Hallo,
Mit Interesse habe ich die letzte Woche diesen Thread gelesen und mir gleich mal das Demo zu BlurXT geladen. Ich wollte aber nichts schreiben, bevor ich es nicht selbst ausführlich getestet habe. Die ganze Theorie im Hintergrund ist sehr interessant, sowohl hier als auch in diversen YT-Videos. Aber letztendlich zählt für mich, was es mir bei meiner Bildernverarbeitung bringt. Und ich wollte sehen, ob die Daten wirklich so unrealistisch aussehen, was ja zu den wildesten Spekulationen geführt hat. Aber ich vermute, dass es vielen Leuten an Erfahrung mangelt, was schon bisher mit Deconvolution möglich war, so das BlurXT für sie wie ein viel zu großer Schritt wirkt. Was er aber nicht ist.
Mein Fazit gleich vorweg:
BlurXTerminator - ja, bitte - unbedingt!
Wie komme ich dazu. Nun, bisher habe ich die Bilder aufwendig in 3 verschiedenen Programmen geschärft. Deconvolution in Astroart, dann Higpass-Filterungen in PS und zuletzt seit einiger Zeit schärfen mittels Topaz AI-Sharpen. Das dauert seine Zeit und hat auch Nachteile, wie nun im Detail erklärt.
In Astroart gibt es eine sehr gute Deconvolution, bei der man in einer Matrix selbst Werte eintragen kann, oder über Gaußverteilung unterschiedlich große Radien wählt. Es gibt auch die PSF, aber damit hatte ich nie Erfolg. Hier kann ich die Sterne etwas verkleinern und die Details in den Objekten ein wenig schärfen. Aber nicht getrennt voneinander, sondern nur gemeinsam. Ein Zuviel führt sofort zu Artefakten. Selbst mit jahrelanger Erfahrung brauche ich mehrere Versuche, bis ich einen guten Kompromiss gefunden habe.
Dann in PS kann ich Sterne und Objekt getrennt vin einander bearbeiten. Ich kann die Sterne bei Bedarf weiter verkleinern und schärfen und ich kann mit Highpassfiltern, ähnlich dem Waveletfilter, die Strukturen im Objekt bearbeiten. Dazu brauche ich immer wieder sternlose Bilder, die zu berechnen viel Zeit kostet.
Zuletzt gibt es von Topaz mit dem AI-Sharpen eine sehr gute Software zum Schärfen, die aber überhaupt nicht für die Astrofotografie gedacht war. Sobald die Details in den Objekten an Schärfe gewinnen, sind die Sterne komplett zerstört. Also muss ich dieses Ergebnis mittels Masken im PS im Bild integrieren. Als diese erwähnten Schritte dienen nur zur Schärfung und stellen bei mir locker 50% der gesamten Bildbearbeitungszeit in Anspruch.
Was sehe ich nun nach einem Klick mit BlurXT? Das, was ich sonst nach 1-2 Stunden konventioneller Bearbeitung erreiche!!!
Ich sehe keine Strukturen oder Details, die ich nicht auch schon bisher rausarbeiten konnte. Im Gegenteil. Da ist noch etwas Arbeit notwendig, um das bisherige zu erreichen. Aber 90% der Arbeit sind auf einem Klick erledigt. Ich sehe keine Spur von Fremddaten. Diese Befürchtungen sind also reine Spekulation und Unsinn.
Hier ein paar Beispiele meiner bisherigen Versuche:
Ich habe sogar einmal einen Test gemacht, bei dem BlurXT Fehler produziert. Dieser kleine Ausschnitt aus dem Rosettennebel zeigt mit BlurXT keine Strukturen mehr in den ganz dunklen Bereichen des Dunkelnebels. Das ist nur mehr eine Füllung mit einem Grauwert. Erst nach Erweiterung des Ausschnittes bis zum dunkleren Himmelshintergrund waren die Dunkelnebel wieder OK.
Was macht BlurXT mit Bildern ohne Sterne und fertig gestreckt? Ebenfalls eine tolle Schärfung!
Zum Test nahm ich einen Ausschnitt aus einer Makroaufnahme, wo dieser Teil nicht mehr im Fokus lag. Im Vergleich zu AI-Sharpen liefert BlurXT eine fast idente Verbesserung.
Damit ist erwiesen, dass man BlurXT auch gegen Ende der Bildbearbeiung verwednen könnte und keine Sterne braucht.
BlurXT ist also kein Wundermittel, das mir neue Welten eröffnet. Aber es nimmt mir sehr viel Zeit ab. Um BlurXT erfolgreich zu verwenden braucht es aber auch sehr gute Daten. Die S/N muss entsprechend hoch sein. Rauschen, sollte wenn möglich im Rohstack nicht mehr sichtbar sein. Wenn ich Bilder getestet habe, die mehr Rauschen zeigten, dann waren die Ergebnisse entsprechend schlechter. Ich erhielt schneller Artefakte und konnte weniger Details rausarbeiten. Aber das war früher genauso. Wo keine Information drinnen steckt, kann sie auch keine SW hervorkitzeln. Damit ist BlurXT wohl eher ein Werkzeug für den fortgeschrittenen Astrofotografen und keine Wunderwaffe für den Anfänger. Man muss sie auch dosiert und immer mit kritischen Blick zurück auf das Ausgangsmaterial verwenden. Gute Referenzaufnahmen können auch helfen zu prüfen, ob das, was zum Vorschein kommt, auch der Realität entspricht, oder ob schon Artefakte produziert werden. Den in diesem Fall muss man die Intensität zurückfahren, den Effekt also reduzieren.
Ich freu mich auf jeden Fall schon auf künftige Ausarbeitungen damit. Diese werden schneller gehen und mir bleibt dann vielleicht noch Zeit für einen Film oder ein Bier mit Freunden.
In diesem Sinne, Prost und schöne Feiertage!
Manfred