Ein paar
Gedanken zur passiven Stabilisierung des Zeiss 20x60S ...
Ausgehend von den beschriebenen Problemen bei größeren Beobachtungswinkeln (z.B. im Zenitbereich), möchte ich eine wichtige Komponent als möglichen Verursacher vorstellen.
Die Funktionsweise der Stabilisierung wird ausführlich in den Patentschriften, komprimiert in Dirk Dobermans Buch "Stabilisierung der Bildlage abbildender optischer Systeme" erklärt.
Hiernach wird ein Stabilisatorrahmen (Wippe), an dessen einem Ende die Prismenblöcke und auf der Gegenseite ein Magnet-Anker (gleichzeitig Gegengewicht) befestigt ist, in seinem Schwerpunkt von einem Kreuzfedergelenk geführt und von dem Gehäuse kardanisch entkoppelt.
Der Magnet-Anker ist Teil einer Wirbelstrombremse, die in Abhängigkeit der Tremor-Beschleunigung mit einem entsprechendem Magnetfeld gegenwirkt und so die Ausgleichsbewegung des Stabilisatorrahmens dämpft.
Das System wir werkseitig so eingestellt, dass es in verschiedenen Beobachtungslagen ausgeglichen (in Waage) wirkt.
Und hier beginnt meiner Meinung nach das Problem:
Diese Justage erfolgt über mehrere Tariermassen, die über Gewindegänge in ihrer Position innerhalb des Stabilisatorrahmens verstellt werden können (Abb. 2.11 / Pos. 3 in D. Dobermanns Buch).
Diese Gewichte sind wohl von außen zugänglich, befinden sich aber unter der Gummierung. Verständlich ist, dass das optimale Gleichgewicht nur in einem sehr kleinen Bereich wirksam ist.
Nun reagieren die feinen Biegefedern des Kreuzfedergelenks im nicht arretierten Zustand -also bei gedrücktem Stabiknopf- empfindlich auf Stossbewegungen. Sehr leichte Verformungen bis hin zu starken Deformationen sind möglich.
Gehe ich einmal von einer korrekten werseitigen Justage aus, ... und nehme weiter an, dass der Benutzer, während der zenitnahen Beobachtung, das System nicht durch zu starke Eigenbewegungen an seine Grenzen bringt, könnte ein älteres, häufig gebrauchtes Fernglas, oder eines, dass während der Beobachtung Stößen ausgesetzt war, mit verformten Federn des Gelenks zu kämpfen haben.
Die Tariergewichte säßen dann nicht mehr an ihrer optimalen Position, der Stabilisatorrahmen hätte "Übergewicht"

und würde frühzeitig den Endanschlag berühren.
So würde sich auch die Maßnahme eines Nutzers erklären, der eine Korrektur durch angebrachte Magnete vornahm.
Ob Zeiss sein sehr kompliziert aufgebautes monolithisches Kreuzfedergelenk für sämtliche Beobachtungswinkel ausgelegt hat kann ich nicht sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass, ähnlich einer azimutalen Montierung, die Balance bei größer werdendem Beobachtungswinkel leidet.
Eigentlich arbeitet das 20x60S unter Schwerelosigkeit (auf der ISS) doch optimal, oder? Jegliche Lage ist dem Kreuzgelenk gleich, keine Erdbeschleunigung erschwert seine Arbeit. Wenn ich mir so die Gravitationskarte der Erde anschaue, .... arbeitet das Glas auch an allen Beobachtungsorten gleich gut?
Viele Grüße
Frank