Hallo Eckyyy, liebe Mitleser,
1.
…also ich möchte eigentlich nur ein gutes Spiegelteleskop, das .... u.a.kein Tubusseeing hat ! …
Ganz ohne Tubusseeing gibt es nicht. Was man alles beachten muss damit man näherungsweise diese Art von Störungen überwinden kann wird ja hier ausführlich diskutiert. Allem Anschein nach gibt es dafür kein allgemeingültiges Patentrezept. Wenn man den für Kompaktgeräte typischen Blechtubus weglässt dann hat man zwar kein Tubussseing aber dafür verstärkt andere Probleme, wie z.B. das durch den Beobachter verursachte Seeing.
2.
…was relativ unempfindlich ist gegen Shifting…
Dann musst du eben die preisgünstigen Standard- Typen mit HS- Verstellung ausklammern oder auf relativ teure Sonderlösung setzen. Keine Ahnung ob es da schon welche „von der Stange“ gibt.
3.
Ich kenne kein Kompaktsystem welches nicht justierempfindlich ist. Es gibt aber erhebliche Unterschiede bei der mechanischen Lösung dieses Problems.
4.
…ich möchte nur einfache verständliche Antworten auf ein möglichen alternativen Fernrohrtyp , welcher zuverlässig gute Bilder zeigt …
Ich auch :Trost:. Aber was soll man denn erzählen wenn die physikalisch- technologischen Zusammenhänge kompliziert und dazu nur sehr unvollständig experimentell überprüft worden sind? Oder weiß vielleicht jemand von einer Versuchsserie bei der jeweils ein typisches SC. MAC, als Alternative ein Klevzow und dazu noch 2 oder wie viel weitere Typen nebeneinander am Himmel und ebenso im Labor getestet worden sind?
5.
.…Wo mag denn bei einem solchen offenen High End System der Haken sein?...
Keine Ahnung, das würde sich zwar bei der vorgenannten Versuchsserie herausstellen. Der Haken ist nur, diese wird niemand finanzieren können.
Was uns bleibt das ist der Meinungs- und Erfahrungsaustausch. In diesem Sinne möchte noch etwas von meinen Senf beisteuern. Um mich aber nicht wiederholen zu müssen zitiere ich lieber eigene einschlägige Beiträge:
1.
Temperaturmessungen an Spiegelrohling im IR
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=1565
2.
"live"- Temperaturmessung an einem 8“ Dobson http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=1678
3.
Wirkung von Tubusturbulenz im "Labor" fotografiert
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=1678
4.
"life“ -Temperaturmessungen an einem 10 –Cassi
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=1735
5. Temperaturmessung mit/ohne Zwangsbelüftung
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=2126
6.
Temp.- Messung und Zwangsbelüftung – Fortsetzung
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=2065
7.
nächtliche Abkühlung und Borofloat- Spiegel
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=8806
8.
Erster nutzbarer Einsatz meines Bath- I- Meters
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=9777
9.
Messung Bodenseeing mit dem Bath- I- Meter (Forts)
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=10537
(Sorry dass diese Berichte alle im astrotreff stehen. Aber so lange man ein eine eigene Homepage pflegen muss um reich bebilderte Berichte hier posten zu können geht das für mich nicht anders).
Noch etwas zu meinem nunmehr abgeschlossenen Auskühlversuch an dem TAL 200K:
Mittlerweile hab ich Messungen nach 8h sowie 23h Auskühlzeit ausgewertet. Die Raumtemperatur des Prüfstand blieb während dieser Zeit im Bereich von unverändert bei 17°C +/- 0,5°C konstant. Bei nächtlicher Auskühlung unter klarem Himmel würde die Lufttemperatur in den allermeisten Nächten stetig sinken. Beispiele dazu siehe unter Verz.5. 6. und 9. oben.
Mein Laborversuch lief demnach unter der idealisierten Randbedingung : Außentemperatur annähernd konstant. Das Endergebnis in den beiden Bildern im Anhang dargestellt.
Danach reichen hier 1,5 Stunden Auskühlzeit für ca. 6° Temperaturdifferenz noch nicht aus um das Teleskop thermisch so weit zu stabilisieren, dass im weiteren Verlauf keine merkliche opt Änderung mehr auftritt. Das hat mich ehrlich gesagt verblüfft. An könnte annehmen der relativ massige HS sei eben nach 1,5h noch nicht ganz „gar“. Dummerweise ist dieser aber aus Glaskeramik, die bekanntlich einen verschwindend kleinen Wärmeausdehnungkoeffizienten hat. Man konnte auch keine Luftschlieren im Strahlengang mehr erkennen (Labor - Sterntest oder PDI bei Einstellung auf wenige Interferenzstreifen ).
Bei solchen Überraschungen ist es ratsam etwas gründlicher zu prüfen wie genau denn die Messergebisse überhaupt sein können. Im einfachsten Fall schaut man sich die Einzelmessungen an. Gewohnheitsmäßig mache ich nämlich bei solchen Versuchen mindestens 2 oder auch 3 Einzelmessungen je Einstellung. Hier wurden also 2 I- Gramme nach 1,5 h und jeweils 3 I- Gramme nach 3 h, 8h, und 23h Auskühlzeit aufgenommen und ausgewertet:
RMS- Einzelwerte für SA in Wellenlängen
1,5 h Versuch A: 1/10,9 1/10,6
3 h Versuch B: 1/31,7 1/30,1 1/29,5
8 h Versuch C: 1/37,5 1/35,5 1/27,6
23 h Versuch D: 1/30,7 1735,1 1/30,1
Diese Ergebnisse bestätigen dass die thermische Anpassung hier erst nach ca. 3 h Auskühlzeit gesichert ist. Nach meiner Einschätzung liegt das an der thermisch ungünstigen Position des Mangin- Sekundärspiegels. Dieser ist vorne und hinten durch eine mehrere mm dicke Luftschicht zum Meniskus bzw. zur Rückwand von freien Luftraum abgeschottet. Außerdem muss er aus opt. sauberem Glas gefertigt sein,, z. B. aus Kronglas. Dessen Wärmeausdehnungskoeffizient ist mit ca. 0,000080/K relativ ungünstig. Man könnte das Problem durch Verwendung von opt. sauberem Quarzglas lösen. Dessen WA beträgt nur 0.0000045/K. Es ist aber sehr teuer.
Noch eine Anektote zur Auskühlung und Abstahlung von relativ dicken Spiegeln:
Als Spiegelschleifer sollte man sein vermeintlich oder tatsächlich hochstrehliges Prachtstück vor der Verspiegelung am Himmel testen. Das geht an Mond hellen Sternen und Planeten problemlos, wenn das übrige Teleskop schon gebrauchsfertig ist. Das hab ich auch mit meinem 42 mm dicken 10“ in dem vorbereiteten Gitterrohrtubus gemacht. Zu meinem Erstaunen war der Spiegel aber bereits nach ca. 1/h Stunde mit Tau beschlagen, während der zierliche FS völlig blank geblieben war. Diesen Test hab ich mehrfach wiederholt und das Ergebnis war immer gleich: HS nass nach ca. ½ Stunde unter klarem, dunklen Himmel. Nachdem der HS standardmäßig mit Alu + Schutzschicht belegt war hat er nie wieder Tau oder Raureif angesetzt.
Gruß Kurt