hallo,
ich lese schon noch mit und finde die Diskussion teilweise sehr interssant, vielen Dank dafür. Wir Kellertester können die Genauigkeit von Spiegeloberflächen so ungefähr über die Grössenordnung Qudratzentimeter messen, vielleicht etwas genauer. Das liegt an der möglichen Dichte der Fringes welche die Oberfläche sampeln, und die kann zb beim 24" Spiegel an die 100 Linien sein, welche noch sicher per FFT ausgewertet werden können.
Was darunter liegt bleibt - solange nicht extrem auffällig - verborgen. Rauheit bzw Glätte lassen sich messtechnisch noch nicht recht erfassen und sind schlecht oder gar nicht definiert. Der einzige Tester den ich kenne der sich seit langem auch damit befasst ist Alois Ortner, der neben dem Abbild eines erleuchteten Spaltes auch das von der Optik verursachte Streulicht untersucht. Ein Beispiel hatten wir beim Tak Vergütungsproblem:
http://www.waa.at/bericht/2013/05/20130513sfl21.html
Allerdings, die Grössenordnung von Streulicht im Promillebereich, wie sie hier diskutiert wird, lässt sich so wahrscheinlich nicht recht erfassen. Ich werd ihn mal nach seiner Meinung zum Thema fragen, falls er sich nicht selbst hier einbringt.
Mein Problem mit den 24"ern lag ja leider auch in groben Ungenauigkeiten, die sich leicht messen lassen. Da sind wir vom Streulicht leider Lichtjahre entfernt.
Texereau, den ich auch grad so immer mal schmökere, widmet dem thema einigen Raum, allerdings auch nur mit relativen Aussagen. In Fig 2-37 werden 6 verschiedene micro ripple Darstellungen gegeben und der Polierwerkstoff der sie erzeugt. Durch Auswhl des richtigen Poliermittels sei leicht eine glatte Oberfläche herzustellen - mit Pech und Polierrot. Der Grössenbereich der micro ripples ist mm und die Amplitude einige 1/1000 wave - aber Millionen solcher "Löcher" können eben Streulicht verursachen, bei der einen Methode 50x so viel wie bei der anderen. Wichtig ist das bei starken Helligkeitsunterschieden, wie bei Koronographen oder Beobachtingen von Sirius B. Soweit Texerau.
Da ich selber auch keine Streulichtmessungen gemacht habe, kann ich dazu nicht viel beitragen. Als Gebiet wo keine gesicherten Grundlagen existieren, lässt sich trefflich und eben ohne Hand und Fuss, oder auch mit Hand aber ohne Fuss, manchmal auch ohne Hirn, darüber streiten. Ein glatter Spiegel ist besser als ein rauer Spiegel, logisch, was denn sonst? Aber ist ein glatter Spiegel mit sphärischer Abberation und Strehl 0,8 besser als ein etwas rauerer Spiegel mit Strehl 0,95? Es wird sehr stark auf den Zweck ankommen, und für die wie mir scheint meisten Zwecke würde ich den 0,95 Strehl Spiegel bevorzugen. Aber was ist "glatt" und was heisst "etwas rauer"? Die Zambuto Spiegel jedenfalls werden nicht 0,8 Strehl wegen s.A. haben ;-)
Das Marketing auf einen Begriff aufzubauen den niemand messen und nachweisen kann ist genial, da kann man es eben nicht messen und nachweisen und sinnvoll vergleichen und dafür elendslang drüber diskutieren. Perfekte Werbung! Solange die Spiegel das Vertrauen der Leute nicht enttäuschen, kann Zambuto hinschreiben was er will, das finde ich schon ok. Seine Spiegel werden auch interferometrisch vermessen gute Genauigkeit zeigen, sonst würden die erfahrenen Beobachter was bemerken, das nicht in Ordnung ist. Von Horia habe ich im Astrotreff gelesen dass er auch nach der Zambuto Methode vorgeht und sehr gute Resultate erzielt. Er sollte da mehr darüber erzählen finde ich, das wär doch super.
http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=151706
lg Tommy