Christopher, was ich nicht ganz verstehe, ist die Aussage, dass das Öffnungsverhältnis des APM 100 viel zu langsam wäre. Auf CN berichten viele Leute, kleine Refraktoren mit 80-120mm Öffnung und f/4.5 bis f5.5 gerne und mit Erfolg zu nutzen. So wie ich das verstanden habe, auch nicht unbedingt mit einem 55mm Plössl (was bei 1.25" ja auch nicht gehen würde). Oder übersehe ich hier etwas? Geht es um den Kontrast bei zu großem Öffnungsverhältnis? So verstehe ich den Beitrag von Uwe.
Lieber Sven,
ich gliedere mein Antwort mal in Objektkategorien:
wie Eike schrieb ist es recht beeindruckend, wie
Kugelsternhaufen gezeigt und aufgelöst werden, besonders wenn man vorher mit ihnen mit normalen Mitteln gerungen hat. Wenn ich mein NSG in den 100/800 Refraktor stecke erreiche ich eine Tiefe und Auflösung an KS welche jener mit normalen Mitteln am C11 recht ähnlich ist. Das braucht kein schnelles Gerät. Ich empfinde F8 als günstig weil ich damit auch eine gewisse Vergrößerung habe. Aber auch bei 15x am 71/400 Refraktor (handgehalten!) ist es sehr beeindruckend, wie die KS im Ophiuchus einen regelrecht anspringen.
Es gibt auch
offene Sternhaufen die sehr profitieren. Aber ihre Zahl ist gering. Wirklich dramatisch fand ich's bisher nur am DNA Cluster NGC 6802 in Vulpecula. Ich denke heute noch, Jahre nach der Beobachtung, gerne an eine Sichtung bei 15x am 71/400 Refraktor handgehalten im Liegestuhl: der Haufen länglich, die Position der Hauptachse eindeutig, erste Mitglieder blickweise hervortretend. Das unter Vorstadthimmel! Solche Dinge sind besonders beeindruckend wenn man, wie ich, jahrelang vorher an den Objekten mit normalen Mitteln herumgenagt hat.
Auch
Sternwolken und die verbundenen (eigentlich in der Regel vor ihnen liegenden)
Dunkelnebel können ohne Filter dramatisch profitieren, gerade bei geringer Vergrößerung, in meiner Erfahrung zwischen 3x und 9x. Unter Vorstadthimmel ist es atemberaubend, bei 5x zu sehen wie die Dunkelnebel sich vor der grossen Sagittariuswolke winden (nicht mit der kleinen Sag.wolke M24 zu verwechseln). Unter gutem Landhimmel ist es erstaunlich, welche Sternwolken sich nördlich von Scutum tummeln.
Was
Galaxien betrifft habe ich in diesem Frühling den Virgo-Galaxienhaufen intensiv mit einem 150/750, also F5, mit und ohne NSG durchforstet. Ich fand nur wenige Galaxien die vom NSG mit meinem System profitierten. Aber wenn sie's tun ist das schon spannend.
Wenn es aber um
galaktische Emissionsnebel geht (
H-Alpha Objekte genannt, in Wirklichkeit können NII, SII und OIII durchaus auch eine Rolle bei der NSG-Beobachtung spielen), wird's - um nun auf Deine Frage einzugehen - mit zunehmend langsamem Öffnungsverhältnis zunehmend flau. Bei F6 kann man durchaus mit und auch ohne Filter den Hantelnebel mit Gewinn anschauen. Doch die Liste der gewinnbringenden Nebel ist bei F6 kurz. Es handelt sich um bekannte Paradeobjekte, die mit "nur-Glas" in der Regel interessanter sind. Wie Uwe sagt, wird's ab F3,5 richtig interessant, und je schneller das Öffnungsverhältnis desto besser.
Das stativgebundene System an dem ich nach viel Experimentieren für galaktische Nebel gelandet bin habe ich in #101 ausführlich beschrieben. Warum kein Newton? Ich bin halt kein Newton-Typ. Wobei ich das NSG schon gerne mal in ein Takahashi Epsilon stecken würde. Und ich finde es absolut wunderbar, was es auf Teleskoptreffen in einem schnellen, großen Newton um F3 herum zeigt. Danke an Kai auf dem HTT, und Reiner auf dem HuTT!
Handgehalten wechsle ich laufend zwischen 3x, 5x und 9x indem ich das Objektiv wechsle. C-Mount macht's möglich. Diese Vergrößerungssprünge machen eine Menge aus. 2x setze ich gelegentlich ein. Ich habe mit 1x angefangen und fand das toll, stellte aber schnell fest, dass der Sprung zu 2x viel Gewinn bringt, der Sprung zu 3x noch mehr. Hier sind die Öffnungsverhältnisse in einem guten Bereich. Bei 2x F1,3, bei 3x F1,4, bei 5x F2, das geht richtig tief in die Nebel rein.
Mein 9x handgehaltenes System arbeitet mit F3,4. Das ist an Emissionsnebel schon interessant, aber da stelle ich lieber das 6-zöllige Teleskop mit F3,3 auf ein Stativ, denn es hat praktisch das selbe Öffnungsverhältnis und 17x zeigt doch mehr, hinzu kommt die Bildruhe auf Stativ.
Die Filterwahl zu optimieren macht m.E. eine Menge aus. Die Fragen, die sich hier stellen, sind noch komplexer als bei der "normalen" Beobachtung mit UHC/OIII/H-Beta/Blaufilter. Sie haben u.a. damit zu tun, ob der Filter vor'm Objektiv sitzt oder zwischen Objektiv und Sensor, welcher Winkel am Himmel überblickt wirrd und welches Öffnungsverhältnis der Fillter abbekommt. Bevor ich mir die Finger dazu wund schreibe lade ich Dich herzlich ein, mich in 64342 Seeheim zu besuchen. Dann babble ich Dir die Ohren voll, zeige Dir die Filter und die handgehaltenen Optionen - und wenn es nachts und klar ist gerne mit Vorführung handgehalten sowie am Teleskop.
Ich habe auch vor, diese Dinge zum HuTT 2026 im Hunsrück mitzubringen. Heuer habe ich eine "H-Alpha Liege" dort veranstaltet. Das war handgehalten im Liegestuhl bei 3x. Nächtes Jahr will ich die Möglichkeiten mit etwas mehr Vergrößerung am Teleskop vorführen. Ist nur noch zehn/elf Monate hin ...
Gruß, Christopher