Janice
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Endlich, ja endlich Gewissheit! - Der wolkenlose Himmel, welcher sich den ganzen Tag schon angekündigt hatte, gab seine ersten glitzernden Schätze preis. Etwas Fernlicht war am Horizont über den Scheunendächern auszumachen - einem zarten Nebel gleich stieg es aus den Städten und Dörfern empor. Auch fand etwas Licht einer Straßenlaterne durch den Irrgarten an Hauswänden, Sträuchern und Hecken seinen Weg zum Objektiv. Eine Straßenlaterne, die ob ihrer grotesken Erscheinung sowieso viel eher in eine Gasse Londons oder Paris's im 19Jh. passen und mir dort wenigstens nicht die Sicht einschränken würde. Und da war noch der Mond, der hinter meinem Rücken seine Spielchen trieb.
Nun ... also Bedingungen, die eigentlich ja gar nicht mal soooo schlecht sind und mit meinem Hang zur Dramatik auch bestimmt auf 50% Einfluss zu reduzieren sind
Das Teleskop bewegte sich mit der Fingerspitze am Zenitspiegel in Richtung Gamma Cygni (Sadir) - dank des 36mm Okulars mit 72° Gesichtsfeld war dieser sofort - auch ohne Telrad - im Fokus. Ich hatte da doch gestern tatsächlich Messier 29 entdeckt - den Cooling Tower also Kühlturm. Angeblich, so munkelt man im Internet, sei er ja ein soooo langweiliger und unscheinbarer Sternhaufen, dass er wohl eher selten ins Objektiv zu finden scheint. Nun, mir fiel er sofort auf und um so glücklicher (das ist etwa wie beim Pilzesuchen
) war ich, dass es tatsächlich ein Sternenhaufen sein sollte, was ich da gefunden hatte.
Und heute? "Heute", das "heute" ja schon zum "gestern" wird - womit sich oben erwähntes "gestern" also zum "vorgestern" relativiert :augenrubbel: ... heute hatte ich ihn bewusst aufgesucht. Bewaffnet mit Unmengen an gefährlichem Halbwissen aus dem Internet, einer Flasche besonders koffeinhaltiger Fritz-Cola und einem Teleskop, dass bei Nacht auch vielmehr an ein altes -aber mit Carbon getuntes- Flak-Geschütz erinnerte. Pimp my Flak, quasi ... ähmmm, aber Spaß beiseite und weiter mit dem Bericht:
Also, meine Katze zu Füßen und M29 im Fokus, zückte ich die winzige Rotlichtlampe, schaltete sich in den Lippen und Zahn Betrieb, griff zu Bleistift und Papier und begann zu zeichnen. Zugegeben, auch als Tochter einer Kunstlehrerin nicht unbedingt meine Paradedisziplin. Aber ich zeichnetet und schaute und zeichnete und schaute. Immer auf der Suche nach dem dunkelsten Stern, den ich gerade noch auszumachen vermochte. Ich führe nämlich ein Max-Mag-Tagebuch - immer auf der Suche nach einem Stern, der den bisherigen Rekordhalter mit etwas über mag 12 ablösen könnte. Aber dazu würde der Himmel sicher nicht taugen - was ich einfach mal annahm.
Das Bild war einfach Klasse. Der Schwan ist zur Zeit hier im dunkelsten Bereich des Himmel und offenbart auch bei moderaten Sichtbedingungen eine schiere Unmenge an Sternen. Ich liebe es einfach mit dem Weitwinkel-Okular in diesem Bereich zu wandern.
Vielleicht sollte ich einfach das Bild hochladen, oder? Bevor ich noch mehr erzähle. Alsoooooo ... das Bild wurde in Photoshop mit viel gutem Willen gestreckt und gestaucht. Und zwar solange, bis es sich mit dem Screenshot meiner Astro-Software deckte. Dann einfach die Sterne identifiziert und meine Bleistiftpunkte komplett gephotoshopt:
Link zur Grafik: http://www.zavx.com/m29.jpg
Die Sichtgrenze lag also in diesem Bereich bei etwa Mag 10,9. Ich nehme einmal an, dass das für diese Öffnung und bei solch' hellem Mondlicht zu erwarten war.
Im Minutentakt kreuzten Satelliten durchs Bild und spätestens als ich begann diese zu verfolgen - was mit einer azimutalen Montierung und so einem Okular natürlich besonderen Spaß macht ... spätestens also zu diesem Zeitpunkt beschloss ich noch einen Abstecher in Richtung Kassiopeia zu machen. Es wurde schon recht kalt und auch der Bereich am Himmel war doch stark vom Mondlicht überblendet, aber ... aber ich musste einfach noch einmal nachschauen, ob sich H und CHI Persei nicht doch schon gegenseitig aufgefressen haben. Und ich wurde belohnt! Das erste mal, dass ich die beiden Geschwister im neuen Okular bestaunen durfte - und trotz widriger Verhältnisse einfach ein Genuss. Natürlich kein Wow, eines 12" Dobsoianers ... vielmehr ein "Achhhhhhhhh" einer verzückten 4" Zeissianerin.
Deep-sky und 4" ist ein Scherz? Nein, dem mag ich einfach widersprechen. Für mich ist dieser Doppelhaufen eben das Paradebeispiel, was mit einer so kleinen Öffnung und einem guten Objektiv möglich ist. Keine Wunder, klar!
Völlig durchgefroren beendete ich die Nacht mit gewohntem Schwenk zu Mond und Jupiter. Das Okular wechselte ich dabei allerdings nicht mehr. Womit ich lediglich bestätigen kann, dass Jupiter mitsamt seiner Monde und Wolkenbänder nach wie vor die gleichen, langweiligen Bahnen beschreibt. Aber am Mond selbst natürlich das gewohnte Bild: Unglaublich scharfe und kontrastreiche Abbildung - man mag einfach gern die Finger nach ihm ausstrecken! Ich könnte - trotz minimaler Vergrößerung - stundenlang diesem Himmelskörper folgen. Könnte zeichnen oder einfach nur staunen. Vielleicht bin ich leicht zu beeindrucken ... und habe vielleicht auch einen Hang zur Sentimentalität ... aber was bleibt ist dieses unglaubliche "Achhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh", dass zwischen dem Zirpen der Grillen durch die Nacht verklingt.
Also - mit warmen Herzen und eiskalten Händen klappte ich das Stativ zusammen, trug alles ins Haus und wärmte mich am Prozessor meines Notebooks auf, während ich die Zeichnungen auswertete. Nun bin ich sicher die nächsten Wochen krank und muss von diesen Bildern zehren
LG
Janice
Nun ... also Bedingungen, die eigentlich ja gar nicht mal soooo schlecht sind und mit meinem Hang zur Dramatik auch bestimmt auf 50% Einfluss zu reduzieren sind
Das Teleskop bewegte sich mit der Fingerspitze am Zenitspiegel in Richtung Gamma Cygni (Sadir) - dank des 36mm Okulars mit 72° Gesichtsfeld war dieser sofort - auch ohne Telrad - im Fokus. Ich hatte da doch gestern tatsächlich Messier 29 entdeckt - den Cooling Tower also Kühlturm. Angeblich, so munkelt man im Internet, sei er ja ein soooo langweiliger und unscheinbarer Sternhaufen, dass er wohl eher selten ins Objektiv zu finden scheint. Nun, mir fiel er sofort auf und um so glücklicher (das ist etwa wie beim Pilzesuchen
Und heute? "Heute", das "heute" ja schon zum "gestern" wird - womit sich oben erwähntes "gestern" also zum "vorgestern" relativiert :augenrubbel: ... heute hatte ich ihn bewusst aufgesucht. Bewaffnet mit Unmengen an gefährlichem Halbwissen aus dem Internet, einer Flasche besonders koffeinhaltiger Fritz-Cola und einem Teleskop, dass bei Nacht auch vielmehr an ein altes -aber mit Carbon getuntes- Flak-Geschütz erinnerte. Pimp my Flak, quasi ... ähmmm, aber Spaß beiseite und weiter mit dem Bericht:
Also, meine Katze zu Füßen und M29 im Fokus, zückte ich die winzige Rotlichtlampe, schaltete sich in den Lippen und Zahn Betrieb, griff zu Bleistift und Papier und begann zu zeichnen. Zugegeben, auch als Tochter einer Kunstlehrerin nicht unbedingt meine Paradedisziplin. Aber ich zeichnetet und schaute und zeichnete und schaute. Immer auf der Suche nach dem dunkelsten Stern, den ich gerade noch auszumachen vermochte. Ich führe nämlich ein Max-Mag-Tagebuch - immer auf der Suche nach einem Stern, der den bisherigen Rekordhalter mit etwas über mag 12 ablösen könnte. Aber dazu würde der Himmel sicher nicht taugen - was ich einfach mal annahm.
Das Bild war einfach Klasse. Der Schwan ist zur Zeit hier im dunkelsten Bereich des Himmel und offenbart auch bei moderaten Sichtbedingungen eine schiere Unmenge an Sternen. Ich liebe es einfach mit dem Weitwinkel-Okular in diesem Bereich zu wandern.
Vielleicht sollte ich einfach das Bild hochladen, oder? Bevor ich noch mehr erzähle. Alsoooooo ... das Bild wurde in Photoshop mit viel gutem Willen gestreckt und gestaucht. Und zwar solange, bis es sich mit dem Screenshot meiner Astro-Software deckte. Dann einfach die Sterne identifiziert und meine Bleistiftpunkte komplett gephotoshopt:
Link zur Grafik: http://www.zavx.com/m29.jpg
Die Sichtgrenze lag also in diesem Bereich bei etwa Mag 10,9. Ich nehme einmal an, dass das für diese Öffnung und bei solch' hellem Mondlicht zu erwarten war.
Im Minutentakt kreuzten Satelliten durchs Bild und spätestens als ich begann diese zu verfolgen - was mit einer azimutalen Montierung und so einem Okular natürlich besonderen Spaß macht ... spätestens also zu diesem Zeitpunkt beschloss ich noch einen Abstecher in Richtung Kassiopeia zu machen. Es wurde schon recht kalt und auch der Bereich am Himmel war doch stark vom Mondlicht überblendet, aber ... aber ich musste einfach noch einmal nachschauen, ob sich H und CHI Persei nicht doch schon gegenseitig aufgefressen haben. Und ich wurde belohnt! Das erste mal, dass ich die beiden Geschwister im neuen Okular bestaunen durfte - und trotz widriger Verhältnisse einfach ein Genuss. Natürlich kein Wow, eines 12" Dobsoianers ... vielmehr ein "Achhhhhhhhh" einer verzückten 4" Zeissianerin.
Deep-sky und 4" ist ein Scherz? Nein, dem mag ich einfach widersprechen. Für mich ist dieser Doppelhaufen eben das Paradebeispiel, was mit einer so kleinen Öffnung und einem guten Objektiv möglich ist. Keine Wunder, klar!
Völlig durchgefroren beendete ich die Nacht mit gewohntem Schwenk zu Mond und Jupiter. Das Okular wechselte ich dabei allerdings nicht mehr. Womit ich lediglich bestätigen kann, dass Jupiter mitsamt seiner Monde und Wolkenbänder nach wie vor die gleichen, langweiligen Bahnen beschreibt. Aber am Mond selbst natürlich das gewohnte Bild: Unglaublich scharfe und kontrastreiche Abbildung - man mag einfach gern die Finger nach ihm ausstrecken! Ich könnte - trotz minimaler Vergrößerung - stundenlang diesem Himmelskörper folgen. Könnte zeichnen oder einfach nur staunen. Vielleicht bin ich leicht zu beeindrucken ... und habe vielleicht auch einen Hang zur Sentimentalität ... aber was bleibt ist dieses unglaubliche "Achhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh", dass zwischen dem Zirpen der Grillen durch die Nacht verklingt.
Also - mit warmen Herzen und eiskalten Händen klappte ich das Stativ zusammen, trug alles ins Haus und wärmte mich am Prozessor meines Notebooks auf, während ich die Zeichnungen auswertete. Nun bin ich sicher die nächsten Wochen krank und muss von diesen Bildern zehren
LG
Janice
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