es ist angerichtet: APM 150mm 90° SD Bino

Beinahe elephantös...

Da traut man sich kaum noch, seinem 100er was zuzutrauen. Aber die Sache mit dem Starsense ist natürlich interessant, nur - wie verhält sich das mit der Dunkeladaption, wenn ich so ein Display relativ nah an meinen Okus habe?

antizyklopischer Gruß
Manfred
 
Hallo Manfred,

man kann das iPhone ja in den Rotmodus schalten, das hilft sehr viel.
Bisher war ich noch nie an einen wirklich dunklen Ort, mag sein, dass man dort auch auf jegliche Rotlichtquellen verzichten sollte.

Grüße Jochen
 
Ich besitze das 150er APM ja nun seit fast 1,5 Jahren
Sehr viel habe ich damit in der Zeit nicht beobachtet, was verschiedene Gründe hat :)

Einer davon war, dass mein alter Beobachtungsplatz im Garten einen zu kleinen Durchmesser hatte.
Stand das Glas in der Mitte kämpfte man entweder mit der Wand im Rücken oder man hangelte sich bei Dunkelheit am Abgrund entlang.
Das Glas mit Stativ je nach Beobachtungsrichtung umstellen löste das Problem zwar, war aber überaus lästig.

Obwohl das Glas mit Zubehör ja portabel ist habe ich von dieser Möglichkeit bisher genau einmal Gebrauch gemacht, und das war eine ziemliche Schlepperei.
Nicht nur die Gewichte, auch die Größe der Komponenten sind ein nicht zu unterschätzender Faktor, ein PKW ist damit gut gefüllt und auch in der Heckgarage des Wohnmobils ist dann nicht mehr sehr viel Platz.

Bis vor Kurzem spielte ich noch mit den Gedanken mir ein leichtes Carbonstativ mit Kurbelsäule zu kaufen, aber das hätte mir vieleicht 5 Minuten und 5 Kilo gespart, das macht nun auch nicht den entscheidenden Unterschied.

Nachdem mein neuer Beobachtungsplatz nun fertig ist, wunderbar funktioniert und die Wege dorthin nur 10 Meter betragen habe ich eine Entscheidung getroffen.
Ich werde das Glas zukünftig ausschliesslich im Garten benutzen und nicht mehr zu anderen, besseren Beobachtungsplätzen schleppen.
Mein Garten ist lichtteschnisch zwar nicht perfekt, einige Nachbarfenster sind immer erleuchtet, aber da ich in einem recht kleinen Dorf lebe das ringsherum von Bergen eingeschlossen ist und es auch keine Lichtglocke einer Stadt gibt, ist die Situation soo schlecht gar nicht.
Ich kann immer noch sehr regelmäßig die Milchstrasse mit bloßem Auge sehen.

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Klar, für besondere Situationen wie einen Kometen, der vom Garten unbeobachtbar ist würde ich das Ding auch wieder schleppen, aber sonst nicht.

Für Unterwegs und im Urlaub werde ich zukünftig ausschliesslich mit stabilisierten Handferngläsern arbeiten, deshalb habe ich mein Canon 15x50 auch gerade mit einem 10x42 und einem Zeiss 20x60S ergänzt.

Von der Bequemlichkeit geht einfach nichts über einen bequemen, verstellbaren Liegestuhl und ein stabilisiertes Fernglas :)

Natürlich habe ich auch über ein kleineres Bino mit Wechselokularen nachgedacht, 120, 100 oder 82mm aber das macht für mich einfach keinen Sinn.
Dann schleppe ich wieder ein Stativ, Fluidhead und Okularkoffer, die Leichtigkeit ist somit verloren.

Ich fühle mich mit dieser Entscheidung gerade richtig gut und habe das Gefühl nach vielen Irrungen und Wirrungen endlich angekommen zu sein.

Grüße Jochen
 
Hi Jochen,

Du hast ein ganz besonderes Setup, das als serienmäßiges Glas nicht zu toppen ist auf dieser Welt.

Wenn ich auch persönlich mit dem Herrn Ludes gar nicht zu Recht komme muss ich doch sagen,
baut er aber immer wieder fantastische Astrogeräte die jedem Amateurastronomen das Herz höher schlagen lassen.

Dein Setup ist schon vom reinen Ansehen aufregend und das Durchseherlebnis bekommt man dann noch dazu.

Wenn man so ein Setup hat und immer durchsehen kann wenn man will, ist es vielleicht nicht mehr so reizvoll
das jede Woche zutun, aber Du musst mit dem Glas ja keinen wissenschaftlichen Auftrag folgen.
Also musst Du es auch nicht, damit das Glas seine Berechtigung für Dich behält.
Das tut der ganzen Sache keinen Abbruch.

Aus Erfahrung weiß ich aber , wie man von ganz besonderen Seheindrücken ein Leben lang zerren kann und diese Szenen vor dem
geistigen Auge behält und nicht mehr vergisst da sie so intensiv waren, sie sind wie eingebrannt.
Damit kann man dann auch leichter Durchhängephasen überbrücken.

Daher würde ich Dir trotzdem empfehlen, einmal mit dem Setup zur Edelweissspitze zu fahren und mit dem Glas
im Rahmen eines Urlaubs zu beobachten. Meines Erachtens finden da auch Astro Treffen statt, zumindest früher
einmal.

Die dort gewonnenen Eindrücke an Nebeln und Galaxien - da bin ich mir ganz sicher, wirst Du für den Rest
Deines Lebens - betrachtet durch Dein 150er Glas - nicht mehr vergessen.

VG. Michael

P.S. Wie stellt sich das 20x60 im Vergleich mit Deinem Canon 15x50 mit Booster im Vergleich dar. Mit welchem
Glas siehst Du mehr Mondkrater?
 
Hallo Michael,

ja, solch eine Aktion möchte ich nicht grundsätzlich ausschliessen, aber ich hatte ja auch vor an dunklere Plätze hier in der näheren Umgebung zufahren.
Das werde ich nicht machen, zumal der Aufwand den marginalen Gewinn nicht rechtfertigt.

Die Alpen sind ein anderes Thema, wenn ich auch nicht denke dieses Monster jemals an meiner Traumlocation, dem Gornergrat nutzen zu können.
Aber ein Alpenpass mit dem Wohnmobil ist durchaus drin...

Ich habe das 20x60S erst seit gestern und konnte es bisher nur am Tag und ganz wenig am Mond mit dem Canon vergleichen.
Der erste Eindruck ist extrem gut, deutlich besser als ich erwartet hatte.

Der Stabi des Zeiss stabilisiert deutlich besser als der des Canon und das obwohl er 20x und nicht nur 15x in den Griff bekommen muss.
Beim Canon habe ich ja gerne noch ein Einbein genutzt, insbesondere mit den Boostern, das ist beim Zeiss nicht nötig, Ellbogen aufstützen reicht völlig und auch Freihand ist es schon extrem stabil.

20x ist nochmal ne ganz andere Hausnummer als 15x, am Mond sieht man deutlich mehr Details und auch am Tag in Bäumen, Dächern, Sendemasten etc. ist der Unterschied frappierend.

Das Bild im Zeiss ist aber etwas dunkler als im Canon, möglicherweise rührt dad von der kleineren AP her, ganz sicher bin ich da aber noch nicht.

Ein riesiger Unterschied ist auch der Einblick.
Beim Canon kämpfe ich immer mit kidney beaning und fummle ständig am Augenabstand um es zu optimieren.
Beim Zeiss ist der Einblick einfach nur fantastisch.

Auch der subjektive Bildeindruck ist ein anderer, beim Canon denkt man, Oha, das ist aber nett, beim Zeiss einfach nur WOW!

Mal sehen wir sich das entwickelt, insbesondere unter Sternen, viele Besitzer sagen ja das Zeiss glänzt am Tag und verliert in der Nacht etwas.

Bei Tag ist es aber auf jeden Fall der Oberhammer.
Flugzeuge oder Vögel im Flug habe ich so noch nie gesehen.

Ich schleiche um das Glas ja schon viele Jahre herum, ich hätte es mir schon viel früher gönnen sollen ...

Grüße Jochen
 
Hi Jochen,

glaube ich gerne, dass das Zeiss qualitativ noch einmal eine ganz andere Nummer ist als das Canon .
Aber für das Zeiss bin ich etwas zu schwächlich, das wiegt um 1,7 KG. Das Canon kann ich noch richtig gut
gen Mond und Planeten richten und ruhig halten inkl der Stabilisierung, aber schwerer dürfte es für
mich nicht sein.
Bei Naturbeobachtung ist es im horizontalen Bereich dann noch leichter ruhig zu halten, als wenn ich das Canon gen Himmel halte.
Je näher allerdings am Zenit ran, dann kann es auch schon mal etwas zittern.
Vertikal ist für mich wesentlich schwieriger als horizontal => überhaupt nicht schwierig.

VG. Michael

N.S. Ich weiß von einem der mit seinem C14 und großer Losmandymonti auf dem Gornergrat beobachtet und fotografiert hat im letzten Jahrtausend.
Ist mit einer Seilbahn hochgefahren und hat geschleppt und eine Menge Schnee geschaufelt für seinen Platz da oben, vergisst der auch nie im Leben.
 
habe gerade Mal nachgesehen... das Zeiss 20x60S kostet Mal eben das doppelte wie mein APM 120 SD. Das ist schon heftig.
Gratuliere Dir zu Deiner einmaligen Sammlung Jochen.
 
Hallo Willy,

ja, der Neupreis der Dinger ist völlig jenseits.
Bei meinem war noch die Originalrechnung dabei, 6900.- DM - 1992 !
Aber heutzutage findet man sie mit etwas Geduld in zu angemessenen Preisen ...

Grüße Jochen
 
Doch die Vergütung wurde im Laufe der Zeit verbessert.
Man muss dann halt entscheiden, ob die etwas bessere Transmission und Streulichtunempfndlichkeit es einem Wert ist 9000.- Euro anstatt 1700.- Euro zu bezahlen :)

Trotz der antiquierten Vergütung vernascht das alte Zeiss das moderne Canon zum Frühstück...
Am Mondrand zeigt das Canon Farbsäume, das Zeiss ist da trotz höherer Vergrößerung und mehr Öffnung völlig clean.

Tja Rolf, da sind wir wieder in der selben Diskussion wie mit dem Vinten Fluidhead.
Anstatt zu theoretisieren bin ich lieber ein Praktiker, benutze das Zeug und sage WOW!

Grüße Jochen
 
Hallo Rolf,

sehr gerne :)
Die eigentliche Nutzung des APM wird jetzt erst beginnen, weil ich erst jetzt die Voraussetzungen (Beobachtungsplatz) dafür geschaffen habe.
Das Zeiss werde ich regelmäßig vom Campingplatz aus nutzen, an dem es nochmal deutlich dunkler ist als in meinem Garten.

Die letzte Nacht war ziemlich gut, ab 1 Uhr war die Milchstrasse mit bloßem Auge gut sichtbar und ich habe mal einige Objekte mit dem APM, Canon und Zeiss angeschaut.

Das APM ist einfach nur der Hammer!
Ich habe es jetzt 100% genau ausgerichtet und den Fluidhead perfekt justiert, man dirigiert das Glas mit der Nase dahin wo man es haben will und es steht sofort still.
An Saturn, ich denke der beste Saturn, den ich je gesehen habe, ging ich bis 240x und es wackelt nichts, kein Nachschwingen - ich bin restlos begeistert!
Mit dem 17er Ethos durch die Milchstrasse wandern ist unglaublich, man ertrinkt förmlich in einem Meer aus feinsten Sternpunkten.

Ich habe gestern alle Okularpaare im Einsatz gehabt, an Mond und Saturn bis zum 3.5mm
Ich bin von den 100° respektive 110° nach wie vor begeistert.
Die Bildschärfe geht bis zum Rand und durch die abgedrehten Enden kann ich praktisch immer das komplette Feld sehen.
Es ist wirkliches Eintauchen in den Raum und ich mag das extrem!

Natürlich war ich auch bei meinem Liebling, dem Doppelcluster - WOW
Und ich habe natürlich M13 besucht, den ich in meiner Erinnerung mit dem Doppel C8 und Doppel C11 so unglaublich gut gesehen hatte.
Ich stellte mich auf eine Enttäuschung ein, aber weit gefehlt.
Vielleicht nicht ganz so hell wie mit den großen Spiegeln, aber das macht die Qualität der Optik meiner Meinung nach mehr als wett, er wirkt wie ein Haufen funkelnder Diamanten.

Canon und Zeiss sind doch unterschiedlicher als erwartet.
Am Mond punktet das Zeiss mit der höheren Vergrößerung und bei Saturn sieht man die schwarzen Flecken zwischen Planet und Ringen, wo das Canon nur einen in die breite gezogenen Stern zeigt.
Das Zeiss is merklich dunkler als das Canon, was man in der Milchstrasse und an Doppelcluster sieht, die unterschiedlich großen Austrittspupillen merkt man deutlich.
Dafür punktet das Zeiss klar an M13 und M31

Erstaunlich auch wie viel 3° zu 3,7° am Himmel in Sachen Suchen und Orientierung ausmachen.

Am Ende kann ich nur den abgedroschenen Satz "Jedes Fernglas hat seinen Himmel" zitieren, denn tatsächlich hat jedes Instrument seine ganz speziellen Vorzüge und Nachteile.
Man muss sich halt darauf einlassen um jedes Glas unter den gegebenen Bedingungen geniessen zu können.
Die Eindrücke der letzen Nacht bestärken mich in meiner Entscheidung und ich denke, ich habe nun wirklich den richtigen Weg eingeschlagen.

Gestern habe ich den Transportkoffer des APM auf den Speicher gewuchtet, der wiegt alleine schon 15 Kilo ...

Grüße Jochen
 
Zuletzt bearbeitet:
Schön dass es kurzfristig eine Beobachtungsgelegenheit für Vergleiche und allgemeines Spechteln gab.
Die Auswahl an Instrumenten und deren Leistung wie du sie beschreibst, ist in etwa so wie ich es erwartet bzw. 'befürchtet' habe.
Wenn das 20x60S seine Stärke am Tag und bei hellen Objekten am Nachthimmel hat, das Canon aber eine "reichhaltigere" Milchstraße zeigt, würdest du dann dennoch am dunklen Campingplatz bevorzugt das ZEISS mitführen? Ist dieser Campingplatz für dich zu Fuß erreichbar und nimmst du den Campingstuhl im Rucksack mit, oder ist der Ort nur mit dem Auto vernünftig erreichbar für dich?
Dein Eindruck und Vergleich in den kommenden Wochen/Monaten wäre interessant.
 
Hallo Markus,

auf dem Campingplatz steht aktuell dauerhaft unser Wohnmobil, Liegestühle sind also vorhanden :)
Ich werde das Zeiss und die beiden Canons mitnehmen, das ist dann eben Fernglaswechsel analog dem Okularwechsel am APM :)

Letztes Wochenende war ich dort, hatte aber kein "großes" Glas dabei, nur das Leica Ultravid 8x20
Aber auch das zeigt dort schon erstaunlich viel, M31 sieht man an diesem Standort mit bloßem Auge...

Ich nutze die Handferngläser sehr gerne auch am Tag.
Das 15x50 ist dabei das "uninteressanteste", weil für die Distanz zu wenig Vergrößerung und für die Nähe (Insekten) ein zu großer Mindestabstand.
Für den Nahbereich ist das 10x42 perfekt, genau dafür habe ich es nach dem Verkauf vor einigen Jahren auch so vermisst und deshalb nun wieder beschafft.
Damit Kleingetier im Garten zu beobachten ist wirklich toll!
Das Zeiss ist für fliegende Vögel unglaublich gut, wir haben hier viele verschiedene Raubvögel und auch Störche, die am Himmel kreisen.
Aber selbst schnell fliegende Vögel lassen sich damit erstaunlich gut verfolgen.
Auch Flugzeuge sind ein lohnendes Ziel.

PS. Noch ein Nutzertipp für eventuelle Zeiss Besitzer, den ich auch gerade erst von einem Sternfreund und Zeiss 20x60S Eigner bekommen habe:
Man nutzt das Zeiss am Besten auf dem Kopf, dann drückt es durch sein Eigengewicht mit dem Daumen die Stabi Taste praktisch von selbst.
Das ist viel angenehmer und entspannter als die Taste bei richtig herum gehaltenen Glas mit dem Finger aktiv zu drücken.

Und ja, allen Unkenrufen zum Trotz funktioniert das Zeiss in jeder Lage und in jedem Winkel :)

Vielleicht noch etwas zu Randschärfe.
Zeiss und Canon haben ja beide 60° Eigengesichtsfeld.
Das Canon ist knackscharf bis zum Rand.
Beim Zeiss bemerkt man am äußersten Rand ein nachlassen der Schärfe, aber nur wenn man explizit danach sucht, und ich bin wirklich ein Randschärfefanatiker, dem ein unscharfer Rand an einem Fernglas die Freude nehmen kann.
Insbesondere den Mond habe ich gestern auch am Rand platziert um es zu untersuchen, ja, man kann es dann sehen.
Bei Sternfeldern (Doppelclustern) ist es mir aber gar nicht aufgefallen, da habe ich aber vergessen mal Sterne wirklich am Rand zu platzieren.
Das werde ich noch nachholen, aber die Randschärfe ist bei diesem Glas wirklich kein Thema.

Grüße Jochen
 
Zuletzt bearbeitet:
Man nutzt das Zeiss am Besten auf dem Kopf, dann drückt es durch sein Eigengewicht mit dem Daumen die Stabi Taste praktisch von selbst.
Yep, das hatte ich dich auch noch fragen wollen, dachte mir andererseits dass du den Tipp bestimmt schon gehört/gelesen hast.
Habe das mal vor Jahren irgendwo gelesen und auch beim 16x42OIS angewandt, auch wenn mein Schalter dort bleibt wo man ihn hinstellt.

Und dass es in jedem Winkel funktioniert, sollte eigentlich allen klar sein, schließlich wird es auch auf der ISS benutzt. Bekanntlich gibt es dort keine signifikante Schwerkraft mit Oben und Unten :-)
 
Wenn ich auch persönlich mit dem Herrn Ludes gar nicht zu Recht komme...
Natürlich nicht. Und außerdem erscheint es schier unglaublich, dass ein APM-Fernglas bei 240x brauchbare Bilder am Planeten liefert, aber gut: ich habe nicht durchgeguckt.
...ich denke der beste Saturn, den ich je gesehen habe...
Das macht schon nachdenklich, wenn ich bedenke, was ich mit einem guten C11 und einem guten 150er Apo dort schon gesehen habe.
 
Liebe Forumsgemeinde

Seit einigen Wochen ist das Glas bei mir angekommen, und ich konnte es zusammen mit meiner bereits hier vorgestellten Montierung ausprobieren. Die Montierung ist für stationäre Aufstellung in meiner zukünftigen Gartensternwarte gedacht (man sieht links die noch mit Ziegelsteinen beschwerten Trapezbleche des geplanten Rolldachs), eine mobile Lösung mit APM-Gabel und Belebach K70 ist dennoch zusätzlich geplant. Die Voralpen sind von hier aus nicht weit, und trotz gutem Landhimmel (SQM ca. 21) bei uns sind die Standorte 1000m höher unter stockfinsterem Himmel einfach noch etwas anderes. Auch Zermatt ist als Tagesausflug gut zu machen, und eine Nacht auf dem Gornergrat oder auf dem Klein Matterhorn (3800m) wäre natürlich der Traum.

Um die Zentralfeder des Vinten-Kopfs nicht bis zum Anschlag vorspannen zu müssen, habe ich als Lösung eine Gegengewichtsanlage vorgezogen. Die Instrumentenplattform ist überdies beidseitig mit Aufnahmen für weitere Instrumente vorgerüstet, und dank des Fluidkopfes lässt sich die ausbalancierte Instrumenteneinheit butterweich in alle Positionen bewegen.

Das Glas ist in seiner Kernkompetenz (grosse Felder, flächige Objekte) grandios. Ein Blick auf die Plejaden (mit hunderten von schwächsten Hintergrundsternen und einem Hauch der Nebel) oder in den Orionnebel mit unzähligen Strukturen und Filamenten ein absoluter Genuss. In Bezug auf das Fujinon 25x150 hat Martin Birkmaier seinerzeit in seinem nach wie vor lesenswerten Katalog von der "Maximallösung für lichtschwache grossflächige Strukturen" geschrieben. Dem ist wenig hinzuzufügen, und genau dafür habe ich das Glas gekauft. Unübertroffen ist auch die Möglichkeit, mit so viel Optik den Himmel seitenrichtig und aufrecht auf der Basis des Deep Sky Atlas detailliert kennenzulernen.

Mit dem APM hat man einen quasi apochromatischen Doppelrefraktor mit der Möglichkeit höhere Vergrösserungen zu gebrauchen. Ohne mich zu diesem Thema als Experte zu fühlen: ich konnte bisher keinerlei Farbsäume feststellen, die Sterne sind bis zum Gesichtsfeldrand nadelpunktförmig. Mit der beidäugigen Beobachtung kommt jedoch ein Faktor ins Spiel, der für mich unvorhergesehen war: die Fähigkeit der Augen (mit darin "schwimmenden" Kontaktlinsen), die Bilder mit entspanntem achsparallelem Sehen stets zur Deckung zu bringen. Bei Vergrößerungen zwischen 60x und 100x hatte ich des öfteren Doppelbilder, die mich sogar dazu brachten, bei APM einen Termin zur Nachkollimation zu vereinbaren. Erst ausführlichere Tests mit perfekt austemperiertem Glas und der nötigen Zeit und Ruhe zeigten mir, dass auch bei höheren Vergrösserungen tadellose deckungsgleiche Bilder möglich sind und die Sache offenkundig nicht am Glas liegt. Seeing-bedingt erinnerten mich die Planetenbilder an die Leistung meines 10" SCT, unter Alpenhimmel bei ruhiger Luft liegt sicher noch wesentlich mehr drin.

Als "Universalinstrument" würde ich das Glas dennoch nicht betrachten. Für Strukturen in Spiralnebeln (wie ich sie unvergesslich kürzlich bei M51 im 28-Zöller von Tim Klose sah) ist ein grosser Dobson durch nichts zu ersetzen. Dafür habe ich parallel einen 20-Zöller. Ein Urteil über Vergrösserungen über 100x bei bestem Seeing kann ich im Moment leider noch nicht abgeben. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt. Für die oben genannten Zwecke, für die ich das Glas hauptsächlich angeschafft habe, bin ich äusserst zufrieden und werde hoffentlich noch viele Stunden damit den Himmel durchmustern.

Mit herzlichen Grüssen aus dem Schweizer Seeland
Georg


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Die Säule gehört zu einem schwedischen Zeichenapparat von Nike-Eskilstuna und wurde mir von einer Nachbarin geschenkt: 50-jährige Technik, bleischwer, unzerstörbar (auf eBay leider selten und meist teuer) ... Sie gehört natürlich auf festen Untergrund, im Moment ist das alles noch provisorisch auf Rollen. Die Idee mit dem Vinten-Kopf stammt aus diesem Thread, und Instrumentenplattform, Handgriffe und Gegengewichtsanlage (z.T. noch nicht sauber fertiggestellt) sind selbst gebaut. Ich habe allerdings ganz nah eine Firma, die mir Laserteile nach Zeichnung herstellen kann. Schweissarbeiten in Chromstahl mache ich selbst. Die Gegengewichte (aus verschweissten Abfallscheiben ...) sind teilweise noch nicht abgedreht und versäubert.
Liebe Grüsse
Georg
 
Moin,

das kann man anschauen, holla. Sieht sauber gearbeitet aus und die Idee mit dem Gegengewichtsmechanismus ist nachzuvollziehen. Dann wünsche ich Gutes Gelingen!

CS
Jörg
 
eine super Kombi hast Du da, gratuliere.
Ich habe mir kürzlich auch einen Vinten V30 bei eBay aus England für mein APM 120er Bino geschossen. Die APM-Gabel ist zu filigran für Vergrößerungen über 100. Später möchte ich einen 175mm Refraktor auf dem Fluidkopf benutzen.
 
Herzlichen Dank für die ermutigenden Kommentare :)
Ein 175mm Refraktor ... das klingt natürlich toll! Ich bin sehr gespannt darauf, das 150er Glas einmal direkt mit einem exzellenten APO ähnlicher Grösse zu vergleichen. Hast Du, Willy, die APM Gabel "Big" getestet, reagiert sie in Deinen Augen zu flexibel bei starken Vergrösserungen? Jeder kennt ja noch das leidige Schwingen der älteren Meade- und Celestron-Gabeln.
Der Vinten-Kopf ist wirklich toll (sofern in gutem Zustand), und wenn man den Systemschwerpunkt so nah wie möglich zum Höhendrehpunkt bringt (wie bei Jochen), dann geht das natürlich auch mit der internen Vorspannung ganz gut. Dank der Gegengewichte muss ich die Feder fast gar nicht vorspannen, wobei mir wohler ist angesichts der Perioden von Nichtbenutzung ...
Allen einen wunderschönen Sonntag!
Georg
 
ich habe dir mein 120er die passende Gabel (nicht die Big). Ich weiß auch nicht wie viel Anteil das Stativ am Zittern hat. Das Zittern ist jedenfalls so stark, das bei der geringsten Berührung ab etwa 100x 4-5 Sekunden gewartet werden muss bis die Sache ausschwingt. So ist Fokussieren schwer möglich und das macht auf Dauer keinen Spaß.
 
Da spielt die schwere Säulenmontierung natürlich ihre Vorteile aus ... da zittert gar nichts, man kann sich beinahe am Glas "festhalten" :saturn::y::)
 
Guten Abend
Wie weiter oben bereits angedeutet habe ich für den mobilen Einsatz meines 150/90 noch das Berlebach Planet K70 und die APM-Gabel "big" beschafft. Das Stativ kam direkt vom Hersteller, wo man auch Modifikationen wie die schwarze Lackierung oder die doppelten Klemmschellen bestellen kann. Über die Qualität der beiden Komponenten kann ich nur Bestes berichten, bis ins letzte Detail erstklassig verarbeitet, super durchdacht und absolut bombenstabil. Sicherheitshalber habe ich mich vor dem Kauf noch bei APM erkundigt, und Herr Ludes schrieb zurück, dass diese Kombi für das Glas von ihm empfohlen und auch oft verkauft wird. Ich kann mich dieser Empfehlung uneingeschränkt anschliessen. Stabilität und "smoothness" der Bewegungen in beiden Achsen lassen keine Wünsche offen.
Mit lieben Grüssen
Georg

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