Sonden zum Mond

Ich bin gespannt was sich da zeigen wird. Abwarten, Tee trinken...

CS Jörg
 
Der Treibstoff scheint knapp geworden zu sein... :unsure: _jungeschlagen:
HakutoR.jpg

Gruss
Thorsten
 
Hallo!
Der Treibstoff scheint knapp geworden zu sein... :unsure: _jungeschlagen:
Bin gespannt, ob man den Grund erfährt, wie das passieren konnte. Private Unternehmen sind da nicht immer sehr auskunftsfreudig.

Und was die Statements einige Beiträge weiter oben zum Thema Apollo Guidance Computer im Vergleich zu einem modernen Taschenrechner angeht, kann ich allen Interessenten das Buch „Digital Apollo“ (Digital Apollo: Human and Machine in Spaceflight (Mit Press) : Mindell, David A.: Amazon.de: Bücher) empfehlen. Es ist wirklich gut und verständlich geschrieben und beschreibt nicht nur Aufbau und Funktion des Gerätes, sondern auch die Geschichte seiner Entwicklung. Sehr lesenswert, wenn man sich für die Materie interessiert. Wer es noch genauer wissen will, dem kann ich auch noch „The Apollo Guidance Computer“ (The Apollo Guidance Computer: Architecture and Operation (Springer Praxis Books) : O'Brien, Frank: Amazon.de: Bücher) empfehlen, das ist allerdings nahe an der Hardware und verlangt schon fast nach einem abgeschlossenen Informatikstudium...

Grüße
Maximilian
 
Hallo,
Interessiert mich zwar, aber wie mit so vielem, auf Platz 12345 der To-Do Liste kommt man nie dazu.
Kannst du vielleicht einfach ein paar kurze Zeilen dazu schreiben? :affemund:
Zu dem Thema habe ich mal einen Vortrag an unserer Sternwarte gehalten (weil „Astronavigation“ auch in den Apollo Computer integriert war) der etwa eineinhalb Stunden gedauert hat...
Trotzdem versuche ich es mal in Stichworten:

Der Apollo Guidance Computer (ich kürze ihn ab jetzt mit AGC ab) ist ein rein digitaler Rechner. Zu der Zeit gab es noch keinen Mikroprozessor oder Mikrocontroller, aber schon integrierte Schaltungen. Man entschied sich dafür, für den Rechner nur einen Typ von Logikgatter zu verwenden, nämlich ein NOR-Gatter mit drei Eingängen. Wenn man genügend von diesen verschaltet (einige Jahre lang hat die NASA für das Apollo Programm fast die komplette Chip Produktion der USA abgenommen) lässt sich ein kompletter Rechner daraus aufbauen.

Als Arbeitsspeicher kamen Magnetkernspeicher zum Einsatz und zwar 2048kWorte bei einer Wortlänge von 16 Bit also nach heutiger Zählweise 4kBytes (daher die häufigen Vergleiche mit Taschenrechnern, die an dieser Stelle allerdings schon wieder enden, denn ich habe noch keinen Taschenrechner mit eingebauter Trägheitsnavigation und Landeradar gesehen ;) ). Der Programmspeicher bestand ebenfalls aus vormagnetisierten Magnetkernen, die von erfahrenen Näherinnen in der richtigen Reihenfolge auf lange Kabelstränge aufgefädelt wurden. Diese wiederum wurden dann aufgewickelt und in einem Gehäuse vergossen. Der AGC hatte einen Programmspeicher mit etwas über 36.000 Worten, wiederum mit 16 Bit, entsprechend 75kBytes.

Die Software lief in einem Echtzeitbetrieb mit parallelen Aufgaben, die priorisiert waren. Die Lageregelung hatte z.B. Vorrang vor der Höhenmessung mit dem Landeradar. Der Rechner war mit vielen Bordsystemen verbunden, von denen er Eingaben bekommen hat (Kreisel, Steuerknüppel, Radar, ...) bzw. die er ansteuern konnte, vor allem die Lageregelungs- und sonstigen Triebwerke. Dazu gab es ein Telemetrieinterface zur Bodenstation und ein Bedienterminal für die Crew („DSKY“ = Display and Keyboard). Dessen eine Besonderheit war die Elektrolumineszenzanzeige, denn damals gab es weder Leuchtdioden noch Flüssigkristallanzeigen und die ansonsten gängigen Ziffernröhren („Nixies“) hätten zu viel Strom verbraucht. Weil die Elektrolumineszenzanzeigen Hochspannung benötigen und es damals noch keine Transistoren gab, die damit verträglich waren, hatten die ersten Modelle des DKYS noch Relais, um die Displaysegmente anzusteuern. Und zwar ein Relais pro Segment, mehr als 120 insgesamt. Im Laufe der 60er Jahre wurden dann aber spannungsfeste Transistoren entwickelt, so dass bereits Apollo 11 (und vielleicht auch schon frühere, das müsste ich aber nachlesen) „solid state“ Bordcomputer und Anzeigen hatten. Auf YouTube findet man ein Video von einem fleissigen Menschen, der ein DSKY Display mit Relais nachgebaut hat, allerdings nicht mit Elektrolumineszenz.
Die Tastatur war sehr einfach und hatte nicht viele Tasten, weil sie ja mit Handschuhen bedient werden musste. Eine Besonderheit ist die Eingabe von Werten mit „Verb“ und „Noun“, jeweils Zahlencodes die auswendig gelernt werden mussten. Mit dem Verb hat man dem Computer gesagt, welche Funktion man wollte, z.B. „Zeige an“ und mit dem Substantiv hat man gesagt, „was“ man möchte bzw. einen Wert eingegeben. Ein Beispiel ist die aktuelle Missionszeit, für die man Verb 1 6 Noun 3 6 Enter drücken musste. Ein wichtiger Knopf war auch „Pro“ mit dem man das für den jeweiligen Flugabschnitt notwendige Programm aufgerufen hat (darunter, Launch, TLI, Rendez-Vous, Landung, Wiederaufstieg, Abgleich der Position des Trägheitsnavigationssystems mit Sternpeilungen). Es gibt übrigens eine App für das iPad namens „dsky“ mit der man damit rumspielen kann, was leider ohne Mondlandefähre ziemlich langweiig ist. Die beste Nachbildung des DSKY überhaupt kann man im Film „Apollo 13“ bewundern.

Das Kommandomodul und die Mondlandefähre hatten jeweils einen eigenen AGC, die die im Kern gleich waren, aber mit verschiedenen Interfaces und vor allem verschiedenen Softwarepaketen ausgesestattet waren. Den Anfangsbuchstaben entsprechend hieß die Software des command module „Colossus“ und die des LEM „Luminary“. Colossus hätte z.B. auch die Saturn V steuern können falls deren eigener Computer ausgefallen wäre, dafür fehlte aber die Software für die Landung auf dem Mond.
Insgesamt wurden für die Entwicklung des AGC und seiner Software, beides unter Leitung des MIT, etwa 1.400 Mannjahre aufgewendet, heute politisch korrekt „Personenjahre“, was insofern eine sinnvollere Bezeichung ist, weil die Softwareabteilung von einer Frau namens Margaret Hamilton geleitet wurde. Ganz vieles was heute in der Luft- und Raumfahrt selbstverständlich ist war damals komplettes Neuland, darunter vor allem die Trägheitsnavigation, fly-by-wire, Digitalrechner (die es in Flugzeugautopiloten erst 20 Jahre später gab. Auch Multitasking und priorisierte Tasks gab es bis dahin nur bei Großrechnern und bei Kleinrechnern auch erst Jahrzehnte später wieder - MS-DOS, mit dem einige von uns PC-mäßig noch zu tun hatten, konnte kein richtiges Multitasking. Und Taschenrecher übrigens auch nicht.

Eine Sache noch, weil die Genauikeit erwähnt wurde, mit der Apollo 12 ihre Landeposition neben der Surveyor-Sonde getroffen hat: Grundsätzlich waren die Landeorte der Apollomissionen im „Luminary“-Programm festverdrahtet. Das hat sich bei Apollo 11 dann auch als Problem erwiesen, denn die angesteuerte Landestelle war voll mit hausgroßen Felsbrocken, die man auf den „Lunar Orbiter“ Fotos nicht erkennen konnte. Die Astronauten lagen übrigens während des größten Teiles des Landeanfluges auf dem Rücken und konnten nur die Sterne über sich sehen, falls es dafür nicht zu hell war, denn das Landetriebwerk musste in Flugrichtung zeigen um von der Orbitalgeschwindigkeit abbremsen zu können. Erst sehr spät wurde die Landefähre dann durch Schwenken nach vorne aufgerichtet, so dass die Astronauten ihren Landeort überhaupt sehen konnten. Sie kannten ihn aber sehr gut, weil sie die Anflüge mit Mondfotos im Simulator dutzendfach geübt haben.
Die genaue Landstelle konnte man (eigentlich nicht „man“, sondern nur der Kommandant) anhand einer Marke auf der Strichplatte erkennen, die in die Frontscheibe eingraviert war. Hat man vielleicht auf Fotos von der Landefähre schon gesehen. Genau passend zur Größe der Person, die am Steuer stand, Sitze gab es keine, sozusagen auch festverdrahtet. Als Armstrong gesehen hat, dass die Landestelle nichts taugt, hat er bekanntlich die Steuerung von Hand übernommen, um über das Trümmerfeld wegzufliegen. So eine Landefähre zu steuern ist aber auch für den besten Testpiloten der Welt ein fast unmögliches Unterfangen, weswegen er für seine manuelle Landung dann auch den gesamten Reservetreibstoff gebraucht hat. Wenige Sekunden haben gefehlt und die Mission hätte abgebrochen werden müssen.
Um das in Zukunft zu verbessern, hat man ab Apollo 12 eine kleine Softwareändeung namens „redesignate“ eingefädelt (im wahrsten Sinn des Wortes, die Bits und Bytes waren ja als Ferritperlen auf Kabel gefädelt): Der Kommandant konnte mit der Handsteuerung die Landemarke auf seiner Scheibe auf einen anderen Punkt auf der Mondoberfläche setzen, zu dem der Rechner dann eine neue Navigationslösung berechnet hat. Das war sogar mehrfach möglich (im Rahmen des Treibstoffvorrats), so dass sich Pete Conrad, der Kommandant von Apollo 12, mit Hilfe von zweimal „re-designate“ so genau an Surveyor heranarbeiten konnte. Die genaue Position der Sonde kannte er von auswendig gelernten Mondfotos, die er glücklicherweise während des Anflugs wiedererkannt hat.

Wer noch mehr darüber wissen will muss jetzt aber wirklich das Buch lesen :) (sollten die Japanischen Sondenprogrammierer vielleicht auch!)

Happy landings
Maximilian
 
Zuletzt bearbeitet:
Sowas tut natürlich weh, aber ich denke, die Japaner werden das trotz des Rückschlags hinbekommen, denn sie haben doch recht viel von ihrer Agenda im ersten Anlauf gemeistert. Das muss ihnen erst jemand nachmachen. Die Mitbewerber sind ja auch noch nicht "heile" gelandet.

CS
Jörg
 
Gerade eine Email von Astrobitic erhalten. Der Start der Ula Vulcan mit dem Peregrine Lander sollte ja ursprünglich am 04.05. starten. Leider erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben, da es bei einem Testlauf der zweiten Stufe zu einer Explosion gekommen ist. Das Problem muss erstmal geklärt werden bevor es zur Zertifizierung für den Start kommt. Leider…

PEREGRINE MISSION ONE UPDATE
Peregrine is assembled and ready for its journey to Florida for integration with our launch vehicle, United Launch Alliance (ULA)’s Vulcan Centaur. While the Astrobotic team is looking forward to launch, we understand ULA is conducting an investigation following a test article anomaly. The ULA team is no longer targeting a May 4, 2023 launch date and will provide a new date once the investigation is complete. We have confidence they will move through the investigation and Vulcan will fly when it is safe to launch. Follow our social media channels for up-to-the-moment news about when and how to tune in for launch and landing!
 
Ich hab's nicht genau verfolgt was da passiert ist.
Soviel ich weiss ist das was explodiert ist aber nicht die Oberstufe die fliegen soll.
Trotzdem will man natürlich wissen warum es bumm gemacht hat.
Schliesslich soll deine Nutzlast ja am Stück bis zur Mondoberfläche kommen!

Gruss
Thorsten
 
Der LRO hat die Reste von Hakuto-R gefunden. Vier Bruchstücke wurden erspäht.

Ausserdem hat der indische Chandrayaan-3 Lander möglicherweise einen Starttermin, den 12. Juli.

Das würde bedeuten, dass es im Sommer sehr zahlreich zum Mond geht:
  • Juni/Juli: Vulcan Centaur + Peregrine
  • 12. Juli: Chandrayaan-3
  • 13. Juli: Luna-25 (keine Ahnung ob der Termin noch steht)
  • Aug/Sep: IM-1 / Nova-C
Wie immer sind solche Listen mit gehöriger Skepsis zu genießen. :cool:
Und: Wer wird der erste dem die Landung gelingt? :eek:

Gruss
Thorsten
 
iSpace hat einen Artikel mit der Erklärung für den Absturz veröffentlicht.
Es war... wie könnte es anders sein... mal wieder... ein Software Fehler. _jungeschlagen:

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat der Lander eigentlich einwandfrei funktioniert. Nur der Höhenmesser hat falsche Daten geliefert, und deshalb ist die Sonde "weich gelandet", aber in 5km Höhe! Dort dann langsamer Schwebeflug abwärts bis... tja, der Sprit aus war.

Und warum zeigte der Höhenmesser falsch? Die Software machte wohl ständig sowas wie eine Plausibilitätsprüfung, und plötzlich waren die Daten nicht plausibel! Weil die Sonde über einen drei Kilometer hohen Kraterwall geflogen ist und das hat die Software als Fehler interpretiert. Daraufhin hat sie sich wohl irgendwie wieder neu aber leider falsch kalibriert.

Bei den Bodentests ist das nicht aufgefallen, weil der Landeort relativ spät während des Projekts geändert wurde und mit dem neuen Landeplatz die entsprechenden Tests nicht mehr wiederholt wurden.

Oder so... :cool:

Gruss
Thorsten

PS: Video von Scott Manley
 
Der indische Chandrayaan-3 Mondlander hat ein Startdatum!
Donnerstag 13. Juli um 11:00 MESZ.
Der Flug dauert dann über einen Monat, die Landung soll um den 23. August herum erfolgen.

Gruss
Thorsten
 
Chandrayaan-3 Mondlander Start voraussichtlich jetzt am Freitag 14. Juli um 11:05 MESZ.
Es gibt für den Start einen Live-Stream!

Gruss
Thorsten
 
Aber die Landung, die Landung. Das ist der Knackpunkt. Hoffentl. läufts besser als beim letzten mal. :y:

Thomas
 
Zumindest Datum und Uhrzeit sind jetzt bekannt:
Chandrayaan-3 Mondlandung am Mittwoch 23. August 2023 um 14:17 MESZ.

Die russische Luna-25 soll ja so um den 11. August herum starten und dann mehr oder weniger am gleichen Tag wie Chandrayaan landen.
Das wäre wirklich cool wenn innerhalb von 24 Stunden gleich 2 Sonden erfolgreich und gerade mal 100km voneinander entfernt auf dem Mond landen würden. :coffee:

Gruss
Thorsten
 
  • Like
Reaktion: ThN
Chandrayaan-3 ist weiter auf gutem Weg.

Falls sich jemand fragt warum die Sonde so lange braucht, das liegt daran dass das Bordtriebwerk (bzw. es sind vier so viel ich weiss) ziemlich schwach auf der Brust ist. Der effizienteste Punkt für den Einschuss in eine Trans-Lunar Bahn ist ja bekanntlich im Perigäum der Bahn, und würde man den komplett in einem Manöver machen, würde das sehr lange dauern (viele viele Minuten), und in dieser Zeit entfernt sich die Sonde schon deutlich vom idealen Punkt, d.h. das ganze wird ziemlich ineffizient. Deshalb stattdessen mehrere Orbits mit zunehmendem Apogäum.

Es wurden schon vier dieser Manöver erfolgreich durchgeführt, das fünfte erfolgt am 25. Juli.
(Der Tweet enthält eine recht instruktive Grafik.)

Danach geht's dann zum Mond und dort die gleiche Prozedur für's Abbremsen.

Gruss
Thorsten
 
Außer Chandrayaan-3 und Luna-25 ist noch eine weitere Sonde auf dem Sprung:
Der japanische "Smart Lander for Investigating Moon", kurz SLIM.

Geplanter Starttermin ist der 26. August um 02:35 MESZ.

Das Landegewicht soll etwa 210 kg betragen.
Landeort ist neben dem Shioli-Krater (nie gehört...) bei etwa 13.322 S, 25.232 E.
Das ist zwischen Theophilus und Cyrillus, westlich des Mare Nectaris.

Wieviele der anstehenden drei Mondlandungen wohl tatsächlich klappen werden? :D

Gruss
Thorsten
 
Scott Manley hat ein Video gemacht darüber, warum Chandrayaan-2 damals abgestürzt ist.
Nicht ganz einfach zu verstehen, wer sich für so Kram interessiert, anschauen. Man muss das aber nicht gesehen haben.

Es war wohl so dass die Software kaum fehlertolerant war und immer davon ausgegangen wurde, dass die vorhergegangene Flugphase korrekt beendet würde. Das war bei der ersten Phase, der "rough braking phase", wohl auch der Fall, aber nicht bei der zweiten, die der Beobachtung mit der Kamera diente. Aus der kam die Sonde zu hoch und zu langsam heraus, und zusammen mit einer Begrenzung der Rotationsrate auf maximal 10°/s führte das dann dazu, dass sich die Sonde quasi auf den Kopf stellte um die Bahn zu korrigieren. Da kam sie dann nicht mehr schnell genug heraus und platsch.

Oder so. Ich hoffe ich habe es halbwegs korrekt widergegeben.

Für Chandrayaan-3 hat man nun alles super fehlertolerant programmiert (bis 6-Sigma!!).
Klappt es dieses mal endlich?
Ich würde mal vorsichtig auf ja tippen... :whistle:

Gruss
Thorsten
 
Zurück
Oben