 Stunden gut ein halbes Dutzend mal durchgefroren gewesen. Ich hoffe, ohne Folgen...

Besonders faszinierend war, schon im Livebild in sogar in Rot, natürlich aber in Grün und teils sogar Blau die feinen Wolkenstrukturen erkennen zu können. Die stellten sich durchaus komplex und wie man am angehängten Bild sieht, auch schon wieder ganz anders dar als bei Maciejs Bild 24 Stunden zuvor. Ich hatte sogar den Eindruck, dass man in der Aufnahmereihe bereits Veränderungen an Wolkenbändern erkennen konnte. In einer Animation würde das sicher auffällig werden.

Zunächst mal muss ich aber die Riesendatenmenge durchmüllern. Das wird dauern, und ich bin ganz froh, dass heute Pause ist, sonst weiß ich kaum noch, hinterherzukommen.

Als erstes Beispiel nur eines der letzten Bilder. Da bin ich mal auf die ganz langen f:39, weil das Seeing mal danach ausssah. Im Vergleich ein R-G-B und das gleiche als (R)R-G-B, wobei die Luminanzebene nur dort zum Tragen kommt, wo keine meterologischen Erscheinungen darunter leiden würden, wenn ich Rot kontrast- und detailverstärkend einarbeite.

Die Detailauflösung hat mich überrascht, sie ist besser als das, was ich in meiner 2020er-Karte aufnehmen konnte. Damals hatte ich allerdings auch nur einen wirklichen Spitzentag in der ganzen Oppositionszeit, und das reicht ja dann nur für maximal die Hälfte des Mars. Ich will nicht hoffen, dass heute mein einziger Spitzentag in dieser Oppositionsperiode war, sondern das Beste erst noch kommt...

Für die angestrebte Marskarte 2022 ist damit schon ein Bereich von 200 bis 240 Grad Abdeckung zusammengekommen. Eine gute Basis.
Für den Rest an Auswertung werde ich sicher einige Tage noch brauchen. Ergebnisse folgen.
CS
Rudolf
 

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    marstab201122_a.jpg
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Hallo,

ich habe nur bis 1:30 Uhr durchgehalten, da aber mit den letzten Aufnahmen auch die besten erzielen können.
Da kam mir auch die Idee die Luminanz mit der ASI120mm & IR Cut Filter zu machen.
Die letzte Sequenz war dann Asi120mm IR cut, Asi120mc und Asi120mm RG610
Hier die Summenbilder als Animation:
Mars_201122_vergleich.gif

Endlich gab es mal einen deutlichen Unterschied zwischen Asi120mm & MC bei der Luminanz über den gesamten sichtbaren Lichtbereich.
Deswegen habe ich damit dann auch das L-RGB erstellt und auf den seperaten Rotkanal mit RG610 verzichtet. War im Ergebnis kaum ein Unterschied zu sehen.
Mars_201122_012741ergebnis.jpg

Rudolf:
Die weiße helle Stelle ist bei mir gerade erst im Anmarsch auf 11:30 Uhr, ganz am Rand.
Bei dir wird dann klar wie groß dieser Bereich ist.

Gruß,
Holger
 
Hallo in die Runde,
die Fotos vom 20.11.22 von Rudolf und vom *entfernt* sowie vom Holger zeigen was ich verpaßt habe. Hoffen wir Rudolf, dass Du Recht hast und dass die besten Nächte uns noch bevorstehen.
cs
Witold
 
@holger Deine Animation sieht sehr ähnlich aus wie meine… ?

@Rudolf deine Aufnahme mit dem C14 ist auch Top. Schöne Details, zeigt immer wieder das bei besseren Bedingungen mehr Öffnung auch mehr Details zeigt. Hier misste ich ja wegen der aufkommenden Wolken abbrechen sonst hätte ich auch länger gemacht…
 
Hallo zusammen.

So, es ist vollbracht: Die lange Nacht vom 19. auf den 20. November ist durchbearbeitet. Zusammengekommen sind beim Mars elf gute bis sehr gute Aufnahmen über einen Zeitraum von siebeneinhalb Stunden. Ist schon sehr lange her, dass ich so lang an einem Objekt gesessen habe.

Die Bilder erlauben aufgrund der aktuellen Umstände auf Mars auch Einblicke in das Wettergeschehen dort, wie sie mir auf eigenen Aufnahmen noch nie zu Augen kamen. In der NPH war eine Dynamik, dass bei genauer Betrachtung die Abstände zwischen meinen Aufnahmen schon fast wieder zu groß waren. Manches hätte noch feiner dargestellt werden können, vor allem, wenn das alles womöglich noch in eine Animation gepackt wird. Ich hätte nie gedacht, dass Wolkengeschehen auf Mars so schnell ist.

Achtung: Das Tableau ist groß. Alle Details sind erst richtig gut in nahe 100%-Ansicht zu sehen.
Gehen wir die Bilder einmal der Reihe nach durch:

Genaugenommen fehlt sogar noch ein früheres Bild darin, aber die Aufnahme von 19:49 UT war so schlecht, dass sie den Gesamteindruck nur gestört hätte. Daher weggelassen.

20:05 UT Die NPH ist gut über dem Nordpol zentriert, relativ gleichmäßig und zeigt nur nach Osten (links) hin leichte Detailandeutung. Die grünliche Farbe der NPH ist der schlechten Luft geschuldet. Im Süden ist am Hellasbecken und Richtung Pol weitverbreiteter Dunst zu sehen, ebenso angedeutet entlang des Ostrandes links und im Westen über Hesperia.

21:53 UT Das Bild hat sich verändert: Die NPH beginnt nach Osten hin exzentrisch zu werden, Wolkenbänder bewegen sich südwärts vom Pol weg, erste Details werden sichtbar. Der Ostrand zeigt stärker Dunst als knapp zwei Stunden zuvor, der im Süden ist noch da, hat sich aber mehr in die Polregion zurückgezogen, dort aber gut erkennbar und hell. Auch über dem verschwindenden Hesperia ist weiter Dunst auszumachen.

22:48 UT Eine knappe Stunde später ist an der NPH ein abgetrenntes Wolkenband erkennbar, das sich südwärts in die Acidalia Planitia hinein erstreckt. Der Rand der NPH folgt diesem Trend ebenfalls. Der Dunst am Ostrand sorgt für sichtbare Aufhellung, besonders stark in Südpolnähe. Dort hat sich außerdem mindestens ein gut abgesetzter Wolkenstreifen formiert, ein zweiter schwächerer und breiterer ist in etwas gemäßigter südlicher Breite erkennbar. Er ist am Morgenrand (links) stärker und scheint sich gegen Mittag noch vor dem Hellasbecken aufzulösen.

23:15 UT Details am Rand der NPH werden deutlicher. Die NPH zeigt erstmals leicht rötliche Anteile. Am Morgenrand taucht eine neue, helle Wolke in der Acidalia Planitia auf. Weiter heller Dunst am Ostrand und in Südpolnähe, wo sich jetzt zwei schmale Wolkenbänder gebildet haben. Im südlichsten sind auch zwei helle Verdickungen zu finden. Der Wolkenstreifen in gemäßigter südlicher Breite besteht weiter.

23:44 UT Die Details in der NPH und ihren Wolkenausläufern werden deutlicher. Die NPH bildet so etwas wie eine eigene Kappe, aus dieser setzen sich zwei Wolkenbögen nach Süden ab. Dunst am fast gesamten Ostrand und als breite Zone in gemäßigter südlicher Breite über dem Mare Erythraeum, der sich zum Meridian hin auflöst, aber abends (rechts neben Hellas) wieder zu bilden scheint. Ganz im Süden nahe des Pols weiter zwei dünne Wolkenstreifen, im südlicheren haben sich zudem zwei kleine Wolkenklumpen gebildet.

00:04 UT NPH wie 20 min früher. Allerdings scheint sich die Lücke, die um 23:44 zwischen dem inneren Wolkenbögen und dem südlichsten Wolkenfeld in der Acidalia Planitia noch bestand, fast geschlossen zu haben. Ostranddunst und Dunststreifen in der südlichen Hemisphäre unverändert sichtbar, die beiden kleinen Wolkenklumpen am Südpol sind nach nur 20 min aber wieder so gut wie verschwunden.

02:03 UT Mit fast zwei Stunden Abstand sind die Veränderungen nun sehr auffällig: Die NPH liegt zentrisch auf dem Nordpol. Der in den Bildern davor durchgängige Wolkenbogen ist aufgebrochen bzw. verschwunden, an seiner Stelle stehen nun zwei Stummel als Ausläufer aus der NPH nach Süden. Ganz in Blick gekommen ist das große Wolkenfeld in der Acidalia Planitia, das mehrere Ausläufer hat. In seiner weitesten Erstreckung nach Süden im östlichen Ende des Wolkenfeldes erreicht es immerhin ungefähr 30° Nord auf dem Mars. Irdisch gesehen hieße das, die Eiswolken würden ganz Europa überdecken und bis nach Nordafrika reichen!
Der Randdunst hat sich am Ostrand nun mehr nach Süden in gemäßigte und hohe Breiten zurückgezogen. Dort ist zudem polnah ein deutliches Wolkenfeld entstanden über der Senke von Argyre II. Der Dunst in gemäßigten südlichen Breiten löst sich nun bereits im Laufe des Marsvormittags auf.

02:27 UT Erkennbare Veränderungen der Wolkenbänder an der NPH; die beiden Ausläufer rechts werden schwächer und ziehen sich mehr Richtung Pol zurück. Das Wolkenfeld in der Acidalia Planitia weist eine interessante Zweifarbigkeit auf. Der östlichere (linke) Zipfel ist gelblicher. Möglicherweise ist hier bodennäher auch noch Staub beteiligt, während die eisblaue Wolkenschicht höher liegt. Dunst im Süden abgeschwächt, an stärksten randnah und in Polnähe, nur das Wolkenfeld in der Argyre besteht weiter.

02:39 UT Obwohl nur 12 min. später, sind wieder deutliche Veränderungen sichtbar: An der NPH sind ganz rechts vorhandene Wolken kräftiger geworden. In der hohen Wolke des Wolkenfeldes in der Acidalia Planitia hat sich ein heller Knoten gebildet, eine weitere helle Verdickung findet sich am Ostrand weiter links. Auch in der NPH selbst ist ein heller Punkt auszumachen, der ab 02:03 zu verfolgen ist. Im Süden sind die gemäßigten Breiten bis auf randnähere Reste weitgehend dunstfrei geworden, die Wolke in Argyre II löst sich auf.

03:00 UT Überwiegend wie 20 min vorher; im Bereich des Wolkenfeldes Acidalia Planitia scheint sich der mit Staub gemischte Anteil links unten etwas schmaler zu werden. Nahe der Übergangsstelle zur bläulicheren Eiswolke hat sich ein heller Knoten gebildet. Der Süden ist deutlich dunstfreier geworden, nur noch schwache Reste im Gebiet Argyre II.

03:26 UT Der linke Zipfel des Wolkengebietes in der Acidalia Planitia hat sich weiter nach Norden zurückgezogen. Derweil ist ein Wolkenstreifen, der noch über dem Wolkenfeld zu liegen scheint, etwas kräftiger geworden. Am Ostrand tauchen weitere, weit nach Süden reichende Wolken auf. Wieder stärkerer Dunst im Süden am Rand von gemäßigten Breiten bis Pol. Von der Argyre-Wolke ist nur noch ein kümmerlicher Rest übrig.

Soweit der „Marswetterbericht“ aus jener Nacht.
Ich bin sicher, das alles würde bewegt noch deutlich eindrucksvoller aussehen als in Worten beschrieben. Dazu später mehr.

CS
Rudolf
 

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    marstab19_20112022.jpg
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Hallo Rudolf, prima da hattest du dann länger freien Himmel gehabt. Schöne Ergebnisse :y: wobei mir der Rot-Ton vom Mars nicht so gefällt. Ein bisschen weniger ist da besser, Visuell kommt er ja auch nicht so stark rot rüber.
 
Ich habe mich bei der Tonung an einem Mittelwert orientiert, den Ralf Burkart in der VdS-Planetenbeobachtergruppe kreiert hat. Der visuelle Eindruck interessiert dabei nicht, da wir ja bildmäßig unterwegs sind.
Wir haben über die Farbe des Mars dort diskutiert, jeder bearbeitet sie anders. Ein Weg, da mal zu einem Mittel zu kommen, war, bekannte Aufnahmen von Sonden und erfahrenen Beobachtern zu nehmen, und sie einfach zu mitteln. Dabei sind unter Verwendung 14 guter Vorlagen drei "Standardmärse" herausgekommen. Einer heller, einer mittelhell, einer etwas dunkler. Diesen Mittelmars hatte ich neben meinen Berabeitungen auf dem Monitor und meine Farbe danach ausgerichtet. Das heißt, bei wem sie jetzt "zu rot" erscheint, sollte ggf. die Kalibrierung seines Monitors hinterfragen oder vielleicht selbst mal seine eigenen Bearbeitungen mit dem "Marsmittel" vergleichen. :)
LG
Rudolf
 
Hallo Rudolf,
schön herausgearbeitet und die Atmosphäre ist diesmal das Interessanteste an Mars! Ich verwende ebenfalls eine Mono mit RGB Filtern und komme auf die gleiche Farbgebung wie du. Nph eher bläulich, Terra eher rötlich und der linke planetensaum in weiß. Habe natürlich nur ein kleines Besteck von 6 Zoll, aber ich war erstaunt Wolken über den Vulkanen in der Tharsisebene zu erkennen. Der Blaukanal ist da enorm wichtig!
VG Frank
 
Hallo Frank.
Blau ist sehr wichtig, völlig richtig. Leider sind SCs in der Regel eher blauschwach, mindestens was die Schärfe angeht. Seeing verschlimmert das eher noch. Refraktoren können es etwas besser, am besten geeignet wären aber FH-Linsen oder Cassegrains.
Der Planetensaum im Ostern (Morgenrand) ist im Übrigen nicht immer weiß; vor Wochen war er deutlich gelb, weil da Staub die Aufhellung verursachte. Also bitte nie als "Weißabgleich" nutzen. Ebenso zeigt die Polkappe außer Weiß auch andere Farben, zentral zum Beispiel rötliche Spuren, da spielt wohl auch Staub eine Rolle.
6" sind doch schon eione respektable Öffnung. Wenn bei mir am C14 aus Seeinggründen nichts geht, weich ich auf meinen 7"-Refraktor aus. Der kann dann doch meistens noch was zustande bringen. Und das ist nicht wenig.
CS
Rudolf
 
Ach, und bevor jemand danach fragt:
Das sind die "Mittelmärse" nach denen wir zur Zeit farbkalibrieren. Dazu muss man seinen Monitor nicht "spydern", Bild aufmachen und neben die eigene Bearbeitung stellen, reicht völlig aus.
An den drei unterschiedlichen Helligkeiten (alle die selbe Farbgrundlage) kann man sehen, wie unterschiedlich das schnell wirkt. Visuelle Beobachter würden sicher die Farbe oben rechts als "korrekt" beschreiben.
CS
Rudolf
 

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Hallo Frank.
Blau ist sehr wichtig, völlig richtig. Leider sind SCs in der Regel eher blauschwach, mindestens was die Schärfe angeht.
Diese Erkenntnis, sehe ich vor allem an Jupiter. Er steht höher und dadurch erziele ich einen super scharfen Blaukanal! Ebenso an Mars. Ohne ADC nie möglich. Bei den vorherigen Oppos mit niedriger Deklination war er so lala. Dadurch kommt die Atmosphäre mehr in den Fokus. Hoffe hier in Berlin auf klare Nächte.
VG Frank
 
Ja, das hoffen wir alle im Moment, aber die Aussichten sind trübe. Allenfalls mal kurzes Aufklaren - wie gestern. Aber mit einem grauseligen Seeing am Jupiter. Habe es nur am Refraktor versucht, das ging gerade noch.
 
Hallo zusammen.

Aus unseren Ergebnissen mal eine Marskarte 2022 zu basteln, ist ja eines der erklärten Ziele des noch nicht offiziellen Mars-Beobachterprogrammes der VdS-Planetenbeobachter. Ich habe mich angesichts des guten Ausgangsmaterials aus der Nacht vom 19. auf den 20. November schon mal mit eigenem Material ans Werk gemacht. Zunächst nur mit den Ergebnissen dieser Nacht und nur mit den Rotbildern, weil es mir vornehmlich um die Albedodetails ging. Bei siebeneinhalb Stunden Abdeckung blieb natürlich noch eine erhebliche Lücke von über 120 Grad.

Bei der Nachsuche in den letzten vier Wochen habe ich dann tatsächlich gute bis ausreichend gute Aufnahmen der Restflächen finden können, so dass ich die Version 0.1 der Karte hier zeigen kann. Der Bereich zwischen 120 und 240 Grad hat noch nicht die gleiche Auflösung wie der restliche. Das sieht man beim Hinschauen schon genau. Und es gibt noch Bearbeitungsholprigkeiten, die mehr Zeit und Genauigkeit erforderm. Aber es zählt der erste Eindruck, und die Karte soll ja auch nur die Basis sein, die dann dort, wo es bessere Bilder gibt, immer wieder upgedatet wird.

Heute morgen hat es mich dann sehr gejuckt, die Karte wieder in Bewegung zu bringen. Hatte ich noch nie gemacht, wusste aber, dass WinJupos sowas kann. Nach einer Stunde Internetrecherche hatte ich das Wissen dafür zusammen, dann hat es noch gut ein halbes Dutzend Versuche gebraucht, bis Geschwindigkeit etc. stimmten. Per ser-player dann in animiertes GIF umgewandelt, und da ist er nun, der rotierende Mars.

Und weiter? Keine Ruhe! Nächster Step: das Ganze in Farbe. Und dann warte ich natürlich auf noch bessere Beobachtungen.
Und zu guter Letzt wollen wir sowas vielleicht ja mal mit den besten aus unseren Kreisen angefallenen Bildern machen und eine VdS-Planetenbeobachter-Marskarte 2022 zusammenstellen.
Bin gespannt, wie es weitergeht.
CS
Rudolf
 

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Hallo Rudolf,
schön zu sehen und der Marsglobus ist markant geworden! Ja, mit winjupos ist das ordentlich zu händeln. Auch die Übergänge kann man gut anpassen, hatte das in der Opposition 2020 auch mal versucht. Ebenfalls nur der rotkanal, da Farbe damals mit meinen nur visuellen Filtern nie gleich war. Den Nuller hatte ich in die Mitte gelegt.


VG Frank
 
Auch sehr schön, Frank.
Hast Du WinJupos die Karte so rechnen lassen, oder die Kacheln selbst in PS zusammengefügt?
Falls Letzteres, dann wären sicher noch weichere Übergänge möglich gewesen.
Grüße
Rudolf
 
Hallo Rudolf,
nur in winjupos! Mit PS kenn ich mich nicht aus, wie man damit Kacheln erstellt. Oder nutzt du erst winjupos und bearbeitest die Übergänge danach mit PS.
VG Frank
 
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