Gestern Abend habe ich endlich mal wieder meinen inneren Schweinehund überwunden und war mit dem 150er draussen.
Das Wetter sah perfekt aus und auch die Vorhersage von Meteoblue war vielversprechend:
Zudem stehen die Planeten gerade günstig und die schmale Mondsichel geht erst spät auf.
Also habe ich in der Dämmerung das Glas und den Okularkoffer zur Beobachtungsplattform getragen und alles vorbereitet.
Es war meine erste Beobachtungsnacht in diesem Jahr und ich war erstaunt, dass das Glas leichter war, als ich erwartet hatte
Die Bedingung waren dann auch wirklich erstklassig, ich kann mich nicht erinnern wann ich zuletzt so eine gute Nacht erwischt hatte, die Milchstrasse war mit bloßem Auge deutlich sichtbar.
Ich wollte die Gelegenheit auch nutzen um nochmal die Optik des APM zu testen und zu überprüfen und auch ausprobieren, wie meine Okulare nutzbar sind.
Speziell das 32mm Kasai wollte ich mit dem 17mm Ethos vergleichen und die Nutzbarkeit der beiden 4,7mm und 3,5mm 110° Okulare an den Planeten testen.
Zuerst machte ich Sterntests mit beiden Tuben und da gestern wirklich alles gepasst hat waren die Ergebnisse wie aus dem Lehrbuch und vor Allem auch identisch.
Nun bin ich zu 100% sicher, mein APM ist qualitativ allererste Sahne.
Hier kann ich mich bei Markus nur für so ein tolles Instrument bedanken!
Auch wenn die Nacht generell planetenlastig war habe ich zwischendurch die Zeit genutzt um mit Starsense schnell und sicher zu allen gestern sichtbaren Messiers zu hüpfen.
Auch Starsense hat sich wieder absolut bewährt, es ist eine Freude wirklich jedes Zielobjekt sofort und sicher mitten im Okular zu haben.
Die Zeiten, wo viel Beobachtungszeit durch Suchen und Frustration draufgegangen ist, sind damit zum Glück endgültig vorbei.
Und das einfach mit dem Handy huckepack, keine Sensoren, Kabel, Rechner, Akkus etc.
Gerade bei schwächeren Objekten ist Starsense für mich eine unersetzliche Hilfe, man denkt zuerst "da ist doch nichts", bei leichten Schwenken und indirektem Sehen ist dann aber doch was im Okular.
Solche Objekte würde ich ohne Starsense niemals finden und früher fand ich die faint fuzzies deshalb auch total unattraktiv.
Nun finde ich gefallen daran zu versuchen möglichst viele Details bei ihnen zu sehen.
Stersense hilft mir auch extrem beim Fokussieren nach dem Okularwechsel.
Dadurch kann ich mir immer einfach einen passenden Stern aussuchen, an dem ich sicher fokussieren kann, danach springe ich wieder zum eigentlichen Beobachtungsobjekt zurück ohne lang suchen zu müssen und mich womöglich sogar zu verlieren.
Viel Zeit habe ich natürlich auch bei meinen Lieblingsobjekten verbracht, insbesondere der Doppelhaufen und M31 / 32
An den beiden Objekten habe ich auch länger die Okulare Kasai 32mm und Ethos 17mm sowie 13mm verglichen.
Die 3.2° Feld mit dem Kasai sind natürlich schon eine Wucht, wenn auch nicht bis Randnähe scharf.
Trotz wirklich sehr dunklem Himmel zeigte mir die AP von 5,7mm aber auch einen für meinen Geschmack zu hellen Himmel.
Der Anblick im 17mm Ethos mit 3mm AP ist da deutlich schöner und vor allem ist alles bis zum Rand scharf.Die nur noch 2.0° reichen für M31 und M32 auch noch aus, zumal ich die schwachen Randbereiche von M31 eh nicht sehen konnte.
Unter Alpenhimmel würde man da wohl doch auf das Kasai zurückgreifen müssen um die volle Ausdehnung von M31 zu sehen.
Die 1,5° im Ethos 13mm sind mir dann sowohl für M31 als auch den Doppelhaufen schon zu eng, ich mag einfach ein etwas weiteres Framing.
Der Doppelhaufen mit dem Ethos 17mm binokular ist einfach immer wieder der Hammer.
Ich könnte mich daran stundenlang verweilen und immer neue Sternkombinationen und Farben entdecken.
Alleine dieser Anblick ist eigentlich der Kauf des 150er APM und zwei Ethos 17mm wert
Viele interessante Objekte wie M13, die Bode Galaxien oder M51 waren mir gestern leider nicht zugänglich, da sie hinter dem Berg im Norden standen.
Bei den Planeten bin ich immer wieder mit verschiedenen Vergrößerungen hin und her gehüpft, weil das auffinden der Planeten selbst bei höchster Vergrößerung mit Starsense einfacher ist als immer wieder die Okulare zu wechseln und neu zu fokussieren.
Bisher empfand ich die 4,7mm und 3,5mm 110° Okulare immer so als "naja, man hat sie halt" aber einen wirklich Zugewinn hatte ich dadurch bisher nie.
Meist wurde das Bild bei diesen Vergrößerungen flau und dunkel.
Seit gestern weiss ich aber, es waren ausschließlich die Bedingungen, denn gestern waren die Planeten auch mit den 3,5mm bei 240x knackscharf.
Keinerlei Einbruch, was ich speziell an der Cassiniteilung sehen konnte, auch bei maximaler Vergrößerung wie ausgestanzt - der Wahnsinn.
Die beiden kurzen Okulare haben also durchaus ihre Berechtigung und dürfen im Koffer bleiben
Und ich kann jetzt auch endlich mit Sicherheit sagen, mehr "Planetenteleskop" als das 150er APM benötige ich nicht.
Einen so tollen Saturn und Jupiter wie gestern Nacht habe ich noch nie gesehen und ich vermisse da auch nichts an Ojektgröße im Okular.
Natürlich kommt da auch der virtuelle Vergrößerungsfaktor durch das binokulare Sehen von 1.2x zum Tragen, subjektiv beobachte ich ja mit 290x
Auch ist die Nachführgeschwindigkeit noch sehr angenehm und überhaupt nicht störend.
Knackscharfe Ringe, ausgestanzte Cassiniteilung und Wolkenbänder auf der Planetenscheibe habe ich so noch nie gesehen!
Saturn ist immer wieder ein absolutes Highlight und mein "erster Saturn" damals im vergammelten 100mm Newton vom Flohmarkt hatte mich ja fürs Hobby gefangengenommen...
Für Jupiter bräuchte man eigentlich einen Neutralfilter, er ist doch sehr hell und überstrahlt, was meiner Meinung nach den Kontrast mindert.
Die Wolkenbänder sind gut sichtbar, aber für meinen Geschmack fehlt es da an Kontrast.
Aber mit Jupiter tu ich mich ja schon immer schwer, die mich fürchterlich störenden Spikes am Dobson waren für mich ja mit ein entscheidender Faktor den Spiegeln dauerhaft Adieu zu sagen...
Die 4 Monde standen alle rechts aufgereiht vom Planeten und noch nie zuvor habe ich sie so klar, deutlich und groß als deutliche Scheiben wahrgenommen - ich war total begeistert!
Demnächst muss ich mir unbedingt mal einen Transit anschauen!
Ich muss auch gestehen, dass ich mich bisher noch nie mit Uranus und Neptun befasst habe.
Ich fand sie nicht sonderlich interessant und war zu faul, um per Starhopping nach ihnen zu suchen.
Gestern war also tatsächlich meine erste Begegnung mit den beiden
Zuerst nahm ich Uranus ins Visier, und als ich den grünen Punkt im Okular sah war ich baff - so hatte ich das nicht erwartet.
Natürlich ging ich auch hier bis zur Maximalvergrößerung und sah eine saubere, pale green disc.
Die selbe Begeisterung in Blau bei Neptun.
Auf jeden Fall werde ich die beiden zukünftig öfter besuchen
Und wenn ich schon beim Farbensehen war machte ich auch gleich noch einen Abstecher zu Albireo.
Erwartungsgemäß auch hier saubere und blitzblanke Farben.
Auf die beobachteten Messierobjekte gehe ich nicht weiter ein, es war gestern mehr oder weniger Zeitvertreib "ah ja, ist da" ohne tiefere Beobachtung.
Einzig den Ringnebel mag ich erwähnen, er stand in angenehmer Höhe und auch ihn habe ich bei verschiedenen Vergrößerungen bis 240x beobachtet, wobei dann doch schon langsam das Licht ausgeht

Die kurzbrennweitigen Okulare sind bei 150mm Öffung doch mehr für Mond und Planeten denn für PN geeignet...
M1 hätte ich mir gerne angesehen, dummerweise war da ein Baum davor
Ganz am Ende der Sitzung kam dann auch noch die schmale Mondsichel hinterm Berg hervor und natürlich habe ich ihr auch noch etwas Zeit gegönnt.
Da schmal und tiefstehend gab es keinerlei Blendung und der Kontrast war beeindruckend, insbesondere die Schattenwürfe durch das schräg einfallende Sonnenlicht ein Traum!
Der dunkle Bereich war deutlich abgegrenzt sichtbar und ich konnte dort sogar Strukturen erkennen, absolut beeindruckend!
Was mir noch aufgefallen ist:
Sowohl bei den Sterntests als auch bei den Planeten steht das Bild absolut still ohne zu wabern.
Ich habe das speziell bei Saturn an der Cassiniteilung als auch bei den Wolkenbändern von Jupiter beobachtet.
Wenn ich mich an Beobachtungen mit dem 12,5" Dobson zurückerinnere gab es so etwas auch bei besten Bedingungen nie.
Das Bild war immer mal blickweise perfekt um dann wieder zu degradieren.
Im APM steht es dauerhaft perfekt wie bei einer Fotografie.
Ich denke hier spielen die geringere Öffnung sowie die Seeingkompensation durch binokulares Beobachtung ihr Stärken perfekt aus.
Wenn es bisher noch Zweifel an der Entscheidung für das 150er APM gab oder die Frage, braucht man sowas wirklich? - Seit heute Nacht ist das alles endgültig geklärt

Ich kann mir kein Instrument vorstellen, das in allen Disziplinen so tolle Resultate zeigt, für mich ist es tatsächlich die eierlegende Wollmilchsau, die ich immer gesucht habe.
Für mich ist das auch kein Kompromiss, es gibt nichts wo ich denke, "da könnte aber mehr gehen"
Selbst die Kugelsternhaufen, die vom Licht in größeren Instrumenten immer profitiert haben, fand ich gestern wunderschön in Helligkeit und Auflösung, und wie gesagt, M13 konnte ich gar nicht sehen.
Klar, Größe und Gewicht des Glases sind definitiv ein Thema, aber gerade noch zu handeln, wenn die Wege nicht zu weit sind.
Und auch mein 12.5" Portaball war weder leichter noch handlicher, die beiden geben sich da nichts.
Auch den immer wieder mal aufkeimenden Gedanken an ein zusätzliches 120er Glas zur häufigeren Nutzung und besseren Transportabilität werde ich jetzt endgültig verwerfen.
Wenn schon, dann will ich das Maximum, ich würde sonst immer hadern "wie viel besser würde das jetzt im 150er aussehen" ...
Ich bin gegen 3 Uhr jedenfalls total zufrieden und müde ins Bett gefallen
Grüße Jochen